Websites hacken in der Bildung? Einfach und ungefährlich mit „Hackasaurus“

Hacker – sind das nicht die, die in die Computer anderer Menschen eindringen, im Internet Websites manipulieren oder gleich ganz kaputt machen? Darüber lässt sich streiten, aber klar ist: Das subversive und fachkundige Vorgehen von Hackern übt eine gewisse Faszination (nicht nur) auf Jugendliche aus.

Jetzt hält „Hacken“ auch Einzug in die Bildungsarbeit. Das Web-Tool Hackasaurus ermöglicht die Veränderung von Web-Inhalten – ohne dass besondere Vorkenntnisse nötig sind. Im Folgenden wird erklärt, wie der Hackasaurus funktioniert. Anschließend werden praktische  Einsatzmöglichkeiten in der Bildungsarbeit vorgestellt.

#pb21-WebTalk: Am 24.01.2013 (Donnerstag) um 14.00 Uhr sprechen wir an dieser Stelle mit den Autoren dieses Artikels und mit Michelle Thorne von der Mozilla-Foundation über den Hackasaurus. Details …

Was ist Hackasaurus?

Die Mozilla-Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Offenheit, Innovation und Chancen im Internet zu fördern. Mozilla stellt als Open-Source-Projekt kostenlose Software zur Verfügung. Die bekanntesten Projekte sind der Internetbrowser Firefox und das E-Mail-Programm Thunderbird. Auch für das Hackasaurus-Projekt zeichnet die Mozilla-Stiftung verantwortlich. Hackasaurus funktioniert browserbasiert (keine Download, keine Installation) und ist ein frei verfügbares Open-Source-Projekt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Teilnehmende eines Hackasaurus-Projektes bedienen sich der Kopie (!) einer vorhandenen Internetseite und „befüllen“ diese mit eigenen Inhalten.

Hackasaurus ermöglicht es seinen Benutzern, Inhalte von Webseiten zu verändern und neu zu gestalten. Wie von Zauberhand können Internetseiten mit neuen Überschriften, Texten, Bildern, Verlinkungen und Videos versehen werden. Hackasaurus ist ein bisschen Internetmagie, weil jeder – auch ohne große Vorkenntnisse – zu einem „Hacker“ werden kann. Ein Hackasaurus-Hack verändert jedoch nur eine Kopie der Seite und niemals das Original. Vorgenommene Änderungen werden so nur für diejenigen sichtbar, die den eigens für den Hackasaurus-Hack generierten Link aufrufen.

Wie funktioniert Hackasaurus?

Das wichtigste Werkzeug des Hackasaurus ist die „Röntgenbrille“. Dieses kleine Tool eröffnet den „Blick hinter die Kulissen“ einer Webseite.  Die Aktivierung im Browser ist einfach. Per Drag & Drop lässt sich die Röntgenbrille in die Lesezeichenleiste integrieren. Beliebige Webseiten können nun mit einem Click auf die Röntgenbrille durchleuchtet werden. Fahren Nutzer mit dem Cursor über eine Webseite, bekommen sie die HTML-Quelltext hinter den verschiedenen dargestellten Objekten zu sehen und können diese verändern. Das hört sich zunächst ein wenig verwirrend an, wird aber dadurch für jeden verständlich, da der HTML-Quelltext immer vergleichend neben der tatsächlichen Darstellung im Browser angezeigt wird. In die linken Hälfte „HTML-Quelltext“ lässt sich der Text verändern. Die Darstellung des Feldes rechts „Was sie sehen“ ist dynamisch. Das heißt, dass jede Veränderung des HTML-Quelltextes links direkt im rechten Fenster angezeigt wird. Die (Neu-)Gestaltung einer ganzen Webseite wird damit für jeden machbar und ersichtlich. Nachdem alle Änderungen an der Webseite vorgenommen worden sind, kann das Ergebnis publiziert werden. Nach dem Klick auf die Option „Publish“ am unteren linken Bildrand, kann zwischen zwei Veröffentlichungsoptionen gewählt werden:

1. „Im Internet veröffentlichen“ oder 2. „HTML-Quelltext ansehen“

Die Wahl der ersten Option führt dazu, dass zu der veränderten („gehackten“) Seite ein Link generiert wird. Dieser Link wiederum kann über soziale Netzwerke geteilt und verbreitet werden. Die Wahl der zweiten Option stellt dem Nutzer den gesamten HTML-Quelltext der gehackten Seite zur Verfügung, so dass er diesen für eigene Zwecke weiter nutzen kann.

Hackasaurus in der politischen Bildung

Hackasaurus ermöglicht die kreative Auseinandersetzung mit (vermeintlich trockenen) politischen Themen. Gerade im Bereich der politischen Jugendbildung ist es wichtig, Anreize zu schaffen, damit sich die Teilnehmenden mit politischen Themen beschäftigen. Die Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmenden auch deshalb diese Art der methodischen Auseinandersetzung wählen, weil das „Hacken“ vom Hauch des Subversiven umweht wird. Der Reiz des Verbotenen – auch wenn Hackasaurus natürlich nicht verboten ist – und der Ausblick auf die Antastbarkeit von angesehenen Instanzen motiviert die Teilnehmenden zur inhaltlichen Arbeit.

Anhand des Hackasaurus lässt sich die grundsätzliche „geistige Verwandtschaft“ von Web 2.0 und politischer Bildung veranschaulichen, die Jöran Muuß-Merholz anderorts auf pb21.de beschreibt: „Eine Beschreibung [des Web 2.0] von Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web, hat sich nicht durchgesetzt, obwohl sie das Wesen des ‘neuen Netzes’ auf den Punkt bringt: das ‘Read-/Write-Web’ – also das Internet, in dem jeder nicht mehr nur liest und konsumiert, sondern auch Autor ist und Inhalte mit der Welt teilt. Die Grundannahmen dieses Read-/Write-Webs sind offensichtlich kompatibel mit denen der politischen Bildung: So wie User im Web 2.0 nicht mehr nur ein passives Publikum bilden, sondern jeder auch Sender ist, so sieht die politische Bildung die Menschen nicht nur als Bewohner/innen eines Staates, sondern als Bürger/innen, die zum Gemeinsamen beitragen, die sich engagieren und gestalten, die sich untereinander verbinden, austauschen und diskutieren – kurz: die partizipieren.“ Weiterlesen …

Hackasaurus hilft seinen Nutzern dabei, Medienkompetenz selbstständig zu entwickeln. Nutzer lernen mit den Bauklötzen, aus denen das Internet besteht, zu basteln und herumzuspielen. Der Spaßfaktor ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Methodik, ebenso wie die Sensibilisierung für Online-Inhalte. In Evaluationseinheiten betonten die Teilnehmenden, dass sie sich aufgrund von Hackasaurus auch mit ihrem eigenen Verhalten bei der Online-Recherche auseinandergesetzt haben und Inhalte bzw. Quellen gründlicher hinterfragten: „Wenn es so einfach ist Online-Inhalte zu manipulieren, sollten wir vielleicht etwas genauer hinschauen, bevor wir Informationen für bare Münze nehmen“ (Teilnehmer O-Ton). So kann Hackasaurus dabei helfen, dass Nutzer von digitalen Konsumenten zu mündigen und aktiven Produzenten werden, damit sie das Internet auch als etwas begreifen, das sie aktiv formen und neu gestalten können.

Hackasaurus-Hacks können mit der Veröffentlichungsoption-Option „Im Internet veröffentlichen“ (siehe oben) über den eigens generierten Link im Internet geteilt bzw. verteilt werden. Mit den gehackten Seiten können Politiker, Entscheidungsträger und die Peer-Netzwerke der Teilnehmenden selbst direkt über die sozialen Netzwerke konfrontiert werden. Das digitale Feedback zu den Hackasaurus-Hacks ermutigt die Teilnehmenden, sich auch über den Projektrahmen hinaus mit den behandelten politischen Fragestellungen zu beschäftigen. Letztendlich können Hackasaurus-Projekte so Anstoß zu echter politischer Partizipation geben.

Da ein Hackasaurus-Projekt grundsätzlich auf einem offenem HTML-Quellcode basiert, ist es immer mit allen Web-Tools kombinierbar, die einen Embed-Code anbieten. Der Kombinierbarkeit des Tools mit anderen Web-Services sind damit fast keine Grenzen gesetzt.

#pb21-WebTalk: Am 24.01.2013 (Donnerstag) um 14.00 Uhr sprechen wir an dieser Stelle mit den Autoren dieses Artikels und mit Michelle Thorne von der Mozilla-Foundation über den Hackasaurus. Details …

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Studienleiter und Mitglied des Leitungsteams der Europäischen Bildungsstätte Europa-Haus Marienberg – Bildungsschwerpunkte: Europäische Jugendbildung thinkeurope, politische Bildung und digitales Lernen / Implementierung von Social Media in die politische Bildung.

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8 Kommentare zu “Websites hacken in der Bildung? Einfach und ungefährlich mit „Hackasaurus“
  1. Das sieht nach einem super tool aus. Wie schaut es dabei mit Urheberrechten aus? Allgemein, und auch wenn ich das Ganze auf facebook poste?


  2. Medienzentrum T1:

    Wie schaut es dabei mit Urheberrechten aus? Allgemein, und auch wenn ich das Ganze auf facebook poste?

    Die Frage werde ich am Donnerstag mal in unseren WebTalk mit Michelle Thorne von Mozilla einbringen. Meine Vermutung: sehr grauer Graubereich. :-(

  3. Spontane Idee am Abend: Wir machen einen kleinen Wettbewerb zum Hackasaurus: Wer postet hier in den Kommentaren den Link zur schönsten Website-Fälschung?
    Die besten Beispiele zeigen wir am Donnerstag im WebTalk.

  4. Hier die ersten Einreichungen via Facebook:

    Handball-Sensation: http://p.webremixes.org/fevqllrj

    Merkel tritt zurück: http://p.webremixes.org/odhxwydk

    Junge Menschen beteiligen sich: http://p.webremixes.org/pviktxgb

  5. Hier noch ein Beispiel, das ein Teilnehmer live während des WebTalks erstellt hat: http://p.webremixes.org/qphgpmnn

  6. Und ein hilfreicher Link mit Materialien für den praktischen Einsatz des Hackasaurus in der Bildung:
    http://hackasaurus.org/de/educators/

  7. Dara sagt:

    Schon der Name des Systems Hackasaurus klingt etwas zweifelhaft. Das Programm wird vorgestellt wie folgt: Web-Tool Hackasaurus ermöglicht die Veränderung von Web-Inhalten – ohne dass besondere Vorkenntnisse nötig sind. Mit Hackasaurus können Inhalte von Webseiten verändert und neu gestaltet werden. Die Frage ist: welche Webseiten? Die eigenen oder die von Dritten? Es ist verständlich erklärt, dass das Programm nur Kopien und nicht das Original verändert, aber könnte es nicht als nennen wir es lapidar: Einsteigerdroge für weitaus zweifelhaftere Machenschaften sein? Gerade Jugendliche, auf die das Programm abzielt, verlieren womöglich schnell den Blick dafür was erlaubt und was strafbar ist. Wer in den Hacken auch wie in diesem Fall spielerische Art reinschnuppert, findet womöglich eher Spaß an mehr und reizvolleren Aufgaben. Das soll jetzt nicht heißen, dass das Programm an sich zu verdammen ist, aber es könnte Anreize schaffen. Etwas deutlichere Erklärungen sollten mitgeliefert werden.

  8. Zu Kommentar #7 von Dara:
    Wie so oft in der Bildung, darf der Begelitungs- und Debriefingprozess nicht fehlen. In der Bildung macht Hacksaurus nur Sinn, wenn der Lernprozess begleitet wird und nicht, wenn Jugendliche “nur so vor sich hin hacken”. Wenn das Tool allerdings mit Sinn genutzt wird, dann gibt es enorme Chancen, dass eine inhaltliche (gleich zu welchem Thema) und auch eine medienkritische Auseinandersetzung initiiert werden kann. Zur Frage nach den Webseiten muss man sagen: alle. Es geht nicht darum, eigen Webseiten zu hacken. Das macht auch wenig Sinn, da man diese ohnehin selbst gestalten kann.
    Das Tool kann sehr schöne Anreize zu einer politischen Auseinandersetzung in der Bildung schaffen, weil es einfach auch Spaß macht und viele Optionen der Gestaltung eröffnet. Ich würde es daher nicht so schwarz sehen wie Du, vorausgesetzt, dass es eine gute Lernbegleitung gibt

7 Pings/Trackbacks für "Websites hacken in der Bildung? Einfach und ungefährlich mit „Hackasaurus“"
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  2. […] Hacker – sind das nicht die, die in die Computer anderer Menschen eindringen, im Internet Websites manipulieren oder gleich ganz kaputt machen?  […]

  3. […] Anschließend werden praktische  Einsatzmöglichkeiten in der Bildungsarbeit vorgestellt.” Hier […]

  4. […] Ein schöner Artikel über das Tool „Hackasaurus“ findet sich bei pb21. Mit dem Werkzeug kann man Internetseiten „manipulieren“. Wie man dies für die Bildungsarbeit nutzen kann erfährt man hier: http://pb21.de/2013/01/websites-hacken-mit-hackasaurus/ […]

  5. […] geben, weil es zur Zeit keine gibt. Zum Mozilla Webmaker Projekt – zu dem z. B. auch der Hackasaurus gehört – gibt es eine ausführliche Beschreibung der Nutzungsbedingungen. Die Bestimmungen, […]

  6. […] geben, weil es zur Zeit keine gibt. Zum Mozilla Webmaker Projekt – zu dem z. B. auch der Hackasaurus gehört – gibt es eine ausführliche Beschreibung der Nutzungsbedingungen. Die Bestimmungen, […]

  7. […] den Quellcode jeder Webseite einsehen, kopieren und selbst weiterbearbeiten (hier pb21 zum Tool “Hackasaurus”). Im Grunde war das, was vor der Einführung des Urheberrechts mit Ideen und Texten geschah, nicht […]

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