Erfahrungen mit Seminarblogs

Seminarblog „VEPunk“. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Seminarblog „VEPunk“. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Weblogs sind gut geeignet, um Seminare in der Bildungsarbeit zu begleiten und zu dokumentieren. Sie können nicht nur eigene Materialien beinhalten, sondern auch hilfreiche Online-Inhalte verlinken oder einbetten. Über die Kommentarfunktion können Teilnehmende sich selber mit Erfahrungen, Meinungen oder Fragen einbringen. Und weil moderne Blogsoftware sehr einfach zu bedienen ist, können Teilnehmende auch selber zu Autoren werden.

In diesem HowTo Blog-Artikel hatten wir die Funktionen von Weblogs geschildert. Dieser Artikel soll nun die bisherigen Erfahrungen mit Seminarblogs zusammentragen. Wir haben hierfür drei politische BildnerInnen interviewt, die Blogs in ihrer Arbeit in unterschiedlicher Art und Weise nutzen.

Guido Brombach
Bildungsreferent im DGB Bildungswerk Hattingen

Blogs werden in seinen Seminaren insbesondere zur Dokumentation, Evaluation und als Projekttool für das Seminar verwendet und helfen dabei, „die Teilnehmenden mit in das Seminar einzubeziehen, wenn sie selbst anfangen Beträge zu schreiben.“ Erhoffter Mehrwert ist hierbei neben dem Lernen „von zusammenhängendem Schreiben und Lesen als Grundvoraussetzung zur Nutzung des Internets“ die Schulung im Umgang mit Öffentlichkeit, da er die Blogs in der Regel öffentlich führen lässt: „weil die Teilnehmenden dann vielmehr Reaktionen von Aussen bekommen können.“ Die in den Seminaren erstellten Produkte erhalten über den öffentlichen Zugang gesellschaftliche Relevanz. Urheberrechtsverletzungen beugt Guido Brombach über die Bekanntgabe von Webadressen, auf denen Material über eine Creative Commons-Lizenz zur Nutzung freigegeben sind, vor. Die Multi-Blog-Funktion von WordPress ermöglicht ihm flexibel ohne großen Einrichtungsaufwand für ein Seminar einen oder mehrere Blogs einzurichten. Auch das Archivieren der erstellten Inhalte ist hierüber problemlos möglich, so dass auch vergangene Seminare und deren Dokumentationen einsehbar bleiben. Seminarblogs bieten außerdem die Möglichkeit, Inhalte teilnehmerorientiert oder seminarbezogen sortieren zu können. „Im Gegensatz zu einem Papier-Reader in dem die Sortierung schon voreingestellt ist, entwickelt das Blog die Inhalte am tatsächlichen Seminarverlauf.“

Beispielblogs unter: http://blog.forum-politische-bildung.de/blogs/


Annette Ullrich
Jugendbildungsreferentin/Dozentin für Neue Medien am wannseeFORUM Wannseeheim für Jugendarbeit e.V.

Annette Ullrich hat Erfahrungen in mehreren Weblog-Werkstätten in der politischen Jugendarbeit sammeln können. Über die Erarbeitung eines Weblogs fand hierbei stets die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Themen statt. Zusätzlich kamen weitere Werkzeuge bei der Umsetzung zum Einsatz: In „Soundtrack zur Freiheit – Musik in der DDR“ wurden z.B. Blogeinträge als Skype-Interviews mit ZeitzeugInnen außerhalb Berlins geführt. Bei pfingstakademie.de kam der Weblog nicht nur als Dokumentationstool zum Einsatz, sondern wurde auch Twitter in das Weblog eingebunden, um die Kommunikation zwischen den Teilnehmenden zu unterstützen. Quasi als Nebenprodukt findet die „Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen von User Generated Content z.B. Urheberrecht, Creative Commons, Recht am eigenen Bild“ statt. Die Mehrwerte liegen für Annette Ullrich in der Handlungsorientierung, durch die Auseinandersetzung mit Themen der Mediengesellschaft über eigene Medienproduktion; das Einüben von Handlungsmöglichkeiten durch Mitgestaltung des Internets und seiner Inhalte sowie in der  Zusammenarbeit bei der Erarbeitung von medial unterschiedlichen Ausdrucksformen von Text über Foto, Audio, Video bis Umfragetools. Beim Einsatz hilft jedes Mal auf’s Neue das „Interesse der Teilnehmenden am Internet (intrinsische Motivation) und die bereits entwickelten Medienkompetenzen.“ Im Vorfeld eines Einsatzes ist es wichtig fehlende technische Ausstattung und Ressourcen z.B. an mobilen Geräten abzuklären und bei mangelndem Verständnis von Schulen und LehrerInnen für die Arbeit mit dem Web 2.0 Aufklärungsarbeit zu leisten.

Seminarthemenbeispiele: „Das Ende der Privatheit“, „Soundtrack zur Freiheit – Musik in der DDR“ und „Jugend, Medien, Partizipation


Anselm M. Sellen
Pädagogischer Mitarbeiter im Europa-Haus Marienberg

Im Europahaus-Marienberg wird ein Weblog eingesetzt. Als „Hausblog“ erfüllt es hierbei im Wesentlichen zwei Aufgaben: zum einen bietet es Teilnehmenden die Möglichkeit das Seminar selbst dokumentieren und so auch im Nachhinein auf die Inhalte zurückgreifen zu können. Zum anderen dient es als Marketingtool, „das den Fördergebern möglichst viele Einblicke in unsere Arbeit und damit in die Verwendung Ihres Geldes ermöglichen soll.“ Darüberhinaus bietet das Blog die Möglichkeit zu Kontaktaufnahme mit Interessierten und wird damit „zum Knotenpunkt der in- und externen Kommunikation.“ Zentralen Mehrwert identifiziert Anselm M. Sellen in der Selbstverbreitung eines Seminars durch den Blog. Die Nutzerzahlen belegen hierbei, dass die Teilnehmenden aus den verschiedenen Herkunftsländern den Blog auch nach dem Seminar besuchen. Die erstellten Inhalte sind hierbei grundsätzlich offen: „Es geht darum sich einzumischen und politisch zu partizpieren. An diesem Austausch sollen alle teilhaben können.“ Zu Beginn des Blogeinsatzes gibt es immer eine Einführung in die Technik, den Nutzen des Blogs und den Umgang mit urheberrechtlich geschützten Material. Allerdings steckt auch einiges an Mühe hinter einem Blogeinsatz. Grundsätzlich muss man sich Gedanken machen, wie der Seminareinsatz mit den Teilnehmenden aussehen soll und wie insbesondere eine mühsam initiierte Kommunikation aufrecht gehalten werden kann: „Die Blogpflege ist mit viel Aufwand verbunden. Posts sollten schon mit einiger Regelmäßigkeit gesetzt werden – sonst droht das allseits bekannte ‘Blogsterben’.“

Blog erreichbar unter: thinkeurope21.blogspot.com

Fazit

Die Beispiele zeigen, welche Rolle Blogs zur Seminarbegleitung spielen können und welchen Herausforderungen man sich stellen muss. Sicher gibt es aber auch noch weitere Möglichkeiten. Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen mit Seminarblogs über die Kommentarfunktion hier oder via Pingback aus eigenen Blogs heraus. Auch Fragen beantwortet die pb21-Redaktion gerne über die Kommentarfunktion.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Thomas Bernhardt für pb21.de.
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Dipl.-Medienwiss. Thomas Bernhardt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent im Arbeitsgebiet Didaktische Gestaltung multimedialer Lernumgebungen an der Universität Bremen. Er beschäftigt sich mit dem Einsatz von Social Software im Bildungskontext und dem Konzept der persönlichen Lernumgebung (PLE).

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