Webschau September 2013

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Darüber spricht das Netz …

Neben dem Konflikt in Syrien haben zwei Themen in den letzten Wochen die Diskussion im Netz bestimmt: Immer neue Enthüllungen darüber, wie Geheimdienste uns ausspähen und versuchen, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen und der Wahlkampf. Letzteren betrachten wir in dieser September-Webschau ein letztes Mal durch die Netzthemen-Brille.

Was fehlt? Der Duden, der zum Sprachpanscher 2013 ernannt worden ist, weil er „lächerliche Angeber-Anglizismen“ wie E-Business (Netzhandel) und Laptop (Klapprechner) aufnimmt. Ach so, und die erste Cryptoparty im Bundestag.

Lesetipps

… diesmal zum Thema Wahl und Social Media:

Ein Gutachten der Zeppelin Universität in Friedrichshafen hat „Open Government in den Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2013“ unter die Lupe genommen und fragt: Wie steht es mit dem offenen Regierungs- und Verwaltungshandeln?

Der Blog „Hamburger Wahlbeobachter“ hat Analyse-Tools zur Beobachtung und Bewertung der Social Media-Aktivitäten im Bundestagswahlkampf zusammengestellt. Beispiel: So wählt das Netz (Wirtschaftswoche)

Und die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Artikel „Soziale Medien im Wahlkampf“ mit vielen weiterführenden Links zum Thema veröffentlicht: „Netz-Themen und Skandale dominieren die Kommunikation in den sozialen Medien zur Bundestagswahl. Unterschiede zu den Offline-Medien gibt es nur in Ausnahmen. Haben die deutschen Wahlkämpfer die Funktionen der sozialen Medien begriffen?“
#btw13


Kurzmeldungen

Demonstration „Freiheit statt Angst“

20.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter am 07.09. an der Demonstration „Freiheit statt Angst“ in Berlin teilgenommen. Organisiert wurde die die Demonstration gegen Überwachung von einem Bündnis um Gruppen wie Digital Courage und dem Arbeitskreis gegen Vorratsdatenspeicherung. Die Reden sind hier dokumentiert, u.a. sprach der US-Bürgerrechtsaktivist Jacob Appelbaum.
#fsa13

Berliner Appell zum Erhalt des digitalen Kulturerbes

„Digitale Inhalte sind fragil.“ lautet der erste Satz von zwölf Forderungen im „Berliner Appell“. Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen machen darauf aufmerksam, dass digital gespeicherte Inhalte vom Vergessen bedroht sind, wenn sich die Gesellschaft nicht systematisch und professionell um eine Langzeitarchivierung kümmert. Der Appell kann auf der Website unterzeichnet werden. iRights.info berichtet, dass der Appell bereits durch die Deutsche Digitale Bibliothek und Wikimedia Deutschland als Institutionen unterzeichnet wurde.
#nachhaltigkeit #archivierung

Einbruch in den Schutzraum

Die Süddeutsche kommentiert zu den jüngsten Enthüllungen, dass Geheimdienste auch auf verschlüsselte Verbindungen Zugriff haben: „Jetzt ist offensichtlich, was lange zu befürchten war: Die allseits empfohlene Verschlüsselung im Internet wird die meisten Menschen nicht davor retten, dass der Staat mitliest. Bis auf Weiteres bleibt den Bürgern nur, den Regierungen nicht mehr zu trauen – und es den Staatsspitzeln so schwer wie irgend möglich zu machen.“
#vertrauen #ssl #verschluesselung

Geheimdienste und Rechtsstaat

Jo Bager schreibt auf heise.de: „Im Mutterland der Pressefreiheit, Großbritannien, wurde der Guardian gezwungen, Festplatten mit Material des Whistleblowers Snowden zu zerstören. Der Lebenspartner (und Mitarbeiter) des Journalisten Glenn Greenwald wurde auf Grundlage eines Anti-Terrorgesetzes neun Stunden am Londoner Flughafen Heathrow festgehalten und verhört. […] Einflussnahme auf die Presse gibt es in Deutschland nicht, um die Kontrolle der Geheimdienste ist es aber auch hierzulande eher schlecht gestellt. Alles in allem scheinen die westlichen Geheimdienste zu einem supranationalen und antidemokratischen Monster zu mutieren, für das rechtsstaatliche Schranken immer weniger gelten.“
#journalismus #geheimdienste #rechtsstaat

FAQ-Liste zur Überwachungsaffäre 2013

Die Gesellschaft für Informatik hat ein FAQ zur Überwachungsaffäre zusammengestellt: „Die politische Bedeutung des Themas erschwert eine sachliche Diskussion, berührt sie doch die Grundlagen unseres Lebens im digitalen Zeitalter.“ Im Fokus der Zusammenstellung stehen diese Fragen:
Wer überwacht wie und in welchem Maße unsere Kommunikation?
Wer dringt wie und in welchem Maße in unsere Computer ein?
Wie können wir uns davor schützen?
Auf welcher rechtlichen Grundlage geschieht dies?
#gi #ueberwachung

irights.info gibt Tipps zu Speicherdiensten in der Cloud

Muss ich mich bei Diensten mit echten Angaben registrieren? Wann sollte man Daten verschlüsseln? Wann ist das Hochladen von Dateien urheberrechtlich problematisch? Tipps und Hinweise zur Nutzung von Cloud-Speicherdiensten hat iRights Cloud in einem Faltblatt zusammengefasst.
#cloud #irights

Diaspora ist tot, es lebe Diaspora!

Der auf heise.de veröffentlichte Überblicksartikel zu Diaspora gibt nach einem kurzen „historischen“ Einstieg in die seit 2010 existierende Plattform ganz praktische Tipps zum Umgang mit dem datenschutzfreundlichen Netzwerk.
#diaspora

ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 veröffentlicht

Es berichtet u. a. politik-digital.de: „Das Netz bindet mehr und mehr Aufmerksamkeit. Es wird auch für die Generation 50+ attraktiver, beschäftigt länger als früher und ist öfter dabei, wenn Menschen unterwegs sind. Und noch ein Trend bestätigt sich in der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013: Fernsehinhalte werden vermehrt im Internet abgerufen.“
#ard-zdf-onlinestudie.de

Jeder Siebte in Deutschland war noch nie online

„15 Prozent der Einwohner Deutschlands zwischen 16 und 74 Jahren waren noch nie im Internet. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat auf Grundlage von Daten aus dem Jahr 2012 mitgeteilt, dass der Anteil der Menschen ohne jegliche Interneterfahrung im EU-Durchschnitt sogar bei 22 Prozent lag. […] Eine getrennte Betrachtung der Geschlechter zeigt, dass sowohl im EU-Mittel als auch innerhalb Deutschlands bei den Frauen der Anteil derjenigen, die noch nie online waren, rund fünf Prozent höher lag als bei den Männern.“ heise.de.
#netznutzung


Debatte: Zu den Folgen der Überwachung

Viele Beiträge im Netz beschäftigen sich mit den langfristigen gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen, die die flächendeckende Überwachung hat:

„Überwachung schränkt die persönliche Freiheit jedes Einzelnen ein. Das Gefühl, überwacht zu werden, führt zu sogenannten Chilling Effects: Man ändert vorauseilend sein Verhalten aus Angst vor negativen Konsequenzen. Wir stehen alle unter Beobachtung, wir werden alle so behandelt, als ob wir verdächtig wären, als hätten die Regierungen ‘Angst vor dem Volk’.“ ist auf heise.de zu lesen.

Was macht diese Verdachtskultur mit unserer Psyche? Der Frage geht der Beitrag „Misstrau mir!“ auf taz.de nach: „Folgen hat das nicht nur für die Betroffenen und ihr Umfeld, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt. Denn Überwachung entfaltet ihre Effekte nicht erst dann, wenn die Homeland Security vor der Tür steht oder der nette Herr in Uniform am Flughafen in einen Nebenraum bittet.“

Thomas Pleil, Unterzeichner der „Berliner Erklärung“ und Verfasser eines Blogbeitrags zum Thema fragt: „Fährt die Demokratie in der digitalen Welt an die Wand?“. In der Erklärung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler wird ein intensiver öffentlicher Diskurs gefordert. „Ein Ansatz dazu sind beispielsweise Enquete-Kommissionen des Bundestages bzw. auf Ebene der EU. Ob solche Vorschläge tatsächlich nach den Wahlen umgesetzt werden, hängt vermutlich auch vom Verlauf der öffentlichen Diskussion ab.“
#ueberwachung #demokratie


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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