Lernen mit YouTube & Co – Teil II

Einzelbilder Animationsserie. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Einzelbilder Animationsserie. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Animationen selbst erstellen für Einsteiger

In einem früheren Artikel wurde das Thema Animationsvideos schon angesprochen. Wenn es zu einem Thema aber noch keine Animation oder einen Lehrfilm gibt, wäre es schön selbst etwas zu erstellen. In diesem Beitrag sollen drei Möglichkeiten vorstellt werden, wie man mit einfachen Mitteln und kostenloser Software Animationen und sogenannte How-To Videos (Erklärvideos oder Lehrfilme) selbst erstellen kann – auch als Anfänger/in.

Wann lohnt es sich ein Erklärvideo selbst zu produzieren?

Ein erster Faktor ist der Aufwand der Produktion. Eine Animation ist nicht so einfach mal schnell gemacht.

Ein zweiter Faktor ist die Komplexität des zu erklärenden Vorgangs im Zusammenhang mit der Zielgruppe. Benötigt meine Zielgruppe eine solche Animation? Erfordert der Inhalt dringend eine solche Animation oder ist auch eine Grafik ausreichend?

Ein dritter Faktor ist die Verbreitung. Möchte man einen konkreten Vorgang über das Internet erklären, bleibt einem fast keine andere Wahl als die Animation oder das Video.

Bevor man also eine Animation oder ein Video produziert sollte man sich folgende Fragen stellen:
1. Wie oft muss der dargestellte Vorgang im Video erklärt werden?
2. Ist der Vorgang, der erklärt werden soll, wirklich so komplex oder zu theoretisch?
3. Benötigt meine Zielgruppe zum Verständnis eine Animation?
4. Möchte ich meine Erklärung auch über das Internet verbreiten?

Ein paar Fachbegriffe

Beim Thema Animation gibt es eine grundlegende Technik. Das ist die Stop-Motion Technik. Viele Einzelbilder hintereinander abgespielt, führen dabei zu einem Film. Das ist das gleiche Prinzip wie bei einem Daumenkino.

Beispiele Stop-Motion:

Video „Animando o Mundo – Técnicas de Animação“ von Leonardo Reis, nicht unter freier Lizenz.

Bei der Stop-Motion Technik spricht man von den Frames (Einzelbildern). Man benötigt eine gewisse Anzahl von Einzelbildern pro Sekunde (Frames per second, fps), damit eine Animation „flüssig“ aussieht, also nicht abgehackt oder unnatürlich wirkt. Man kann damit auch kreativ umgehen und bewusst auf eine gewisse Anzahl von Einzelbildern pro Sekunde verzichten um dies als Effekt zu nutzen. Fps ist also eine Maßeinheit für die Bildfrequenz. Beim Fernseher haben wir normalerweise 16 fps, im Kino sind es 24 fps. (Nochmals zurück zum vorhergehenden Absatz und der Frage des Aufwandes: Eine Animation von einer Minute würde dann aus 960 Einzelbildern bestehen. Bei fünf Minuten sind es schon 4800 Bilder oder Grafiken!)

Jetzt geht es los! – Das Storyboard

Ein Storyboard dient als roter Faden und Struktur für das Erklärvideo. Egal wie ein Video produziert wird, besteht es doch meist aus vielen verschiedenen Szenen. Diese Szenen aneinander gereiht ergeben den Film. Das Storyboard hilft, keinen wichtigen Aspekt zu vergessen. Sobald man weiß, welche Technik verwendet wird, kann man im Storyboard zum Beispiel auch Materialien notieren, die für die jeweilige Szene benötigt werden. Hier findet man Beispiele und Vorlagen für ein Storyboard.

Tipp: Das gute Storyboard mit guter Vorbereitung ist schon mehr als die Hälfte des Films!

Hardware

Zur Umsetzung wird je nach Produktionsart ein wenig Technik benötigt. Zum Beispiel ein digitaler Fotoapparat. In den meisten Fällen ist schon ein Einsteigermodell ausreichend. Das Minimum an Ausstattung was die Kamera haben sollte, ist ein Selbstauslöser. Mit einem Selbstauslöser können Wackler vermieden werden. Anstatt also direkt den Auslöser zu drücken, startet man den Selbstauslöser und bis das Bild gemacht wird, ist keine Hand mehr am Fotoapparat und kann so auch nicht mehr wackeln.

Das bedeutet dann auch, dass man ein Stativ haben sollte. Ein Stativ ist auch schon für wenige Euro zu bekommen. Beim Stativ sollte man darauf achten, dass man die Halterung so einstellen kann, dass die Kamera senkrecht nach unten Fotos machen kann. Bei einem Video, das man zum Beispiel auf einem Tisch per Hand animieren möchte, ist das dringend notwendig.

Neben dem Stativ sollte man auch auf eine gute Beleuchtung achten. Oftmals reichen schon mehrere Schreibtischlampen aus oder ein Halogenstrahler aus dem Baumarkt. Wichtig ist nicht nur die Helligkeit, sondern das Vermeiden von Schatten oder Spiegelungen. Müsste nämlich der Blitz anstatt der Beleuchtung zum Einsatz kommen, ist die Gefahr zu groß, dass jedes Einzelfoto anders belichtet wirkt und es auf der Oberfläche des zu fotografierenden Motivs zu unerwünschten Spiegelungen kommt. Vor jeder Aktion die Lichtverhältnisse testen, auch mit verschiedenen Gegenständen die in der Animation vorkommen, damit danach eine durchgehende Bilderreihe mit immer gleichen Lichtverhältnissen gestartet werden kann.

Für einige Animationstechniken lässt sich auch sehr gut eine Videokamera verwenden. Neuere Modelle speichern das fertige Video auf eine Speicherkarte und man kann es sehr einfach auf den Computer übertragen um dort weiter zu verarbeiten. Ansonsten zählt bei Aufnahmen per Videokamera dasselbe in Sachen Beleuchtung und wackelnde Aufnahmen ohne Stativ.

Freeware

Für die Umsetzung einer Animation gibt es vier Software Bereiche die zum Einsatz kommen können.

1. Animationssoftware: Animationssoftware ist häufig sehr komplex und benötigt eine lange Einarbeitungszeit. Gerade wenn es in den Bereich von 3D Animationen geht, muss man schon mal mehr Zeit investieren. Wer dennoch Interesse hat, sollte sich Blender und Synfig Studio anschauen, beide Freeware.
2. Grafikerstellung/Bildbearbeitung: Vielleicht gibt es schon eine Grafik-Software die man verwendet, dann sollte man sich überlegen, wenn möglich, diese für das Animationsprojekt zu verwenden. Das spart viel Einarbeitungszeit. Sollte das vorhandene Programm aber nicht ausreichend sein, gibt es eine große Auswahl an Grafik- und Bildbearbeitungsfreeware. Angefangen von Inkscape, über Gimp, Photoscape, Paint und Paint.net und sicher noch viele mehr.
3. Videoschnitt: Die Auswahl an kostenloser Videoschnitt Software ist etwas geringer, das liegt auch an den hohen Anforderungen an eine solche Software. Für Windows-Nutzende gibt es zum Beispiel den kostenlosen Movie Maker von Microsoft, Videospin von Pinnacle, Movica, VirtualDub oder Lightworks Beta. Für Linux gibt es zum Beispiel Cinelerra, Openshot oder Pitivi. Am besten einfach mal runterladen und testen.
4. Audio/Ton Bearbeitung und Aufnahme: Auch hier gibt es einige Gratisangebote. Das Programm Audacity gehört zu den Favoriten. Jokosher ist sicherlich auch einen Blick wert.

Tipp: Auf Alternativeto.net kann man ganz einfach alternative Software zu einem bekannten Programm finden und zum Beispiel auch nach Freeware filtern.

Erste Möglichkeit: Stop-Motion mit Grafikprogramm

So funktioniert es: Man erstelle Grafiken mit einer Grafiksoftware. Man speichere jede einzelne Grafik ab und setzte die Einzelbilder mit einem Videoschnittprogramm zusammen. Am Ende den gesprochenen Text aufzeichnen und diese Tonspur ebenfalls mit dem Videoschnittprogramm einfügen.
Vorteil: Benötigt keine weiteren technischen Mittel
Nachteil: Man muss sich etwas länger in die Grafiksoftware einarbeiten
Beispiel:

Video „Medieval Animatic“ von waverlyflams, nicht unter freier Lizenz.

Zweite Möglichkeit: Videokamera und/oder Fotokamera

So funktioniert es: Man nimmt zum Beispiel Gegenstände auf einem Tisch auf und verschiebt diese Gegenstände kontinuierlich, während man das ganze immer per Foto- oder Video aufnimmt. Mit dem Fotoapparat sieht man später die Hände nicht, muss aber mehr Fotos machen, damit eine flüssige Animation entsteht. Ansonsten ist es ähnlich wie bei der Grafiklösung eine Stop-Motion Animation. Mit der Videokamera sind Hände zu sehen, können aber mit dem Videoschnittprogramm entfernt werden oder sie werden bewusst als Effekt im Video belassen. Vertonung würde in beiden Fällen wieder über das Videoschnittprogramm eingefügt. Ein Erklärvideo findet man zum Beispiel hier.
Vorteil: Man benötigt keine Grafikkenntnisse
Nachteil: Man benötigt zusätzliche Technik (Hardware)
Beispiel:

Video „Social Media in Plain English“ von Common Craft, nicht unter freier Lizenz.

Dritte Möglichkeit: Konvertiere Altbewährtes

So funktioniert es: Es gibt zum Beispiel ein paar Möglichkeiten, Powerpoint-Präsentationen in Videoformate zu konvertieren (PowerPoint to Flash Converter). Wenn man sich mit Powerpoint oder ähnlicher Software auskennt, ist das eine schnelle Möglichkeit ein Video zu erstellen. Dieses kann auch nachträglich wieder mit einem einem Videoschnittprogramm bearbeiten und Ton hinzufügen.
Vorteil: Geht schnell
Nachteil: Sehr eingeschränkte Möglichkeiten

Feedback

Wir freuen uns in den Kommentaren auch über Hinweise zu Animationen, die Sie selbst erstellt oder im Netz gefunden haben.


Creative Commons Lizenzvertrag Inhalte auf pb21.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Informationen zur Weiterverwendung).
Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Jörg Könözsi für pb21.de.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.
Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Video, Web-Video & Livestreaming Schlagworte: , , , , , ,