Teil 2 der Reihe zu Creative Commons als Urheberrecht 2.0?

CC BY-SA - qthomasbower auf flickr

Der zweite Teil der Creative Commons (CC)-Reihe soll sich mit der Frage befassen, warum es eigentlich für mich als Autor eines Werkes interessant sein könnte, diese mit einer CC-Lizenz zur Verfügung zu stellen und welche wohl die passende Lizenz sein könnte?

Generell muss man sich als Urheber eines Werkes Gedanken darüber machen, was man mit seiner Arbeit erzielen möchte. In der (politischen) Bildung sind grundsätzlich freie Lizenzen interessant, da sie es ermöglichen Inhalte so weit wie möglich zu verbreiten. Außerdem wird Bildungsarbeit meist aus öffentlichen Geldern bezahlt und sollte dann doch auch „so öffentlich wie möglich“ zur Verfügung gestellt werden. Zumal die (politische) Bildung den Rezipienten zunehmend als aktiv-partizipativ („Mach was mit dem Inhalt!“) ansieht.

Die CC-Lizenzen decken auf jeden Fall ein Spektrum von „meins, aber du darfst es verbreiten“ (immerhin!) bis hin zu „das ist mein Teil zum großen Ganzen“. Was weitere Beweggründe zur Verwendung von CC-Lizenzensein könnten, findet man auf der Seite von Creative Commons unter http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/ selbst:

  1. Lizenzverwendung als reines Statement am Open Access-Gedanken beizutragen - sollte gerade in Bildung und Forschung selbstverständlich sein
  2. Besonderes Interesse an ungehinderter Bearbeitung eigener Inhalte, um zu sehen, wie Ideen weiterentwickelt werden
  3. Beitrag zur Vermehrung des Materialpools - nicht nur nehmen sondern auch geben
  4. Steigerung der Verbreitung eigener Werke ohne Barrieren, um so auch an Bekanntheit zu gewinnen (gerade für Künstler interessant)

CC-Lizenzen haben durch ihre Standardisierung den Vorteil, dass auch juristische Laien die Regelungen nachvollziehen können. In klaren Worten wird verständlich gemacht, was jemand mit meinem Werk tun darf und was er zu beachten hat. Entgegen einem „Alle Recht vorbehalten“ räume ich grundsätzlich die Weiterverwendung meiner Werke ein, ohne dass man mich für jede Art der Nutzung erst um Erlaubnis fragen müsste. Auf diese Weise kann ein interessanter Schnappschuss von mir, ein Aha in der nächsten Präsentation eines politischen Bildners erzeugen oder meine Gedanken zu persönlichen Lernumgebungen der Schlüssel zu einer wichtigen Erkenntnis eines anderen Wissenschaftlers führen. Dank der Verpflichtung zur Angabe des Namens geschieht dies auch nicht „umsonst“, wie auch dieses Video belegt:

Im ersten Teil wurden die Rechte-Module mit den sechs resultierenden Lizenzverträgen skizziert, die an dieser Stelle ausführlicher mit Beispielen vorgestellt werden sollen (Quelle):

a) Namensnennung | CC BY
Diese freieste Lizenz erlaubt es anderen die eigenen Inhalte quasi ohne Einschränkungen im Internet und darüber hinaus zu verbreiten, zu verändern und als Grundlage für andere Werke zu verwenden. Auch die kommerzielle Nutzung ist erlaubt, solange der Urheber genannt wird. Sinn machen würde diese Lizenz, wenn eine maximale Verbreitung erzielt werden möchte.
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b) Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen | CC BY-SA
Ähnlich der Lizenz CC BY ist hier die Verbreitung, Abänderung und Verwendung als Grundlage anderer Werke - auch kommerziell - erlaubt solange der Name des Urhebers genannt wird, allerdings mit der Einschränkung, dass die neuen Werke die gleiche Lizenz besitzen (SA = share alike). Damit ist diese Lizenz mit „Copyleft“-Lizenzen im Bereich freier und Open Source Software vergleichbar. Prominente Verwendung findet sie beispielsweise in der Wikipedia. SA schützt letztlich davor, dass ein CC-Werk nicht in einem Copyright-geschützten Werk endet. Dies bringt natürlich auch Probleme mit sich, z.B. wenn der ursprüngliche Inhalt Teil eines neuen, größeren Inhalts wird, wobei der größere nicht unter einer CC-Lizenz stehen soll oder darf.
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c) Namensnennung-Keine Bearbeitung | CC BY-ND
Als Herausgeber eines Standardwerkes für politische Bildung oder eines Arbeitsblattes zur Verwendung von Podcasts in Seminaren kann es interessant sein, diese Lizenz zur Anwendung zu bringen. Sie gestattet die kommerzielle sowie nicht-kommerzielle Weiterverbreitung, solange keine Veränderungen vorgenommen, das Werk vollständig verwendet und der Urheber genannt wird. Man behält als Urheber somit die volle Kontrolle über sein Werk.
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d) Namensnennung-Nicht-kommerziell | CC BY-NC
Wichtigste Einschränkung ist in diesem Lizenzvertrag das Verbot der kommerziellen Nutzung der Werke und Inhalte, wobei „kommerziell“ nicht eindeutig definiert ist und viele Verwendungszwecke einschließt (z.B. Werbung auf Weblogs), wie auch diese Studie belegt. Eine Bearbeitung und Veröffentlichung mit Nennung des Urhebers ist gestattet. Die darauf aufbauenden, neuen Produkte dürfen aber andere Lizenzen besitzen, solange sie nicht vordergründig kommerzielle Interessen verfolgen.
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e) Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen | CC BY-NC-SA
Im Zusatz zu CC BY-NC gestattet diese Lizenz die nicht-kommerzielle Verwendung, solange der Urheber des Originals genannt wird und die auf dem Werk/Inhalt basierenden neuen Werke unter denselben Bedingungen veröffentlicht werden.
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f) Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung | CC BY-NC-ND

Als weiter Einschränkung zur vorab genannten Lizenz ist an dieser Stelle auch die Weiterbearbeitung nicht gestattet. Damit stellt diese Lizenz die restriktivste dar und erlaubt lediglich Download und Weiterverteilung des Werkes/Inhaltes unter Nennung des Namens.
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Den für sich selbst passenden Lizenzvertrag kann man auf dieser Seite wählen.

Dabei muss immer erwähnt bleiben, dass auch bei der Verwendung einer CC-Lizenz das Schutzrecht des Urhebers unangetastet bleibt und insbesondere bei Verstoß gegen die Lizenzauflagen greift. Als Urheber kann man unter diesen Voraussetzungen eigentlich nicht verlieren sondern nur gewinnen und so mit seinen Werken an einem kreativen Schaffensprozess teilhaben oder einen solchen anstoßen.

Die dreiteilige Reihe (Teil I | Teil III) zu Creative Commons beleuchtet das Thema und zeigte eine Alternative zu “alle Rechte vorbehalten” auf. Gerade im Bildungsbereich stellt das Veröffentlichen von Inhalten über CC-Lizenzen einen Mehrwert für alle Beteiligten dar: für den Urheber die Erhöhung des Bekanntheitsgrades und für den Nutzer die schnelle und vereinfachte Weiterverbreitung, -verwendung und -entwicklung von Ideen.


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Thomas Bernhardt für pb21.de.