Video für Einsteiger, Teil I: Von wenig Durchblick zu etwas Ahnung

Soviel Video war nie, und täglich wird es mehr: Interviews, Dokumentationen, Mitschnitte von Vorträgen und Livestreams – da überlegt sich mancher, ob und wie er in Zukunft visuell dabei sein will. Denn Videos erzielen eine hohe Aufmerksamkeit, sind emotionaler und ansprechender als reine Texte. So lassen sich komplexe Zusammenhänge nachhaltiger vermitteln, weshalb Internetnutzer eher bereit sind, einen Drei-Minuten-Clip anzuschauen, als einen vergleichbar langen Text zu lesen. Außerdem werden interessante Videos gern verlinkt und in sozialen Netzwerken weitergereicht.

Eine Anleitung für alle, die noch nie Video gemacht haben

Der erste Teil der kleinen Serie „Video für Einsteiger“ richtet sich an Personen, die Interviews aufnehmen, Veranstaltungen mitschneiden oder Videos zu Dokumentations- und Lernzwecken erstellen möchten und anschliessend on- oder offline verbreiten wollen.

Pocket Cams - GoPro and FlipCam. Foto privat, nicht unter freier Lizenz.

Pocket Cams – GoPro and FlipCam. Foto privat, nicht unter freier Lizenz.

Am Anfang steht die Qual der Wahl

Eine geeignete Kamera zu finden ist heute kein Problem mehr, denn fast schon im Monatsrhythmus kommen neue, immer leistungsfähigere Geräte auf den Markt. Vor dem Kauf sollte man sich deshalb unbedingt schlau machen. Eine gute Infor,atiomationsquelle für eigene Recherchen sind die aktuellen Ausgaben der wichtigsten Videomagazine. Auf den vorderen Seiten testen sie die Neuerscheinungen und im hinteren Teil findet sich meist eine Übersicht über die Testsieger in den verschiedenen Preisklassen. Wenn Sie ein passendes Modell entdecken und dazu mehr erfahren wollen, finden Sie auf Amazon nützliche Kundenrezensionen. Tests und Vergleiche gibt es auf testberichte.de und Diskussionen über einzelne Modelle finden Sie in Foren wie Slashcam. Recherchieren lohnt sich, denn nebenbei lernen Sie die wichtigsten Fachbegriffe.

Unsere Reihe Video für Einsteiger: Teil I Von wenig Durchblick zu etwas Ahnung, Teil II Praxistipps für das richtige Equipment, Teil III Postproduktion, Teil IV Videoequipment

Die Einsteigermodelle

Ab 100-200 Euro werden zweckorientierte Minimalisten bereits fündig. Besonders leicht zu handhaben sind (neben den Smartphones mit Videofunktion, auf die wir in Teil 2 noch zu sprechen kommen) PocketCams wie die FlipCam. Sie lassen sich via USB mit dem Rechner verbinden und die Daten sich entsprechend leicht weiter verarbeiten. Worauf Sie sollten sonst noch beim Kauf achten?

Format 16:9 - garantiert mehr Auslauf. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Format 16:9 – garantiert mehr Auslauf. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Hier wird es schon mal eng. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Hier wird es schon mal eng. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Zum Beispiel auf das richtige Format: 16:9 (links) ist eindeutig auf dem Vormarsch, während das Format 4:3 (rechts) langsam ausstirbt. Im Breitwand-Format lässt sich  mehr unterbringen, zum Beispiel erklärende Grafiken und Texte. Deshalb empfiehlt es sich, beim Kauf auf das 16:9-Format zu achten.

Ein weiterer Vorteil der günstigen Kameras sind ihre eingeschränkten Einstellmöglichkeiten. Sie müssen sich nicht weiter damit beschäftigen, sondern können weitgehend der Automatik vertrauen und sich dafür ganz auf Ihre Aufgabe als Filmer konzentrieren.

Vier Tipps für bessere Filme

In der Praxis werden Sie rasch merken, dass leichte Kameras schwer ruhig zu halten sind. Um verwackelte Aufnahmen zu vermeiden, sollten Sie sich daher ein Stativ anschaffen. Denn wackelfreie Bilder sind der schnellste Weg, professionell wirkende Aufnahmen zu erzielen.

Zweiter Tipp: Sie sollten immer ein bis zwei frisch aufgeladene Ersatzakkus für die Kamera bereithalten sowie Bänder, bzw. eine zweite Speicherkarte, um sie ggf. austauschen zu können.

Grafik nicht unter freier Lizenz.

Grafik nicht unter freier Lizenz.

Dritter Tipp: Beachten Sie beim Bildaufbau die Drittel-Regel. Präsentieren Sie Ihr Motiv, beispielsweise einen Interviewpartner, nie mittig, sondern im rechten Drittel des Bildes. Profis unterteilen ein Bild gedanklich in drei horizontale und drei vertikale Felder (Bild links). Entsprechend platziert, lenken Sie das Auge des Betrachters leichtfüssig durch den Film.

Vierter Tipp: Wenn Sie eine Kamera mit eingebautem Mikrofon kaufen, achten Sie darauf, dass Sie möglichst nahe vor Ihrem Interviewpartner stehen und wenig Nebengeräusche mit aufnehmen. Nur so erreichen Sie einen ausreichend guten Ton.  Hier wie auch grundsätzlich gilt, Testaufnahmen zu machen, und sich diese mit Kopfhörer anzuhören. So bekommen Sie Sicherheit, Routine und holen das Beste auch aus günstiger Ausstattung heraus.

Die Postproduktion

Wenn das Filmmaterial „im Kasten“ ist, beginnt die Nachbereitung. Gute und günstige Schnittprogramme für Einsteiger sind Magic Video deluxe oder Pinnacle Studio  (PC) und iMovie (Apple). Da Videobearbeitung zu den speicher- und rechenintensivsten Aufgaben eines Rechners zählt, sollten Sie über einen schnellen Rechner und ausreichend Speicher (RAM) verfügen. 4 GB RAM, 500 GB Festplatte und ein 2 GHz Prozessor bilden eine gute Ausgangsbasis. Wenn Ihre Kamera in HD (High Definition) aufzeichnt, steigen damit auch die Anforderung an Ihren Schnittcomputer.

Kinderleicht zu bedienen: Der Online-Schnittplatz von youtube. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Kinderleicht zu bedienen: Der Online-Schnittplatz von youtube. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Wenn diese Anforderungen Ihre Ausrüstung übersteigen, können Sie Ihre Filme auch online bearbeiten. Eröffnen Sie ein youtube-Konto, laden Sie Ihr Video hoch und setzen Sie es unter dem Punkt „Datenschutz“ auf „nicht gelistet“ oder „privat“ – dann erscheint es nicht in der Öffentlichkeit. Anschliessend können Sie es unter dem Punkt „Video verbessern“ online schneiden, Farb- und Kontrastkorrekturen durchführen, mit Anmerkungen und Untertiteln versehen – und wenn Ihnen eine Aktion nicht gefällt, lässt sie sich wieder rückgängig machen. Das alles lässt sich intuitiv und ohne irgendwelche Kosten oder Vorkenntnisse realisieren. Am besten ausprobieren Sie es einfach aus – ein Motto, das übrigens für die meisten Videoaktivitäten gilt.

Erstes Fazit

Videos aufzunehmen, zu schneiden und online zu stellen ist heute leichter als je zuvor. Für knapp 200 Euro bekommen Sie eine brauchbare Kamera und wenn Sie die oben genannten Punkte berücksichtigen – Probeaufnahmen machen und anschliessend sorgfältig analysieren – steht professionell aussehenden Lehr- und Dokumentarfilmen nichts mehr im Wege. Als Ermutigung finden Sie hier zum Abschluß das Beispiel einer jungen Dame: Sie zeigt Ihnen, wie es geht!
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Erfahrener Autor und Produzent interaktiver Lernumgebungen mit Vorliebe für Bilder und Videos anstelle von langen Texten für corporate learning. Zusammen mit Martin Lindner das unschlagbare Wissmuth-Duo für pfiffige und überzeugende Lernlösungen.

Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Web-Video & Livestreaming Schlagworte: , , , , , , Keine Kommentare ↓
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1 Pings/Trackbacks für "Video für Einsteiger, Teil I: Von wenig Durchblick zu etwas Ahnung"
  1. [...] auch schneiden – Sie brauchen einen schnellen Prozessor und soviel RAM wie möglich (siehe Teil I der Serie). Wenn Sie Tutorials und Schulungsvideos produzieren, werden Sie zusätzlich mit Texten und Bildern [...]

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