Studierende gründen in Düsseldorf ein politisches Dialog-Projekt mit dem Ziel „gemeinsam, kritisch und verständlich“ zu sein

“Voice your Thoughts“ heißt ein neues Projekt aus Düsseldorf. Es wird ein Blog von Studierenden für junge Leute werden und ist zum Winter-Semesterbeginn 2012 gestartet. Der Initiator David Nelson möchte mit einem Redaktionsteam unter dem groben Thema „Politik“ Inhalte und Diskussionsanstöße erarbeiten. „Viele haben Lust, aber wenig Zeit, darauf müssen wir flexibel reagieren“, sagt Nelson über seine Aktiven. Ein Problem, das viele Projekte kennen.

Screenshot Voice your thoughtsEin Blog von Studierenden für junge Leute, gefüttert mit tagesaktuellen Themen, das Diskussionen fördern soll und in bester demokratischer Kultur umgesetzt wird. Klingt gut? Ja, und im Gespräch mit dem Initiator David Nelson wird schnell klar, dass in diesem Projekt viel Herzblut steckt. „Wir wollen viele unterschiedliche Standpunkte zeigen, die Leute motivieren, sich über ihre Haltung klar zu werden und auszutauschen“, sagt Nelson, der an der Fachhochschule Düsseldorf gerade seinen Master in Empowerment Studies (Soziale Arbeit in globalisierten Gesellschaften) macht. Der Austausch von jungen Menschen, die sich nicht unbedingt kennen und schon gar nicht alle aus dem akademischen Kontext kommen, ist das Ziel. Und Politik ist das weite Zelt, unter dem sich die einzelnen Themen wiederfinden sollen. Das Arbeitsmotto lautet „gemeinsam.kritisch.verständlich“ und es soll gerade kein rein virtuelles Team sein, wo jeder ab und zu was einstellt.

Wie fängt man so etwas an? Und warum als Projekt? Ein Blog zu eröffnen und was reinzuschreiben, ist heute keine Angelegenheit mehr, zu der man ein Team und eine Infrastruktur braucht. Doch, sagt Nelson. Voice your Thoughts will mehr sein als nur ein paar Autoren, die alle irgendwo sitzen und abends mal einen Blog-Beitrag schreiben. „Wir wollen das Ganze kontinuierlich am Laufen halten und auch die Leute mit einer Präsenz-Redaktion bei dem Prozess begleiten“, sagt Nelson. Es geht ihm nicht nur im das Ergebnis, den fertigen Beitrag, auf den man stolz sein kann, wenn er im Netz steht und man auf Kommentare hofft. Voice your Thoughts will den Autoren ein „Prozessergebnis“ liefern, so Nelson: „Wir versprechen keinen festen Lernerfolg, es geht darum, sich selber weiterzuentwickeln, beispielsweise die journalistischen Fähigkeiten.“ Und mit dieser Idee ging Voice your Thoughts Anfang Oktober daran, das Redaktionsteam zusammenzustellen.

Info-Veranstaltung an der FH Düsseldorf: die Redaktion findet sich, Foto: CC by David Nelson

Mit Unterstützung von Prof. Fabian Virchow, Professor für Politikwissenschaft, startete das Projekt zum Wintersemesterbeginn 2012 mit dem Aufruf an die Studierenden mitzumachen: Es wurden professionell gestaltete Plakate aufgehängt, Flyer verteilt und viele Studierende persönlich von den Initiatoren angesprochen. Höhepunkt der Anwerbe-Kampagne war eine Live-Infoveranstaltung über den „Ort, wo man seine tausend Fragen und Kritiken loswerden kann“. Eine Handvoll Studierender fand sich ein, aber man hatte eigentlich mit mehr gerechnet – ein Los, das viele studentische und nicht-studentische Initiativen teilen. Auf der Webseite schreiben die Initiatoren über den Nachmittag: „Am Donnerstag war unsere Info-Veranstaltung und obwohl wir damit gerechnet hatten, waren wir schon etwas enttäuscht, dass es so schlecht besucht war. Wir haben trotzdem eine tolle Präsentation gemacht und lassen uns davon nicht entmutigen. Politische Beteiligung bzw. Meinungsäußerung ist nun mal ein dickes Brett, das es zu bohren gilt.“ Dem werden sicher die meisten Aktiven in der politischen Bildung zustimmen.

„Wir hatten da recht hohe Erwartungen“, gibt Initiator Nelson zu und spekuliert über die Gründe, warum das alles nicht so lief, wie sie sich das vorgestellt hatten. Eigentlich hätten ja schon viele Lust, etwas zu machen, aber das sei mehr eine unverbindliche Bereitschaft und dazu käme das Problem mit der Zeit, die viele glaubten, nicht zu haben, das spiele natürlich auch eine große Rolle. Neben diesen Gründen, die viele Projekte kennen, vermutet Nelson auch noch andere Aspekte für das nicht so starke Interesse. „Wir haben ihnen gesagt, es ist euer Projekt, euer Spielraum – und das ist halt völlig anders als im Studium, wo man vieles vorgesetzt bekommt“, sagt Nelson. Viele Leute hätten lieber eine Vorgabe und mehr greifbare Ergebnisse und feste Kriterien, an denen sich der Erfolg ablesen lässt.

Voice your Thoughts ist sicher nicht das einzige Projekt, das mit guten Ideen startet, sich mehr Aktive wünscht und mit Erwartungen konfrontiert wird, auf die man sich in der Konzeptionsphase nicht so eingestellt hat. „Wir müssen flexibel darauf reagieren“, so Nelson. Allerdings ist eine flexible Reaktion der Organisatoren schlecht damit zu vereinbaren, dass die Redaktion sich ihre Ziele und Arbeitsweisen auch selbst geben soll. „Nur Unverbindlichkeit reicht da nicht“, sagt Nelson. Da hat er auch schon Erfahrungen. Voice your Thoughts hat quasi einen Vorläufer, eine vor zwei Jahren durchdachte Urlaubsidee mit längeren Gesprächen über Politik, die in ein Blog mündete. „Da fiel mir auf, dass ich sehr viele Bekannte habe, die sich sozial engagieren oder mit Politik beschäftigen, aber die kein Forum haben, um sich auszutauschen. Und zwar nicht nur mit den Leuten, mit denen man sowieso redet“, erklärt Nelson. Aus diesem Bedürfnis heraus entstand ein Blog mit Forum – das aber nicht richtig funktionierte. „Ich glaube, man braucht doch eine richtige Präsenz-Redaktion, um so etwas am Laufen zu halten“, so Nelson. Die Leute bräuchten den sozialen Rahmen, die Verbindlichkeit, aber auch schlicht die Unterstützung in technischen Fragen. Aus dem Vorläufer entstand das Konzept für Voice your Thoughts, das genau diesen Rahmen liefern soll.

Das Projekt hat mit der Webseite www.voiceyourthoughts.de eine ansprechende Website, eine gute Infrastruktur und es „geht jetzt einfach los“, so Nelson. „Wir fangen an und ich bin zuversichtlich, dass Leute im Prozess dazustoßen und wir wachsen.“ Die Unterstützung durch die Fachhochschule besteht darin, dass Räume genutzt werden können und auch finanziell ein wenig beigesteuert wird. Für Veranstaltungen soll mit dem Referat politische Bildung der Hochschule zusammengearbeitet werden. Inzwischen hat die sechsköpfige Redaktion ihre erste Sitzung abgehalten und über die Ergebnisse natürlich auf der Webseite [Link] berichtet. Es gibt sicher wenig Redaktionen, die sich so in bzw. in dem Fall auf die Karten gucken lassen. So darf man gespannt sein, wie der Output des Projektes sich aus Inhalten und den Berichten über die Arbeitsprozesse zusammensetzen wird. „So wie wir arbeiten, das ist einfach ungewohnt für viele Studierende“, sagt Nelson.


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