Webschau Februar 2013

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Die Webschau im Februar beschäftigt sich gleich zweifach mit der laufenden Sexismusdebatte: In den Lesetipps haben wir einen Überblick über die Diskussionim Netz zusammengestellt, in der Debatte geht es um das Inhaltliche. Weitere Themen sind der peerblog, Social Media und die Rüstungsindustrie sowie die neue Bildersuche bei Google.

Lesetipps

Die Lesetipps sollen diesmal dabei helfen, einen Überblick darüber zu bekommen, wie sich die aktuelle Debatte um Sexismus im Alltag im Netz niederschlägt:

Der Artikel über Rainer Brüderle im Stern und vor allem das, was danach in den unter #Aufschrei geposteten Kurzmeldungen auf Twitter veröffentlicht wurde, hatten die Diskussion ausgelöst. Soziale Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle: 15.000 Nutzer – so spiegel.de – haben #Aufschrei vom 25. bis zum 31.01. in einem ihrer Tweets verwendet. Insgesamt wurden 49.000 Tweets und mindestens 30.000 Retweets verschickt.

Anne Wizorek, die den Hashtag in der Nacht vom 24. auf dem 25.01. eingeführt hat, ist inzwischen in Talkrunden aufgetreten und in der Tagesschau interviewt worden, es sind Artikel über sie in den Printmedien erschienen. Auf ihrem Blog kleinerdrei.org hat sie nun vor einigen Tagen ein FAQ zusammengestellt, das von „Warum wurde #Aufschrei gestartet?“ bis „Was können wir denn nun tun?“ Antworten bietet. Sie sagt: „Ohne all die mutigen Stimmen, die unter #Aufschrei laut wurden und es als Ventil benutzten, wäre die Debatte nicht dermaßen ins Rollen gekommen.“

Auch der Blog alltagssexismus.de stellt seit dem 27.01. Berichte zum Thema zusammen, jede/r kann sich beteiligen.

Auf storify.com dokumentiert Svea Eckert die Entwicklung der Debatte, Meldungen zum Thema sind chronologisch zusammengefasst.
#lesetipp #aufschrei


Kurzmeldungen

Peer, der Blog-lose

Auf meedia.de wird kein gutes Haar am Social-Media-Engagement des SPD-Kanzlerkandidaten gelassen: „Alles was schiefgehen kann, geht bei Peer Steinbrücks Kanzlerkandidatur bisher schief – vor allem im Internet. Der Umgang des SPD-Urgesteins mit dem Web ist schlicht eine Katastrophe. Das von ihm gutgeheißene peerblog.de ist nach einem kurzem Gastspiel binnen nicht mal einer Woche wieder offline. Der schnelle Exit ist exemplarisch für Steinbrücks Scheitern in den sozialen Medien: Der 67-Jährige kann mit diesem Internet einfach nichts anfangen.“
Eine andere Meinung vertritt der Journalist Matthias Schwarzer, der als Autor für den peerblog aktiv war und darüber in seinem Blog berichtet: „Ich wollte zeigen, dass Wahlkampf auch anders geht. Mit qualitativen, redaktionellen Beiträgen, abseits von Partei-Sprech.“
#steinbrueck #peerblog

Neue Bildersuche bei Google

Stefan Niggemeier erklärt auf seinem Blog, wie sie funktioniert und formuliert seine Kritik: „Der Nutzer muss die Ergebnisseite gar nicht mehr verlassen, um sich die Bilder in voller Größe anzeigen zu lassen. Google hat die Bildersuche für die Nutzer und für Google optimiert. Die Interessen der Urheber und Rechteinhaber spielten dabei erkennbar keine Rolle. Der Bundesgerichtshof hat 2010 die alte Bildersuche für rechtmäßig erklärt. Die neue Form, die die vollständige Anzeige urheberrechtlich geschützter Werke ermöglicht, hat keinen entsprechenden Schutz verdient.“
#google #bildersuche

US-Rüstungsfirma erprobt Facebook-Überwachung

„Wer kennt wen – und wo waren sie zusammen? Der US-Rüstungszulieferer Raytheon hat eine Software zur Auswertung von Facebook- und Twitter-Profilen im Angebot“, berichtet spiegel.de: „Das Programm verknüpft öffentlich zugängliche Informationen zu einer Person aus Netzwerken wie Facebook, Twitter und Foursquare. Die Ortsangaben werden analysiert, die Software zeigt dann zum Beispiel, wie oft und zu welchen Zeiten eine Person an bestimmten Orten ist. Außerdem rekonstruiert das Programm Kontaktnetzwerke aus den bei Twitter und Facebook zugänglichen Informationen.“
#ruestungsinsustrie #socialmedia

Internet und Recht

Zwei Entscheidungen sind aktuell in der Diskussion: Die wohl erste urheberrechtliche Abmahnung wegen eines Vorschaubildes bei Facebook ist ausgesprochen worden. Auf der Seite rechtzweinull.de sind dazu „Richtlinien für mehr Rechtssicherheit beim Teilen auf Facebook, Google+ & Co“ zusammengestellt.
Und: „Ohne Web und E-Mail geht es nicht: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Internetzugang bei Privatpersonen zur Lebensgrundlage gehört. Nun können Verbraucher Schadensersatz fordern, wenn das Netz ausfällt.“ Es berichtete u.a. spiegel.de.
#recht #socialmedia

Die Internet-Kommission des Bundestags hat fertig

„Mit ein bisschen Frieden, rund 2000 Seiten mehr oder weniger neuen Erkenntnissen, Empfehlungen zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender und zum weiteren Einsatz von Online-Beteiligungsformen hat die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft„ des Bundestags ihre fast dreijährige Arbeit beendet.“ Mehr zum Abschluss der Arbeit der Kommission ist hier zu lesen: heise.de.
#internetenquete #eidg

Open Data

Neue Nachrichten zum Thema Open Data: „Die künftige Landesregierung aus SPD und Grünen will in Niedersachsen das Amtsgeheimnis abschaffen und die Veröffentlichung amtlicher Informationen zum Grundsatz machen.“, berichtet heise.de.
Die Kritik am GovData-Projekt von Bund und Ländern, das mal OpenGovData-Portal heißen sollte, ist auf zeit.de zusammengefasst: Die Kriterien, welche Daten von Behörden zur Verfügung gestellt werden sollen, seien beispielsweise unverbindlich.
#opendata #opengovernment

Datenprojekt „Rechtes Land“

Über das Datenprojekt Rechtes Land und das Potential von Crowdfunding im Journalismus berichtet datenjournalist.de: „Vor etwa einem halben Jahr hatte ich einen Artikel über das ‘Versagen des Journalismus’ in Sachen National Sozialistischer Untergrund (NSU) geschrieben. In dem Text hatte ich auch skizziert, wie ich mir eine Aufarbeitung der Thematik in einem Onlinemedium gewünscht hätte: Als eine Art stetig wachsende Faktensammlung, einem interaktives Dossier. Es hat erfreulicherweise geklappt: Das Projekt hat innerhalb knapp von drei Wochen das Ziel von 5000 Euro per Crowdfunding erreicht.“
#crowdfunding


Debatte: #Aufschrei

Wissenschaftlern der Uni Bielefeld ist aufgefallen, dass in der Sexismusdebatte Forschungsergebnisse zum Thema so gut wie keine Rolle spielen. „Dies ist befremdlich, da viele Argumente, die in der Debatte vorgebracht wurden, mit empirischen Befunden klar widerlegt (oder z.T. auch belegt) werden können.“ Deswegen haben sie zusammengestellt, was „uns an der Debatte im Einzelnen aufgefallen ist, und was wir aus wissenschaftlicher Sicht darauf antworten möchten“: Aufgegriffen werden zum Beispiel die Thesen, dass Brüderle ein Einzelfall und nicht ernst zu nehmen sei und Männer genauso häufig Opfer seien wie Frauen. Und: „Immer wieder wird diskutiert, ob sexistisches Verhalten das Ausspielen von männlicher Macht oder doch nur einen missglückten Flirtversuch darstellt.“

Auf einen weiteren Beitrag zur Debatte soll hier nur kurz hingewiesen werden: „Das eigentliche Problem, das wir als Gesellschaft haben, ist eine Frage des Ungleichgewichts zwischen den Geschlechtern, letzten Endes ist es eine Frage der Macht.“, schreibt Richard Gutjahr. „Altherrenwitze sind Zoten, die nicht wirklich lustig sind, bei denen sich aber alle Anwesenden gezwungen sehen, mitlachen zu müssen, weil derjenige, der den Witz reißt, die Rechnung zahlt.“
#wissenschaft #macht


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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0 Kommentare zu “Webschau Februar 2013
1 Pings/Trackbacks für "Webschau Februar 2013"
  1. [...] Schweizer Mitbürgern jederzeit eine hörbare Stimme.” Ebenso ausgezeichnet wurde #aufschrei (die Webschau berichtete). Begründung: Der Hashtag animierte viele Frauen, über den alltäglichen Sexismus zu berichten. [...]

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