PB027: Jugendliche starten eigenes Klimaschutzprojekt – ein „digitaler“ Erfolg?

Shape-the-Future-Logo, nicht unter freier Lizenz.

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#pb21-Podcast mit Simone Schad-Smith von der Evangelischen Akademie Loccum

Bereichern digitale Medien die Bildungsarbeit mit Jugendlichen? Simone Schad-Smith hat es bei zwei Tagungen ausprobiert. Im Gespräch mit Jöran Muuß-Merholz berichtet sie von außergewöhnlichen Erfolgen, aber auch gemischten Gefühlen.

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KliMotion heißt das Schülernetzwerk, das im Sommer 2012 von Jugendlichen aus Niedersachsen gegründet wurde – als Ergebnis einer Bildungsveranstaltung in Loccum, organisiert über Facebook.

Shape the Future
Dieser Podcast ist einer von vier Podcasts über den Projektverbund Shape the Future. Weitere Infos und die Vorstellung aller Projekte sind auf der Projekt-Homepage zu finden.

Unter dem Motto “Klimaschutz heute und nicht morgen!” haben die Schülerinnen und Schüler sich dazu entschlossen, Verantwortung für ihre Zukunft zu übernehmen und sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen. Die Initiative ist mittlerweile in regionalen Gruppen organisiert – koordiniert so, wie sie auch entstanden ist: über Facebook.

Ausgangspunkt der Initiative war das Klima.Camp, eine Veranstaltung von Simone Schad-Smith an der Evangelischen Akademie Loccum. Als Teilprojekt im Projektverbund Shape the Future hatte Simone Schad-Smith sich mit dem Klima.Camp vorgenommen, ihre bisherige Tagungsarbeit mit Abiturienten in der Evangelischen Akademie Loccum digital anzureichern. “Ich spürte das Bedürfnis, Medien in meine Arbeit zu integrieren. Ich wusste aber gar nicht, wie man das in der Bildungsarbeit machen könnte.” So nutzte sie die Gelegenheit, ihre Projekte als Teil des Projektverbundes umzusetzen, um mit und von den beteiligten Kollegen und Kolleginnen zu lernen.

Simone Schad-Smith
Simone Schad-Smith ist Studienleiterin für gesellschaftspolitische Jugendbildung an der Evangelischen Akademie Loccum. Als Jugendbildungsreferentin hat sie im Rahmen des Projektverbundes Shape the Future mit Jugendlichen die Projekte Klima.Camp und Shaping Europe umgesetzt.

Simone Schad-Smith. Foto der Evangelischen Akademie Loccum, nicht unter freier Lizenz.

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Normalerweise gestaltet Simone Schad-Smith typische dreitägige Tagungen für jeweils etwa 100 Jugendliche. Für das Klima.Camp und ihr zweites Projekt Shaping Europe wurde die Arbeit in den Workshops durch Formate ergänzt, die durch digitale Medien möglich werden. Die Arbeit beider Projekte wurde zum Beispiel von einer Blogger-Gruppe live in ihrer Entwicklung dokumentiert. Andere Jugendliche nutzten digitale Bildformate, um ihre Ideen im Kampf gegen den Klimawandel auszudrücken. Wie Gleichaltrige in Brasilien, Südafrika und Bosnien den Klimawandel erleben, erfuhren die Klima.Camp-Teilnehmer in Skype-Videokonferenzen.

Simone Schad-Smith hat bei der Durchführung ihrer beiden „digitalen“ Projekte viel zum Einsatz digitaler Medien in der Jugendbildungsarbeit gelernt, blickt nun aber auch mit gemischten Gefühlen zurück. „Der Kern ist für mich der Inhalt und die Methode darf diesen nicht überlagern.“ In beiden Projekten nahmen technische Probleme und die veränderten Arbeitsweise viel Zeit in Anspruch, die die Jugendlichen ansonsten für inhaltliche Arbeit genutzt hätten. Insbesondere die Arbeit der Blogger-Gruppe ließ sich nicht zufriedenstellend integrieren. Im ersten Versuch waren diese Teilnehmer nicht an der inhaltlichen Arbeit beteiligt, während das Bloggen im zweiten Durchlauf eine zusätzliche Arbeit war. Auch ist sich Simone Schad-Smith noch nicht sicher, welche Rolle die Öffentlichkeit in den Sozialen Netzwerken für ihre Bildungsarbeit bedeuten könnte.

Simone Schad-Smith erzählt aber auch, dass KliMotion für sie eine sehr wünschenswerte Entwicklung darstellt: „Wenn der Funke für Engagement bei den Teilnehmenden überspringt und ich sie dann ziehen lassen kann“, dann sei die Grundlage für weitere Partizipationsprozesse gelegt. Beim Klima.Camp sei genau dieser Funke da gewesen. „Die Jugendlichen waren elektrisiert.“ Sie merkten wie bestehende Formen von Engagement im Klimabereich für ihre Bedürfnisse unpassend waren. Sie taten sich zusammen und starteten selbständig ihre gemeinsame Arbeit. In dieser Hinsicht scheint das Klima.Camp bei den Jugendlichen entgegen der Zweifel der Projektleiterin sehr gut angekommen zu sein.

Deutlich geworden ist während den beiden Projekten, dass den Jugendlichen die Bedienung der digitalen Medien nicht beigebracht werden muss. Die Teilnehmer nutzen diese selbstverständlich und wollen keine Methoden kennenlernen, sondern aktiv etwas tun. Auf diese Weise entstünde eine bereichernde Mischung aus analoger und digitaler Arbeit. Die Jugendlichen können darin bestärkt werden, dass die privat so reichlich genutzten digitalen Werkzeuge auch darüber hinaus für gemeinschaftliche Projekte und gesellschaftliches Engagement hilfreich sein können.

Letztlich entstehen aus der Verknüpfung von bewährter Tagungsarbeit und den Möglichkeiten von Facebook & Co. Räume, in denen Jugendliche auf Gleichgesinnte treffen und durch schnelle und einfache Vernetzung Projekte wie KliMotion umsetzen können.


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Tessa hat im August 2013 ihr Lehramtsstudium mit den Unterrichtsfächern Mathematik und Sport an der Universität Hamburg abgeschlossen. Sie hat sich während des Studiums insbesondere mit alternativen Formen von Schule und Lernen auseinandergesetzt. Die Verbindung von Lernen und Digital gehörte zu ihren liebsten Themen, was im Experiment gipfelte, das Studium papierfrei und iPad-zentriert abzuschließen. Tessa beschäftigt sich nun ohne Uni und Schule weiter mit diesen Themen.

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