„Diese Version soll die endgültige sein“ Was kommt mit CC-4.0?

Die 4.0-Version der CC-Lizenzen steht vor der Tür. CC-Logo (bearbeitet) von Simon Borchers unter <a title="Zum Lizenztext" href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Die 4.0-Version der CC-Lizenzen steht vor der Tür. CC-Logo (bearbeitet) von Simon Borchers unter CC BY 3.0 DE.

… und welche Rolle spielt Creative Commons für OER?

John H. Weitzmann ist Europakoordinator von Creative Commons. Welche Rolle Creative Commons als Organisation in Bezug auf OER spielt, stellt er im Video-Interview unten vor.

Außerdem hat er zusammen mit Sarah Lotz zusammengefasst, was die Aktualisierung der CC-Lizenzen auf die Version 4.0 bedeuten.

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Die Abstände, in denen Creative Commons die neuen Versionen ihrer CC-Lizenzen vorgestellt hatte, wurden zuletzt immer länger und sechs Jahre nach Veröffentlichung der CCPL3 (Creative Commons Public Licenses Version 3.0) soll nun in wenigen Wochen die neue vierte Version des Lizenzensets veröffentlicht werden. Es soll die vorerst endgültige sein, sagt John H. Weitzmann: „Wir haben die CC-Lizenzen immer weiter verbessert, irgendwann soll aber auch ein Endzustand erreicht sein.“

Die neue Lizenz wird eine völlig neue Struktur haben, der Lizenz-Text stärker gegliedert sein: „Der Aufbau wird kleinteiliger sein: Statt Textwüsten wird es acht verschiedene Teile geben, die klar voneinander abgegrenzt sind.“

Für einem Vortrag der bei der OER-Konferenz 2013 (Video unten) hat Weitzmann das Wichtigste der CCPL4 zusammengefasst:

  1. Datenbanken: Die neue Version lizenziert Datenbanken mit. Bisher waren Lizenzbedingungen wie BY oder NC ohne Wirkung hinsichtlich der Datennutzung aus Datenbanken. Das soll unter der neuen Lizenzversion nun anders werden – allerdings nur in den Ländern, wo es ein gesetzlich verankertes Datenbankrecht gibt (so beispielsweise in allen EU-Ländern, in den USA dagegen gibt es dieses Schutzrecht nicht). Dadurch unterscheidet sich die CCPL4 grundsätzlich von der Open Database License, die ein Datenbanken-Schutzrecht auch dann vertraglich „nachzubauen“ versucht, wenn das jeweilige Land ein solches Recht nicht im Urheberrechtsgesetz stehen hat.
  2. Verwandte Schutzrechte: Die CCPL4 enthalten eine abstrakte Umschreibung, die flexibel mitgeht. Der Grund hierfür ist, dass in die verschiedenen Urheberrechtsgesetze weltweit immer mal wieder neue Schutzrechte eingefügt werden – wie in Deutschland jüngst etwa das „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ – die Lizenzen aber nicht jedes Mal entsprechend angepasst werden können. In Zukunft soll die abstrakte Umschreibung alle Schutzrechte automatisch mit einbeziehen, die dem Urheberrecht ähnlich sind.
  3. Heilungsfrist: Bisher war selbst ein versehentlicher Lizenzverstoß unheilbar. Das bedeutet, dass der jeweilige Nutzer alle Rechte aus der CC-Lizenz verlor und es auch kein automatisches Neu-Entstehen der Lizenz gab, wenn das Fehlverhalten abgestellt wurde. Die CCPL4 dagegen wird automatisch „wiederaufleben“, wenn der Verstoß innerhalb einer Frist von 30 Tagen abgestellt wird. Vergleichbare Regeln gibt es bereits in verschiedenen Public Licenses für Software.
  4. Share Alike: Wird ein Werk mehrfach bearbeitet und gemäß Share Alike wieder neu lizenziert, gilt künftig das Einhalten der letzten rechtmäßig vergebenen Lizenz als ausreichend, selbst wenn die von früheren Bearbeitern vergebenen Lizenzen inhaltlich davon abweichen: „Hintergrund ist, dass die bisherige Regelung schlecht handhabbare Lizenzschichten produziert hat, die Laien oft nicht verstanden haben.“
John Weitzmann von Creative Commons Europe im Interview auf der OER-Konferenz

Video „Creative Commons und OER“ von pb21.de unter CC BY 3.0.

Einiges hat Creative Commons aber bewusst nicht verändert und dürfte so wohl auch ein paar Hoffnungen enttäuschen:

  1. Es wird keine engere, genauere Definition von „nicht kommerziell“ (wichtig im Rahmen der Lizenzbedingung NC) geben: „Die bisherige Definition ist seit Version 1.0 weitgehend unverändert, sie ist in tausenden Systemen fest verankert. Wenn wir da nach über 10 Jahren eine Änderung vornehmen wollten, müsste die sehr überzeugend argumentiert werden. Das war im Diskussionsprozess zu Version 4.0 nicht zu erkennen.“
  2. Auch die CCPL4 werden keine Rechtegarantie enthalten: „Da es keine Gutgläubigkeit im Lizenzrecht gibt, wurde für die CCPL4 eine Garantie gefordert, dass der Lizenzgeber die Rechte tatsächlich besitzt. Angesichts der massenhaften Vergabe von CC-Lizenzen in großen Sammlungen wie etwa den Wikimedia Commons, würde eine solche Garantie und der damit einhergehende Prüfungs- und Versicherungsaufwand viele Lizenzgeber überfordern. Es bleibt aber möglich, parallel zur jeweiligen CC-Lizenz selbständige Garantien zu geben.“
  3. Es gibt keine Auto-Update-Funktion: „Die gab es nie, auch wenn einige Leute das immer dachten. Die Grundentscheidung des Urhebers ist in gewissem Sinne heilig. Die von ihm vergebene Lizenz-Version bleibt maßgeblich, auch wenn wir eine neue Version herausbringen.“

Übrigens wird nicht nur die Lizenz neu aufgesetzt, sondern auch der License-Chooser erweitert: „Es soll zukünftig Hinweise dazu geben, welche möglicherweise ungewollten Konsequenzen etwa die Auswahl einer Lizenz mit dem Merkmal NC hat.“


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Sarah Lotz und John Weitzmann für pb21.de. Das Video steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Urhebers soll wie folgt genannt werden: Blanche Fabri für pb21.de.
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John H. Weitzmann hat Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Urheber- und Medienrecht studiert. Er arbeitet als Rechtsanwalt in Berlin und ist zudem Redakteur beim Informationsportal iRights.info. Seit 2006 engagiert er sich als Projektleiter Recht von Creative Commons Deutschland, seit 2013 koordiniert er gemeinsam mit einer Kollegin den europäischen Regionalverbund der Creative-Commons-Projekte. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht er Beiträge zu Rechtsfragen in der digitalen Welt.

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