Die Webschau hat in diesem Monat einen Lesetipp zur Netzgeschichte und wir haben wir uns wieder bei den aktuell diskutieren Themen umgeschaut: Gesichtserkennung bei Facebook, Streit um die Vorratsdatenspeicherung, Sarkozys Internet-Gipfel und das „Lebenskünstler“-Projekt der Berliner Gazette.

Lesetipp: Von Links und rechtsfreien Räumen

Vom unentdeckten Land Anfang der 90er Jahre bis zum aktuellen Netz, das Partei ergreift: Wie sich der Blick von Gesellschaft und Justiz auf das Internet in den letzten 20 Jahren entwickelt und verändert hat. Die fünfteilige Serie auf telepolis.de ist eine spannende Reise durch die Netzgeschichte, die nachzeichnet was passiert, wenn das Internet ins richtige Leben kommt und umgekehrt.
#geschichte #internet #alltag #justiz


Kurzmeldungen

Facebook: Oops, I did it again

Facebook hat eine neue Funktion freigeschaltet: die standardisierte Gesichtserkennung. Datenschützer haben kritisiert, dass sie automatisch voreingestellt ist. Wer nicht will, dass Fotos auf Facebook automatisiert nach seinem Gesicht abgesucht und durch Freunde verifiziert werden, kann das neue Feature ausschalten. Da das nicht so einfach ist, gibt es inzwischen viele Schritt-für-Schritt-Anleitungen im Netz, u.a. im gutjahr.biz - Blog.
#gesichtserkennung #facebook

Zivilisiert die Welt, nicht das Netz

Auf dem Internet-Gipfel in Paris musste Nicolas Sarkozy scheitern, kommentiert spiegelonline. In Paris sprach Sarkozy mit Internet-Größen über seine Vorstellung von einem „zivilisierten“ Internet. Dabei tappte er in die gleiche Falle wie so viele Politiker vor ihm: Er versteht das Netz nicht.
#internet #sarkozy #gipfel

Streit um Vorratsdatenspeicherung

Der Entwurf für das neue „Gesetz zur Sicherung vorhandener Verkehrsdaten und Gewährleistung von Bestandsdatenauskünften im Internet“ ist veröffentlicht worden. Unions-Politiker zeigen sich entrüstet und bezeichnen den Entwurf als nicht akzeptabel, so heise.de. Sie fordern eine längere Speicherung der Daten. Datenschutzaktivisten lehnen nach wie vor jede anlasslose Speicherung ab (Link zum offenen Brief).
#vorratsdatenspeicherung

Wer kino.to guckte, ist noch lange nicht kriminell

Das wohl bekannteste Internet-Portal von Streaming-Angeboten in Deutschland ist im Zuge einer Razzia abgeschaltet worden. Mehr als 400.000 Nutzer sollen täglich aktuelle Kinofilme und Serien auf kino.to angesehen haben. Anders als die Betreiber und Hoster müssen diese auch nach Schließung der Seite jedoch kaum mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, meint die Legal Tribune Online.
#kinoto #urheberrecht

Jugendschützer bilanzieren Gefahren im Web 2.0

Jugendschützer haben 2010 mehr problematische Internetinhalte registriert als im Vorjahr. Die Zahl der Verstöße stieg im Vergleich zu 2009 insgesamt um sieben Prozent, wie die Organisation jugendschutz.net mitteilte. Zahlenmäßig bleibe Pornografie das größte Jugendschutzproblem, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Dagegen gab es bei Magersucht verherrlichenden Angeboten („Pro-Ana“-Szene) einen deutlichen Anstieg um 27 Prozent. Artikel auf heise.de.
#web20 #gefahren #pornografie #magersucht

Politcamp: Social Media als „fünfte Gewalt“?

Am 4. und 5.6. fand das Politcamp 2011 in Bonn statt. Politiker und Netzaktive tauschten sich über die Frage aus, wie Social Media den politischen Prozess bereichern können. Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Burkhardt Müller-Sönksen, bezeichnete die neuen Medien zwar als „fünfte Gewalt“, warnte aber davor, sie mit der Mehrheit der Bevölkerung zu verwechseln (heise.de).
#politcamp #politik #socialmedia

Selbstdarstellung zwischen Facebook und Job-Interview

Ob auf Facebook oder im Bewerbungsgespräch: Selbstdarstellung ist zur ökonomischen Ressource geworden, die bei Jugendlichen gleich welchen Hintergrunds vorausgesetzt wird. Das Berliner Gazette-Projekt „Lebenskünstler” ging diesem Thema mit künstlerischen Experimenten an drei Berliner Bildungseinrichtungen nach. Der Medienjournalist Niklas Hofmann hat das Projekt begleitet und eine Reportage dazu geschrieben.
#lebenskuenstler #berlinergazette #selbstdarstellung #identitaetsmanagement


Debatte: Netzneutralität

Netzneutralität bedeutet, dass alle Datenpakete im Netz gleichranigig behandelt werden, d.h. Durchleitungen sollen nicht je nach Absender oder Empfänger der Daten bevorzugt erfolgen. Die Forderung danach, dass im Netz alle gleich behandelt werden, soll Garant für freien Meinungsaustausch sein und die Beteiligung am Netz für alle sichern.

Der „Gesetzentwurf zur Änderung telekommunikationsrechtlicher Regelungen“ vom 04.06. lässt u.a. nach Ansicht des Vereins Digitale Gesellschaft an entscheidenden Stellen Lücken: So sei nicht explizit ausgeschlossen, dass Datenpakete unterschiedlich behandelt werden dürfen. Gefordert wird eine Regelung, „in der jede willkürliche Analyse, sowie jede Sperrung von Inhalten, Ziel- und Anfrageadressen auf Providerebene für grundsätzlich unzulässig erklärt wird.“ (aus der Stellungnahme des Vereins)

Netzdienstleister wie die Telekom haben schon länger die Idee, Anbietern von datenintensiven Diensten (z.B. Google) eine höhere Gebühr zu berechnen. „Netze sind keine Dinger, die einmal gebaut werden und danach kann man da reinstopfen, was man will – Netze müssen mit steigendem Bedarf ausgebaut werden und das kostet ständig Geld.“ (aus Blog.Telekom) In einer Kolumne der Computerwoche wird diese Einschätzung unterstützt: „Wer in politischen Sonntagsreden kämpferisch Breitband für alle fordert, muss sich die Frage gefallen lassen, wer das Ganze finanzieren soll.„
#netzneutralitaet #digitalegesellschaft #telekom #google #tkg


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