Screenshot von der Startseite von prezi.com

Vor fast zwei Jahren hat sich pb21 das letzte Mal mit dem Online-Präsentationstool Prezi beschäftigt (hier geht es zum Artikel). Seitdem ist viel geschehen und Prezi hat sich stark verändert. Aus diesem Grund lohnt es sich, einen zweiten Blick auf dieses Tool zu werfen. Außerdem werden in diesem Artikel Einsatzmöglichkeiten von Prezi in der praktischen Seminararbeit vorgestellt.

Prezi verzeichnet nach eigenen Angaben über 12 Millionen registrierte Nutzer. Die Online-Software Prezi hat ihren Ursprung in einem Kunstprojekt, das sich mit den Einsatz- und Designmöglichkeiten von Flash-Animationen beschäftigte. Animationsmittelpunkt war das Zoom-Verfahren: Die In-Fokusnahme von digitalisierten Texten und Objekten zu Präsentationszwecken. Diese Technik ist noch immer die Kernfunktion der heutigen Prezi-Software

Das Prezi-Prinzip ist relativ simpel: Auf einer unendlich großen Oberfläche lassen sich Objekte (Texte, Bilder, Videos etc.) anordnen, die im Präsentationsmodus herangezoomt werden. Dadurch können auch nicht-lineare Präsentationen erzeugt werden, wie sie traditionellen Programmen Standard sind. Die Effekte einer solchen Präsentation sind durchaus erstaunlich. Gerade Menschen, die bisher ausschließlich PowerPoint kannten, sind zumeist begeistert von der Optik und den Möglichkeiten des Tools. So sind zum Beispiel, neben dem Heranzoomen der Objekte, auch Rotationen und Sprünge zwischen den einzelnen Objekten möglich. Die Einbindung von Bildern und Videos aus dem Internet funktioniert problemlos. Während PowerPoint noch immer auf der klassischen Darstellung von Folien beruht (in Anlehnung an das klassische Zeigen von Folien auf dem Over-Head Projektor), sorgt Prezi immer wieder für „Ah-und-Oh-Effekte“ bei vielen Zuschauern. Hier ein Beispiel:

Die Menüführung war bei Prezi ursprünglich ebenso neu und ungewohnt, wie das Präsentationsprogramm selbst. Das von den Entwicklern „Bubble“ getaufte Menükonzept orientierte sich in der Darstellung an dem Programm selbst. D.h. Menüpunkte und Gestaltungsoptionen waren in kleinen rotierenden Kreisen untergebracht.

Das Neue Prezi

Die wesentlichen Änderungen in Prezi kommen den Nutzern von Microsoft- und Appleprodukten entgegen. Anstatt des „Bubble-Menüs“ können neue Präsentationen nun mit der Hilfe einer Menüleiste (Dropdown-Menü) erstellt und konfiguriert werden, die sich stark an den Lösungen der bekannten Software-Konzerne orientiert. Um PowerPoint Usern den Ein- bzw. Umstieg auf Prezi schmackhaft zu machen, wurde eine Importfunktion für Power Point Folien hinzugefügt. Ebenfalls ein Zugeständnis an Nutzer herkömmlicher Präsentationsprogramme ist, die Darstellung der Objekte im PowerPoint typischen Foliendesign am linken Bildrand – zur Orientierung im Bearbeitunsgmodus. Auch der neue „Fade-In Effekt“ (Objekte erscheinen langsam auf Click) ist ein Feature, das stark an PowerPoint erinnert.

Kleinere Features (vorgefertigte 3D- und 2D-Oberflächen, Formen und Layouts) sind ebenfalls hinzugekommen. Wer auf das orginal Prezi-Menü jedoch nicht verzichten möchte, der kann mit einem Klick – vor und während der Präsentationsbearbeitung - zu der alten Variante zurückkehren.

Präsentationsformate, Download und Lizenzen

Der große Vorteil von web-basierten Anwendungen ist die Verfügbarkeit der Daten überall dort, wo es einen Internetzugang gibt. Es gibt Nutzer, denen es aber immer noch lieber ist, Präsentationen auf dem Rechner oder USB-Stick o. ä. zu haben, um nicht auf Internetverbindungen angewiesen zu sein. Prezi-Präsentationen können deshalb auch heruntergeladen werden – als Flash-Datei zur Offline-Präsentation (einmal heruntergeladen, sind die Prezis nicht mehr editierbar. Eine Bearbeitung kann nur Online erfolgen) oder auch als PDF Datei, um die Präsentation ggf. auszudrucken (bei der PDF entfällt natürlich der Zoom-Effekt).

Um Prezi nutzen zu können, ist ein Account notwendig. Das schnelle Einloggen kann über einen bereits vorhandenen Facebook-Account erfolgen oder durch eine Anmeldung mit einer Emailadresse. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Prezi-Software herunterzuladen, um sie auf einem lokalen Rechner zu installieren. Allerdings ist diese Option mit einem Bezahl-Account verbunden. Prezi bietet verschiedene Lizenzen (zum Kauf) an. Die freie Lizenz für private Nutzer hat dabei natürlich die meisten Einschränkungen. In diesem sogenannten „Public-Account“ sind grundsätzlich alle erstellten Prezis öffentlich sicht- und verfügbar. Für Menschen, die in der Bildung beschäftigt sind, gibt nach wie vor die Möglichkeit, sich den „Edu-Account“ zu sichern. Die Anmeldung für diesen Account funktioniert ohne Probleme, solange hier eine Emailadresse hinterlegt wird, die klar einem Bildungsträger zuzuordnen ist. Der Vorteil des „Edu-Accounts“ sind u.a. erweiterter Speicherplatz und die Option Prezis zu „privatisieren“, um sie nur bestimmten Nutzern zu zeigen.

Prezi im Bildungs- und Seminarkontext

Die Einsatzmöglichkeiten von Prezi in Bildungsveranstaltungen sind vielfältig. Workshopgruppen haben die Aufgabe, eine Präsentation zu diesem oder jenem Thema in Prezi zu erarbeiten. Für die meisten Nutzer handelt es sich bei Prezi um Neuland. Die Kommunikation und der Austausch über die Handhabung und den Präsentationsverlauf werden somit unumgänglich – Prezi wird zu einem „Conversation-Starter“, weil (in der Regel) alle bei Null beginnen. Gerade für die interkulturelle Arbeit in internationalen Begegnungen kann diese kommunikative Dimension von Prezi ein wichtiges Element sein.

Besonders für dezentralisierte Lehr- und Lernformate wie z.B. E-Learning und MOOC-Projekte (Massive open online courses) kann Prezi interessant werden, wenn es darum geht, kollaborativ an einem Projekt zu arbeiten. Über die Menüleiste können bis zu 10 Personen gleichzeitig an einer Prezi-Präsentation arbeiten. Auch die „View together“ Funktion ist neu und macht Sinn, wenn es darauf ankommt Entfernungen zu überwinden und kollaborativ zu arbeiten. Die Funktion kommt einem klassischen Screenshare nahe – die Präsentation wird anderen über einen Link zugänglich gemacht und kann nach dem Aufruf der Seite von allen synchron und in Echtzeit betrachtet werden.

Prezi in der Bildungsarbeit
Haben Sie Erfahrungen mit dem Einsatz von Prezi im Seminar? Wir freuen uns über Kommentare, Fragen und Anregungen!

Für HTML und CSS geübte Nutzer, die erweiterte Layout- und Gestaltungsfunktionen im Prezi Look haben möchten, ist impress.js eine Alternative – eine Präsentationsplattform die den Einbau von echten 3D-Effekten in Präsentationen erlaubt. Dieses Tool wird auf medienpaedagogik-praxis.de genauer vorgestellt.

Prezi Tutorial

Für den schnellen Einstieg in das Programm und seine Möglichkeiten gibt es eine große Anzahl von Online-Tutorials. Weil Prezi sich aber in den letzten Wochen stark verändert hat, beziehen sich die meisten dieser Videos noch auf die alte Version des Programms. Eines der wenigen aktuellen Tutorials ist daher das von Prezi selbst erstellte und unten eingebettete:


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Karsten Lucke @karstenlucke und Anselm Maria Sellen @amsellen für pb21.de.