Wenn von Twitter in der Bildungsarbeit die Rede ist, dann wird meist an Marketing oder Twitterwalls bei Konferenzen gedacht. Doch Twitter bietet auch eine beachtliche Bandbreite an kreativen Einsatzmöglichkeiten für Bildungsprojekte. Vom Storytelling bis zur Projektdokumentation reichen die Einsatzmöglichkeiten, die in diesem Artikel beispielhaft beschrieben werden. Vorangestellt gibt es zunächst ein paar Twitter-Basics zum grundlegenden Verständnis für alle, die Twitter noch nicht kennen. Alle die sich mit Twitter schon auskennen, können diesen Teil überspringen.

Wie funktioniert Twitter?

Twitter ist eine außerordentlich mobile Anwendung, die eher selten direkt über das Webinterface „twitter.com“ genutzt wird, sondern vielmehr über mobile Endgeräte (Smartphones, Tablets etc.). Dazu werden verschiedene Dienste genutzt, die die volle Anwendung von Twitter erlauben. Dazu zählen z.B. Tweetdeck, Tweetcaster, twicca oder auch die original Twitter-App für Android oder iOS. Twitter kann auch in browserbasierte „Dashboards“ integriert werden, die dabei helfen, viele soziale Netzwerke (Twitter, Facebook, Blogs etc.) gleichzeitig zu verwalten: Tweetdeck, Seesmic und Hootsuite sind hier geläufige Anwendungen.

Twitter ist ein soziales Netzwerk, das auf dem Prinzip des Microbloggings (Versenden relativ kurzer Textnachrichten) basiert: Jeder Nutzer kann Nachrichten (Tweets) von 140 Zeichen Länge - das sind 20 Zeichen weniger als bei einer SMS - über Twitter veröffentlichen. Um sich in dem Netzwerk zu registrieren, ist eine einmalige kostenlose Anmeldung (unter http://twitter.com) notwendig. Zur Anmeldung reicht eine E-Mail Adresse. Persönliche Daten müssen nicht hinterlegt werden. Wer will muss nicht einmal seinen richtigen Namen preisgeben

Wer Nachrichten von anderen Twitterern lesen will, muss sie - ebenfalls kostenlos – abonnieren. Auf diese Art und Weise stellt sich jeder Nutzer seine ganz individuelle Leseliste zusammen –diese Liste der abonnierten Beiträge wird als „Timeline“ oder kurz „TL“ bezeichnet. Mit dem Abonnieren von Twitteraccounts wird der Nutzer zum sogenannten „Follower“, da er nun den Beiträgen (Tweets) der ausgewählten Accounts „folgt“. Umgekehrt gilt dies natürlich auch für den eigenen Account, der von anderen Nutzern abonniert bzw. „verfolgt“ werden kann. Folgen und gefolgt werden muss nicht auf Gegenseitigkeit beruhen.

„Follower“ sind also diejenigen, die IHNEN folgen, also das lesen, was SIE schreiben. „Following“ sind die, welchen Sie folgen, deren „Tweets“ Sie abonniert haben und die in Ihrer „Timeline“ (Strom / Nachrichtenfluß) auftauchen.

DM“ „@“ „#“ „RT“ und „URL-Shortener“ – Twitterkryptologie

Jeder Nutzer kann seine 140 Zeichen ausschließlich für Textnachrichten verwenden. Oftmals sehen Tweets allerdings ganz anders aus und können fast schon kryptische Züge haben.

  • Der Retweet: Ein Retweet ist die Weitergabe eines fremden Tweets an die eigenen Follower. Weitergegebene Tweets erkennt man an dem Kürzel „RT“.

    @ProDialog retweetet von @pb_21

    @ProDialog retweetet von @pb_21

  • Der Hashtag („#“ + Kürzel): Die Bezeichnung stammt vom Doppelkreuz „#“ (englisch „hash“). Soll ein Begriff innerhalb einer Twitter-Nachricht (Tweet) gesondert hervorgehoben und für eine Schlüsselwortsuche verfügbar gemacht werden, wird einfach ein Rautenzeichen „#“ davor gesetzt, zum Beispiel: #Tatort oder #London2012. Hashtags werden direkt in den Tweet eingefügt, das heißt jeder Begriff, vor dem ein Hash-Zeichen steht, gilt als „getagged“, also verschlagwortet. Über Hashtags kann einfach festgestellt werden, welche Twitter-Themen zurzeit besonders beliebt sind, indem analysiert wird, welche Begriffe häufig gehashtaggt werden. Einige der bekanntesten politischen Hashtags der letzten Zeit waren #s21 (Stuttgart 21), #occupy, #vds (Vorratsdatenspeicherung), #jmstv (Jugendmedienschutz-Staatsvertrag).
  • Mention („@“ + Twittername): Ein „Mention“, also die Erwähnung eines Twitterers an irgendeiner Stelle des Tweets, sorgt dafür, dass der Erwähnte über die Veröffentlichung des Tweets direkt benachrichtigt wird (im Gegensatz zur Direct Message ist ein Mention immer öffentlich).
  • Url-Shortener: Das Verfassens eines 140-Zeichen-Tweets mahnt zur Kürze. Da stören lange Verweise auf Internetartikel nur und nehmen unnötig viel Platz in Anspruch. Die Lösung: Kurz-URL-Dienste wie z.B. bit.ly, ow.ly oder goo.gl. die lange Internetadressen – auch URLs gennant - nehmen, um ihnen kürzere URLs zuzuordnen. So wird zum Beispiel aus: „http://pb21.de/2012/08/welche-kompetenzen-braucht-politische-bildung-2-0/“ die kurze und platzsparende Variante: http://ow.ly/djf6C

Soweit zu den Grundlagen. Jetzt wird es praktisch.

Zur Verwendung von Twitter in der politischen Bildungspraxis

  • Live Feedback via Twitterwall: Der Einsatz von Twitterwalls kann in vielen Kontexten nützlich und sinnvoll sein. Eine fest installierte Twitterwall kann während Veranstaltungen dazu dienen, die (interkulturelle) Kommunikation zwischen Teilnehmenden zu erleichtern. Die Twitterwall wird so zu einem neuen kommunikativen Moment, das auch Auswirkungen auf den analogen Seminarbereich haben kann, wenn nämlich Teilnehmende ins Gespräch über ihre digitalen Einlassungen an der Twitterwall kommen. In diesem Kontext kann die digitale Kommunikation an der Wall auch die Seminarleitung unterstützen, wenn es darum geht, Seminaratmosphäre zu erfassen, zu überprüfen und ggf. neu zu fördern. Durchgehend laufende Twitterwalls können während abendlicher Evaluationseinheiten als Impulsgeber für den offenen Austausch dienen. Hier gibt mehr Informationen zum Einsatz von Twitterwalls als live Feedback und zur Moderation von Twitterwalls.
  • Storytelling: Früher haben viele in der Schule kollaborativ Knickgeschichten geschrieben (auf einem Din A4 Blatt hat jeder Autor einen Satz geschrieben und diesen dann nach hinten „weggeknickt“, so dass der Nächste nur das letzte Wort des vorhergehenden Satzes sehen konnte und daran anküpfen musste). Seminarbegleitend lassen sich nach diesem Muster „Tweetgeschichten“ schreiben. Nachdem man sich auf einen Hashtag geeinigt hat, können alle Teilnehmenden an ein und derselben Geschichte „schreiben“. Ein Beispiel für diese Art des kollaborativen Storytellings liefert der amerikanische Regisseur und Autor Tim Burton unter http://burtonstory.com
  • Partizipation: Digitale Ergebnisse politischer Bildungsarbeit können direkt an Entscheidungsträger weitergegeben werden. Existiert zum Beispiel ein Projektblog, oder werden während der Veranstaltung Videos hergestellt und hochgeladen, dann können die Links direkt an twitternde Politiker, Journalisten, Experten etc. „weitergereicht“ werden. Gute Ideen, Sorgen, Impulse und Anregungen kommen so direkt zu den Personen, die sie hören (bzw. lesen) sollten. Und möglicherweise gibt es sogar eine direkte Rückmeldung darauf. Diese Art der direkten Kommunikation ist völlig neu. Sie fasziniert und ermutigt Teilnehmende zu politischer Teilhabe. Europäische Twitteraccounts findet man z.B. hier: http://europatweets.eu/
  • Twitter im politischen Planspiel: Planspiele stellen für viele Teilnehmende politischer Bildungsveranstaltungen einen Seminarhöhepunkt dar. Dennoch können sich Diskussionen im Kreis drehen und so an Dynamik verlieren. Statische Diskussionsverläufe können mit Impulsen von Außen durchbrochen werden. Eine Twitterwall und ein Twitteraccount reichen dazu: Die Wall kann im Hintergrund laufen und quasi die Rolle der Medien einnehmen – also das Fenster aus dem Seminarraum heraus sein. Geht es zum Beispiel darum, eine europäische Proliferationsdebatte neu zu beleben, dann kann die Presse „live und via Twitter(wall)“ in das Seminargeschehen hinein berichten, dass „die Franzosen gerade eben erfolgreich eine Atombombe in der Südsee getestet haben.“ Mit den entsprechenden Nachrichten kann man hier auch Gruppen zur Seite springen, die in der Diskussion arg in Bedrängnis geraten. Die Möglichkeiten das Planspielszenario zu erweitern und so auch auf die jeweilige Gruppe zuzuschneiden sind quasi unerschöpflich.
  • Twitter als Mittel zur Seminardokumentation: Für ein transparentes Berichtswesen kann Twitter dienen, wenn man den Seminarhashtag am Ende einer Veranstaltung als Textdatei sichert und (bei Bedarf) an die Veranstaltungsdokumentation oder den Bericht anhängt. Ein Web-tool das Tweets und Hashtags in Textdateien umwandeln kann ist z.B. twdocs.
  • Twitter als Expertennetzwerk: Viele Menschen, die mit politischer Bildung und politischen, gesellschaftlichen und sozialen Themen ganz generell zu tun haben, vernetzen sich auf Twitter. Der Austausch von Ideen und kreativen (non-)formalen Lehr- und Lernmethoden kann durch Twitter (oder andere soziale Netzwerke) enorm erleichtert werden. + Twittername): die Möglichkeit an einer Diskussion teilzunehmen, ohne iskussionsverläufe nachvollziehen paar Basics zur grob

Weitere Beispiele?

Haben Sie selber Erfahrungen mit Twitter in der Bildungsarbeit? Wir freuen uns über Fragen und Ergänzungen in den Kommentaren.


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Karsten Lucke und Anselm Maria Sellen für pb21.de.