Storytelling in der politischen Bildung – Teil II

Storify Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

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Geschichten erzählen für Fortgeschrittene

Während im 1. Teil dieser Reihe die Methode des Storytellings selbst und eine multimediale Anwendung, Animoto im Besonderen vorgestellt wurde, sollen im 2. Teil zwei weitere im engeren Sinne Geschichten erzählende Werkzeuge vorgestellt und die Möglichkeiten des Einsatzes im Seminar beleuchtet werden.

Was ist Storify?

Storify ermöglicht das Nacherzählen von Geschichten. Die im Internet verstreuten Inhalte lassen sich mit dem Werkzeug zusammentragen und in eine Reihenfolge bringen. Storify ermöglicht den roten Faden aufzuzeigen. Oft stehen die vielen Berichte aus Blog, Online-Zeitungen, Twitter, u.s.w. zusammenhangslos nebeneinander. Storify gibt dem Nutzer die Möglichkeit die vielen einzelnen und im Internet verstreuten Elemente zu einer Geschichte zusammenzustellen. Das erste Beispiel, das hier vorgestellt werden soll, erzählt die Geschichte einer Schülergruppe, die sich an einem Wettbewerb der ENBW beteiligt hat und kritisch zu dem Energiekonzern Stellung bezogen hat.

Die erzählten Geschichten erinnern methodisch an die Zeitleisten, die bei pb21.de schon vorgestellt wurden. Auch bei Storify kann der Referent aus der Vielzahl der Informationen Zusammenhänge erkennbar machen und die Informationsflut gegenüber einer suchmaschinenbasierten Recherchemethode reduzieren. Auf der anderen Seite ist es bei dem Erzählen der Geschichte um so wichtiger die Meinung der Teilnehmenden durch die Auswahl der Elemente nicht vorzuprägen, sondern immer wieder kritisch zu hinterfragen, ob ein offener Meinungsbildungsprozess noch möglich ist.

Anhand eines zweiten Beispiels zu Storify soll verdeutlicht werden, dass nicht nur chronologische Geschichten erzählt werden können, sondern auch Material zu einem bestimmten Thema zusammengetragen und den Teilnehmenden reduziert dargeboten werden kann. Im Folgenden wurde der Vortrag von Gunter Dueck auf der Republica zu „Das Internet als Betriebssystem der Gesellschaft“ dokumentiert und mit hilfreichem Begleitmaterial versehen.

Wie funktioniert Storify?

Storify bietet unterschiedliche Schnittstellen um die Geschichte mit Material zu füllen: Twitter, Facebook, Flickr, Youtube, Storify, dynamische Lesezeichen (RSS-Feeds), Google und delicious sind die möglichen Lieferanten von Informationen. Zu jedem der Dienste können unterschiedliche Suchparameter eingestellt werden, anschließend kann das Suchergebnis per drag&drop in den rechten Bereich verschoben werden. Zwischen den einzelnen Materialbausteinen können erklärende Texte geschrieben werden. Zu einem Storify lassen sich jeder Zeit neue Elemente hinzufügen. Auch die bestehende Reihenfolge läßt sich jederzeit ändern. Für den Einsatz im Seminar ist es in jedem Fall gut geeignet, sowohl um Rechercheergebnisse der Teilnehmenden aufzubereiten als auch um einen vorher definierten Materialpool anzubieten.

Wir haben ein kurzes Video erstellt, in dem wir die Grundfunktionen von Storify erklären:

Was ist projeqt

Ein weiteres ganz neues Werkzeug zum kreativen Storytelling ist projeqt.

Projeqt bietet ähnlich viele Schnittstellen wie Storify um selbst sogenannte Slides innerhalb eines Projekts zu erstellen. Die Slides können Bilder, Texte oder Videos sein. Anschließend werden die einzelnen Elemente in einer Show aneinandergereiht. Projeqt ist damit ein Zwitter aus Animoto, in dem die Bilder vollständig in einem Video verschmolzen und Storify, das vor allem textbasiert versucht Geschichten nachzuerzählen. Projeqt läßt sich sicherlich auch gut als Alternative zu PowerPoint nutzen. Projeqt erscheint in jedem Fall komplizierter als seine Vorgänger und ist für die Teilnehmenden zum Erstellen eigener Projekte eher ungeeignet, weil es eine längere Einführung in die Technik erfordert.

Zusammenfassung

Storytelling kann im Seminar eine tolle Methode sein, um am Konkreten zu diskutieren und sich nicht im „es kommt drauf an“ zu verlieren. Geschichten sind aber auch der Ausgangspunkt um vom Speziellen zum Allgemeinen zu kommen, zu gesellschaftlichen Diskursen, die aus den Geschichten hervorgehen. Storytelling folgt dabei dem biographischen Ansatz, die Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden mit in das Seminar einzubeziehen um anhand ihrer Erfahrungen und Erlebnisse das Politische aufzuspüren. Die vorgestellten Werkzeuge eignen sich aber nicht nur um teilnehmendenorientiert zu arbeiten, sondern auch als stummer Impuls zum Beginn eines neuen Seminarthemas, ebenso wie als Materialpool während des Seminars. Nicht zuletzt dienen die Tools dazu das Seminar selbst als Geschichte zu erzählen und damit die inhaltliche Zusammenfassung z.B. mit einem Animoto zu realisieren.

Wenn sie selbst Erfahrungen mit anderen Werkzeugen zum Storytelling gemacht haben, freuen wir uns, wenn sie in den Kommentaren davon berichten oder auf eine entsprechende Webseite hinweisen.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Guido Brombach für pb21.de.
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Guido Brombach arbeitet als Bildungsreferent für das DGB Bildungswerk. Dort ist er verantwortlich für den Bereich Digitale Kommunikation, Lernen und Medien. Er bemüht sich um die Harmonisierung zwischen der analogen und der digitalen Welt.

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