Neue Medien im Schulalltag

Foto „Kreuzgymnasium Dresden“ von adornix unter <a title="Zum Lizenztext" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/">CC BY SA 3.0 DE</a>.

Foto „Kreuzgymnasium Dresden“ von adornix unter CC BY SA 3.0 DE.

Wie sieht vorbildlicher Medieneinsatz im Dresdner Kreuzgymnasium aus?

Das Evangelische Kreuzgymnasium in Dresden ist eine Schule mit Tradition: Die Wurzeln reichen beinahe 800 Jahre zurück und doch gilt die Schule als sehr modern. „Der Informatikunterricht an der Dresdner Schule gilt als vorbildlich in Deutschland. Seit der fünften Klasse lernen die Kinder hier, wie man mit Computern umgeht“ schrieb spiegel.de.

Über grundsätzliche Fragen und aktuelle Entwicklungen, Blogs im Unterricht und einen „1-Jahres-Plan-digitale-Medien“ hat pb21.de mit Sabine Zuschke und Robert Rothmann gesprochen.

pb21.de: Vor einigen Monaten gab es eine Auftaktveranstaltung, und der Einsatz digitaler Medien in der Schule war Thema auf Ihrer Klausurtagung – können Sie uns einen Einblick geben, was im Kollegium zu dem Thema diskutiert wird? 

Sabine Zuschke: Ja, wir hatten eine Arbeitsgruppe dazu und haben es neben anderen Themen auf der Klausurtagung besprochen. Ein Kollege, der unsere moodle-Plattform betreut, hat Interessierten die Möglichkeiten gezeigt, die wir derzeit haben.

Wir suchen nach gemeinsamen Standards und wollen Anforderungsprofile für die unterschiedlichen Altersklassen entwickeln. Das heißt, dass vom Informatikunterricht aus die Fähigkeiten – vor allem der jüngeren Schüler – im Umgang mit Standardsoftware für andere Fächer zur Verfügung gestellt werden. Das sollen dann auch die anderen Kollegen wissen und nutzen können.

Ansonsten diskutieren wir bislang im Wesentlichen ein paar Entscheidungen zur Technik: Als wichtigste Grundlage für die weitere Arbeit haben wir einen ausreichend schnellen Internetzugang in allen Bereichen ausgemacht. Und: Die allerletzten Fernseher sollen verschwinden und durch Beamer ersetzt werden. Neben der Erneuerung der Hardware planen wir auch eine Funktionserweiterung des Schulnetzes mit Intranet, einer Cloud usw. Das dauert aber sicherlich noch ein halbes Jahr, denn das alles muss ja neben dem laufenden Betrieb passieren, vielleicht in den kommenden Sommerferien.

Das Kollegium des Kreuzgymnasiums beschäftigt sich insgesamt ein Jahr lang mit dem Thema „Digitale Medien als Mittel der Schulentwicklung“. Warum haben Sie sich dieses Thema gewählt? Oder anders gefragt: Was soll am Ende des Schuljahres stehen, gibt es da konkrete Vorstellungen?

Sabine Zuschke: Ja und nein. Wir vertrauen darauf, dass die Kolleginnen und Kollegen – angeregt durch die Beschäftigung mit den neuen Medien – das Thema selbständig weiter verfolgen und in ihren Unterricht einbauen. Ob und wie das geschieht, hängt sowohl vom unterrichteten Fach als auch von den Vorlieben der jeweiligen Lehrkräfte ab: Einige setzen beispielsweise die Dropbox im Unterricht ein, um vorbereitete Texte und Bilder im Unterricht zu präsentieren, andere wie Herr Rothmann sammeln Erfahrungen mit Blogs.

Einige Kolleginnen und Kollegen haben keine Veränderungen in ihrem Unterricht vorgenommen. Das sind beispielsweise Fremdsprachenlehrerinnen und -lehrer mit eher jüngeren Klassen. Trotzdem sagen sie, dass sie einen Wissenszuwachs aus der Beschäftigung mit dem Thema ziehen und davon profitieren.

Sabine Zuschke und Robert Rothmann

Sabine Zuschke unterrichtet Informatik und ist Mitglied der Steuergruppe am Evangelischen Kreuzgymnasium in Dresden. Die Gruppe besteht aus vier Lehrkräften, die die Aufgabe haben, aus dem Kollegium heraus Themen der Schulentwicklung voranzutreiben. Kollegium und Schulleitung entscheiden dann gemeinsam, welche dieser Themen weiter verfolgt werden. Zum Start des laufenden Schuljahrs wurde das Thema „Neue Medien in der Schule“ in Angriff genommen.

Robert Rothmann unterrichtet Deutsch, Gemeinschaftskunde und Darstellendes Spiel und füllt gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern den Blog politikamkreuz.wordpress.com.

Herr Rothmann, nach der Auftaktveranstaltung haben Sie direkt angefangen, einen Blog in Ihren Unterricht zu integrieren – welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht?

Robert Rothmann: Die technische Einrichtung ist überhaupt kein Problem. Die Grundeinstellungen bei WordPress sind sehr praktikabel, ich habe ein vorgefertigtes Layout verwendet.

Die Beiträge gelangen nicht direkt auf die Seite, sondern kommen als E-Mail zu mir, so dass ein Missbrauch des Blogs weitestgehend ausgeschlossen ist. Die Funktionsweise habe ich mir von einem Philosophieblog abgeschaut, der aber aktuell nicht mehr weitergeführt wird.

Die Schüler schreiben sehr fundierte und interessante Beiträge in einer angemessenen Sprache. Alle Schüler (und andere Interessierte) können alle Beiträge lesen und kommentieren. Die Schülerinnen und Schüler können auch selbst Fragen bei mir einreichen. Die Frage und der Zeitpunkt kann frei gewählt werden, damit können sie ihre schulische Belastung besser einteilen und den Beitrag schreiben, wenn nicht so viel Stress in den anderen Fächern herrscht.

Gibt es auch Kommentare im Blog?

Mit Kommentaren sind die Schülerinnen und Schüler noch sehr zurückhaltend. Das mag auch daran liegen, dass am Ende alles zu einer Note zusammengefasst wird, ich weiß aber nicht, ob die Schüler sonst überhaupt was schreiben würden. Ich kommentiere auch nicht mit, um der Benotung nicht vorzugreifen. Ob das gut oder schlecht ist, vermag ich noch nicht zu sagen. Mit der Benotung bin ich noch nicht so weit, bis jetzt liegen die Beiträge aber mindestens im guten bis sehr guten Bereich. Eine schlechte Note kann ich mir bis jetzt nur vorstellen, wenn jemand nicht die geforderte Anzahl von Beiträgen abliefert.

Mir fällt im Augenblick auch nicht ein, wie ich den Blog fortsetzen soll, da mir kaum noch neue Fragen einfallen, vor allem solche, die mit dem Lehrplan zu tun haben. Ich muss auch irgendwann mündliche Prüfungsfragen entwickeln, die dürfen sich dann mit den Fragen im Blog nicht doppeln. Außerdem besteht bei einer Fortführung auch die Gefahr von Plagiaten, weil man dann vielleicht die Übersicht verliert. Inhaltlich kann ich noch nicht einschätzen, ob die Qualität der Texte anders ist als in schriftlicher Form, im Augenblick kann ich da noch keine großen Unterschiede entdecken.

Auch wenn jetzt etwas die kritischen Punkte überwiegen, sind die Schülerinnen und Schüler und ich mit dem Blog bis jetzt ganz zufrieden, weil es auch mal eine neue Form ist und auch mir Spaß macht, die neuen Beiträge zu lesen.

Wie steht das Kollegium zum Thema? 

Sabine Zuschke: Eine allgemeine Aussage dazu kann ich nicht machen. Zum Teil sind sie skeptisch, haben wenig Erfahrung. Die Haltung ist also nicht einheitlich negativ oder positiv.

Insgesamt habe ich schon das Gefühl, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen darüber im Klaren sind, dass das Thema ansteht und sie sich auch damit beschäftigen wollen. Die Anfragen bei mir, welches Tablet oder welchen Laptop sie sich kaufen sollen, damit das Gerät auch optimal in der Schule verwendet werden kann, häufen sich – das ist doch ein eindeutiges Signal. 🙂

Wie packt das Kreuzgymnasium den „1-Jahres-Plan-digitale-Medien“ organisatorisch an? 

Sabine Zuschke: Ich biete eine schulinterne Weiterbildung an, jeden Montag um 15 Uhr können die Kolleginnen und Kollegen zu mir ins Computerkabinett kommen: Wir suchen dann entweder ein gemeinsames Thema oder bearbeiten Fragen, die jemand bei der praktischen Nutzung des Rechners hat. Dabei geht es hauptsächlich um die Verwendung von Standardsoftware. Die Kolleginnen und Kollegen tauschen sich aus und es kommen Probleme zur Sprache, auf die ich manchmal noch gar nicht gekommen war. Es geht viel um die gute Gestaltung von Lernmaterialien, zum Beispiel das Einbinden von Bildern.

Hierbei werden übrigens die praktischen Probleme an einer Schule besonders deutlich: Wir finden sehr schwer passende Termine. Es besteht großes Interesse im Kollegium, aber einige sind um diese Zeit noch im Unterricht, andere gerade am Montag schon mittags fertig und nutzen diesen Tag für Termine, weil sie sonst immer lange Unterricht haben.

Am Kreuzgymnasium ist die Handynutzung nicht erlaubt: Wie will die Schule zukünftig mit dem Medienverbot umgehen?

Sabine Zuschke: Inzwischen dürfen Handys benutzt werden, wenn die Lehrkräfte dies erlauben. Das wurde aber sowieso schon so gelebt. Die Benutzung von Smartphones, Tablets etc. in den Pausen oder z. B. auf Klassenfahrten bleibt aber problematisch, denn sie läuft teilweise dem Sinn der Veranstaltung entgegen. Wenn jede/r nur noch auf seinen Bildschirm starrt und Kopfhörer trägt, braucht man nicht mehr gemeinsam wegfahren.


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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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