Webschau September 2011

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE

Themen dieser Webschau sind u.a.: Wikileaks, die Pseudonymitätsdebatte und die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung. In der „Debatte“ geht es diesmal um den Vorstoß des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) zum Umgang mit Facebook. Und einen Geburtstag gibt es auch wieder: Der Chaos Computer Club wird 30.

Lesetipp:
Überlegungen zum demokratischen Potential des Web 2.0

Dem Verhältnis von Medien, Öffentlichkeit und Demokratie ist ein mehrteiliger Artikel von Tobias Bevc auf der Spur: Ist das Phänomen der Medialisierung, das den Zusammenhang von Öffentlichkeit, Demokratie und Medien mal positiv mal negativ beschwört, tatsächlich etwas Neues? Inwiefern wird das Verhältnis von Öffentlichkeit und Demokratie von den Medien beeinflusst? Welche Rolle das Web 2.0 dabei spielt und welche politischen Forderungen abgeleitet werden könnten ist auf telepolis nachzulesen.
#oeffentlichkeit #demokratie #medien #web20


Kurzmeldungen

Wikileaks ist erledigt, Transparenz nicht

Kai Biermann auf zeit.de zum Datenverlust bei Wikileaks: „Julian Assange hat unfreiwillig bewiesen, dass es keine Sicherheit gibt. Leider brachte er damit Menschen in Gefahr. Der Idee einer transparenteren Welt schadet es nicht. Die Überzeugung, dass Transparenz wichtig ist – und dass das Internet das mächtigste Instrument ist, um mehr Transparenz zu schaffen –, diese Idee geht nicht mehr weg.“
Und pb21-Autorin Christiane Schulzki-Haddouti erklärt in der berlinergazette: „Was der WikiLeaks-Skandal über den Mainstream-Journalismus offenbart“
#wikileaks

Demonstration „Freiheit statt Angst“

Fast schon eine Tradition: Am 10.09. demonstrierten etwa 5000 Menschen in Berlin für besseren Datenschutz und ein freies Internet. Getragen wird die Veranstaltung von einem breiten Bündnis: Dabei sind z.B. ver.di, der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, der Chaos Computer Club (CCC) und der FoeBuD sowie politische Parteien wie die Grünen, die Linken, die FDP und die Piraten (u.a. berichtete heise.de).
#fsa #demonstration #buergerrechte

Regierung scheitert am Bürgerdialog

„Politik 1.0 statt Web 2.0“, so das Resümee von Sven Becker auf spiegel.de zu den Versuchen der Regierung über das Netz mit den Bürger/innen ins Gespräch zu kommen. Echter Dialog findet nicht statt, das Kanzleramt beispielsweise hat nach eigener Einschätzung in erster Linie einen Informationsauftrag, politische Diskussionen seien Sache der Parteien.
#buergerdialog #partizipation

Die guten Hacker werden 30

1981 wurde in den Räumen der taz der CCC gegründet. Die Zeit schreibt: „… in den meisten Fällen agierten die Hacker wie geduldige Schülerlotsen für eine Gesellschaft, in deren Alltag die Computerei einbrach – indem sie Gefahren aufzeigten und ein Verständnis für elektronische Sicherheit weckten.“ Das tun sie heute beispielsweise als Politikberater/innen in der Internet-Enquete.
#CCC

Diskussion um Vorratsdatenspeicherung

In einem Musterantrag für den SPD-Parteivorstand hat sich der Gesprächskreis „Netzpolitik und Digitale Gesellschaft“ für eine Speicherung von IP-Adressen unter bestimmten Bedingungen ausgesprochen, berichtet heise.de. Kritiker sehen darin den Einstieg in die Vorratsdatenspeicherung. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach nach lehnen zwei Drittel der Deutschen eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung ab.
#vorratsdatenspeicherung #spd

Pseudonymitätsdebatte: Offener Brief an Google

In der letzten Webschau haben wir versucht, die verschiedenen Positionen in der Debatte um Pseudonyme darzustellen: Die Diskussion dazu hält an, in einem Offenen Brief fordern nun Unterzeichner/innen aus unterschiedlichsten politischen Lagern Google auf, Stellung zu beziehen, u.a. argumentieren sie mit der Schutzfunktion, die Pseudonyme bei der Kommunikation im Netz haben. Nachzulesen u.a. auf netzpolitik.org.
#pseudonymitaetsdebatte #google+

17 Prozent der Deutschen waren noch nie im Netz

DRadio Wissen berichtet über eine Mitteilung des Statistischen Bundesamtes zur Netznutzung: 17 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren waren noch nie im Internet, die meisten davon sind zwischen 55 und 74 Jahren alt. In dieser Altersklasse liege der Anteil derjenigen ohne Interneterfahrung bei 42 Prozent. Bei jüngeren Menschen seien es weniger als zehn Prozent.
Fast alle Internetnutzer/innen, die jünger als 30 Jahre alt sind, sind bei sozialen Netzwerken angemeldet (96%), meldet heise.de. Bei den Nutzer/innen über 50 sind es etwa die Hälfte.
#netznutzung #nonliner


Debatte: Gefällt mir nicht

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) fordert Seitenbetreiber, die eine Fanpage bei Facebook betreiben oder den „Gefällt mir“-Button auf ihrer Seite haben, auf, diese vom Netz zu nehmen: Gedroht wird mit bis zu 50.000 EUR Bußgeld, weil die damit verbundene Datenweitergabe gegen geltendes Recht verstoße.

Schon wenn eine Seite mit einem Social Plugin (also z.B. dem Gefällt-mir-Button) geladen wird, Nutzer/innen also gar nichts tun, nirgendwo klicken, werden Daten übertragen. Der Heise-Verlag hat inzwischen eine Funktion entwickelt, die per Klick eine Art Einverständniserklärung zur Datenübertragung erfordert. Dem ULD reicht das nicht, u.a. weil dadurch eine Profilerstellung beim Anbieter nicht verhindert würde.

Firmen fürchten, wenn sich die ULD-Haltung durchsetzt, Wettbewerbsnachteile, Netzaktivisten eine Überregulierung. Netzpilot-Autor Andreas Weck: „Datenschutz ist wichtig, aber Politik auf dem Rücken der Webseiten-Betreiber zu machen halte ich für den falschen Weg. Gleiche Gesetze in allen EU-Staaten wäre eine konsequentere Lösung! Denn klar ist auch, dass Facebook ebenfalls Schranken braucht.“

Auf spiegel.de ist unter dem Titel „Warum wir Datenschutz-Fundamentalisten brauchen“ zu lesen, dass das Vorgehen des ULD die Klärung längst überfälliger Fragen zum Datenschutz vorantreibe.
#uld #regulierung #datenschutz


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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