Educaching – Lernen wie im echten Leben I

Foto „Educaching“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0.

Foto „Educaching“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0.

Einleitung

Zu Beginn sollte eigentlich zu lesen sein, was educaching ist und wie die Verknüpfung zur Integration in den Bildungsprozess herzustellen ist. Dazu möchte ich allerdings auf einen schon geschriebenen Text verweisen, den Sie unter vom Geo- zum Educaching finden können. Dieser Artikel möchte sich in 2 Teilen damit beschäftigen, wie sie selbst schrittweise einen solchen Educache konzipieren können. Dabei formuliere ich eine ganz bestimmte Vorstellung von Educaches. Der Spielraum liegt sicherlich im Rahmen des Erfindungsgeistes der Bildungsreferent/innen. Den Artikel können sie auch als pdf downloaden. Ein Educache sollte im Idealfall eine Geschichte erzählen. Deshalb muss diese zuerst gefunden bzw. geschrieben werden. Unter dem Spiegelableger Einestages finden sich dazu eine Reihe an interessanten Anregungen aus dem zeitgeschichtlichen Bereich. Die Inszenierung der Geschichte wird dann mit Hilfe der in diesem Artikel beschriebenen  „Ideensammlung für Aktivitäten“ umgesetzt. Der Cache sollte deshalb in jedem Fall mehrere Stationen beinhalten und jede Station sollte mit einer Aufgabe verbunden werden.

Fachbegriffe rund um das Educaching

GPS: Global Positioning System = Ein auf Satelliten basierendes System zur Positionsbestimmung Cache: Behälter, in dem sich in der Regel mindestens ein Logbuch befindet Logbuch: Kleines Buch, in dem man seinen Namen schreibt und nachzuweisen, dass man dort gewesen ist loggen: In das Logbuch schreiben Owner: Jemand, der einen Cache pflegt, d.h. jemand, der zerstörte Caches ersetzt Muggel: Jemand der nicht weiss, dass es diese Caches gibt Hint: Hinweis auf das Versteck des Caches QR-Codes: Ein Strichcode, ähnlich dem Barcode, wird u.a. genutzt zur Positionsbestimmung in geschlossenen Räumen

Fragen zum Konzept

Caches können zur Stärkung der sozialen Kompetenzen, zur Erschließung eines historischen Sachverhaltes oder auch als Einstieg in einen politischen Diskurs konzipiert werden.In welchem Zusammenhang ist mein Cache in den Bildungsprozess eingebunden? Sollen bestimmte Verhaltensweisen reflektiert werden? Soll spielerisch ein Inhalt erschlossen werden? Ist das Thema eher faktenorientiert oder stark emotionalisiert? Handelt es sich um den Einstieg in ein Seminar oder kennt sich die Gruppe schon besser? Daraus ergeben sich Konse-quenzen f¸r das Design des Caches.

Rahmenbedingungen

Die Orte sollten schon vorher einmal grob festgelegt werden. Die Auswahl der Orte sollten von den möglichen Verstecken und geplanten Aktivitäten abhängig gemacht werden. Die Gruppe sollte nicht größer als 3 Teilnehmer_innen sein. Dabei sollte Navi, Karte und Cachebeschreibung auf die Teilnehmer_innen verteilt werden um zu gewährleisten, dass jeder in der Verantwortung steht, dass die Expedition gelingt Die Kleingruppe darf sich nicht trennen und sollte mit Dokumentationsmaterial ausgestattet werden, wie z.B. einer Fotokamera, Stift und Papier, vielleicht auch einer Flip (kleine Filmkamera -> siehe unten Ideensammlung für Aktivitäten). Der Cache sollte so konzipiert werden, dass ein Scheitern nicht möglich ist. Es sollten entsprechende Hinweise gegeben werden und der Cache sollte nicht schwer zu erreichen sein.

Foto „Sammlung möglicher Cache Verstecke“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0.

Foto „Sammlung möglicher Cache Verstecke“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0.

Ideensammlung für Cache Verstecke

Da Caches nicht vergraben werden, müssen die Verstecke in die Umgebung integriert werden. Mit Hilfe von Magneten und Kabelbindern werden Caches vor allem oberhalb des Bodens fixiert.

  • Am Fuß von Jagdhochständen mit Kabelbinder fixieren
  • Mit Hilfe von Magneten unter einer Bank fixieren
  • Eigens angeschaffte Vogelhäuschen an Bäumen anbringen
  • In mit Kabelbinder befestigten Wasserrohren (Baumarkt) einwerfen, wird Wasser in das Rohr geschüttet, wird der Cache nach oben gespült
  • In einem Baumstumpf
  • Zwischen 2 Strassenschildern

Ideensammlung für Aktivitäten

An den einzelnen Stationen können eine Reihe unterschiedlicher Aufgaben den Cache beleben. Grundsätzlich sollte die Expedition dokumentiert werden (Flip und/oder Fotokamera), so hat man im Anschluss auch genug Reflektionsmaterial.

  • Eine Zahl finden oder errechnen, die die Koordinaten für die nächste Station freigeben (z.B. N 59.A.045, E 007.34.A-65, A=34, die Zahl war auf einem Baum als Wanderzeichen markiert)
  • Die Gruppe soll ein Foto von sich machen, dabei darf keiner fehlen. D.h. es muss ein Fotograf gefunden werden oder der Selbstauslöser muss zum Einsatz kommen
  • Die Gruppe soll aus vorhandenem Material einen möglichst hohen Turm bauen und das Ergebnis mit einem Foto festhalten
  • Der Cache kann so konzipiert sein, dass die Kleingruppen (ca. 3 TN pro Gruppe, siehe oben) sich gegenseitig Nachrichten hinterlassen. Dazu müßte an jeder Station eine Box zu finden sein und die Geschichte sollte von den Stationen entkoppelt werden.
  • An einem ganz besonderen Ort (Aussichtspunkt, Denkmal, …) könnten die TN ihre Gedanken aufschreiben und in einen Cache hineinlegen.
  • Der Ort, an dem ein Cache versteckt ist, wird bei besonders kniffeligen Verstecken mit einem zusätzlichen Hinweis versehen. Das kann ein Bildausschnitt sein, der das Versteck verrät, aber auch ein Hinweis, der als Rätsel formuliert ist.
  • Um den spielerischen Teil zu betonen, können mit Stiften Hinweise hinterlegt werden, die nur unter UV-Licht sichtbar werden. Entsprechende Gegenstände können der Ausrüstung der Teilnehmenden beigelegt werden, wann sie jedoch benötigt werden, muss die Gruppe selbst herausfinden
  • Caches können sowohl eine lineare Geschichte erzählen, als auch interaktiv Weichen zulassen, dadurch werden die Stationen zahlreicher, aber die Erlebnisse auch individueller. Es würde auch keine  richtige Lösung mehr geben.
  • Caches können auch als Geschichten angelegt sein, in denen man Geschichte aus dem Blickwinkel eines Protagonisten erlebt.
  • Aus gefundenen Zahlen eine Telefonnummer erschließen, die die Schlusskoordinaten telefonisch ermitteln lässt. Ist auch gut um zu wissen, wie die einzelnen Gruppen vorankommen.
  • In geschlossenen Räumen können sog. QR-Codes (siehe oben Fachbegriffe) zum Einsatz kommen. QR-Codes können von Smartphones ausgelesen werden. QR Codes können im Internet erstellt werden. Sie können URLs zu Bildern, Tondokumenten oder Videos enthalten, wenn eine Internetverbindung mit dem Handy möglich ist, können die multimedialen Inhalte auch vor Ort betrachtet werden. Es lassen sich Texte bis 255 Zeichen in einem QR Code unterbringen. Sie lassen sich auf Aufkleber drucken.

Educaching und Technik

Was sich erst einmal nach einer hohen technischen Hürde anhört, muss letztendlich auf die Einrichtung und die Zielgruppe heruntergebrochen werden.

1. Educachen mit dem Smartphone

Smartphones sind Handys, die sowohl über einen GPS-Empfänger, als auch über einen Internetzugang verfügen. Dadurch kann man sämtliche Informationen ins Internet verlagern. Das hat den Vorteil, dass sich die Informationstiefe abstufen lässt. Außerdem sind den angebotenen Medien keine Grenzen gesetzt, auch Videos sind so vor Ort möglich. Benötigt werden Smartphones, die man gebraucht schon zwischen 40 und 80 € bekommt. Eine Prepaidkarte um das mobile Internet nutzen zu können ist schon ab 10 € im Monat zu bekommen.

2. Educachen mit dem GPS-Gerät

Einfache GPS Geräte erhält man schon für 80 €. In auf Outdoor spezialisierten Geschäften kann man häufig auch GPS-Geräte mieten. Alle weiteren Informationen müssen in den Cache vor Ort integriert werden.

3. Educachen mit einem Reader

Das ist wohl niederschwelligste Variante, weil keine Technik benötigt wird. Wegbeschreibungen und entsprechende Karten kann man bei diversen Onlinediensten (google, yahoo, bing (arbeitet mit openstreetmap Karten ), openstreetmap) kostenlos herunterladen. Sie erläutern den Weg von Station zu Station. Eine Einführung in die Technik ist nicht mehr nötig. Alle weiteren Informationen sind vor Ort im Cache zu hinterlegen.

Cachesorten

1. Traditional Cache

Ein einzelner Cache, eine Dose also, die mit einer Koordinate markiert wurde.

2. Multicache

Ein Multicache besteht aus mehreren Stationen. Dabei muss nicht an jeder Station ein Cache versteckt werden. Dennoch befindet sich an allen Stationen in der Regel ein Hinweis der entweder zur nächsten Station führt, oder aber ein Rätsel beinhaltet, das gelöst werden muss.

3. Rätselcache

Auch Mystery oder Puzzle Caches genannt. Häufig muss erst ein Rätsel gelöst werden, das den Hinweis auf den Ort freigibt, an dem der Cache versteckt ist.

4. Nachtcache

Nachtcaches weisen dem/der Suchenden den Weg häufig mit Hilfe von Reflektoren, die nur Nachts sichtbar sind. Unterschiedliche Farben lassen unterschiedliche Wege zu, die am Ende alle zur richtigen Lösung führen können.

5. Eventcache

Dabei handelt es sich häufig um temporäre Caches, die mit einem Anlass verbunden sind und anschlieflend wieder entfernt werden.

6. Earthcache

Diese sehr spezielle Cacheform kommt im Gegensatz zu allen anderen Caches ohne einen Behälter aus. Es handelt sich um sog. virtuelle Caches. Zum Beispiel eine Erdverwerfung, vor der man sich fotografieren lässt. Das Bild wird anschließend an die Owner geschickt, die dann den Cache zum loggen freigeben.

Cacheinhalte

  • Logbuch
  • Tondokument auf einem mp3-Stick
  • historische Bilder des Ortes
  • weitere Informationen zum Ort
  • Eine Frage für das Logbuch
  • Ein QR-Code, für Hinweise in geschlossenen Räumen

Weitere Tipps

  • Schon für wenige Euros bekommt man Behälter, Logbücher, UV-Stifte oder auch Magneten und Kabelbinder in Onlineshops, die sich auf Geocaching-Zubehör spezialisiert haben
  • OpenStreetMap ( Wikipedia für Kartenmaterial) bietet recht gut kartografierte Wanderweg, deutlich besser, als bei den einschlägigen Kartendiensten.

Weiterführende Links:

Ausblick auf den 2. Teil:

  1. Wie erstellt man einen Educache
  2. Beispiele für Caches
  3. Anleitung zur Erstellung einer eigenen Google Map.

Hier können sie den ersten Teil der Anleitung zu Educaching (pdf 266 KB) herunterladen


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Guido Brombach für pb21.de.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Guido Brombach arbeitet als Bildungsreferent für das DGB Bildungswerk. Dort ist er verantwortlich für den Bereich Digitale Kommunikation, Lernen und Medien. Er bemüht sich um die Harmonisierung zwischen der analogen und der digitalen Welt.

Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Geocaching & mobiles Lernen Schlagworte: ,