Webschau März 2013

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Darüber spricht das Netz …

Die Webschau im März beschäftigt sich mit den Folgen der Digitalisierung und der Diskussion darüber: Wie sieht die Zukunft der Bücher und Zeitungen aus? Wie sollen Universitäten ihre Lehr- und Lernmaterialien zur Verfügung stellen? In der Rubrik „Debatte“ stellen wir aktuelle Postionen zum inzwischen verabschiedeten Gesetz zum Leistungsschutzrecht zusammen.

Was fehlt? Die Papstwahl mit ihren Millionen von Tweets. Und die CeBIT, deren Schwerpunkt in diesem Jahr unter dem Begriff der „Shareeconomy“ zusammengefasst war. Die Besucherzahlen waren erneut rückläufig und die Zeit mutmaßt, dass der Messe die Visionen fehlen.

Lesetipp

Digitalisierung – ist das eigentlich wichtig? fragt Krystian Woznicki in der Berliner Gazette.

„Digitalisierung gilt als die große Revolution unserer Epoche. Vergleichbar mit der Industrialisierung vor zweihundert Jahren. Noch hat die Reflektion darüber keine gesamtgesellschaftliche Dimension erreicht. Stattdessen wird der Diskurs von Fachgeplänkel oder populistischen Schlammschlachten bestimmt. Dass es sich dabei auch um ein Vermittlungsproblem handelt, zeigt der Kampf um das Leistungsschutzrecht.“

#digitalisierung #debatte


Kurzmeldungen

Lehrinhalte nur über iTunes

Auf pb21.de ist viel über offene Lern- und Lehrmaterialien geschrieben worden. golem.de berichtet nun über die Freie Universität Berlin: Sie plant „eine Kooperation mit Apple, um Vorlesungsinhalte Externen bereitzustellen. Die Nutzung soll exklusiv mit der iTunes-Software möglich sein.“ Kritiker meinen: Linux-Nutzerinnen und -nutzer blieben ausgeschlossen, datenschutzrechtlich sei die Verbreitung von Vorlesungsvideos ausschließlich über iTunes bedenklich und schließlich handle es sich um „ein Datengeschenk für ein großes Unternehmen“.
Einen kritischen Blick auf die Strategien deutscher Hochschulen wirft auch ein Beitrag auf netzpolitik.org: „Kein Open Education aber iTunes U: E-Learning-Strategien deutscher Universitäten“.
#e-learning #itunes #openeducation #OER

Datenkrake Bertelsmann

Über ein aktuelles Projekt der Plattform LobbyPlag schreibt Richard Gutjahr auf seinem Blog: Der Bertelsmann-Verlag sammelt, so Gutjahr, mit kostenlosen Buchangeboten die Daten von Schulkindern: „Mit Millionen von Gutscheinen, die Bertelsmann an deutschen und österreichischen Schulen verteilt, geht der Medienkonzern gezielt auf Adressenjagd von Minderjährigen – und läuft Sturm gegen die geplante Datenschutzverordnung in Brüssel.“
#lobbyplag #bertelsmann

Gespräch über „Die digitale Gutenberggalaxis“

… mit Dirk von Gehlen, Philip Banse und Leander Wattig: Die drei reden auf Deutschlandradio Kultur u. a. über die Entstehung von Literatur unter vernetzten Bedingungen, also beispielsweise die Möglichkeit Leserinnen und Leser in die Entstehung eines Textes einzubinden. pb21-Autor @martinlindner twitterte: „bestes gespräch bisher über die digitale verflüssigung des buchs“. Hörempfehlung!
#buch #digitalisierung

Bürgerbeteiligung auf hochdeutsch

Das Beteiligungsportal Baden-Wüttemberg ist online: „Nach Protesten der SPD geht das Portal zunächst aber nur in einer abgespeckten Version online. Die Möglichkeit, Gesetzentwürfe zu kommentieren, sollen Bürger zunächst nur für Entwürfe aus zwei Ministerien erhalten. Für die Grünen wird das Umweltministerium teilnehmen – die SPD hat noch kein Ressort benannt“, berichtet heise.de.
#beteiligungsportal #badenwuerttemberg

KinderServer

Ende Februar hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder den KinderServer vorgestellt. „Die Kinderschutzlösung könne über eine Änderung der Netzwerkeinstellungen manuell oder über die zur Verfügung gestellte Routine automatisch installiert werden“, schreibt heise.de zur Funktionsweise. Erstmals sei auch das Surfen von mobilen Geräten berücksichtigt.
Die c’t hat ein Dossier zum Thema veröffentlicht, in der Ankündigung heißt es: „Technische Mittel können den Eltern das Hinsehen allerdings nicht abnehmen: Kinder müssen den verantwortlichen Umgang mit PC, Smartphone und Internet lernen. Dazu gehört auch das Einhalten von Spielregeln im Umgang mit der faszinierenden Technik. Wir geben Empfehlungen für die erzieherische Gratwanderung zwischen Laissez-faire und totaler Kontrolle.“
#kinder #surfen

Neu: Der Social Media Watchblog

„Wir wollen den großen Playern auf die Finger schauen“, sagt einer der Gründer im Interview mit der Süddeutschen.
„Ein Aufpasser, der Facebook und Co. im Auge behält – das soll das ‘Social Media Watchblog’ sein. Es soll kritisch berichtet und gleichzeitig falschen Ängsten der Nutzer entgegengetreten werden.“ Zwei junge Journalisten schreiben „Hintergrundartikel, ein News-Aggregator liefert die neuesten Informationen zu Social Media und Big Data und der ‘Social Media Radar’ zeigt die wichtigsten Fakten zu einem Thema an und listet auf, welche Artikel dazu besonders angesagt sind.“
#socialmediawatchblog

Studie: Facebook-Klicks sagen Eigenschaften voraus

„Schwul oder hetero, Christ oder Moslem, konservativ oder liberal – das will nicht jeder über sich verraten. Doch es lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den „Gefällt mir“-Klicks schlussfolgern, die Menschen auf dem Sozialen Netzwerk Facebook verteilen. Das fanden britische Forscher bei einer Untersuchung von 58.000 Facebook-Nutzern in den USA heraus.“ Es berichtete u. a. heise.de.
#facebook #likes #eigenschaften


Debatte: Leistungsschutzrecht

Am 1. März ist das umstrittene Gesetz verabschiedet worden und wir finden, das ist ein guter Grund, sich hier erneut mit dem Thema zu befassen:

Kritisiert wird u. a. die Rechtsunsicherheit, die mit dem Gesetz einher geht: „Durch absichtlich in Kauf genommene Unklarheiten im Gesetz verschärfen die Regierungsparteien CDU/CSU und FDP die Rechtsunsicherheit“, so carta.info – der Artikel bietet eine Zusammenstellung der kritischen Positionen. Es sei nicht definiert, was „kleinste Textausschnitte“ seien, diese Unsicherheit wirke sich im Wesentlichen negativ für kleine Anbieter, beispielsweise von Nachrichtenzusammenstellungen, aus.

Und wo bleiben die Urheber der Texte? Das fragt freischreiber, der Berufsverband der freien Journalistinnen und Journalisten: Nur Presseverleger (und Suchmaschinen) – und nicht die Autoren – sollen das Recht haben, Texte zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen, es sei denn es handelt sich einzelne Wörter oder um die nicht näher definierten und oben bereits erwähnten „kleinsten Textausschnitte“.

Mit Heise bezieht auch ein Verlagshaus Stellung: „Grundsätzlich halten wir […] eines für elementar: Die Freiheit der Berichterstattung, der Verlinkung und des Zitierens, wer immer sie auch in Anspruch nimmt, darf keinesfalls gefährdet werden. Daher legen wir Wert darauf, unseren Nutzern noch einmal klar öffentlich zu erklären, dass Links auf und kurze Textausschnitte/Snippets aus unseren Publikationen weiter höchst willkommen sind und dass dies weiterhin keiner Erlaubnis des Verlages bedarf oder gar Geld kostet.“

Zum Hintergund: Auf tagesschau.de sind häufig gestellte Fragen zum Gesetz zusammengestellt, der Wikipedia-Artikel zeichnet die Diskussion nach und bietet viele aktuelle Links.

#lsr #leistungsschutzrecht


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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