Eine Twitterwall wird per Beamer projiziert und enthält die auf Twitter veröffentlichten Kurzmeldungen zu einem bestimmten Thema. (Foto: Manuel Schmutte auf Flickr, CC by-nc 2.0)

Wie lässt sich bei größeren Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen  Feedback aus dem Publikum einbinden? Eine „Twitterwall“ kann helfen. Dort wird angezeigt, was die Teilnehmenden mittels des Kurznachrichten-Dienstes Twitter im Web über die Veranstaltung veröffentlichen. Wichtige Beiträge können von der Moderation in die Diskussion eingebracht werden.

„Wenn alles schläft und einer spricht, den Zustand nennt man Unterricht”, wissen freche Schülerinnen und Schüler schon seit Jahrzehnten zu spaßen. In Kleingruppen kann man diesem Problem mit Gruppenarbeit und Interaktion begegnen. Aber wie sieht es bei Großgruppenveranstaltungen mit 100 und mehr Gästen aus? Wie kann man deren Feedback schnell und unkompliziert einbinden?

Hier kann eine „Twitterwall” helfen. Das ist ein virtuelles Anschlagsbrett für alle Kurzmitteilungen, die auf Twitter zu einer Veranstaltung gepostet werden. Diese Kurznachrichten werden per Beamer an eine Leinwand projiziert und sind so für alle Gäste – auch ohne eigenen Twitteraccount – einsehbar. Was Sie benötigen, um mit Hilfe einer solchen Twitterwall das Feedback Ihrer Gäste einzuholen, beschreibt dieser Artikel.

Was ist ein Hashtag?

Über 150 Millionen Tweets werden jeden Tag auf Twitter gepostet – viel zu viel, um den Überblick zu behalten. Deshalb haben sich Schlagworte, sogenannte „Hashtags“, eingebürgert, die thematisch zusammenhängende Tweets kennzeichnen. Dazu wird einem Begriff, der als Schlagwort dienen soll, einfach das Rautezeichen (engl. hash sign) # vorangestellt. Wer bspw. am Sonntag Abend in der ARD die Talksendung Anne Will verfolgt und dies auf Twitter kommentiert, markiert die eigenen Tweets oft mit dem Hashtag #annewill. Damit macht man deutlich, zu welchem thematischen Umfeld eine Kurznachricht gehört. Andere Hashtags sind bspw. #fail, wenn sich jemand über eine Sache ärgert oder #taz, wenn man sich auf Artikel aus der taz.die tageszeitung bezieht. Auch viele Veranstaltungen haben eigene Hashtags: die #CeBIT genauso wie die Internationale Funkausstellung (#ifa) in Berlin, manchmal wird auch noch die Jahreszahl angehängt, also #ifa11 zum Beispiel.

Schritt 1: Definieren Sie ein eigenes Hashtag für Ihre Veranstaltung

Nicht jede Veranstaltung ist in der glücklichen Lage wie die Internationale Funkausstellung in Berlin, allgemein nur noch als „IFA“ bezeichnet zu werden und damit eine Art natürliches Hashtag zu besitzen. Ein Hashtag sollte möglichst kurz sein und weitestgehend selbsterklärend. Heißt Ihre Veranstlatung „Politische Bildung im 21. Jahrhundert“ bietet sich #pb21 als Hashtag an. Ist „re:publica” der Name der Konferenz, ist #rp11 sinnvoll, wobei die „11” für das Jahr 2011 steht, in dem die Veranstaltung stattfindet.

Sie sollten auch unbedingt testen, ob Ihr Hashtag bereits vergeben ist und evtl. von einer südaustralischen Adventistengemeinde bereits verwendet wird. Das machen Sie einfach über die Twitter-Suche, mit der Sie nach „Ihrem” Hashtag suchen können. Finden Sie nichts oder nichts aktuelles zu Ihrem Tag, können Sie ihn verwenden.
Übrigens: Sie müssen nirgendwo einen Hashtag anmelden und können jeden verwenden, den Sie möchten. Aber er sollte nach Möglichkeit eindeutig sein.

Schritt 2: Überlegen Sie sich, wie Sie eine Twitterwall einsetzen wollen

Ungünstiger Ort für eine Twitterwall: Direkt hinter der Bühne. (Foto: Florian Schroiff auf Flickr, CC by-nd 2.0)

Eine Twitterwall ist eine Zusammenstellung aller Tweets, die ein bestimmtes Wort, meist ein Hashtag, enthalten. Diese Tweets werden chronologisch sortiert und per Beamer an die Wand projiziert. Spätestens im Minutentakt wird eine Twitterwall aktualisiert. Sie zeigt damit immer aktuell an, was die Menschen zur Veranstaltung allgemein oder z. B. zur Diskussion auf dem Podium auf Twitter veröffentlichen. Wenn das gut funktioniert, dann sieht man nicht nur einzelne Kommentare oder Fragen, sondern man „kann man den Raum denken sehen“.

Falls Sie die Veranstaltung mit einem Video-Livestream in die Welt senden, so können nicht nur vor Ort Anwesende, sondern auch Livestream-Zuschauende in aller Welt sich an der Diskussion beteiligen. Unter Umständen ist dann gar nicht mehr zu erkennen, ob ein Tweet aus dem gleichen Raum oder von einem anderen Kontinent stammt.
Vorab sollten Sie überlegen, wie Sie die Rückmeldungen in die Veranstaltung einbinden wollen: Soll die Twitterwall die gesamte Zeitdauer „eingeschaltet“ sein? Oder zum Beispiel nicht während Vorträgen und nur während Fragen-und-Antworten- bzw. Diskussionsphasen? Sollen die Vortragenden / Diskutanten / Moderatoren selber die Twitterwall im Auge behalten? Oder stellen Sie dem Podium einen „Twitter-Korrespondenten“ (Jöran Muuß-Merholz) zur Seite, der Fragen und Kommentare auswählt und in die Diskussion vor Ort einbringt? Haben Beiträge vor Ort „Vorrang“ vor Fragen via Twitter, oder sind die Ebenen gleichberechtigt? Denkbar ist auch, dass Sie sich schon vorab Gedanken machen, wie Sie mit „schwierigen Fällen“ umgehen wollen. Twitterwalls können Beiträge von Menschen begünstigen, die besonders lustig oder albern sein sollen, die in Sachen Kritik weniger zurückhaltend sind  oder „Trolle“, also heftig provozierende Störenfriede.

Schritt 3: Wo kommt die Twitterwall hin?

Wählen Sie den Ort für die Leinwand besonders sorgfältig aus. Noch vor einem Jahr war es oftmals üblich, die reguläre Leinwand, meist hinter den Vortragenden oder auf der Bühne diskutierenden Personen zu nutzen. Das hat sich als nicht vorteilhaft herausgestellt: Das Publikum ist abgelenkt und die Diskutierenden bekommen von der Twitterwall zu wenig mit, um darauf eingehen zu können. Passender ist eine Seitenwand im Veranstaltungsraum: so ist die Twitterwall nicht im Hauptfokus der Zuhörenden, geht aber dennoch nicht vollkommen unter. Das Publikum muss erst den Kopf drehen, um einen Blick auf die Twitterwall zu bekommen und die Menschen auf der Bühne können so ebenso einfach auf die Twitterwall blicken.

Auch der oder die Moderator/in oder ein/e Helfer/in sollte die Twitterwall im Auge behalten und auf besonders herausragenden Tweets bzw. dort erscheinende Frage eingehen. Hilfreich ist dabei jemand aus dem Moderationsteam, der oder die die Twitterwall im Auge behält und Fragen von Twitterati z. B. laut für alle vorliest.

Schritt 4: Richten Sie die Twitterwall ein

Twitterwall.me ist eine einfach zu bedienende Twitterwall-Website, die auch ohne Anmeldung funktioniert.

Um eine Twitterwall zu betreiben, benötigen Sie neben einem Hashtag (Schritt 1) und einem geeigneten Ort innerhalb des Veranstaltungsraumes (Schritt 2)  nur noch einen Laptop mit Internetzugang. Eine eigene Software müssen Sie nicht installieren. Es genügt, wenn Sie z.B. die Webseite http://www.twitterwall.me/ aufrufen und dort Ihr definiertes Hashtag eingeben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wenn Sie ein Logo von Ihrer Institution oder Ihrer Veranstaltung haben, können Sie das als Hintergrundbild Ihrer Twitterwall verwenden.

Wichtig ist dabei, dass das Bild bereits im Internet, z.B. auf Ihrer Homepage, veröffentlicht sein muss. Leider wird das Bild gekachelt (d.h., wenn das Bild nicht bildschirmfüllend ist, wird es so oft nebeneinander und untereinander wiederholt, bis der Bildschirm ausgefüllt ist) und Bilder im png-Format, die Transparenzen enthalten, werden mit schwarzem Hintergrund versehen. Bitten Sie ggf. eine/n Grafiker/in, ein Bild im jpg-Format mit viel weißem Rand und den Abmessungen mindestens 1500 Pixel mal 1000 Pixel anzufertigen und auf Ihrem Server online zu stellen. Die Webadresse dieses Bildes (URL) geben Sie dann in das Formular unter http://www.twitterwall.me/ ein.

Schritt 5: Beobachten Sie die Twitterwall

Mit einer Twitterwall animieren Sie Ihre Teilnehmenden evtl. zu mehr Feedback zu Ihrer Veranstaltung oder z. B. zu einer Podiumsdiskussion während der Veranstaltung. Nehmen Sie dieses Feedback auf und gehen Sie ggf. darauf (öffentlich) ein. Sie können einzelne Tweets bspw. auch in einer Schlussmoderation erwähnen und sich für das Feedback (auf Twitter) bedanken.

 

 

 

Überlegen Sie sich, wie Sie eine Twitterwall einsetzen wollen

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