PB033: „Der wüsteste Actionfilm, der je an einer Schule gedreht wurde“

Ausschnitt aus dem Film, nicht unter freien Lizenz.

Ausschnitt aus dem Film, nicht unter freien Lizenz.

#pb21-Podcast mit dem Filmteam einer Hamburger Schule

Hamburger Schüler/innen drehen während der Schulzeit einen Actionfilm. Sie sind jetzt nicht nur Schauspielerinnen, Tontechnikerinnen und Kamermänner, sie haben als Produzenten sogar ihr Budget selbstständig aufgebracht. So eine Herausforderung ist an der Reformschule Winterhude ganz normal, denn hier werden jedes Jahr auch die Alpen zu Fuß überquert oder eine Straßenparade organisiert.

Über das ungewöhnliche Filmprojekt und andere Herausforderungen sprach Jöran Muuß-Merholz mit den jungen Filmemachern und ihren Begleitern kurz vor der Premiere ihres Films, der inzwischen sogar zu einem professionellen Festival eingeladen wurde.

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Projekt „Herausforderungen“
Die „Herausforderungen“ finden seit 2006 an der Reformschule Winterhude für alle Schüler/innen der Stufe 8-10 jedes Jahr nach den Sommerferien statt. Fast alle werden – zum Teil live – auf herausforderung.net dokumentiert. Die Schule ist eine staatliche Stadtteilschule in Hamburg-Winterhude.

Im Sommer 2013 produzierten 16 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren der Stadtteilschule Winterhude in Hamburg den Actionfilm „Das Millionengrab“. Unterstützt durch den Filmemacher und Kulturagenten Matthias Vogel und die Sozialpädagogin Conny von Appen nutzten die Schüler/innen ihre Herausforderung für den Filmdreh. An ihrer Schule bietet das Projekt „Herausforderungen“ den Schüler/innen nach den Sommerferien drei Wochen Zeit, sich einer solchen zu stellen. Herausforderungen können ganz unterschiedlicher Art sein: Es gibt die Wanderung über die Alpen, verschiedene Fahrradtouren, das Archäologiecamp oder künstlerische Projekte. „Die Jugendlichen im Alter von 12-16 Jahren sollen sich drei Wochen herausfordern, sie sollen Dinge machen, vor denen sie vielleicht Angst haben, die sie zu Hause nicht machen, Erfahrungen sammeln“, erklärt Rona Puff, der als Darstellerin der Polizeipräsidentin im Millionengrab auch die kleinste Uniform ein Tick zu groß war.

Matthias Vogel ist als Kulturagent schon in anderen Projekten an der Stadtteilschule Winterhude beteiligt gewesen und sah in den Herausforderungen eine tolle Gelegenheit den Schüler/innen Kino als Kunstform erfahrbar zu machen. „Wenn man verstehen will, wie Geschwindigkeit, Montage und Emotionen im Film funktionieren, dann braucht es eine Verfolgungsjagd.“

„Das Millionengrab“ hat eine komplexe Handlung. Alle 16 Schüler/innen sind an der 25-minütigen Suche der Hamburger Polizei nach einer bösen Verbrecherorganisation, die die Elbphilharmonie sprengen will, mit einer Sprechrolle beteiligt. Es gibt Verfolgungsjadgen in Autos, Schießereien, Blut und Explosionen, und doch wird am Ende alles gut. Die vorab veröffentlichten Trailer bekamen einerseits tolle Reaktionen. „Alle waren eigentlich begeistert”, berichtet Luca Quacquarelli, der den Hauptkomissar Pfaff im Film spielt. Auf der anderen Seite führten Diskussionen an der Schule bezüglich der gezeigten Gewalt dazu, dass die Trailer zur Zeit nicht mehr öffentlich auf YouTube zu sehen sind. Schule und Eltern einigten sich darauf, dass der Film ab 12 Jahren, am besten gemeinsam mit den Eltern, gut anzuschauen ist. [Sobald der Trailer wieder verfügbar ist, reicht pb21.de ihn in diesem Artikel nach.]

Luca und Rona fassen jedoch prägnant zusammen, dass sie nach der Produktion genauso wenig Freunde von Gewalt wären wie vorher. Vielmehr schätzt Luca all das, was er in den drei Wochen über den Filmdreh gelernt hat. Denn die Schüler/innen haben bis auf wenige Ausnahmen alle Arbeiten selbst erledigt: Regie geführt, gefilmt, sich um den Ton gekümmert, für Budget und Ausstattung gesorgt, Kostüme und das Maskenbild erstellt. Rona fügt hinzu, dass sie beim Filmeschauen mittlerweile immer überlegt, wie die Szenen technisch umgesetzt wurden. „Man weiß dann einfach, wie die das gemacht haben.“ Sozialpädagogin Conny von Appen ist voll des Lobes für die jugendlichen Filmemacher: „Von morgens bis abends waren unsere Helden im Einsatz“ und betont Durchhaltevermögen und Geduld, die die Schüler/innen, aber auch die Begleiter aufbringen mussten.

Playlist „Das Millionengrab“ von Das Millionengrab, nicht unter freier Lizenz.

Wie genau die Drehtage aussahen, woher man Polizeiuniformen bekommt, wie 13-jährige im Film autofahren und warum sie allen Schulen ein Herausforderungsprojekt empfehlen, erzählen Luca, Rona, Conny von Appen und Matthias Vogel im Gespräch mit Jöran Muuß-Merholz.
Die Premiere des Films fand am 2.2.2014 standesgemäß in einem alten Bunker, dem Uebel & Gefährlich in Hamburg statt. Ob und wie „Das Millionengrab“ danach zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass es eine DVD geben wird und das Filmteam ihren Film beim Kurzfilmfestival in Landshut zeigen darf.


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Tessa hat im August 2013 ihr Lehramtsstudium mit den Unterrichtsfächern Mathematik und Sport an der Universität Hamburg abgeschlossen. Sie hat sich während des Studiums insbesondere mit alternativen Formen von Schule und Lernen auseinandergesetzt. Die Verbindung von Lernen und Digital gehörte zu ihren liebsten Themen, was im Experiment gipfelte, das Studium papierfrei und iPad-zentriert abzuschließen. Tessa beschäftigt sich nun ohne Uni und Schule weiter mit diesen Themen.

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