Wie man Projektportraits wirklich interessant schreibt

Foto „Die Dinge zum Sprechen bringen!“ von Anselm M. Sellen unter <a title="Zum Lizenztext" href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Foto „Die Dinge zum Sprechen bringen!“ von Anselm M. Sellen unter CC BY 3.0 DE.

In vier Schritten über gute Projekte spannend schreiben

Ein herausforderndes Projekt in komplexem Kontext, das individuelle Kompetenzen fördern soll, der Reflexion breiten Raum lässt und einen nachhaltigen und ganzheitlichen Evaluationsansatz verfolgt ? Schön, wenn Sie bei so etwas mitarbeiten dürfen. Aber die echte Herausforderung besteht darin, es so zu beschreiben, das sich andere dafür interessieren. Wie das in der Praxis geht, zeigt unser Artikel.

Sachberichte und Förderanträge sind wichtig. Aber sie sind völlig ungeeignet zum Kommunizieren von Ideen. Und diese Kommunikation ist wichtig, um bei Kolleg/innen, Förderern und der interessierten Öffentlichkeit für die eigene Sache zu werben. In gute, also lesbare und begeisternde, Projektportraits kann man viel Arbeit investieren. Nicht umsonst werden für Geschäftsberichte von Unternehmen viele Ressourcen bereitgestellt. Das ist im Non-Profit-Bereich oft nicht so. Deswegen …

Schritt 1: Wie aufwändig soll es sein? Und wer soll es lesen?

Jedes Projektportrait verfolgt ein Ziel: Man will zeigen, was man für gute Arbeit macht, sich für weitere Maßnahmen qualifizieren, Interessenten gewinnen oder eine Spendenakquise begleiten – um nur einige Beispiele zu nennen. Somit hat auch jedes Portrait eine Zielgruppe, bei der man dieses Ziel erreichen will, und die muss primär bedient werden. Das wirkt sich bei Projektportraits vor allem auf das Hintergrundwissen aus, das man voraussetzen kann. So sollte man einen Artikel über ein Medienprojekt an einer Schule anders angehen, wenn er sich an Kollegen richtet als an die Bürger der Stadt. Deswegen legt man zuerst die Zielgruppe fest.  Auch bei Texten, die auf Webseiten erscheinen und damit theoretisch von allen Zielgruppen gleichermaßen aufgerufen werden können, ist es wichtig, diese Frage vor dem Schreiben zu klären.

Die zweite wichtige Frage ist die nach dem Einsatz, den man investieren kann. Ein mehrjähriges Projekt verdient sicher eine Artikelserie mit Printfassung und eine Bildergalerie mit guten Fotos. Eine Ferienfreizeit kann dagegen auch mit einem kurzen Text und einem Foto gut berichtet sein. Audiovisuelle Aufbereitung der Inhalte ist schön, sollte aber streng ressourcenorientiert angefordert werden.

Schritt 2: Was ist das Interessante?

In Projekten arbeiten Menschen mit Menschen, um Wirkungen für Menschen zu entfalten. Das ist das, was Projekte interessant macht. Erst danach kommt der theoretische Überbau. Gesucht wird das Besondere des Projektes, das es von anderen abhebt – und zwar aus der Sicht der Leser/innen. Hier darf man sich richtig wichtig nehmen und protzen. Das kann die Zielgruppe der Maßnahme sein, die Wirkung, der Ort, die Methode, die durchführenden Kollegen, die Inhalte – alles kann man zum Besonderen befördern. Aber es dürfen nur ein oder maximal zwei Aspekte sein, sonst gerät man in die Auflistungsfalle der Sachberichte. Hat man das Besondere gefunden, kommt es in die Überschrift, in den Einstieg und in den Schluss, in allen Facetten interessant aufbereitet.

Testen Sie Ihre Kernbotschaft: Findet die Zielgruppe das auch interessant? Und: Stehen die Menschen und das, was sie tun, im Vordergrund?

Schritt 3: Warum ist die Überschrift wichtig?

Die Überschrift muss die Frage beantworten, warum  jemand den Text lesen soll. In der Hauptüberschrift ist der Hinweis auf ein Projekt oft nicht angebracht, da das Leser oft schon abschreckt. Hier gehört das Besondere, das Interessante hin. Suchen Sie den positiven Skandal. Als Hauptüberschrift bietet sich ein Aspekt an, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. In der Unterüberschrift sollte (spätestens) der Träger oder Initiator genannt werden, denn den wollen Sie ja bekannt machen.

Schritt 4: Wie gestaltet man einen guten Aufbau?

Das Besondere an dem Projekt ist schon gefunden worden und dies bildet auch den Einstieg. Als Nächstes wird der Hintergrund des Projektes kurz erklärt und der Bezug zu den bereits erwähnten Aspekten hergestellt. Beispielsweise sind bei einem Medienprojekt besonders originelle Kurzfilme zu einem ernsten Thema entstanden und diese Sichtweise ist das Besondere. Dann wird das in der Überschrift herausgestellt („Videoclips über den Ausbruch des 1. Weltkrieges“ – Beispiel), im ersten Absatz wird der Zusammenhang erklärt und danach der Träger, Ziel und Umfang des Projekts erwähnt. Damit sind die ersten beiden Absätze in klassischem Stil gefüllt.

Für die weiteren Absätze muss sich der Schreibende überlegen, welche Aspekte noch wichtig sind, um das gewünschte Ziel beim Leser zu erreichen. Das kann – je nach Zielgruppe – der theoretische Hintergrund sein, die gute Stimmung während der Maßnahme, die individuelle Wirkung auf die Beteiligten oder andere Punkte. Der Leser muss nicht alles wissen, es gibt keinen Vollständigkeitsanspruch. Besonders interessierte Leser werden ohnehin nachfragen. Geben Sie einen kurzen Überblick über das Projekt und interessante Einblicke.

Stellen Sie sich den Text als Allee vor, in der Sie den Leser von einem Aspekt zum anderen führen. Dabei ist der chronologische Ablauf zwar sehr verbreitet, aber in der Regel kein guter Leitfaden.

Ein Projektportrait sollte so lang sein, dass der Leser nicht darauf wartet, dass es vorbei ist. Er soll ruhig etwas neugierig zurückbleiben.

Das war das klassische Format – Geht es nicht auch anders?

Neben den klassischen Berichtsformaten mit dem Abarbeiten der interessanten Aspekte gibt es natürlich auch noch andere Möglichkeiten, sein Projekt an den Mann und die Frau zu bringen. Veröffentlicht man viele solcher Berichte, sollte man unbedingt variieren. Eine gute Möglichkeit ist das Interview in Textform mit Initiator oder Teilnehmenden – oder noch besser mit mehreren zusammen. Dabei sollte es sich allerdings um einen überarbeiteten Text handeln und nicht um ein Wortprotokoll, da das in der Regel zu langatmig ist. Eine weitere Möglichkeit ist der Format-Mix: ein kurzer Bericht mit Audio-Statements, ein Bericht und ein Kommentar eines Teilnehmers oder eine Bildergalerie mit Arbeitsergebnissen und ein Bericht. Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Wichtig ist dabei, dass es redaktionell-handwerklich gut gemacht ist und das Ziel des Beitrags erreicht wird.

Die Hauptaufgabe des Autors ist, die spannenden Dinge hinter dem Sachbericht zu finden und sie dem Leser attraktiv darzubieten.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Maria-Christina Nimmerfroh für pb21.de.
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Dipl.-Psychologin Maria-Christina Nimmerfroh ist tätig als Fachjournalistin für IT und Medien, als Dozentin in der politischen Erwachsenenbildung und als Lehrbeauftragte an Hochschulen. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Bereich Marketing/Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen, Organisationsentwicklung, Hochschuldidaktik und Wirtschaftspsychologie, insbesondere Markt- und Konsumpsychologie. Im Bereich Online-Lernen ist sie seit 1998 unterwegs und bildet auch selbst Online-Seminarleiter aus. Aktuell hat Maria-Christina Nimmerfroh Lehraufträge an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Fachbereich Wirtschaft und an der Bonner Akademie inne und führt für politische Stiftungen Online- und Präsenzseminare durch.

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