„Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter.“, so hat uns der Papst pünktlich zum 12.12.12 auf Twitter begrüßt. Außerdem neu auf der Plattform ist Peer Steinbrück; ein Zusammenhang ist uns nicht bekannt.
Themen dieser Webschau sind: Das Scheitern der ITU-Konferenz, wir sagen, was der Gangnam Style mit Netzpolitik zu tun hat und wundern uns darüber, wie viel das Netz vergisst. Außerdem: Die JIM-Studie 2012, der Google-Zeitgeist und die Debatte um das Leistungsschutzrecht.

Lesetipps

Zum Ende des Jahres ein Lesetipp-Lesetipp: Auf politik-digital.de sind Rezensionen zu Büchern rund um das Thema Internet veröffentlicht. Von der „Stillen Revolution“ von Mercedes Bunz über die verdi-Publikation „Grenzenlos vernetzt?“ bis „Unter Piraten. Erkundungen in einer neuen politischen Arena“, herausgegeben von Christoph Bieber und Claus Leggewie, hat die Redaktion der Plattform Bücher gelesen und rezensiert.
Wir möchten einen weiteren Lesehinweis hinzufügen: „Die iRights-Redaktion veröffentlicht mit ‚Das Netz 2012 – Jahresrückblick Netzpolitik‘ erstmals in eigener Regie einen Überblick über die netzpolitischen Themen des Jahres 2012. Das Heft bietet Gastartikel, Interviews und Features zu Themen wie ACTA, Datenschutz in sozialen Netzwerken und Netzneutralität.„
#lesetipp

 


Kurzmeldungen

Konferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) gescheitert

„Die Uno-Konferenz über die Zukunft der Kommunikationsnetze ist krachend gescheitert.“, so spiegel.de. „Die USA und andere Westländer verweigern sich einem neuen Vertrag, der autoritären Web-Wächtern wie China entgegengekommen wäre. […] Die ITU kümmert sich bislang um die Vergabe von Funkfrequenzen, Notrufnummern, die Abrechnung von Ferngesprächen. Staaten wie Russland und China wollten mehr: Die ITU soll sich nach ihrem Willen auch um das Internet kümmern. Zugleich sollte das neue Abkommen festschreiben, dass Nationalstaaten das Recht haben, das Netz zu regulieren.„
#itu

Pressefreiheit schützt Wikipedia

„Ein Professor aus Tübingen muss es hinnehmen, dass auf Wikipedia persönliche Informationen über ihn stehen. Laut Gericht ist der Artikel durch die Pressefreiheit geschützt. In der Abwägung unterschiedlicher Rechtsgüter sei das Grundrecht auf Pressefreiheit höher zu bewerten als der Eingriff ins allgemeine Persönlichkeitsrecht. Auch erfülle die Online-Enzyklopädie ‚das Interesse der Öffentlichkeit an einer ausreichenden Versorgung mit Informationen‘.“ schreibt u.a. die taz.
#pressefreiheit #wikipedia

Die verlorenen Inhalte des Internets

„Das Internet vergisst nichts“. Von wegen, meint hyperland.de: Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass gerade in den sozialen Medien das Vergessen besonders ausgeprägt ist. Sie hat „sechs wichtige historische Ereignisse der letzten Jahre wie etwa die H1N1-Epidemie oder den Tod von Michael Jackson bei Twitter untersucht und analysiert, ob die Quellen die dort verlinkt wurden, noch zugänglich waren. Mehr als 11 Prozent der Inhalte, die von Twitter-Usern erwähnt wurden, waren nach nur einem Jahr nicht mehr online, nach zweieinhalb Jahren fehlten bereits über 20 Prozent.„
#404 #internetarchiv

Vermisst“-Aktion beschränkt sich auf Klischee-Bezirke

„Bei der ‚Vermisst‘-Aktion, die auf die Gefahr hinweisen will, dass junge Menschen in den islamischen Extremismus abdriften könnten, haben sich das Bundesinnenministerium und/oder die beteiligten Werbeagenturen offensichtlich von Klischees leiten lassen.“, ist auf dem Open-Data-Blog der Zeit zu lesen. […] Gut 140 der 200 Plakate waren für Berlin vorgesehen. Sie ballen sich in den von Migranten geprägten Stadtteilen Wedding, Kreuzberg und Neukölln.„
#opendata #vermisst-aktion

Deutsche Digitale Bibliothek

„Nach fünf Jahren Aufbauzeit und einigen Verzögerungen haben Vertreter von Bund und Ländern den Startschuss für die Deutsche Digitalen Bibliothek (DDB) gegeben. In der Testphase für das geplante Zugangsportal zu Kultur und Wissen bietet die DDB zunächst Zugriff auf etwa 5,6 Millionen Datensätze. […] Es sei eine öffentliche Aufgabe, das nationale Erbe zu bewahren. Damit verknüpft sei das wichtige medienpolitische Ziel, die Chancen der Digitalisierung möglichst allen zu öffnen und so zur Meinungs- und Willensbildung in der Demokratie beizutragen.“ Es berichtete u.a. heise.de.
#ddb #demokratie

Zur netzpolitischen Dimension von Gangnam Style

… ist auf netzpolitik.org zu lesen: „Klar ist, dass der Erfolg von Gangnam Style nicht mit der Durchsetzung von Urheberrechten zusammenhängt, eher im Gegenteil. Maßgeblichen Anteil am Erfolg hat der Verzicht auf die Durchsetzung von Urheberrechten, und zwar nicht nur was die Weitergabe der Originaldatei betrifft, sondern auch hinsichtlich der Erstellung von Remixes und Parodien.“ Einen lesenswerten Beitrag zum Thema hat auch Deutschlandradio Kultur zu bieten: „Das Urheberrecht wird die Künstler nicht schützen“, meint der Verleger und Publizist Stefan Kraft.
#gangnam

Der Google-„Zeitgeist“

Von EM 2012 über Frau Wulff bis zu Voice of Germany - was waren die am häufigsten abgefragten Begriffe 2012? Darüber berichtet u.a. heise.de: Neben Listen zu den meistgesuchten Politikern gibt es auch für Google Maps Zeitgeist-Auswertungen. Städte 2012 sind: Berlin, München und Frankfurt. „Die Listen mit den am häufigsten abgefragten Suchbegriffen sind allerdings nicht ganz akurat: Begriffe wie ‚sex‘ und ‚porno‘ halten die Suchmaschinenbetreiber aus ihren Top-Ten-Listen geflissentlich fern.“ … mehr zu den Suchtrends 2012 hier.
#zeitgeist #google

Die JIM-Studie 2012

… ist erschienen: „Für Jugendliche bleiben Soziale Netzwerke ein zentraler Aspekt der Internetnutzung. Aktuell meint das fast ausschließlich die Nutzung von Facebook, hier sind 81 Prozent der Jugendlichen aktiv. Die erste Anmeldung der Jugendlichen bei einem solchen Netzwerk erfolgte mit durchschnittlich 12,7 Jahren. […] Erfreulich ist, dass inzwischen 87 Prozent der Nutzer von Communities ihre Profildaten mit der Privacy-Option vor einem öffentlichen Zugriff schützen, im Vergleich zum Vorjahr ein erneuter Anstieg um acht Prozentpunkte.„
#jim-studie

 


Debatte: Leistungsschutzrecht

Wir haben uns in der August-Webschau schon einmal damit befasst: Was hat es auf sich mit der Debatte um das Leistungsschutzrecht (LSR)? „Der Kern der Argumentation der Verfechter des Leistungsschutzrechts ist, dass Google mit Inhalten Geld verdiene, die von anderen (namentlich den Presseverlagen und Journalisten) mit viel Aufwand produziert werden.“, schreibt Frank Rieger auf faz.net. „Beide Seiten versuchen in der Diskussion den gleichen strategischen Kunstgriff: sich selbst als moralisch hochwertigen David, die andere Seite als übermächtigen Goliath zu präsentieren.“

Konrad Lischka dazu auf spiegel.de: „Es ist das gute Recht von Google, Lobbyarbeit zu machen. Unternehmen verfolgen immer eigene Interessen. Doch diese Kampagne ist beispiellos: Der Konzern will die deutschen Internetnutzer glauben machen, dass er für ihre Rechte, ihre Freiheit, das Gute in der Gesellschaft kämpft. Tatsächlich geht es um wirtschaftliche Interessen.“ Stefan Niggemeier führt in seiner Einschätzung der Debatte aus, dass die Firma Google sich das möglicherweise von den Verlagen abgeguckt hat: „Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, stellen die deutschen Verleger für sich eine genau solche Verbindung her, wie sie Google behauptet. Sie stellen ihren Kampf um eigene wirtschaftliche Vorteile als uneigennützigen Kampf im Sinne der Demokratie dar.„
#lsr


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