Lernen mit YouTube & Co Teil V – Screencasting für Anfänger

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Bildschirminhalte in Dia-Shows oder in Video-Mitschnitte verpacken

Seit ein paar Jahren ist nicht mehr das bedruckte weiße Blatt der einfachste und effektivste Informationsträger, sondern der PC-Bildschirm (Screen). Auf einem Bildschirm liest man nicht Zeile für Zeile, sondern erfasst Inhalte „auf einen Blick“, als Bild. Auch Bildschirmtexte werden anders als Drucktexte gelesen – es ist eher ein Springen von Schriftbild zu Schriftbild.

Der Trend zur visuellen Information bezieht sich also nicht nur auf einzelne Grafiken, Fotos und Videos, sondern generell auf Bildschirmansichten. Will man im Internet-Zeitalter anderen Leuten, etwa in der politischen Bildung, Inhalte auf dem Bildschirm und über das Netz präsentieren, kann man sie also Schritt für Schritt entlang einer Kette von Bildschirmansichten führen. Genau das machen „Screencasts“.

Screencasts, Slidecasts und Screenshots

Wenn man also verkettete Bildschirmansichten („Screens“) zu einer Art fertigem Videoclip bündelt, der dann vor den Augen der NutzerInnen abläuft, fasse ich das im Folgenden unter dem Oberbegriff „Screencasting“ zusammen. Das kann eine Art Mitschnitt von dem sein, was ich gerade am Bildschirm sehe oder tue (das ist die engere Bedeutung von „Screencasting“), aber es kann auch eine Art vorpräparierte Diashow („slideshow“) sein, was ab und zu auch „Slidecast“ genannt wird. Ich fasse das hier alles unter „Screencasts“ zusammen.

Der Begriff „Screencasting“ kommt von „Podcasting“, und das ist wieder abgeleitet von „Broadcasting“, d.h. „Rundfunk-Ausstrahlung“. „Screencasting“ bedeutet also so viel wie: aus den eigenen Bildschirmansichten ein Stück Multimedia machen, das dann über das Internet an viele andere verteilt werden kann. Und hier ist gleich noch ein zweiter englischer Fachbegriff, den wir brauchen werden: Ein „Screenshot“ ist ein Schnappschuss des aktuellen Bildschirminhalts. Dazu benutzt man ein Programm wie z.B. Greenshot (gratis, es gibt noch viele andere), in dem man auch gleich diese Schnappschüsse mit Pfeilen, Hinweistexten usw. bearbeiten kann.

Was lässt sich mit „Screencasts“ zeigen und verbildlichen?

Alles, was sich mit abfotografierten Bildschirm-Inhalten oder mit Fotos und „Folien“ darstellen lässt. Das kann im Einzelnen etwa sein:

Was ist der Unterschied zwischen einem „Slidecast“ und einer Powerpoint-Präsentation?

Einen Slidecast wie den hier kann man im Netz durchklicken, ohne dabei den Browser verlassen zu müssen. Das sieht dann etwa so aus:


Slidecast „Ein paar Folien fur den Start von fas Allem Lindner2010“ von  nicht unter freier Lizenz.

Wie bei YouTube-Videos wird auch der eingebettete Slidecast kleiner dargestellt. Er bleibt so also ein Element dieses Blogeintrags. Man kann das aber auch auf Bildschirngöße vergrößern und vor allem auch auf der verlinkten Ursprungs-Webseite eigens aufrufen. Von dort kann man den Slidecast auch herunterladen, wenn man die Inhalte offline behalten und speichern will.

Seltsamerweise werden solche Screencasts, obwohl sie kleiner dargestellt sind und schneller durchgeklickt werden, sogar besser und wirkungsvoller aufgenommen als eine Präsentation, die man herunterladen muss und dann bildschirmfüllend mit einer eigenen Software betrachtet. Die Ansichten wechseln schneller und flüssiger. Sie bekommen quasi den Charakter eines „Films“, auch wenn die Bilder gar nicht automatisiert ablaufen. Zugleich fühlen sich die NutzerInnen weniger passiv. (Probieren Sie es aus: Mit diesem Link können sie den Slidecast von oben herunterladen und auf Ihrem PC bildschirmfüllend ansehen.)

Tatsächlich werden zum Download angebotene bildschirmfüllende PPT-Präsentationen überhaupt nur sehr selten heruntergeladen, und wenn es doch gemacht wird, werden sie noch seltener wirklich konzentriert betrachtet. Ein Kompromiss ist es, Präsentationen im PDF-Format ins Netz zu stellen: Dann bleiben sie zwar groß und sperrig, aber man kann sie direkt im Browser aufrufen. (Hier ist ein Beispiel, in dem die Software „Photo Story 3″ erklärt wird, auf die wir weiter unten zurückkommen.)

Video-Mitschnitt oder Dia-Show?

Ein Mitschnitt der Aktivitäten am Bildschirm ist auf den ersten Blick eine einfache Sache. Man markiert einen Bereich des Bildschirms, drückt auf „Aufnahme“ und zeichnet dann die eigenen Aktivitäten auf. Wenn man will, kann man dazu auch sprechen. Resultat ist ein fertiger kleiner Video-Clip. Dazu braucht man eine spezielle Software wie z.B. das einfache CamStudio (gratis, hier) oder Camtasia (hier, für 210 Euro). Camtasia hat eine deutsche Oberfläche und viele Möglichkeiten, die so erstellten Erklärvideos nachträglich mit Schrift und Grafiken zu erweitern. Aber es gibt auch Nachteile:

  • Der Vorgang selbst ist zwar einfach, aber man muss sich in die Software einarbeiten. (Besonders bei der englischen Gratis-Software CamStudio muss man viel herumprobieren.)
  • Ohne nachträgliche Bearbeitung kann man den Bildschirmvorgängen weniger gut folgen. Das aber macht das Ganze wieder viel aufwändiger.
  • Die live dazu eingesprochene Stimme sollte flüssig und lebendig klingen – das hinzubekommen ist allein vor dem PC aber sehr schwer. Auch hier braucht es Übung und viele Versuche. (Immer mit einem Lächeln auf den Lippen sprechen!) Wichtig: Eine schlechte Tonspur macht den Clip beinahe unbrauchbar!

Faustregel: Einfache Bildschirm-Mitschnitte mit Ton sind dann sinnvoll, wenn tatsächlich eine kurze Aktion bei der Software-Bedienung vorgeführt wird. Nie länger als 3, allerhöchstens 5 Minuten! Für komplexe Inhalte eignet sich das aber in der Regel nicht.

„Dia-Shows“

Was kann man also stattdessen tun? Die Alternative ist eine Art Diashow aus Bildschirm-Schnappschüssen. Man dokumentiert damit gezielt Schritt für Schritt und zeigt nur Schlüsselinhalte. Am einfachsten ist es, diese Screenshots zuerst in eine Präsentation zu verpacken (z.B. mit Powerpoint oder OpenOffice Impress). Dann kann man auch Pfeile und Kommentare leicht hinzufügen.

Diese Präsentation kann man dann gleich als Link zum Download anbieten oder (besser) erst noch zu einem Internet-Service hochladen, der daraus automatisch eine Internet-Slideshow macht. Das geht besonders gut mit Slideshare, aber z.B. auch mit Google Picasa u.a.. Das Ergebnis entspricht dann dem oben eingebetteten Beispiel.

Für eine kleine Dia-Show braucht man vielleicht 20 solcher Grafik-Dateien. (Es ist wichtig, jeden logischen Schritt abzufotografieren!) Man spart viel Arbeit, wenn man diese Dateien von vornherein nummeriert und für die eigene Weiterverwertung sehr klar benennt (z.B. screencast_demo_01_sichanmelden.png, screencast_demo_02_passwortwaehlen usw.).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Empfehlung: Eine einfache „Dia-Show“ ohne Ton eignet sich recht gut, um Anfängern einzelne Aktionen vorzuführen. Dabei sollte man vor allem auf die richtige Beschriftung der einzelnen „Folien“ einige Mühe verwenden: Wie drückt man sich besonders einfach aus, wie sieht das grafisch gut aus? (Der grafische Eindruck ist wichtig!) Für die Arbeit an einem solchen Screencast muss man aber auch mindestens (!) 4 Stunden veranschlagen, und wenn man ungeübt ist, sicher deutlich mehr.

Automatisierte Dia-Show oder Präsentation mit Ton

Die dritte Möglichkeit ist eine vertonte Diashow, die als eine Art Video-Clip automatisch abläuft. Bei Slideshare kann man ohne eigene Software solche Audio-Slidecasts erstellen, indem man eine Tonspur Stück für Stück einzelnen „Folien“ zuordnet. Das setzt natürlich den geübten Umgang mit einer eigenständigen Audio-Datei voraus. Hier ist ein Beispiel für das Resultat:

Ich selbst verwende gern eine andere, noch einfachere Möglichkeit, um vertonte Diashows zu erstellen: mit der kostenlosen zu bedienenden Software „Microsoft Photo Story 3″. Die gibt es schon recht lange, aber sie ist sehr beliebt, anscheinend gerade auch bei älteren LehrerInnen. (Original Microsoft-Download hier, nur für Windows; Kurzbeschreibung hier.)

Bei PhotoStory 3 braucht man ebenfalls Screenshots, die man dann als eine Art Film anordnet. Man kann die Folien beschriften, vor allem aber kann man sie sehr einfach vertonen. Für jede Folie spricht man seinen Text eigens ein und kann ihn sehr einfach probehören und, wenn nötig, sofort wiederholen.

Tipp: Nicht mehr als 2 Sätze pro Folie, das sind ca. 7 – 13 Sekunden. Vor Sprechbeginn und nach Ende jeweils 1/2 Sekunde Pause lassen, damit der Übergang besser klappt.

PhotoStory 3 verwendet für den Übergang der „Folien“ allerlei Schnickschnack, den man am Besten jedesmal vorher ausschaltet. Das lenkt nur ab. Am Besten ist die einfache Abfolge! Was aber tatsächlich manchmal sinnvoll ist: Man kann auf einzelne Stellen, die man auf der Folie markiert hat, automatisch zoome. Auf diese Weise wird erst das ganze Bild gezeigt und dann eine wichtige Stelle langsam nach vorn geholt, passend zum Kommentar. Hier ist ein Screencast-Mitschnitt, der zeigt wie das geht (auf Englisch):


Video „Photo Story 3 Tutorial“ von John Dedzej, nicht unter freier Lizenz.

Solche Clips kann man dann bei YouTube, Vimeo, Picasa oder auch bei Slideshare hochladen und von dort aus z.B. in Webseiten oder Blogs einfach einbetten. Wenn man sie eigenständig im Netz veröffentlichen will, muss man sich um das Format kümmern. Am Besten ist vermutlich mp4 (oder mpeg4), weil es fast jede/r abspielen kann und die Dateigröße reduziert ist.

PhotoStory 3 erzeugt .wmv-Dateien, andere Screencast-Programme auch .avi oder .flv (Flash). Wenn man Formate umwandeln will, ist der einfachste Weg ein Webservice: Zamzar (gratis nur bis 100 MB) oder www.online-convert.com.

Tipps

  • Jeden kleinen Schritt eigens dokumentieren und zeigen. Stellen Sie sich das vor wie einen Film in Standbildern.
  • Die gute, knappe Formulierung und die grafische Gestaltung der Erkärungstexte ist wichtig. Das braucht etwas Zeit.
  • Wenig Text auf jeder „Folie“! Faustregel: Nie kleinere Schrift als 30-Punkt verwenden!
  • Wenn man Ton einsetzt, sollte der Tonfall lebendig, flüssig und gutgelaunt klingen. Das aufzunehmen, braucht etwas Zeit. Lieber kein Ton als ein schlechter Ton!
  • Weniger ist mehr: Keine Verzierungen, keine Hintergrundmusik, keine kunstvollen Übergänge und Überblendungen. Zeigen Sie nur das, was wirklich wichtig ist.
  • Selbst gemachte Zeichnungen, die man einscannt, wirken viel lebendiger als Computergrafiken! Auch selbst geschossene Fotos sind nicht nur aus Lizenzgründen vorzuziehen.

Checkliste: Was brauche ich für Screencasts oder Dia-Shows?

Software, um Screencasts als Video-Mitschnitt der eigenen Bildschirmaktivitäten (mit oder ohne Ton):

  • Camstudio (gratis, nur englisch; simpel, aber gewöhnungsbedürftig)
  • Camtasia (210 Euro, deutsche Oberfläche; sehr gutes professionelles Werkzeug)
  • … und andere

Software, um Diashows ohne Ton zu erstellen:

  • ein einfaches Programm, um Screenshots zu erstellen und zu bearbeiten (z.B. Greenshot u.v.a.)
  • ein Programm, um Präsentationen aus diesen Schnappschüssen zu erstellen (z.B. Powerpoint, OpenOffice Impress usw.)

Wenn man Diashows mit Ton erstellen will:

  • Microsoft PhotoStory 3 (gratis, englisch; einfach zu bedienen; nur Windows)
  • Slideshare Zipcast (online, benötigt eine bereits eigens aufgenommene Audio-Datei)
  • Wenn man sich auskennt, kann man natürlich auch jede professionelle Videoschnitt-Software benutzen.

Für die Tonaufnahme empfiehlt sich ein Headset oder Mikrofon, aber bei Photo Story 3 reicht zur Not auch das eingebaute PC-Mikro.

Haben Sie Fragen? Oder eigene Erfahrungen mit Screencasts, als Nutzer oder als Produzent? Lassen Sie es uns über die Kommentarfunktion unten wissen.


In der Reihe „Lernen mit YouTube & Co“ sind bisher erschienen:


Creative Commons Lizenzvertrag Inhalte auf pb21.de stehen i.d.R. unter freier Lizenz (Informationen zur Weiterverwendung).
Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Martin Lindner für pb21.de.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Maertin Lindner berät Organisationen und Unternehmen dabei, wie sie Wissens- und Lernprozesse mit den Mitteln des Web neu gestalten können. Autor, Blogger, Speaker.

Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Video, Web-Video & Livestreaming Schlagworte: , , , Keine Kommentare ↓

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>