ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks
Mit Öffentlichkeit umgehen können. Ein Beitrag zur Twitterwall Diskussion
Matthias Richel hat mit seinem Blogposting eine Diskussion um die immer schon umstrittene Twitterwall neu entfacht. Bei einer Twitterwall werden die Tweets zu einer Tagung gesammelt und auf eine Leinwand gebeamt. Warum diese Walls immer im Rücken der Referenten stehen ist nicht so richtig geklärt. Dennoch ist die Twitterwall selbst nicht in Frage zu stellen, sondern der Umgang mit Öffentlichkeit.

hschmidthamburg by-nc-sa
Ich kann die Diskussion um die Twitterwall nicht nachvollziehen. Ob Twitterwall oder nicht, getwittert wird trotzdem. Wenn dann ist Twitter das Problem und das kann keiner ernsthaft behaupten wollen. Warum kann man die Wall nicht an die Seite stellen, damit die Referenten sich nicht verbiegen müssen. Twitterwalls haben sicherlich eine eigene Dynamik, dennoch sind es die TeilnehmerInnen im Plenum, denen keine Verletzung zu gemein sein kann, um einen Lacher für sich verbuchen zu können. Wer unbedingt und ungeschminkt die Wahrheit sagen muß, sollte sie trotz 140 Zeichen nett verpacken können. Wird die Twitterwall jedoch abgebaut, findet das Gelächter dennoch an den Laptops im Plenum statt und die Referenten sind erst recht gelackmeiert, weil sie nicht mitlachen können.
Es sollte also keine Diskussion über die Twitterwall ja oder nein geführt werden, sondern eine Diskussion über den Umgang mit Öffentlichkeit. Es ist egal, ob meine Tweet 5000 oder 30 Menschen lesen, entscheidend ist, das mir die Reaktion auf meinen Tweet klar sein muß.
Auch wir werden auf der Tagung eine RSS-Wall haben. Keine originäre Twitterwall, sondern eine Wall, die auch die flickr-Fotos, delicious-Bookmarks, Vimeo-Videos und Blogbeiträge aggregiert. Dabei werden die Beiträge auch gespeichert und dienen somit als eine Form der Dokumentation der Veranstaltung.
| Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Guido Brombach für pb21.de. |
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Guido Brombach am 4. Februar 2010 um 21:42 veröffentlicht und unter Dienste & Werkzeuge, NetzWelt & NetzPolitik, Tagung Feb. 2010, Twitter / Microblogging, Vorträge abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |




vor 3 Jahren
Finde ich gut, so sehe ich das auch. Sollten wir dann auch noch mal mit @mspro diskutieren.
vor 3 Jahren
Die Diskussion erinnert mich an mein Metaplan-Moderations-Seminar mit Ulrich Martin Drescher im Frühjahr 1992. An die Stelle der maximal 5 Wörter auf einem Metaplanzettel treten nun die 140 Zeichen.
Repräsentanz und das geteilte Ergebnis sind im Twitter-Gewitter allerdings geschwächt. Das Sharing wird zu einer Dissoziations-Technik: jeder mit seinem oder ihrem Vorbehalt. Kommunikativ ist das ein technisch aufgemotzter Rückschritt für Organisationsarbeit.
Als die ersten Astronauten auf dem Mars landen, zeigt ihnen ein grüner Marsmensch die Fabrik, in der die kleinen grünen Marsmenschen gemacht werden. An dem einen Ende der komplexen Maschine wird ein kleines Kügelchen reingesteckt, am anderen Ende kommt ein fix und fertiger Marsmensch heraus, kann und weiß sofort alles. Die irdischen Astronauten sagen beschämt, ach wir machen das alles immer noch mit Mann und Frau, und wie das dauert! Dazu sagt der Marsmensch: Was glauben Sie denn, wie wir die kleinen Kügelchen machen?