Schreiben fürs Netz – 4 Tipps und eine Checkliste für die Praxis

Besser schreiben. Grafik von <a title="Zum WIkipedia-Beitrag" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Pearson_Scott_Foresman">Pearson Scott Foresman</a>  via <a title="Zu Wikimedia Commons" href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Quill_(PSF).png">Commons</a> unter <a title="Details zur Gemeinfreiheit" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit#Public_Domain">Public Domain</a>.

Besser schreiben. Grafik von Pearson Scott Foresman via Commons unter Public Domain.

Mit einfachen Mitteln lesefreundliche Texte schreiben

Wer schreibt, bleibt. Heißt es. Aber es bleibt nur im Gedächtnis, wer auch seine Botschaft an den Lesenden bringen kann. Oft schreiben gerade nebenberuflich Schreibende mehr für sich als für die Lesenden. Dagegen hilft, sich vorher mehr über Ziel und Zielgruppe klar zu werden.

Wie das geht, zeigt dieser Beitrag mit fünf wichtigen Grundsätzen und einer praktischen Checkliste. Wir beginnen mit etwas anderem: Fernsehwerbung für Zeitschriften …

An die Leser denken

„Fakten, Fakten, Fakten und immer an die Leser denken“ – mit diesem Slogan trat Focus-Chefredakteur Helmut Markwort in den 1990ern im Werbefernsehen auf. Und wurde von der altgedienten Journaille gerne belächelt. Sein Magazin gibt es heute noch und die Leserorientierung ist seitdem auch deutlich häufiger Thema. Konkret heißt Leserorientierung, dass jeder Text ein Ziel und eine Kernbotschaft hat und eine Gruppe von Leuten, die diese Botschaft mitnehmen sollen. Das ist besonders außerhalb der Massenmedien wichtig, wo man sich oft die Leserschaft mit jedem Artikel neu erarbeiten muss. Denn bei Online-Magazinen von wenig bekannten Herausgebern werden die Beiträge nur gelesen, weil sie interessant sind, gut geschrieben oder einen großen Nutzwert haben. Den großen Namen des Mediums oder des Autors, die Exklusivität und den Nachrichtenwert können die meisten Websites nicht bieten. Der Lesende muss anders überzeugt werden.

Erstens: Das Ziel des Beitrags

Bevor noch überhaupt ein Buchstabe getippt wird, ist konzeptionelle Vorarbeit zu leisten, damit der Beitrag auch ankommt. Jeder Artikel hat ein Ziel und es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, sonst kann man es nicht erreichen. Die angestrebten Ziele können sehr unterschiedlich sein. Da haben wir zum einen die Handlungsebene: Dieser Text hier soll dazu animieren, bessere Texte zu schreiben. Weitere Ziele aus diesem Bereich sind der Besuch einer Veranstaltung oder die Spende für eine Aktion. Es darf aber auch etwas anderes angestrebt werden, beispielsweise dass die Lesenden nachher eine positivere Einstellung zu einem bestimmten Thema oder einer Organisation haben oder sich in bestimmten Fähigkeiten mehr zutrauen. Das Ziel muss nicht explizit im Text genannt werden, manchmal bietet es sich nicht an, weil man möchte, dass die Lesenden selbst darauf kommen.

Zum Ziel gehört auch die Zielgruppe, die erreicht werden soll. Auch Texte, die im Internet erscheinen, sind nicht für alle Leser gedacht. Es dürfen zwar alle lesen, aber das Ziel de Beitrags dürfte bei den meisten nicht erreicht werden. Deswegen ist es notwendig, sich vorher festzulegen. Als Kriterien eignen sich vor allem Kenntnisstand und Interesse am Thema. Die üblichen soziodemographischen Faktoren sind hier in der Regel nicht hilfreich. Je genauer der spätere Lesende vor dem geistigen Auge des Autors erscheint, desto einfacher ist es, ihn zu erreichen. So richtet sich dieser Text an Schreibende, die das nicht hauptberuflich tun, ab und zu Texte für Online-Publikationen schreiben (müssen) und ein Interesse daran haben, ihre Fähigkeiten in dem Bereich zu verbessern. Wichtig ist, das Ziel und die Zielgruppe möglichst genau festzulegen, denn daraus ergibt sich in den meisten Fällen schon der nächste Punkt, die Kernbotschaft.

Zweitens: Die Kernbotschaft

Jeder Artikel sollte nur eine zentrale Botschaft haben, die naturgemäß eng mit dem Ziel zusammenhängt. Schwierig ist es in der Regel, die eine Botschaft zu finden, denn meistens hat man eher zu viele Botschaften. Die Auswahl der Kernbotschaft kann unter Umständen länger dauern, man sollte aber nicht den Fehler machen, dem Lesenden viele Details zu bieten, aus denen er sich selbst das Wichtigste aussuchen kann. Die Auswahl der Informationen und die Präsentation sind ureigenste Aufgabe des Autors. Steht das Ziel fest, ist oft klar, wie die Kernbotschaft lauten muss: Geht es um eine Handlung, muss der Nutzwert und die Einfachheit herausgestellt werden. Geht es um eine Einstellung, wird die Organisation und ihre wichtigste Aufgabe oder Wirkung in den Vordergrund gestellt.

Bei der Auswahl der Details, die im Beitrag Erwähnung finden, sollte man sich nur vom Ziel und der Kernbotschaft leiten lassen. Was nicht dazu passt, fällt weg. Einzige Ausnahme: Aspekte, die besonders interessant oder vielleicht sogar unterhaltsam sind, dürfen in kleiner Dosierung drinbleiben.

Drittens: Das Wichtigste muss nach vorne

In der Schule werden oft die Ws gelehrt, die im ersten Satz beantwortet werden müssen. Das „W“ sollte aber besser für „Wichtig“ stehen statt für Wer, Was, Wo, Wann etc. Es gibt Ws, die man nicht braucht, schon gar nicht, wenn man nicht brandaktuelle Fakten vermitteln muss, sondern komplexere Themen ausführlich darstellen möchte. Das Wichtigste muss in die Überschrift, in den Teaser und in den Einstieg. Es dürfen auch gerne ähnliche Formulierungen in den drei Textelementen verwendet werden, denn sie werden vom Leser getrennt voneinander wahrgenommen. Das bedeutet, man nimmt die Kernbotschaft und packt sie in die Überschrift, den Teaser und den Einstieg.

Die Überschrift hat die Funktion, den Lesenden über das Thema zu informieren und die Kernbotschaft zu vermitteln. Alle Lesenden, die nur die Überschrift lesen, sollen trotzdem was mitnehmen. Besonders originelle Formulierungen sind nicht gefragt und können auch hinderlich sein, wenn das Thema erst beim zweiten Lesen erkennbar ist. Der Lesende entscheidet hier, ob er weiter liest und erreicht den Teaser. Ein Teaser ist je nach Online-Medium bis zu vier Sätze lang und hat die Funktionen, den Lesenden zum Weiterlesen zu motivieren und zu zeigen, was er vom weiteren Text erwarten darf. Die Lesenden werden oft dadurch neugierig gemacht, dass auf interessante Details im Artikel hingewiesen oder der Nutzwert herausgestellt wird. Der Einstieg soll den Lesenden – der ja jetzt schon interessiert ist – in das konkrete Thema einführen und ihn mit dem inhaltlichen Vorgehen des Autors vertraut machen.

Viertens: Mittelteil und Schluss

In den Mitteilteil kommt alles, was der Lesende erfahren muss, damit er das tut, was der Autor sich als Ziel vorgenommen hat. Ein chronologischer Aufbau ist in den meisten Fällen langweilig. Ein streng logischer Aufbau oft auch. Es geht darum, den Lesenden zu führen. Dabei hilft eine intuitive Herangehensweise: Wenn man eine Begebenheit mündlich erzählt, erzählt man sie meistens „richtig“. Man arbeitet sich von den interessanten Details über den Hintergrund vor bis zu einer Schlussfolgerung. In der Schriftsprache wird das oft vernachlässigt, im journalistischen Schreiben darf das aber ruhig wieder stattfinden.

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Herausfordernde Textarten – Wie Veranstaltungsberichte sich nicht wie Sachberichte lesen (folgt)

Der Schluss muss „rund“ sein. Der Lesende muss das Gefühl haben, angekommen zu sein. Im einfachsten Fall bekommt er noch einmal eine knappe Zusammenfassung präsentiert, es kann aber auch ein Ausblick sein oder ein Aspekt vom Beginn, der noch einmal aufgegriffen wird.

Fünftens: Und was ist mit Stil?

Journalistisches Schreiben ist kein kreatives Schreiben. Wer konkret, prägnant und nah am gesprochenen Wort schreibt, ist auf der sicheren Seite.

Die Checkliste unten zeigt die wichtigsten Punkte, an denen ruhig gespart werden darf, um die Leserfreundlichkeit zu erhöhen:

  • Länge: Die meisten Texte sind zu lang. Kürzere Texte sind angenehmer zu lesen.
  • Nebensätze: Hauptsätze kommen einfach besser. Schachtelsätze mag niemand.
  • Details: Internet-Lesende sind flüchtig unterwegs. Die Konzentration auf das, was man wirklich zum Verständnis braucht, hilft sehr.
  • Passivkonstruktionen: Aktiv ist einfach besser.
  • Allgemeinplätze, Phrasen, Modewörter: Die „interessante Diskussion“, der „lebhafte Austausch“, die „notwendigen Maßnahmen“, das „immer mehr werdende …“ können alle weg.

Genug der Theorie! Nennen Sie uns Ihre Lieblings-Phrasen, die Sie nicht mehr lesen möchten.


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Dipl.-Psychologin Maria-Christina Nimmerfroh ist tätig als Fachjournalistin für IT und Medien, als Dozentin in der politischen Erwachsenenbildung und als Lehrbeauftragte an Hochschulen. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Bereich Marketing/Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen, Organisationsentwicklung, Hochschuldidaktik und Wirtschaftspsychologie, insbesondere Markt- und Konsumpsychologie. Im Bereich Online-Lernen ist sie seit 1998 unterwegs und bildet auch selbst Online-Seminarleiter aus. Aktuell hat Maria-Christina Nimmerfroh Lehraufträge an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Fachbereich Wirtschaft und an der Bonner Akademie inne und führt für politische Stiftungen Online- und Präsenzseminare durch.

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