ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks
Medienkompetenz durch praktische Partizipation
25 dreitägige Workshops in einer der ärmsten Regionen Westdeutschlands? Bildungsferne Jugendliche zur politischen Partizipation mit Unterstützung von Social Media befähigen und ermutigen? Das klingt nach einem ehrgeizigen Vorhaben. Wie das aussehen soll schildert Birte Frische vom ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V. im niedersächsischen Drochtersen-Hüll.
Birte Frische ist Initiatorin und Leiterin des neuen Projekts „Netz-Bildung“, kurz “Netz-B”, das über drei Jahre bis Juni 2014 von Aktion Mensch gefördert wird. Das Projekt wird vom und im ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V. durchgeführt.
Der Verein ist in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig, politische Jugendbildung mit neuen Medien ist eine der Schwerpunkte des ABCs.
In dem Projekt wird der Frage nachgegangen, “wie man Jugendliche mit den Möglichkeiten, die aktuelle Medien für das politische Engagement bieten, stärker für politische Beteiligung begeistern kann”. Die Jugendlichen sollen dabei unterstützt werden, selbst aktiv zu werden. Aus dem Projekt heraus sollen sie neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln, mit denen sie in das politische Geschehen selbst eingreifen können. Das Projekt besteht aus drei miteinander verzahnten Bausteinen, die verschiedene Arten von Plattformen für politisches Engagement von Jugendlichen darstellen: mehrtägige Workshops, JugendPolitCamps und einer im Projektverlauf wachsenden Webseite.
Bildungsferne Jugendliche gewinnen
Angesprochen werden Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine und Initiativen, aber auch einzelne Personen im Alter zwischen 14 und 26 Jahren. Dabei richtet sich das Projekt an Jugendliche aus ganz Norddeutschland, speziell aus der Region Kehdinger Land, “einer der ärmsten Regionen Westdeutschlands”, so Birte Frische. Ihr Ziel ist es insbesondere, bildungsferne Jugendliche zu gewinnen, um sie in ihrem Zugang zu digitalen Medien zu fördern. Über Eigenmittel aus dem Kontingent des Paritätischen Jugendwerk Niedersachsen können bei Seminaren mit niedersächsischen Teilnehmenden die Übernachtungskosten für die Teilnehmenden sehr niedrig gehalten werden.
Innerhalb des Projekts werden 25 dreitägige Workshops zu Social-Web-Themen angeboten. Zunächst sollen Schulen sämtlicher Schulformen angesprochen werden, später werden die Workshops auch offen ausgeschrieben. Referenten bzw. so genannte Teamer sollen einen inhaltlichen Input etwa zu Themen wie “Identität(en) im Netz”, “Öffentlich versus Privat”. “Rechtsextremismus im Internet” oder “Protestformen im Netz” geben. Danach sollen die Jugendlichen rasch in die Projektarbeit einsteigen, denn, so erklärt Frische, „die praktische kreative Arbeit mit greifbaren und in den Alltag übertragbaren Ergebnissen steht im Mittelpunkt der Workshops.“
Technik austesten, Methoden erproben
Die Teilnehmer können über die Themen, die den Schwerpunkt des Workshops bilden, beispielsweise bloggen, podcasten, twittern, in Sozialen Netzwerken Gruppen gründen, kurze Filme fürs Web realisieren, Visualisierungsmöglichkeiten erproben oder kollaborativ an Texten arbeiten. Birte Frische gibt hier verschiedene organisatorische Methoden, Tools und Websites an die Hand. Die Jugendlichen können dann in Begleitung der Teamer vom Storytelling über Online-Comics bis hin zu geolokalen Diensten wie Ushahidi verschiedene Ausdrucks- und Organisationsformen erproben. Damit können sie selbst explorativ erfahren, wie sie sich aktiv einbringen können.
Dreimal im Jahr wird ein BarCamp unter dem Namen “JugendPolitCamp” vor Ort im ABC für Jugendliche veranstaltet werden – das erste Mal im Frühjahr 2012; hierfür kooperiert das ABC mit Politcamp e.V.. Jugendliche aus den Workshops sollen die Veranstaltung mit Hilfe der Projekteiterin selbst vorbereiten und durchführen. Hierfür sollen sie wieder mit dem Social Web arbeiten, sich etwa über Skype-Konferenzen koordinieren, gemeinsame Texte in Google-Docs oder Etherpad erstellen oder Projektmanagement-Plattformen für die Projektorganisation verwenden.
Die Prozesse und Ergebnisse werden auf einer Internetplattform veröffentlicht, die sich auch über das Projekt hinaus zu einem etablierten regionalen Angebot entwickeln soll. Als technische Basis dient die Blog-Software WordPress. Die Jugendlichen können dort auch nach den Workshops und JugendPolitCamps selbst Links veröffentlichen, Webinhalte kommentieren und ihre Produkte präsentieren. Betreut wird die Plattform über den gesamten Projektzeitraum durch eine aktive Bloggerin. Netz-B.org wird im November 2011 online gehen und dann die Ergebnisse der ersten im November stattfindenden Workshops widerspiegeln.
Aufmerksamkeit durch Vernetzung
PR-technisch begleitet wird das Projekt “Netz B” von zwei Twitter-Accounts für Netz-B und das ABC, sowie einer Facebook-Fanseite für das ABC und das Netz-B-Projekt. Daneben wird laufend auf verschiedenen Wegen daran gearbeitet, das Projekt der interessierten Fachöffentlichkeit sowie den Zielgruppen bekannt zu machen, sei es nun über das Internet oder klassische Wege wie Zeitungsartikel, persönliche Gespräche oder Printprodukte. „Die Nutzung der klassischen Kommunikationskanäle ist insbesondere im ländlichen Raum wichtig“, meint Birte Frische. In Planung ist auch ein kleiner Image-Film über Netz-B, der auf den Video-Plattformen Youtube und Vimeo veröffentlicht werden soll. Birte Frische setzt außerdem auf Vernetzung, um Projektpartner zu finden. Neben der Zusammenarbeit mit Politcamp e.V. sind weitere Kooperationen in Planung. So hält Frische „Reallife“-Veranstaltungen im Barcamp-Format bzw. Netzwerktreffen mit im Social Web Aktiven für sinnvoll.

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| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Christiane Schulzki-Haddouti am 12. Oktober 2011 um 07:00 veröffentlicht und unter Politische Bildung im Netz, Porträts & Profile, Praxis & Projekte abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
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