PB025: „Sich die Themen zu eigen machen“ – Wie digitale Medien die Bildungsarbeit verändern

Shape-the-Future-Logo, nicht unter freier Lizenz.

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#pb21-Podcast mit Ann-Katrin Becker und Klaus Waldmann vom Projekt Shape the Future

Im Projektverbund Shape the Future haben die Akteure in den letzten zwei Jahren möglichst viele digitale Medien und Soziale Netzwerke für ihre Bildungsarbeit mit Jugendlichen genutzt. Im Gespräch mit Jöran Muuß-Merholz und Guido Brombach wird deutlich, dass das Projekt nicht durch den Fokus auf die veränderten Medien, sondern durch grundsätzlich andere Herangehensweisen, die durch die digitalen Medien möglich werden, so erfolgreich verläuft.

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Shape the Future
Dieser Podcast ist einer von vier Podcasts über den Projektverbund Shape the Future. Weitere Infos und die Vorstellung aller Projekte sind auf der Projekt-Homepage zu finden.

Entstanden ist das Projekt durch das Interesse einzelner Jugendbildungsreferenten an den Möglichkeiten sozialer Netze und deren Einsatz in der Jugendarbeit. Im Rahmen einer Projektgruppe probierten sie selbst aus, was möglich ist. Es wurden Programme getestet, Facebook entdeckt und Ideen entwickelt, wie diese Medien dazu genutzt werden könnten, die Arbeit mit den Jugendlichen anders als bisher zu gestalten. Die Gruppe ließ sich dabei von ihrer eigenen Faszination an den digitalen Medien leiten.

Im Rahmen eines bundesweiten Modellprojekts setzten acht Jugendbildungsreferenten regionale Projekte um. Hier erhielten sie die Möglichkeiten, hinsichtlich des Medieneinsatzes zu experimentieren und Ideen zu entwickeln, um digitale Medien langfristig in ihre Bildungsarbeit zu integrieren. Schwerpunkte dieser Projekte waren die mediengestüzte Lebensraum- und Sozialraumgestaltung sowie die Partizipation von Jugendlichen. In Loccum beschäftigten sich die Jugendlichen beispielsweise im Klima.Camp mit dem Klimawandel und seinen Folgen. Sie nutzten Podcast und Blog dazu ihre Ergebnisse nachhaltig zu sichern, zu ergänzen und sich auszutauschen. Mission: Klima retten! powered by heaven heißt das Projekt aus Villigst, das Ann-Katrin Becker betreut. Hier boten die verschiedenen Plattformen die Möglichkeit, ein bestehendes Projekt um internationale Perspektiven zu erweitern. In Frankfurt und Schwerin entwickelten die Jugendlichen unter den Projekttiteln Machs grün und Mein Block Ideen, wie ihre Städte zukünftig gestaltet sein könnten. Die jungen Menschen nutzten die Medien als Recherche- und Dokumentationswerkzeuge. Ihre so aufbereiteten Ergebnisse dienten den Jugendlichen in Schwerin später als Grundlage für Gespräche mit verantwortlichen Politikern.

Ann-Katrin Becker
Ann-Katrin Becker ist eine der Koordinatorinnen des Projekts Shape the Future. Als studierte Politikwissenschaftlerin und Soziologin arbeitet sie als Jugendbildungsreferentin im Fachbereich Nachhaltige Entwicklung beim Institut für Kirche und Gesellschaft der evangelischen Kirche von Westfalen.

Klaus Waldmann
Klaus Waldmann ist Bundestutor bei der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung und koordiniert damit nicht nur das Projekt Shape the Future, sondern unter anderem auch das bundesweite Netzwerk von Jugendbildungsreferenten.

Ann-Katrin Becker und Klaus Waldmann fassen ihre zahlreichen Erfahrungen des Projekts nun folgendermaßen zusammen: Besonders vielfältig nutzten die Jugendlichen die Medien zur Visualisierung und Ausgestaltung von Ideen. In Videoclips und Fotoreportagen gelang es ihnen, ihre Ideen und Perspektiven darzustellen und für andere Menschen nutzbar zu machen. Diese Produkte dienen damit nicht nur den Jugendlichen selbst als Ergebnissicherung, sondern anderen als Anregung für eigene Projekte. Eigene Projekte, ist nach Klaus Waldmann ein besonderer Stichpunkt von Shape the Future, denn die Jugendlichen haben die, ihnen so vertrauten, Medien dazu genutzt, sich intensiv mit den Inhalten der Projekte auseinanderzusetzen. „Durch die Medien erhält die Arbeit eine Art Eigenständigkeit. Die Jugendlichen tun ihre Dinge, in dem von uns geschaffenen Rahmen.” So gelang es in Diskussionen und mit den Ergebnissen auch andere Ebenen zu erreichen. Mit den Arbeitsformen in den herkömmlichen Bildungsveranstaltungen sei dies eher selten. Die Jugendlichen machten die Inhalte zu ihren eigenen Themen, auf vielfältige Weise auch über die Projektdauer hinaus.

Der anfangs geplante hohe Medieneinsatz entwickelte sich im Verlauf des Projekts zu einer veränderten Herangehensweise an die Bildungsveranstaltungen. „Das hat sich einfach so ergeben” fasst Ann-Katrin Becker diesen großen Lernprozess aller Beteiligten zusammen. Die neuen Medien unterstützen als Werkzeuge bestimmte Prozesse oder helfen Themen zu bearbeiten. Klaus Waldmann resümiert: „Die Medien geben den Jugendlichen mehr Raum ihre Dinge zu thematisieren. Ihre Kenntnisse und Wünsche kommen zur Geltung.” Insgesamt würden die Jugendlichen ihren Lernprozess selbstständiger gestalten und es entwickle sich eine Eigendynamik, die eigensinnige Formen von Lernen und Bildung entstehen ließe.

Auch wenn die vorgesehene Projektzeit von Shape the Future Anfang des Jahres 2014 zu Ende geht, machen die Beteiligten weiter: Die Jugendlichen nehmen ihre Themen mit – teilweise haben sich schon eigenständige neue Projektgruppen gebildet – und die Bildungsreferenten integrieren ihre Erfahrungen im Umgang mit den veränderten Herangehensweisen mit großer Selbstverständlichkeit in ihre weitere Jugendarbeit. Zusätzlich arbeiten die Koordinatoren daran, ihre Erfahrungen und Ergebnisse in einem Buch zusammenzufassen um sie auch anderen Interessierten zugänglich zu machen.


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Jöran ist Diplom-Pädagoge und freiberuflich in verschiedenen Bildungsbereichen aktiv. Am liebsten mag er Schnittmengen aus 1. Bildung / Lernen, 2. Medien / Kommunikation und 3. Management / Organisation.

Kategorien: Bildung im digitalen Wandel, Partizipation, Podcasts Schlagworte: , , , , , ,