Webcasting leicht gemacht – Teil I: Wie funktioniert das und was brauche ich?

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

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Online-Vorträge und – Diskussionen in der Bildungsarbeit

Beim Webcasting lassen sich Vorträge und Diskussionen mit Bild und Ton in alle (Online-)Welt senden – ohne dass die Beteiligen dafür ihre Schreibtische verlassen müssen. Das gilt für den Anbieter und Produzenten wie für Moderation und Experten und natürlich auch für die Teilnehmenden. Wie genau das funktioniert und welche Ausstattung es braucht, beschreiben wir in diesem Artikel. In Teil II werden wir verschiedene Anbieter von Webcasting-Software vorstellen und vergleichen.

Das Konzept des Webcastings erweitert die Möglichkeiten der üblichen Internet-Videos unter zwei Aspekten: Als Live-Webcast können Zuschauer nicht nur zuschauen, sondern sich auch beispielsweise via Chat in die Übertragung einschalten und Fragen stellen oder selber einen Diskussionsbeitrag liefern. Zudem liefern die Webcastings auch in der aufgezeichneten Variante („On-demand Webcasts“) den Mehrwert, dass hier Videos, z.B. eines Vortrags, verbunden werden können mit der gezeigten Präsentation. Ein Beispiel für ein Webcasting ohne Zuschauer vor Ort sind die #pb21-WebTalks:

Hier kommen die Referenten mit dem Moderator nur online zusammen, Videos der Teilnehmer werden von der Webcasting-Software zusammengestellt und dann für die Zuschauer auf einer gemeinsamen Internet-Seite dargestellt. So kann auch aus dem eigenen Büro live gesendet werden.

Während bei Videos die technischen Voraussetzungen vergleichsweise überschaubar sind – es muss oft nur in irgendeinem halbwegs üblichen Format ein Video vorliegen, um über einen der großen Video-Hoster im Internet verbreitet zu werden – sind die Anforderungen beim Webcasting höher. Doch gibt es da mittlerweile eine Reihe von gut handhabbaren Systemen, so dass es auch eher Unerfahrenen in dem Bereich mit ein bisschen Spaß am Herumprobieren möglich ist, live zu senden und die Zuschauer miteinzubeziehen.

Die Kommunikation bei Live-Webcasts ist der Face-to-Face-Kommunikation ähnlich. Gemeinsam ist beiden Formen die Sicht- und Hörbarkeit, die Synchronizität und die Sequenzialität, also die chronologische Abfolge vorher vorgesehener Beiträge oder Gesprächspartner. Trotz dieser Gemeinsamkeit gibt es sehr große Unterschiede, die sich daraus ergeben, dass sich die Akteure räumlich getrennt aufhalten. So ist die Wahrnehmung der anderen Person durch den in der Regel kleinen Bildausschnitt stark eingeschränkt, die Zuschauer sind oft nicht mit Bild, sondern nur mit ihrem Namenseintrag in einer Liste vertreten. Diese Einschränkungen sind der Tatsache geschuldet, dass nicht alle Nutzer über eine schnelle Internetverbindung verfügen. Theoretisch könnten alle Teilnehmer mit Bild und Ton zugeschaltet werden. Allerdings ist die Technik auch noch nicht soweit, dass das Zusammenspiel von Audio und Video immer ohne Ausprobieren funktionieren würde.

Die Kommunikation mit Experten und Teilnehmern ist in Webcasting-Szenarios – anders

Non-verbale Interaktionsmöglichkeiten können naturgemäß nur begrenzt stattfinden und das führt oft zu längeren Einzelbeiträgen der Sprechenden, Pausen zwischen den Beiträgen und eine stärkere Strukturierung des Ablaufs und damit weniger Spontaneität. Abhängig von Internetverbindung und verwendeter Software gibt es auch einen Zeitversatz, der die Kommunikation untereinander erschwert.

In einem Webcast kann man praktisch das machen, was auch in Fernsehsendungen möglich ist, ergänzt durch die Möglichkeiten der Interaktivität mit den Zuschauern. Im Wesentlichen finden sich im didaktischen Kontext folgende Formen:

  • Gesprächsrunden mit Experten und Frage-/Diskussionsmöglichkeit durch die Teilnehmer: Das ist das Konzept der #pb21-WebTalks, bei dem ein Moderator mit einem bis drei Gesprächspartnern ein Thema vorstellt (unterstützt durch Visualisierungen) und die Teilnehmer über einen Text-Chat die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen. Bei dieser Form gibt es kein Live-Publikum vor Ort.
  • Live-Übertragung von Veranstaltungen: Gesprächsrunden oder Vorträge von Präsenzveranstaltungen können live ins Internet übertragen werden und die Zuschauer im Internet können wie die Teilnehmer vor Ort Fragen stellen. Der entscheidende Vorteil ist hier, interessante Veranstaltungen direkt einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, was auch direkt einbezogen werden kann. So wirkt das Geschehen im Internet direkt in die Präsenzveranstaltung hinein.
  • Plenumgsgespräche mit virtuellen Gruppen: Hier leitet ein Moderator/Dozent (möglicherweise mit einem Experten) eine virtuelle Gesprächsrunde mit einer offenen oder geschlossenen Teilnehmergruppe. Die Inhalte werden unterstützt durch Präsentationen visualisiert und es kann gemeinsam an einem Ergebnis, z.B. einem gemeinsamen Dokument gearbeitet werden. Hier steht die Interaktivität und die Wissensvermittlung im Mittelpunkt.

Natürlich sind auch andere Formen denkbar, die Nutzung von Webcasts ist im didaktischen Kontext noch nicht ganz so verbreitet. Da gibt es noch sehr viel mehr Einsatzmöglichkeiten.

Geringe Anforderungen an die Technik, aber wichtig: Zuverlässigkeit

Im Prinzip muss für einen Webcast das vorliegen, was auch eine Fernsehsendung an Vorbereitung und Technik braucht – nur in deutlich kleinerem Umfang. Die technischen Voraussetzungen in Bezug auf Mikrofon und Kamera sind eher gering. Da durch das Streaming – die Technik, mit der die großen Audio- und Videodaten internettauglich kleingerechnet werden – die Audio- und Video-Qualität ohnehin herabgesenkt wird, ist eine günstige Ausstattung ausreichend.

Foto „Laptop, Kamera, Headset“ von Maria-Christina Nimmerfroh unter CC BY 3.0.

Foto „Laptop, Kamera, Headset“ von Maria-Christina Nimmerfroh unter CC BY 3.0.

Kamera: Eine sog. Webcam, die man am Laptop oder am Bildschirm befestigen kann, reicht völlig aus. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Auflösung, mit der aufgenommen wird, mind. 640×480 Bildpunkte (Pixel) beträgt. Externe Webcams erfüllen dieses Kriterium in der Regel, bei eingebauten Webcams, z.B. bei günstigen Laptops, ist die Qualität oft nicht so gut. Da hilft dann nur ausgiebiges Testen.

Mikrofon: Wenn es wenig Umgebungsgeräusche gibt, der Akteur beispielsweise alleine in seinem Büro sitzt, reichen in der Regel die eingebauten Mikrofone, die oft bei Laptops integriert sind. Ansonsten sind auch die Mikrofone von Headsets von der Qualität her sehr brauchbar. Die beste Tonqualität bieten USB-Mikrofone, die ab etwa 70 Euro erhältlich sind.

Headset: Es ist unbedingt notwendig, dass alle Akteure Headsets oder Kopfhörer tragen. Ist nämlich der Lautsprecher des Computers eingeschaltet, entstehen die unschönen Rückkopplungsgeräusche. Auf diese Notwendigkeit sollten auch alle Beteiligten der Aufzeichung vorher hingewiesen werden. Wer sich nicht mit Kopfhörern präsentieren möchte, kann ja auf Kopfhörer im Ohrstöpselformat zurückgreifen.

Damit live auch alles klappt: Testen, testen und nochmal testen

Die Technik – also alle Kameras, die Internetverbindungen, der Webcast-Hoster, also einfach alles, muss vorher ausführlich getestet werden, um mögliche Fehlerquellen auszuschalten. Ein Webcast ist aufwendig und es wäre sehr bedauerlich, wenn er ausfallen müsste, beispielsweise weil die Internet-Verbindung eines Experten zu langsam ist. So muss mit jedem Akteur vorher, am besten einige Tage vorher, ein Testlauf durchgeführt werden, um Bild und Ton und Übertragungsgeschwindigkeit zu testen. In der Regel dauert so etwas nur wenige Minuten. Diese Testäufe ist auch sinnvoll, damit sich die Akteure in die besondere Situation mit der Kamera und den entfernten Akteuren einstellen können.

Zusätzlich zur Technik ist ein ausgearbeitetes Konzept notwendig, das vor allem auch Zeitvorgaben für die Teilnehmenden enthält, eine Sendeleitung, die für die optimale Einspeisung der unterschiedlichen Beiträge und Formate zuständig ist und natürlich die Kameras, Mikrofone und Computer der Beteiligten. Die „Sendeleitung“ braucht einen Computer, der die Anforderungen der Webcast-Software erfüllt (das ist anbieterabhängig, deswegen kann hier keine generelle Empfehlung gegeben werden) und eine Breitband-Internetverbindung. Eine Übertragung über Internetverbindungen mit geringerer Bandbreite ist zwar grundsätzlich möglich, aber nicht empfehlenswert.

Die Kosten sind überschaubar

Für einen Webcast ist ein Vertrag/eine Registrierung mit einem Webcast-Hoster notwendig, die alle Leistungen unterschiedlichen Umfangs anbieten, bei den meisten ist es möglich, auch kostenlos den Dienst zu testen. Die meisten Hoster bieten Verträge mit einmonatiger Kündigungsfrist an, so dass man die Leistung den sich verändernden Bedürfnissen anpassen kann. Die Leistungen bestehen üblicherweise darin, Software für die „Sendeleitung“ zur Verfügung zu stellen, also für den Arbeitsplatz, von dem aus die Videos, die Präsentationen und die Interaktivität mit den Teilnehmern gesteuert wird. Mit Hilfe dieser Software, die in der Regel über den Internet-Browser als Webanwendung bedient wird, werden auch die Rollen und Rechte der Teilnehmenden zugewiesen (Teilnehmer, Moderatoren, Experten usw.) Diese „Sendeleitung“ kann auch von einem oder mehreren Moderatoren übernommen werden und ist von jedem am Webcast beteiligten Computer aus möglich. So lassen sich die Aufgaben zwischen den Akteuren flexibel verteilen. Dazu kommt natürlich das Zur-Verfügung-Stellen der ganzen Sendung im Internet unter einer Internet-Adresse die den Teilnehmern kommuniziert werden kann und die Benutzerverwaltung für die Akteure und Teilnehmer. Nach der Sendung sollte das Video auch noch abrufbar sein, damit alle die, die nicht live zuschauen konnten, trotzdem Zugang zu den Inhalten. Ein wichtiger Aspekt von Webcasts ist ohnehin die Verfügbarkeit im Nachhinein: Die ganze Sendung ist dauerhaft abrufbar, so dass sich der Aufwand eines Sendekonzepts oder mehrere Experten auch wirklich lohnt.

Eine Schulung zum Organisieren und Durchführen von Online-Events mit Adobe Connect findet am 06.02.2012 um 14.00 Uhr auf e-teaching.org statt.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Mit unterschiedlichen Systemen? Der Konzeption von Webcasts? Und der Resonanz der Zuschauer? Teilen Sie anderen Ihren Erfahrungen mit!

In Teil II werden wir verschiedene Anbieter von WebCasting-Software vorstellen und vergleichen.


In der Reihe „Lernen mit YouTube & Co“ sind bisher erschienen:


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Dipl.-Psychologin Maria-Christina Nimmerfroh ist tätig als Fachjournalistin für IT und Medien, als Dozentin in der politischen Erwachsenenbildung und als Lehrbeauftragte an Hochschulen. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Bereich Marketing/Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen, Organisationsentwicklung, Hochschuldidaktik und Wirtschaftspsychologie, insbesondere Markt- und Konsumpsychologie. Im Bereich Online-Lernen ist sie seit 1998 unterwegs und bildet auch selbst Online-Seminarleiter aus. Aktuell hat Maria-Christina Nimmerfroh Lehraufträge an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Fachbereich Wirtschaft und an der Bonner Akademie inne und führt für politische Stiftungen Online- und Präsenzseminare durch.

Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Web-Video & Livestreaming Schlagworte: , , , , , , ,