Willst Du mit mir gehen?

„Willst Du mir mir gehen? [] Ja [] Nein [] Vielleicht” – das ist die wohl einfachste und früheste Form eines Feedbackbogens überhaupt. Sobald Kinder schreiben können, reichen sie von Schulbank zu Schulbank Zettelchen weiter.Ganz Gewiefte möchten es dem Zielobjekt der Begierde besonders einfach machen und geben die Antworten bereits vor. Und da beginnen die Probleme: Reicht ein einfaches „Ja – Nein” aus? Braucht es noch ein „Vielleicht” oder gar ein „Jetzt nicht, aber nächstes Jahr”?

Es ist nicht überliefert, ob in sog. „Computer-Klassen”, die schon sehr früh auf den Einsatz von Computern und Internet vorbereiten, diese Zettelchen mittlerweile elektronisch weitergereicht werden und ob besondere Smartphone-Apps das Ausfüllen automatisch übernehmen. Gleichwohl sind Feedbackbögen im Internet oder auch netzgestützte Umfragen eine gute Alternative zu Zettel und Stift: Die Fragen sind leicht zu stellen, noch einfacher zu verbreiten und noch viel einfacher elektronisch auszuwerten. Bildungsanbieter können auf diese Weise schon lange vor Veranstaltungsbeginn Wünsche und Erwartungen der Teilnehmenden abfragen oder im Nachgang eines Seminars das Feedback einholen. Nicht möglich sind mit diesen Diensten „Wissens”-Tests oder Quizze, weil direktes Feedback, ob Fragen als richtig oder falsch gewertet werden, fehlt.

Webdienste erleichtern die Arbeit

Es gibt eine Reihe von Anbietern, auf deren Webseiten man sich bequem eine Umfrage zusammenklicken kann. Sie haben dort die Möglichkeit

  • eine Umfrage völlig unabhängig von Ihrer Website einzurichten und den Link zur Umfrage z.B. per E-Mail weiterzuleiten. Auf diese Weise kommen Sie ganz ohne die Unterstützung Ihrer EDV-Abteilung aus.
    und/oder 
  • Sie erhalten ein Programmcode-Schnipsel, mit dessen Hilfe Sie die erstellte Umfrage nahtlos in Ihre Webseite einbauen können. Für die Befragten kommt die Umfrage dann in einem Guss mit Ihrer Webseite daher.
Zudem gibt es auch Software, die Sie bzw. Ihre EDV-Abteilung auf Ihrem eigenen Server installieren können. Sie haben damit vollen Zugriff auf alle Umfragefunktionen und vor allem auf die gegebenen Antworten. Sie sind völlig frei im Design und die Daten lagern auf Ihrem eigenen Server. Solche Software wie bspw. LimeSurvey ist kostenlos erhältlich, Sie benötigen nur Programmierkenntnisse oder jemanden, der sie hat. Wie solche eine selbst gehostete (= auf dem eigenen Server installierte) LimeSurvery-Umfrage aussehen kann, finden Sie unter http://survey.limesurvey.org/. Es gibt auch den Dienstleiter LimeService, der Ihnen die Installation und die Wartung der Software abnimmt; wenn Ihnen maximal 25 Antworten pro Monat ausreichen, ist der Dienst kostenlos.

Im Folgenden möchten wir Ihnen allerdings zwei Systeme vorstellen, die Sie ohne eigenen Server und ohne eigenen Installation sofort und kostenfrei nutzen könenn: Surveymonkey und Google Formulare:

Surveymonkey ist eine amerikanische Firma, die sich auf Umfragen im Netz spezialisiert hat. Um eine Umfrage zu erstellen, benötigen Sie einen Account, den es in der Basic-Variante kostenlos gibt. Wenn Sie mehr Komfort und Möglichkeiten haben wollen, kostet ein Account mindestens 25 € pro Monat. Um an einer Umfrage teilzunehmen, benötigen Sie natürlich keinen Account.

Zu Google muss man nicht viel sagen (interessant in diesem Zusammenhang das unabhängige googlewatchblog.de, das nach eigener Aussage in keinerlei Verbindung zu Google steht). Um eine Umfrage via Google zu erstellen, gehen Sie auf docs.google.com und klicken auf „Erstellen → Formular“.

Erstellen einer Umfrage

Das Erstellen einer Umfrage vollzieht sich bei beiden Dienste recht ähnlich. Es sind folgende Schritt notwendig:

  1. Kostenlosen Account beim Dienstleister anlegen
  2. Auf „Umfrage oder Formular erstellen” klicken und einen aussagekräftigen Namen vergeben
  3. Fragen hinzufügen, Fragen hinzufügen, Fragen hinzufügen …
  4. Umfrage speichern
  5. Link zur Umfrage verschicken und/oder in eigene Website einbinden
  6. Antworten auswerten

Beispiel Surveymonkey

Create your free online surveys with SurveyMonkey, the world’s leading questionnaire tool.

Beispiel Google

Für jedes Problem gibt es eine Frage

Sowohl bei Surveymonkey als auch bei Google haben Sie die Möglichkeit, aus einer Reihe von Fragetypen auszuwählen. Darunter sind:

  • Multiple-Choice-Fragen mit nur einer oder mehreren Antwortmöglichkeiten (z.B. für Ja-Nein-Fragen)
  • Auswahllisten (Drop-Down-Menüs) (z.B. für das eigene Bundesland)
  • Freie Textfelder (z.B. für die Frage: „Was hat Ihnen am Seminar besonders gut gefallen?“)
  • Antwort-Matrizen, wie im nachstehenden Bild zu sehen
Fragetyp: Matrix innerhalb einer Umfrage

Fragetyp: Matrix innerhalb einer Umfrage. Er wird häufig für Feedbackbögen z.B. im Seminarumfeld eingesetzt.

Sie werden bei beiden Diensten komfortabel durch das Menü geführt und können die Fragen auch nachträglich beliebig ändern.

Umfrage verbreiten

Es gibt für jede Umfrage zwei Möglichkeiten, um daran teilzunehmen:

  1. Die Website des Dienstleisters
    und/oder
  2. Ihre eigene Website

Bei Google gelangen Sie zur Webadresse (URL) Ihrer Umfrage über den Link „Formular → Zum Liveformular wechseln“, bei Surveymonkey über „Beantwortungen erfassen → Collector hinzufügen → Weblink“. Sie erhalten dann einen mehr oder weniger kurzen Link

den Sie in Ihren Nachfass-E-Mails an z.B. an alle Teilnehmenden eines Seminars verschicken können.

Tipp! Lange Links verkürzen: Nicht immer sind lange Links direkt in Mailprogrammen anklickbar, weil sie sich über mehrere Zeilen erstrecken und nur die erste Zeile klickbar bleibt. Deshalb sollten Sie lange Links über einen sog. URL-Shortener verkürzen. Aus dem langen Link zum Google-Formular wird so ein kurzes http://bit.ly/yUD3tf. Das ist in jeder E-Mail anklickbar und kann, wenn Sie es zum Beispiel ausdrucken, auch schneller und leichter wieder eingetippt werden. Um lange Links zu verkürzen, gehen Sie bitte auf http://bit.ly.

QR-Code zum Formular

QR-Code zum Formular

Noch ein weiterer Tipp:
Drucken Sie auf die Feedbackbögen, die Sie am Ende eines Seminars verteilen, auch einen sog. QR-Code auf. Wenn man den mit einem Smartphone (z.B. ein iPhone oder ein Android-Telefon) fotografiert, wird man automatisch zum Online-Formular weitergeleitet. Das aufwändige Abtippen der Webadresse entfällt.

Für jede Internetadresse müssen Sie einen individuellen QR-Code erstellen, z.B. unter https://chart.googleapis.com/chart?chs=300×300&cht=qr&chl=http://bit.ly/yUD3tf. Hier müssen Sie einfach das „http://bit.lyyUD3tf“ am Ende der Zeile durch die Webadresse Ihres eigenen Formulars ersetzen.

Sie können bei beiden Dienstleistern – Surveymonkey als auch Google – auch einen Einbinde-Code erzeugen und die Umfrage nahtlos in Ihre eigene Website integrieren. Technisch gesehen ist das eine Zeile Code, ein sog. iFrame, den Sie in Ihrem Content-Management-System (z.B. WordPress oder Typo3) einbauen. Wenn Sie als Autor/in nicht die nötigen Rechte dazu haben, wenden Sie sich bitte mit dem Codeschnipsel an Ihre/n Website-Administrator/in. Bei Google erhalten Sie dieses Codeschnipsel über „Formular → Formular in eine Website einbetten“, bei Surveymonkey klicken Sie auf „Beantwortungen erfassen → Collector hinzufügen → Website“.

Das Auge klickt mit – Design auswählen

Auch darin unterscheiden sich beide Dienste nur in Details: ansprechende Design können Sie in beiden Fällen auswählen. Bei Surveymonkey klicken Sie dazu auf „Umfrage bearbeiten”, bei Google auf „Formular bearbeiten → Thema”. Während letzterer viele grafisch aufwändige Designs vorhält, können Sie nur bei Surveymonkey die Farben individuell einstellen und mit einem kostenpflichtigen Account auch ein eigenes Logo hochladen.

Google bringt viele Designs mit – die kann man allerdings nicht ändern.

Google bringt viele Designs mit – die kann man allerdings nicht ändern. (Klicken zum Vergrößern)

Surveymonkey: Mit einem Pro-Account können Sie auch Ihr eigenes Logo einbinden.

Surveymonkey: Mit einem Pro-Account können Sie auch Ihr eigenes Logo einbinden. (Klicken zum Vergrößern)

Und was kommt dabei raus? – Die Auswertung

Hier unterscheiden sich beide Dienste stark, wenn man bei Surveymonkey nur ein kostenloses Basis-Konto nutzt. Bei Surveymonkey Basic kann man nämlich die Antworten nicht herunterladen und nicht in einer eigenen Excel-Tabelle weiterverarbeiten. Dazu benötigt man mindestens den kostenpflichtigen „Plus”-Account. Ohne diesen Account können Sie sich nur eine Übersicht und die einzelnen ausgefüllten Fragebögen anzeigen lassen.

In der Kostenlos-Version können Sie leider die Antworten nicht als Tabelle herunterladen.

In der Kostenlos-Version können Sie leider die Antworten nicht als Tabelle herunterladen.

Bei Google laufen alle Ergebnisse automatisch in eine Art Excel-Tabelle ein und sind komplett weiter verarbeitbar.

Bei Google laufen alle Ergebnisse automatisch in eine Art Excel-Tabelle ein und sind komplett weiter verarbeitbar.

Google Formulare bietet von Haus aus Diagramme an.

Google Formulare bietet von Haus aus Diagramme an.

Der Vorteil in der Auswertung liegt zunächst bei Google: Auch im kostenlosen Account (einen kostenpflichtigen Pro-Account gibt es für Formulare nicht) hat man vollen Zugriff auf die Daten und kann sie entweder gleich online statistisch auswerten oder als Excel-Tabelle herunterladen. Die von Google mitgelieferten Diagramme sind allerdings schlecht aus Googles Dokumenten herauszukopieren oder auch nur auszudrucken.

Fazit

Die beiden Formularanbieter Google und Surveymonkey unterscheiden sich in ihrem Funktionsumfang und in der Handhabung. Während einige Features bei Surveymonkey nur mit einem kostenpflichtigen Account zu haben sind, bietet Google (wo alles kostenlos ist) diese Funktionen erst gar nicht an. Nur Surveymonkey bietet an:

  • mehrseitige Formulare mit Fortschrittsbalken (kostenlos)
  • mehrere Beantwortungen pro Computer verbieten (kostenlos)
  • das Einbinden eines eigenen Firmenlogos (kostenpflichtig)
  • Anpassen der „Vielen-Dank”-Seite, die nach Ausfüllen des Fragebogens angezeigt wird (kostenpflichtig)

Um aber schnell und unkompliziert eine erste Umfrage zu erstellen, sind beide Dienste geeignet. Welchen Sie dauerhaft nutzen, hängt vor allem von Ihren Anforderungen ab und davon, ob Sie die Kosten eines Pro-Accounts schultern möchten oder nicht.