Diaspora – Die datenschutzfreundliche Alternative zu Facebook?

Startseite von Diaspora*. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

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Facebook erfreut sich größter Beliebtheit unter allen Social Networks – nicht nur in Deutschland. Hierzulande steuert das Netzwerk auf eine Marke von 20 Millionen aktiven Nutzenden zu. Trotzdem flammt mit jedem erneuten Privatsphäre- und Datenschutz-Fauxpas – wie zuletzt mit der per default aktivierten Gesichtserkennung – wieder Kritik an Facebook auf. Kein Wunder also, dass immer wieder die Suche nach Alternativen losbricht. Ob Google+ hierbei aber eine Alternative darstellt, darf bezweifelt werden. Der Internetriese ist ja nicht gerade für Datendiäten bekannt.

Vor 15 Monaten sammelten vier Informatikstudenten aus New York Geld für ein Projekt Namens Diaspora. Die selbsternannte Alternative zu zentralen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ und Google+ legt den Fokus auf – dem Namen entsprechend – verstreute soziale Netzwerke.
Entgegen herkömmlicher Netzwerken liegen die Daten nicht auf einem zentralen Server eines Unternehmens sondern auf den Webservern der Nutzer („Pods“ genannt). Diese haben somit zu jeder Zeit die Kontrolle über ihre Daten. Nehmen sie ihren Server vom Netz, sind ihre Daten auch raus. Hierfür hat das Enwicklerteam bereits zu Projektstart den Quellcode offen gelegt, der seit November 2010 in einer frühen Alpha-Version zur Verfügung steht und von quasi jedermann installiert werden kann.

Realistischerweise muss man aber festhalten, dass im Jahre 2011 (noch) nicht jede/r Internetnutzer in der Lage ist, seinen eigenen Server zu betreiben und die in Ruby entwickelte Plattform zu installieren. Für diejenigen gibt es eine Reihe von Pods, auf denen man sich kostenlos registrieren kann, um den Service zu testen. Die bekannteste Seite ist hierfür https://joindiaspora.com/.

Stream von Diaspora*. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Stream von Diaspora*. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Einmal drin, ernüchtert schnell die aktuell auf die wesentliche Funktionen reduzierte Oberfläche des Netzwerkes. Ins Auge springt – weil aus anderen Netzwerken bekannt – der Stream, in dem die Aktivitäten der Freunde angezeigt werden und man selbst Statusmeldungen veröffentlichen kann. Kontakte werden bei Diaspora in Aspekten kategorisiert – vergleichbar den „Listen“ bei Facebook oder den „Kreisen“ bei Google+. Sie bieten die Möglichkeit eine Trennung zwischen Beruf und privat oder Freunden und Bekannten vorzunehmen. Eine wichtige Funktion, gerade wenn man die verschiedenen Personenkreise auf ein und derselben Plattform anspricht. Beim Veröffentlichen der Fotos der letzten Party kann man dann explizit den „Beruf-Aspekt“ ausklammern oder später noch dazu einladen. Neben Benachrichtigungen (Notifications) gibt es dann noch die Möglichkeit über Conversations Nachrichten zu versenden und zu empfangen.

Damit schließt aber auch schon die Auflistung der Funktionen. Klar, man kann eine Verbindung zu Twitter, Facebook und Tumblr herstellen, um das Crossposting zu vereinfachen und auch ein Bookmarklet lässt sich im Browser installieren, um von jeder Seite Inhalte in seinem Stream zu veröffentlichen, aber im Wesentlichen war es das. Die Entwickler versprechen aber durch eine modulare Aufbauweise weitere Funktionen hinzuzufügen. Ein erstes Beispiel ist cubbi.es (Anwendung zum Sammeln von Bildern), welches sich jedoch nur kompliziert (über einen Extra-Account) verbinden lässt. Positiv hervorzuheben ist, dass man seine Daten und Bilder – ersteres in Form einer XML-Datei – über die Einstellungen vollständig herunterladen kann.

Nach einer kleineren Anmeldewelle bei der Veröffentlichung der Alpha-Version (nicht vergleichbar zu Google+) ist es zur Zeit wieder still geworden um Diaspora. Aktuell lässt sich auch keine genaue Nutzerzahl herausbekommen und auch größere Institutionen sind noch nicht vertreten. Letztlich hinterlässt Diaspora – natürlich geschuldet seinem noch jungen Entwicklungsstadium – einen durchwachsenen Eindruck mit allerdings sehr viel Potential für die Zukunft. Gerade der dezentrale Ansatz wird mit steigender Sammelwut der etablierten Netzwerke attraktiv für medienkompetente Internetnutzer, die selbst entscheiden wollen, was mit ihren Daten geschieht. Daher ist das „Ausprobieren“ dieses beispielhaften Ansatzes in der Seminararbeit schon deshalb sinnvoll, um aufzuzeigen wie Facebook & Co. auch funktionieren könnten.


Haben Sie selber schon Diaspora ausprobiert? Warum (nicht)? Ihre Meinungen, Erfahrungen und Fragen sind via Kommentar willkommen!


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Dipl.-Medienwiss. Thomas Bernhardt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent im Arbeitsgebiet Didaktische Gestaltung multimedialer Lernumgebungen an der Universität Bremen. Er beschäftigt sich mit dem Einsatz von Social Software im Bildungskontext und dem Konzept der persönlichen Lernumgebung (PLE).

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