Ein eigenes E-Book veröffentlichen – Teil II: Die Veröffentlichung

The future of books. Foto von Johan Larsson unter CC BY 2.0.

Foto „The future of books“ von Johan Larsson unter CC BY 2.0.

Ein eigenes E-Book erstellen und veröffentlichen – und das möglichst mit freier Software, offenen Standards und auch noch kostenlos? Das ist das Ziel in unserem #pb21-Experiment. In Teil I haben wir die Erstellung unseres E-Books beschrieben. Jetzt wollen wir es in die großen Stores von Amazon, Apple und Google bringen – wie verträgt sich das mit Offenheit und Kostenfreiheit?

Welcher Marktplatz darf’s denn sein?

Es stellt sich zunächst die Frage, in welchen Stores wir die deutschsprachige Zielgruppe am besten erreichen. Umfangreiche Statistiken für den deutschen E-Book-Markt und die Verbreitung der Geräte sind für Deutschland noch nicht verfügbar. Auf dem amerikanischen Markt spielt Amazons Lesegerät “Kindle” eine führende Rolle (siehe u.a. tabtech), was sicherlich auch an dem großen Angebot des Amazon Kindle Stores liegt. Neben Amazon sind weitere große Firmen auf dem Markt aktiv: So bietet Google inzwischen im Google Play Store E-Books an. Das größte amerikanische Buchhandelsunternehmen Barnes & Noble hat ebenfalls einen eigenen E-Reader (Nook) im Angebot, der im deutschsprachigen Bereich aber keine Rolle spielt. Apple schließlich bietet für iPhone und iPad den iBookstore an. Daneben tummeln sich noch zahlreiche weitere Anbieter von Lesegeräten, Lese-Apps und Downloadplattformen für E-Books.

Die besondere Herausforderung in unserem Projekt: Wir wollen unser E-Book auch in den kommerziellen Stores kostenfrei anbieten und unter freier Lizenz (Creative Commons Namensnennung) anbieten.

Amazon Kindle Direct Publishing

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Fangen wir mit dem vermuteten Marktführer an: dem Amazon Kindle Shop. Amazon bietet für das Selbst-Publizieren einen Service mit dem Titel Kindle Direct Publishing (KDP) an, für welchen lediglich ein Amazon-Konto benötigt wird. Die erste Ernüchterung folgt aber für uns ziemlich schnell: Standardmäßig gibt es keine Möglichkeit ein E-Book kostenfrei anzubieten. Der Mindestpreis, den wir hätten angeben können, wäre 0,89 € für den deutschen Markt gewesen. Amazon bietet jedoch verschiedene Tantiemen-Optionen an. Die einzige Möglichkeit regulär den Preis auf 0,00 € zu setzen ist die “KPD Select”-Option, in welcher man das E-Book als Werbeaktion eine Zeit lang kostenfrei anbieten kann. Allerdings räumt man mit dieser Option Amazon auch ein 90-Tage-Exklusivrecht ein, welches das Publizieren in anderen Stores verbietet. Für uns also keine Option.

Als allgemeiner Ratschlag gilt generell: Die meisten E-Books-Stores bieten inzwischen Services an, mit denen man einfach und schnell eigene E-Books veröffentlichen – und wenn gewollt – verkaufen kann. Man sollte sich allerdings etwas Zeit nehmen sich mit den Nutzungsbedingungen und AGB des jeweiligen Anbieters auseinanderzusetzen.Daniel Brockmeier hat sich hier z.B. mit den Amazon AGB auseinandergesetzt.

Philippe Wampfler hat uns im “Social Media Schule”-Blog allerdings noch auf eine andere Möglichkeit gebracht: Wenn unser E-Book in einem anderen Store für einen geringeren Betrag angeboten wird, so korrigiert Amazon den Preis wohl automatisch. So wird das E-Book von Philippe Wampfler inzwischen für 0,00 € im Kindle Shop angeboten. Wir nehmen an, dass dieses Vorgehen mit dem deutschen Buchpreisbindungsgesetz zusammenhängt, welches Verkäufer verpflichtet den vom Verlag festgesetzen Preis zu übernehmen. Bezüglich der Buchpreisbindung gibt es aber immer noch Unklarheit, ob diese nun auch für Selbstpublizierer von E-Books gilt: “Buchpreisbindung gilt nicht für Self-Publisher – aber wie lange noch?”.

E-Books können bei Amazon als “gemeinfrei” deklariert werden. Eine Möglichkeit explizit eine CC-by-Lizenz für das E-Book anzugeben gibt es im Amazon Kindle Shop nicht.

Apples iBookstore

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Apple bietet für das Publizieren von E-Books im iBookstore eine eigene Software an: den iTunes Producer. Dieser kommt mit aufgeräumter Oberfläche daher. Der Haken: Das Programm ist lediglich für Mac-Geräte (ab OS X v10.6) verfügbar, Windows- und Linux-Nutzer/innen haben keine Möglichkeit direkt im iBookstore zu publizieren. Des Weiteren wird für den Zugang zum Programm und für das Publizieren eine Apple-ID mit gültigen Kreditkarteninformationen benötigt.

Eine interaktivere Möglichkeit für E-Book stellte Apple mit dem Programm iBooks Author vor. Die Software ist kostenlos im Mac App Store erhältich und ermöglicht es Multi-Touch-Lehrbücher für das iPad zu erstellen. Hierbei können Features wie Galerien, Videos und interaktive Diagramme genutzt werden. Apple stand allerdings auch in der Kritik, da das “iBooks”-Format proprietär ist und nicht mit dem offenen ePUB-Standard kompatibel. Des Weiteren dürfen iBooks nur im iBookstore vertrieben werden.

Sollten Sie diese Einschränkungen nicht hindern, so können Sie sich für einen “Free Books Account” entscheiden und mit dem iTunes Producer Ihre ePUB-Datei einreichen. In unserem Test verlief das problemlos und innerhalb des selben Tages war unser E-Book im iTuness Store verfügbar: Social Media für Bildungsanbieter (Maria Christina Nimmerfroh) im iTunes Store. Gelesen werden kann es mit einem iPad, iPhone (ab 3G) oder einem iPod Touch (ab 2.Generation) mit der iBooks-App.

Eine Möglichkeit explizit eine CC-by-Lizenz für das E-Book anzugeben gibt es im Apple iBookstore nicht.

Google Play Books

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Mit dem Google Play Store gab es anfangs einige Probleme bei der Anmeldung im Google Books Partnerprogramm, die der technische Support von Google dann aber löste. Einen Schönheitspreis wird das aktuelle Interface zum Publizieren sicherlich nicht gewinnen. Dafür bietet es aber die Option an, Inhalte unter einer Creative Commons Lizenz mit Download bereitzustellen.

Die Freischaltung dauert einige Tage und wir mussten zwischendurch erneut via Online-Formular bestätigen, zur Verbreitung dieses Werks berechtigt zu sein. Kurz vor Redaktionsschluss dieses Artikel wurde das E-Book online gestellt.

Allerdings ist es derzeit im Google Books Portal nicht lesbar, da das E-Book nach dem Cover abgeschnitten dargestellt wird. Des Weiteren funktioniert die Einstellung für die Download-Erlaubnis nicht: Social Media für Bildungsanbieter (Maria Christina Nimmerfroh) im Google Books Portal. Das Google Books Partnerprogramm befindet sich laut Google noch im Beta-Status. So mussten wir auch die Erfahrung machen, dass das Dashboard nicht unbedingt benutzerfreundlich ist und auch die Hilfeseiten teilweise widersprüchlich sind. Wir haben das E-Book nun erneut eingestellt und uns auch an den technischen Support von Google gewendet. Sobald sich Änderungen ergeben, werden wir diesen Artikel updaten.

Alternative Plattformen

Neben den großen, kommerziellen Anbietern gibt es auch einige Plattformen, die explizit darauf angelegt sind E-Books kostenfrei bereitzustellen. Ein Vertreter dieser Plattformen ist bspw. das Projekt Gutenberg, welches auch einen Self-Publishing-Service anbietet: http://self.gutenberg.org/.

E-Books verkaufen?

Auch wenn wir unser E-Book kostenlos anbieten wollten, mussten wir uns mit den Umständen des “Normalfalls” auseinandersetzen, dass man sein Buch verkaufen will. Innerhalb unserer Recherche sind wir auf einige Hürden und Probleme gestoßen: Im Amazon Kindle Store sowie Apples iBookstore benötigen Sie nämlich eine amerikanische Steuernummer. Für den Bücher sowie den E-Book-Verkauf in Deutschland benötigen Sie außerdem für einige Plattform eine ISBN-Nummer. Informationen hierzu finden Sie u.a. auf Themen-Blogs, wie z.B. dem xtme-Blog oder literaturcafe.de.

Multi-Publishing: Ein Service für alle Stores

Es gibt auch Dienste, die Ihnen Arbeit abnehmen können und ihr E-Book automatisiert auf mehrere E-Book-Stores (Amazon Kindle Shop, Google Play, usw.) verteilen. Es gibt viele Multi-Publishing-Dienste, bei denen man kostenfrei etwas publizieren kann, allerdings werden beim Verkauf dann Gebührenanteile erhoben.

Ein großer Publishing-Dienst ist Smashwords, der u.a. auch die ISBN-Nummer kostenlos bereitstellt. Multi-Publishing-Dienste übernehmen teilweise auch die Umwandlung von bspw. Word-Dateien in ePUB, allerdings müssen sie dafür meist umfangreiche Formatierungsrichtlinien beachten oder gegen eine Gebühr Ihre Datei umwandeln lassen. Da wir in Teil 1 ja schon unsere ePUB- und mobi-Datei erstellt haben, entfällt dieser Schritt für uns.

Eine ePUB-Datei wird allerdings bei Smashwords noch mit dem Validierungstool “epubcheck” geprüft, welches den HTMl-Quelltext unter die Lupe nimmt. Wir haben unsere ePUB-Datei testweise bei Smashwords hochgeladen und bekamen einige epubcheck-Fehler angezeigt, die wir in der Quelltext-Ansicht bei Sigil dann manuell beheben mussten. Für Anfänger könnte es hier schnell kompliziert werden, da auch die Fehlermeldungen meist nicht selbsterklärend sind. Unser E-Book finden Sie bei smashwords hier.

Sollten Sie erwägen einen Multi-Publishing-Dienst zu benutzen, sollten Sie die Plattformen im Detail vergleichen. “epubli” ist bswp. ein deutscher Multi-Publishing-Dienst, der ähnliche Dienstleistungen wie smashwords bietet. Neben epubli und smashwords gibt es noch viele weitere Anbieter wie bod.de, BookRix, xinxii oder lulu. Wie schon angesprochen sollten Sie sich aber auch Zeit für die Nutzungsbedingungen der einzelnen Services nehmen.

Fazit

Inzwischen ist es möglich, E-Books mit etwas Arbeitsaufwand selbst zu publizieren und über gängige E-Book-Stores zu verbreiten. Es lauern trotzdem noch einige Fallstricke und Ungereimtheiten. Vor allem das kostenfreie Publizieren unter einer freien Lizenz stellt eine besondere Herausforderung dar. Bisher unterstützt nur Googles Play Store die Veröffentlichung unter einer Creative-Commons-Lizenz. Auch wird sich erst in der Zukunft zeigen, in welchem Umfang kommerzielle E-Books-Stores kostenfreie E-Books zulassen, da sie meist an jedem verkauften E-Book mitverdienen.

Nichtsdestotrotz besteht ein großes Potenzial, selbst Inhalte in Form von E-Books über bekannte und weitverbreitete Plattformen zu verbreiten. Es braucht nur einen Internetzugang, (kostenlose) Software und etwas Einarbeitung in die Technik. Und dann fehlt nur eine entscheidende Zutat: der Inhalt für das eigene Buch. 😉


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch für pb21.de.
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Matthias Andrasch studiert derzeit "Medienbildung - Audiovisuelle Kultur und Kommunikation" in Magdeburg. Er greift hierbei auf seine Erfahrung als ausgelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung zurück.

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