Webschau April 2012

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Jetzt haben auch die Konservativen „ihren“ Verein für Netzpolitik, das C-Netz. In Bielefeld wurden wieder die Preise, die keiner will, verliehen: Einer der diesjährigen Big Brother Awards ging an den Innenminister Hans-Peter Friedrich. Constanze Kurz sagt „Keine Angst vor den Piraten!“ und die ihre Mitstreiter vom Chaos Computer Club antworten auf den offenen Brief der „Tatort“-DrehbuchautorInnen.

Lesetipp: Das Wissen und das Netz: Wer hat, dem wird gegeben

Seit Januar dieses Jahres gibt es das Debattenportal „diskurs.dradio.de – Politik, Medien und Öffentlichkeit in Zeiten der Digitalisierung“. Alle bislang dort veröffentlichten Beiträge sind Lesetipps. Wir machen hier auf den aktuellsten aufmerksam:
„Wer nutzt das Instrument Internet wirklich? Sind Minderheiten plötzlich mündig? Die Soziologin Nicole Zillien zweifelt das an. Statt von Ermächtigung zu reden, stellt sie in ihrem Debattenbeitrag die These auf, dass soziale Klüfte durch das Netz nicht vermindert, sondern verstärkt werden. Digital Divide statt Demokratisierung?“
#diskurs #deutschlandfunk #digitaldivide


Kurzmeldungen

Big Brother Award 2012

Zur Tradition des Big Brother Awards gehört auch die Vergabe eines Preises an den diensthabenden Innenminister der Bundesrepublik, schreibt heise.de: Hans-Peter Friedrich erhält den Preis für das im April 2011 gestartete Cyber-Abwehrzentrum. Die Preisvergabe „sieht die Jury vor allem damit gerechtfertigt, dass das Bonner Zentrum ohne Legitimation durch den Bundestag errichtet wurde und in ‘Tateinheit’ mit dem Abwehrzentrum Rechtsextremismus und der geplanten zentralen Verbunddatei Rechtsextremismus eine problematische Verzahnung von Polizei und Geheimdiensten darstelle.“
#bba12

Wir sind Wikipedia

Wer schreibt eigentlich die Artikel für die Wikipedia und was motiviert diese Menschen? „Diese Autoren lassen die kostenlose Internet-Enzyklopädie wachsen“. Unter diesem Titel portraitiert welt.de einige Wikipedia-AutorInnen und das Online-Lexikon gleich mit.
#wikipedia #autoren

Jugendliche zu „Prosumenten“ machen

„Ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass junge Menschen ePartizipations-Angebote annehmen und mit Leben füllen, ist das österreichische PoliPedia.at: Ein offenes Wiki-System, das netzbasiert politische Bildung und politischen Diskurs mit und für Jugendliche initiieren will.“, schreibt Lisa Peyer auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.
#prosument #jugendliche

Digitaler Wake-up-Call

Verdummen wir durch die ständige Selbstbespiegelung in sozialen Netzwerken? Geert Lovink fragt beispielsweise, wie denn produktive Kontroversen und öffentliche Debatten entstehen sollen, „wenn jeder dein ‘Freund’ ist?“. Dem steht eine „pragmatisch bilanzierende, aktivistische Sicht gegenüber, die genau andersherum beobachtet, ‘dass die Existenz von sozialen Online-Netzwerken, die Verbreitung von Mobiltelefonen und der freiere Zugang zum Internet die Menschen zu aktiveren, widerständigeren Bürgern macht.’“ Diese Positionen und ihre Geschichte sowie zwei Buchneuerscheinungen zum Thema werden auf sueddeutsche.de vorgestellt.
#selbstbespiegelung #sozialebewegungen

Wird das Internet schließen?

„Apple kontrolliert, welche Apps wir nutzen. Google bestimmt, was wir lesen. Für viele ist Surfen nur noch Facebook. Skeptiker prophezeien das Ende des offenen Netzes.
Innerhalb der Netzgemeinde geht die Sorge um, das Internet könne bald ‘schließen’. Werden künftig Firmen wie Apple, Facebook und Google die Online-Welt kontrollieren oder bleibt sie ‘offen’ für alle? Wird man als Einzelner sämtliche Inhalte erreichen können, die man haben möchte?“ Auf ftd.de geht die Ökonomin Esther Dyson diesen Fragen nach und glaubt dabei nicht, dass „wir vor einer Welt ohne Auswahlmöglichkeiten stehen.“
#inhalte #offenesnetz

Keine Angst!

„Jetzt schon 13 Prozent: In immer neuen Umfragen schafft die Piratenpartei immer bessere Werte. Die anderen Parteien reagieren mit Spott, Ignoranz und Angst. Tatsächlich sollten sie rasch von den Newcomern abkupfern – denn um die aktuellen Krisen zu lösen, braucht Politik eine breitere Basis.“
In ihrem Essay auf spiegel.de sagt Constanze Kurz, warum die anderen Parteien von den Piraten lernen müssen.
#piraten #abkupfern

C-Netz: Konservative gründen Verein für Netzpolitik

„Auf Twitter wurde gelacht, der Stern bezeichnete sie als ‘Merkels Möchtegern-Piraten’ und im Allgemeinen machten sich alle über den ungünstig gewählten Namen des ‘christlichen Netzwerkes’ lustig.“ Dominik Schönleben spricht auf vice. com mit dem Gründungsmitglied und Vorstand Thomas Jarzombek, um mehr zu erfahren.
Im Interview mit cicero.de erklärt Peter Tauber woher die Häme, mit der die Gründung des Vereins in der Netzöffentlichkeit aufgenommen worden ist, aus seiner Sicht kommt: Daher, „[...] dass ihre linke Deutungshoheit, was Netzpolitik ist und welche Positionen Netzpolitiker zwangsläufig vertreten müssen, damit in Frage gestellt wird.“
#cnetz


Debatte: Tatort-Autoren und Urheberrecht

Ende März haben 51 „Tatort“-DrehbuchautorInnen einen offenen Brief verfasst: Darin werfen sie Grünen, Piraten, den Linken und der „Netzgemeinde“ Demagogie in der Diskussion um das Urhebrrecht vor. Grundrechte der UrheberInnen würden marginaliert.

51 Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) haben dazu gleich ein paar Anmerkungen formuliert: „Das Tragische (im griechischen Sinne) ist doch, daß wir beide Opfer des Verwertungssystems sind. Ihr schuftet Euch seit Jahren für die Verwertungsindustrie ab und habt so viele Eurer Rechte weggegeben, daß weder Ihr noch Eure Nachfahren von der verlängerten Urheberrechtsschutzfrist etwas haben. Das ist bloß ein Verhandlungsmittel, mit dem Ihr zu reduzieren hofft, wie doll Euch die Verwertungsindustrie abzockt. Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal.“
#urheberrecht


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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