Educaching – „Eine Form des Lernens, die Spaß bereitet“

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

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Ein Interview mit Martin Kurth vom Haus Neuland, Bielefeld

Sich auf etwas Neues einzulassen erfordert Mut, auch scheitern zu können, und Spass an pädagogischer Innovation. Pädagogische Mitarbeitende des Haus Neuland in Bielefeld haben dieses Wagnis unternommen und die Methode Educaching ausprobiert.

Der Einsatz digitaler Medien ist immer mit dem Risiko behaftet, dass ein Seminar nicht so durchgeführt werden kann, wie es geplant war, weil die Technik versagt. Aber wie geht man mit diesen Unwägbarkeiten um? pb21.de hat mit Martin Kurth, pädagogischer Mitarbeiter in Haus Neuland, über seine Erfahrungen gesprochen. Das ausführliche Interview steht als Podcast zur Verfügung. Kurths Erkenntnisse machen Mut, die digitalen Medien trotz aller Unsicherheiten einzusetzen.

Nach gemeinsamer Planung, die mit dem Kickoff Workshop von pb21 in Hattingen begann, wurden für zwei Seminare mit jeweils ca. 15 Jugendlichen im Alter von 15-18 Jahren eine Educaching-Einheit konzipiert.

Zur Reflexion des Pilotprojekts wurde mit dem pädagogischen Mitarbeiter Martin Kurth vom Haus Neuland im Anschluss an die Veranstaltung ein Telefoninterview durchgeführt. Während des Gesprächs wurde deutlich, dass die Referenten des Haus Neuland bereits digitale Medien als Methode in ihrer Bildungsarbeit einsetzen.

Martin Kurth erzählte von Videoseminaren zum Thema Gewaltprävention, Wiki- und Foren-Erstellung als methodisches Mittel, sowie von Kleingruppenarbeit mit der Plattform Mixxt. Mit der Ausnutzung aller verfügbaren Funktionen der Plattform Mixxt erstellten Gruppen eine umweltpolitische Verschwörungstheorie, wodurch sie an das Thema der Medienmanipulation herangeführt werden sollten. Aufgrund eingeschränkter (technischer) Möglichkeiten müssen die Mitarbeiter des Haus Neuland jedoch im Regelbetrieb auf „analoge“ Lehrmethoden zurückgreifen. Zurzeit hat der Einsatz digitaler Medien daher nur einen experimentellen Status.

Herr Kurth berichtet in dem Podcast ausführlich vom seinem „Experiment Educaching“. Geplant war ein sogenannter Geoquest auf der Basis einer Smartphone Software, die von der Uni Bonn entwickelt wurde. Dazu wurden in der Vorbereitung Geschichten geschrieben und mit GPS-Koordinaten von Orten rund um Haus Neuland verknüpft. Die konzipierten Aufgaben orientierten sich an einem erlebnispädagogischen Ansatz. Die formulierten Fragen führten zum jeweils nächsten Ort. Die verschiedenen Teilnehmenden der beiden Seminare zu erstens Medienkompetenz und zweitens Zivilcourage sollten so an ihre Themen herangeführt werden.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Herangehensweisen bei der Planung eines Educaches:

1. Der Ort deckt sich mit dem zu vermittelnden Inhalt. (z.B. Antikriegs-Mahnmal)

2. Ort und Inhalt stehen in keinem Zusammenhang.

Die Referenten von Haus Neuland haben sich für die 2. Möglichkeit entschieden, deshalb war es auch möglich, die Schatzsuche statt in den Wald in die Räumlichkeiten von Haus Neuland zu verlegen.

Aufgrund von Schwierigkeiten mit den Smartphones erhielten die Teilnehmenden Unterlagen, auf die die Referenten die Anweisungen und Fragen der digital gestützten  Educaching-Einheit auf Papier übertragen hatten. Eine Frage lautete zum Beispiel „Wisst ihr noch, welche 4 Grundkompetenzen Medienkompetenz ausmachen? Schreibt sie auf!“, eine andere „Schätzt mal: in wie viel Prozent der Haushalte in Deutschland steht ein Computer?“.

Durch attraktive Gestaltung und Ausführung der Route hatten die Jugendlichen nicht nur Spaß beim Finden der Stationen und an der Bewegung, sondern ebenso am Lerninhalt.

In Gruppen eingeteilt machten sie sich an die Aufgaben, zusätzlich motiviert durch den Wettkampfcharakter dieser Einheit und dem Schatz am Ziel.

Ein positiver Lerneffekt war zwar bei den Teilnehmenden festzustellen, könnte aber durch die Möglichkeit den Ort mit dem Inhalt zu verbinden zusätzlich verstärkt werden. Im Interview wurde deutlich, dass der thematische Fokus im Gegensatz zu traditionellen Methoden eng gefasst werden muss, um eine nachhaltige Lernerfahrung zu machen. Seminare zum Thema Umweltschutz könnten zum  Beispiel in freier Natur stattfinden und so das Erlebnis bzw. den Ort mit dem Lerninhalt in Verbindung bringen.

Für die Jugendlichen machte es offenbar keinen Unterschied, ob sie die Schnitzeljagd als herkömmliche oder technikgestützte Version durchführten. Dennoch würde er die digitale Variante im nächsten Seminar erneut ausprobieren wollen, da er eine zusätzliche Motivation durch den Gebrauch digitaler Medien erwartet.

Das Scheitern bzw. die technischen Schwierigkeiten würde ihn nicht davon abhalten, digitale Medien in der Bildungsarbeit einzusetzen.

Resümierend stellt Martin Kurth fest, dass das experimentelle Arbeiten mit neuen Medien eine intensive Vorbereitung und Beschäftigung erfordert, die er für diese abwechslungsreiche Methode gerne in Kauf nehmen möchte.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Henrike Boy für pb21.de.
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