Webschau August 2012

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Nichts zur Entwicklung des Facebook-Börsenkurses und nichts dazu, wie sich die olympischen Spiele im Netz gespiegelt haben: In der August-Webschau befassen wir uns stattdessen mit Nachrichten aus dem Iran und Syrien, mit Open Government für Deutschland und Offenen Kommunen. In der Debatte geht es um das Leistungsschutzrecht.

Lesetipp
Live-Blogging: Taugen die „alten“ Medien als Vorbild für den neuen Journalismus?

Das Internet kann das Weltgeschehen in Echtzeit übertragen. Live-Blogs begegnen dieser Herausforderung auf Augenhöhe. Taugen die „alten“ Medien als Vorbild für den neuen Live-Journalismus? Das fragt sich Joseph Stashko in der Berliner Gazette. „Beinahe jeder Liveblog, auf den ich je gestoßen bin, scheitert daran, dass er den Kontext nicht mit einbezieht.“ Der Autor guckt sich große Nachrichtenportale wie den Guardian an und überprüft, ob die Einbettung in die dort bereits vorhandenen Informationen das Problem löst.
Die Berliner Gazette veröffentlicht regelmäßig Artikel zum Themenkreis Zeitung 2.0.
#liveblogging #journalismus


Kurzmeldungen

Nationales Datennetz: Iran will sich vom Internet abkoppeln

„In Krisenzeiten nicht vertrauenswürdig“ sei das Internet. Deswegen soll der Iran ab September stückweise vom Netz genommen werden. Als erstes ist geplant, die Seiten von Ministerien vom weltweiten Netz abzutrennen. Das berichtet spiegel.de unter Berufung auf einen Artikel auf der Seite des Magazins wired.
#iran #intranet

Crowdsourcing für den Frieden: Kriegsberichterstattung aus Syrien

Zwei Beispiele auf politik-digital.de: Seit April dieses Jahres können Augenzeugen Berichte über Kriegshandlungen in Syrien anlegen. Auf Syriatracker finden sich Vermisstenanzeigen und Berichte über Morde, Festnahmen, Flüchtlingszahlen sowie Trinkwasser- und Nahrungsverschmutzung. Die Aktivistinnen hinter Women under Siege Syria, der zweiten vorgestellten Seite, wollen mit dem Sammeln der Berichte über sexuelle Gewalt Bewusstsein dafür schaffen, dass Vergewaltigungen ein Aspekt der Kriegsführung sind.
Die beiden Seiten zu Grunde liegende Source-Software wird übrigens hautsächlich von Freiwilligen aus Afrika entwickelt.
#syrien #crowdsourcing

BMI-Studie „Open Government Data Deutschland“

Die Studie befasst sich mit den rechtlichen, technischen und organisatorischen Fragen der Offenlegung von Datenbeständen in der öffentlichen Verwaltung. „Als Betreibermodell für die Open-Government-Plattform wird eine föderal betriebene Plattform empfohlen.“, so politik-digital.de. Laut BMI soll der Prototyp des Portals, das frei zugängliche Daten von Behörden aller Verwaltungsebenen verlinken soll, bis Anfang 2013 realisiert werden. „Für neue Partizipationsmodelle, etwa Liquid Democracy, ist da kein Platz“, kritisiert netzpolitik.org die Studie und ihre Empfehlungen.
#opengovernment #opendata

Du hast die Macht

„Alles ist politisch, auch dein Leben – also mach was draus!“ Das ist die Botschaft der Seite www.duhastdiemacht.de. Das „zur politischen Bildung von politikfernen Jugendlichen zwischen 14 und 23 Jahren“  gedachte Projekt will für Beteiligung werben, Bürgersinn und demokratisches Bewusstsein stärken. Es ist u. a. gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.
#duhastdiemacht #beteiligung #jugendliche

Offene Kommune

Die freie Internetplattform offenekommune.de will einen Austausch zwischen kommunalpolitischen Akteuren und Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen. Es kann abgestimmt, bewertet und delegiert werden. Die Ähnlichkeit zu anderen onlinebasierten Beteiligungstolls kommt nicht von ungefähr, die Anwendung basiert auf „Adhocracy“, eine Software, die auch von der Enquete Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ eingesetzt wird.
#offenekommune

Fernsehen und Internet werden parallel geguckt

Mobile Endgeräte ersetzen nicht das stationäre Fernsehgerät. Vielmehr werden Smartphone, Tablet oder Laptop als zweiter Bildschirm verwendet, das berichtet zeit.de aus den Ergebnissen der diesjährigen Onlinestudie von ARD und ZDF. Außerdem hat die Studie herausgefunden, dass Tablet-Nutzerinnen und -nutzer das Netz traditioneller nutzen als Smartphone-Surfer: Sie rufen Websites auf und verschicken Mails, über Smartphones wird in sozialen Netzwerken kommuniziert.
#onlinestudie

Was die Moderatoren von Online-Petitionen so alles zu tun haben

Bei Beleidigungen und Fäkalsprache ist die Sache klar: Löschen. In den Foren der E-Petitionen des Bundestags geht es aber eher gesittet zu, berichtet taz.de. Nur 2% der Beiträge werden gelöscht. Nur einmal haben die Moderatoren bislang aufgegeben: Die Netzsperren-Petition von Franziska Heine mit 134.000 Mitzeichnern hat so viele Beiträge produziert, dass die Moderatoren einfach alles laufen ließen.
#e-petition #moderation


Debatte: Leistungsschutzrecht

Verleger möchten mitverdienen, wenn Inhalte, die sie ins Netz gestellt haben, verlinkt und von anderen genutzt werden. Ein (bereits entschärfter) Referenten­entwurf der Bundesregierung sieht nun vor, dass Presseverlage Geld von Google fordern können. Das Geschäftsmodell der Suchmaschinen sei darauf ausgerichtet, für die eigene Wertschöpfung auf die verlegerische Leistung zuzugreifen, so die Gesetzesbegründung. Google-Sprecher Kay Oberbeck findet deutliche Worte dazu, berichtet u. a. spiegel.de: „Es sei ein ‘systemfremder und weltweit beispielloser Eingriff in die Architektur des Internets’, der dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden würde. Kernstück des weltweiten Austauschs im Internet seien ‘Links und kurze Textausrisse’.“

Auf irights.info stellt Till Kreutzer sieben Thesen zum Leistungsschutzrecht auf. In seiner Stellungnahme schreibt er zum Beispiel, dass „Suchmaschinen weder die Leistungen von Verlagen oder anderen Content-Anbietern im Internet übernehmen. Sie sind vielmehr elementarer Bestandteil der Infrastruktur des Internets, indem sie die Informationen, die im Netz vorhanden sind, strukturieren und auffindbar machen.“
#leistungsschutzrecht


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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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  1. […] haben uns in der August-Webschau schon einmal damit befasst: Was hat es auf sich mit der Debatte um das Leistungsschutzrecht […]

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