Webschau Juli 2013

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Darüber spricht das Netz …

Wir befassen uns auch diesmal mit PRISM und Tempora, stellen zwei der Grimme Online Award-Preisträger vor und berichten über eine Studie, die Medienbildung in der Grundschule untersucht hat.

Was fehlt? Das Ende des ersten Kurznachrichtendienstes: Indien hat als letztes Land weltweit seinen Telegramm-Service eingestellt. Über besonders kurze und besonders lustige Nachrichten aus der Geschichte des Telegramms berichtet der Guardian.

Lesetipp:
Das Internet in Wahlkämpfen – Konzepte, Wirkungen und Kampagnenfunktionen

„Das Internet ist aus Wahlkämpfen in vielen Ländern kaum mehr wegzudenken. Politiker und Kampagnenstäbe setzen das Internet als Wahlkampfinstrument ein. Bürger nutzen das Internet, um sich über Politik zu informieren oder in das politische Geschehen einzugreifen. Obwohl das Internet zum Kampagnenalltag gehört, herrscht vielerorts noch Unsicherheit über Einsatzmöglichkeiten und Wirkungen des Internets in Wahlkämpfen. Der Band stellt den aktuellen Stand der Forschung zur Nutzung, Bedeutung und Wirkung des Internets in Wahlkampagnen in den USA und in Deutschland dar.“
Auf der Seite der Konrad-Adenauer-Stiftung ist er auch als „Handreichung zur Politischen Bildung, Band 12“ zum downloaden zur Verfügung gestellt.
#internet-wahlkampf


Kurzmeldungen

Grimme Online Award: Preisträger 2013

Ausgezeichnet wurde u. a. „Politnetz – Die Polit-Plattform der Schweiz“. Die Plattform schaffe politische Transparenz und sei ein Vorbild für Bürgerbeteiligung im 21. Jahrhundert: „Politnetz gibt allen Schweizer Mitbürgern jederzeit eine hörbare Stimme.“
Ebenso ausgezeichnet wurde #aufschrei (die Webschau berichtete). Begründung: Der Hashtag animierte viele Frauen, über den alltäglichen Sexismus zu berichten. „In kurzer Zeit kamen Tausende von Tweets zusammen. Aus dem Netz wanderte das Thema zurück in die etablierten Medien und in die Politik, eine Wirkung, die zuvor noch kein Hashtag in Deutschland hatte.“
#grimmeonlineaward #aufschrei #politnetz

NSA-Überwachungsskandal: PRISM, Tempora und Co. – was bisher geschah

„Vor einigen Wochen haben der Guardian und die Washington Post damit begonnen, Dokumente zu veröffentlichen, die ihnen der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden übergeben hatte. Die ermöglichen einen Blick hinter die Fassaden des US-Auslandsgeheimdienstes NSA und zeigen ein umfangreiches Programm der totalen Überwachung, dem potenziell alle Menschen ausgeliefert sind.
Nachdem zwischenzeitlich das Schicksal des Whistleblowers Snowden, der auf seiner Flucht noch immer in Moskau festsitzt, stärker in den Vordergrund gerückt ist, hat heise online einmal zusammengefasst, was bislang bekannt geworden ist.“ (siehe auch „Debatte“)
#PRISM #Tempora #Snowden

Der digitale Briefkasten als soziales Bindeglied

„Viel Platz für Menschen bietet die Fischerinsel, aber wenig Raum für Miteinander. ‘Die Bewohner altern mit den Häusern. Es gibt kaum junge Leute und wenig Austausch untereinander’, so ein Mitglied des Senioren-Computer-Clubs. Ein gemeinsames Projekt mit Doktoranden der Berliner Universität der Künste (UdK) soll dies in Zukunft ändern – indem analoge und digitale Ebenen vernetzt werden.“
Das Projekt „Vernetzte Nachbarschaft“ will helfen Kommunikationslücken zu schließen. Wichtiges Hilfsmittel wird ein digitaler Briefkasten sein, der auch handschriftliche Briefe einlesen und auf ein Nachbarschaftsportal übertragen soll. Auch politisches nachbarschaftliches Engagement soll so unterstützt werden. Es berichtete u. a. n24.de.
#digitalerbriefkasten #nachbarschaft

Apps gegen die Filterblase

… auf hyperland.de ist zu lesen: „Statt neugierig Neues zu entdecken, suchen wir im Netz nur nach Bestätigungen dessen, was wir ohnehin schon zu wissen glauben. Algorithmen und Suchergebnisse, die sich unseren vermeintlichen Interessen anpassen, tun ein Übriges. Höchste Zeit, dass sich das ändert.“ Beispiel: Die Anwendung „Scoopinion“ analysiert den eigenen Nachrichtenkonsum. „Eine Funktion verfolgt beispielsweise jeden gelesenen Artikel und misst die Zeit, die darauf verwendet wurde. Am Schluss gibt es eine Grafik, die aufzeigt, wie viel Zeit die Nutzer mit welchen News-Quellen verbringen.“
#filterblase

Brasilien: Vielfalt der Proteste zeigt sich auch im Netz

„Dass es bei den Protesten um weit mehr geht als teure Fußballstadien oder die Erhöhung der Busticketpreise, zeigt auch der Blick ins Netz. Wie bei so vielen Protesten in den vergangenen Jahren, sind soziale Medien, allen voran Facebook, Youtube und Twitter, hilfreich bei der Organisation und Kommunikation. Seit Beginn der Proteste spielt Facebook eine zentrale Rolle: Beispielsweise die Gruppen ‘Passe Livre‘ (280.000 Mitglieder) gegen die Erhöhung der Buspreise oder die Seite der Antikorruptionsbewegung ‘Movimento Contra Corrupcao‘ (780.000 Likes).“ Soziale Medien seien essenziell, aber nicht der Auslöser der Proteste. Social Media helfe beispielsweise die Berichterstattung der Massenmedien zu hinterfragen. Es berichtet hyperland.de.
#protest #brasilien #socialmedia

Positionen zur Bundestagswahl: Freie Software

„Erfreulicherweise haben die Parteien ihr Wissen seit der letzten Bundestagswahl bezüglich Freier Software klar verbessert. Alle Parteien sind sich einig: Öffentliche Einrichtungen sollten sich bei der Beauftragung von Softwareentwicklungen sämtliche Nutzungsrechte (Zugriff auf den Quellcode, das Recht, die Software selbst oder durch Dritte weitzuentwickeln, das Recht die Software an andere weiterzugeben) einräumen lassen.“ schreibt fsfe.org.
Die medien- und netzpolitischen Schwerpunkte der Bundestagsparteien sind hier zusammengefasst.
#freiesoftware #wahl

Studie I: Das Radio hält sich wacker

„Downloads hin, Streaming her: Das Radio behauptet sich auch weiterhin gegen konkurrierende Medien und Kanäle wie das Internet und Smartphones, Tablet-Computer und Fernsehen“, ist auf heise.de zu lesen. „Nach wie vor etwa schalten vier von fünf Menschen in der deutschsprachigen Bevölkerung ab zehn Jahren an Werktagen das Radio ein. Das sind täglich etwa 58 Millionen Hörer. Durchschnittlich bleibt jeder Mensch in Deutschland 198 Minuten mit dabei.“
#radiohoeren

Studie II: Mehr Medienbildung für Lehrkräfte in der Grundschule erforderlich

„Die Medienvielfalt im Unterricht ist zunehmend durch digitale Medien geprägt und die Lehrkräfte nutzen das Potenzial auch. Als wichtig wird auch der kritisch-reflektierte Umgang mit Medien insbesondere in der Freizeit, das Wissen über Medieneinflüsse und die eigene Gestaltungskompetenz von Medien bereits für Grundschülerinnen und Grundschüler erachtet. Aber ihre Thematisierung findet in der Schule viel zu selten statt. Oftmals findet eine Verschiebung der Verantwortung zwischen Schule und Elternhaus statt. Lehrkräfte fühlen sich überfordert, ihnen fehlt das didaktische Know-how und sie bewerten die Medienerfahrungen der Kinder im privaten Umfeld häufig als negativ.“ Eine Pressemeldung des Informationsdienst Wissenschaft.
#grundschule #digitalemedien


Debatte: PRISM und Tempora – sind effektive Schutzmaßnahmen zu aufwendig?

Der Überwachung zu entgehen, das macht richtig viel Arbeit, so Felix von Leitner auf faz.net. „Der einzige echte Schutz ist Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.[…] Das artet schnell in Arbeit aus, daher hat es sich noch nicht in der breiten Bevölkerung durchsetzen können. […] Am Ende hilft natürlich jede Verschlüsselung der Welt nichts, wenn man seine persönlichen Daten auf Facebook, Twitter und anderen veröffentlicht.“

Hohe Hürden sieht auch ein Artikel zum Thema auf hyperland.de: „Die alternativen Suchmaschinen DuckDuckGo und Ixquick berichten über einen starken Anstieg ihrer Nutzerzahlen.“ Hier sei der Umstieg mit dem geringsten Aufwand möglich. Aber: „Weder die Facebook-Alternative Diaspora noch der Kartendienst Open-Street-Map oder die Dropbox-Alternative Owncloud weisen eine klare Aufwärtsbewegung auf.“

Die c’t hat einen Artikel mit Praxis-Tipps von 2012 akualisiert und meint: „Viele Internet-Nutzer scheuen trotz der massiven Eingriffe in ihre Privatsphäre E-Mail-Verschlüsselung, weil sie die Technik dahinter für kompliziert halten und deshalb einen Komfortverlust befürchten. Wenige wissen, dass auf ihren Rechnern und Smartphones längst alles fürs abhör- und manipulationssichere Mailen vorbereitet ist.“

Und hier findet man Hinweise zu Facebook-Alternativen. Die vorgestellten Dienste teilen das Problem, praktisch unbekannt zu sein.

Das ließe sich ja ändern.
#verschluesselung #facebookalternativen


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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