Webschau März 2014

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">CC BY 3.0 DE</a>.

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Darüber spricht das Netz …

Die März-Webschau berichtet natürlich zum Kauf von WhatsApp durch Facebook. Außerdem stellen wir gleich mehrere interessante Studien vor, die sich dem Verhalten von jungen Leuten im Netz widmen. Und in der Debatte geht es um das Armband einer EU-Kommissarin und die Quantified Self-Bewegung.

Lesetipp: Jugendliche in sozialen Netzwerken – Digitale Flaneure

Was genau machen Jugendliche den ganzen Tag in sozialen Netzwerken? Die Internet-Forscherin Danah Boyd hat acht Jahre lang an diesem Thema gearbeitet. Nun ist ihr Buch „Es ist kompliziert“ erschienen und auf sueddeutsche.de vorgestellt worden.

„Wenn die Jugendlichen in der vernetzten Öffentlichkeit unterwegs sind, wollen sie mit Freunden Zeit verbringen und von Gleichaltrigen erkannt werden. Sie wollen als interessante Persönlichkeiten gelten, aber gleichzeitig ungewollte Aufmerksamkeit abwehren. Sie sind, im Endeffekt, digitale Flaneure.’

Aufmerksamkeit abzuwehren ist ein anderer Begriff für das Verlangen der Jugendlichen nach Privatsphäre. Wie dieses Flanieren in der digitalen Öffentlichkeit aussieht und von wem die ungewollte Aufmerksamkeit ausgeht – von den Eltern, das sei schon an dieser Stelle verraten – hat Boyd auf knapp 300 Seiten aufgeschrieben.“
#digitaleflaneure #boyd


Kurzmeldungen

Cebit 2014

Die Cebit in kleinen Filmen: Der stellvertretende Chefredakteur der c’t und von heiseonline Jürgen Kuri und der Journalist Philip Banse bilanzierten jeden Tag der Messe in Gesprächen: Themen waren Big Data, Datenschutz, 3D-Drucker, Kreditrating per Facebook, IT in Schulen, intelligente Wohnungen und Häuser – und die Messe selbst.
#cebit2014

Facebok hat WhatsApp gekauft

Jo Bager kommentiert den Kauf auf heise.de so: „Einen Haufen Geld zahlt Mark Zuckerberg für ein recht kleines Unternehmen – so viel, wie zuvor noch nicht für ein Start-up bezahlt wurde. Das zeigt erneut, wie wichtig dem Facebook-Gründer die mobile Plattform ist.“

Auch auf heise.de kann man sich einen Überblick über Alternativen verschaffen: „WhatsApp ist trotz häufiger Kritik die meistgenutzte Instant-Messaging-App in Deutschland. Doch die Übernahme des Messengers durch Facebook lässt erste Nutzer abspringen und nach Alternativen suchen.“ Die Anwendungen für WhatsApp-Verweigerer werden in einer Bildergalerie vorgestellt.
#whatsapp #facebook

Open Data bringt volkswirtschaftlichen Nutzen

„Berlin hat in den letzten Jahren konsequent Daten von öffentlichem Interesse frei zugänglich gemacht und eine Weiterverwertung ermöglicht. Daraus kann die Stadt über die nächsten Jahren einen Nutzen von über 30 Millionen Euro ziehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie ‘Digitales Gold. Nutzen und Wertschöpfung durch Open Data für Berlin’ der Technologiestiftung Berlin. Jetzt sind Startups und Unternehmen aufgerufen, den digitalen Schatz zu heben.“
#opendata

Code for Germany

„In vielen Städten gibt es Menschen oder Gruppen, die bereits an Anwendungen und Projekten rund um offene Daten arbeiten. Code for Germany schafft eine Infrastruktur, um sie miteinander zu vernetzen und einen Austausch zu ermöglichen. Darüber hinaus unterstützt Code for Germany die Entwickler und Entwicklerinnen in der Kommunikation mit Regierung, Institutionen und der Öffentlichkeit.“
#codefor.de

Wir basteln uns ein tragbares Funkloch

Über Kunst gegen Überwachung berichtet spiegel.de: „Eine Handytasche blockiert alle Funksignale. Damit Telefone nicht ständig ihren Aufenthaltsort preisgeben, näht Aram Bartholl Hüllen aus Abschirmvlies. Mit seiner Bastelarbeit will der Berliner Künstler aber noch mehr erreichen: ‘Es geht vor allem darum, sich klarzumachen: Das Handy ist eine Wanze’, sagt Bartholl. Die Provider wissen, wo ein eingeschaltetes Telefon ist. Zum Teil werden diese Daten über Monate gespeichert.“ Kunst könne helfen, die Wahrnehmung zu schärfen.
#bartholl #handytasche

Erdogan: „Die Nation nicht Facebook opfern“

„Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist kein Freund des Internets und erst recht nicht der Sozialen Medien. Mit Blick auf das Netz warnte er kürzlich kryptisch vor einer ‘Roboterlobby’, die er als Teil einer Verschwörung gegen sich sieht. Twitter – von türkischen Regierungsgegnern zur Organisation von Protesten genutzt – nannte er eine ‘Bedrohung’. Besonders heikel für Erdogan: Seit Wochen laden unbekannte Widersacher Telefonmitschnitte auf YouTube hoch, die Erdogan vor wichtigen Wahlen in große Bedrängnis bringen. Der einstige Saubermann wird inzwischen der Korruption im großen Stil verdächtigt. Nun droht Erdogan eine drastische Zensur des Netzes an.“ Es berichtete u. a. heise.de.
#tuerkei

Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt

Wie gehen die 9- bis 24-Jährigen mit dem Netz um? Zwei Ergebnisse einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (das zum Unternehmen Deutsche Post gehört): „Bildungsunterschiede sind auch mit Blick auf die Mediennutzung ein wichtiger Aspekt sozialer Ungleichheit. Die Art und Weise, wie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Medien nutzen, unterscheidet sich deutlich entlang ihres formalen Bildungsniveaus.“ Und: „Laut unserer Studie unterscheiden die Befragten sehr deutlich zwischen Online-Freunden, persönlichen Bekannten und echten engen Freunden.“
#netznutzung #jugendliche #bildung #freunde

irights: Broschüre „Spielregeln im Internet“ aktualisiert

„Was tun bei Abmahnungen? Wann darf man Fotos von anderen bei Facebook hochladen? Wie legal sind Filehoster? Was tut man gegen Cybermobbing? Die Broschüre ‘Spielregeln im Internet – Durchblicken im Rechtedschungel 1’ von iRights.info und klicksafe.de behandelt diese und weitere Rechtsfragen im Netz. Jetzt ist sie in der vierten, auf den neuesten Stand gebrachten Auflage wieder erhältlich.“
#irights #spielregeln

Was in Internet-Trollen vorgeht

„Das Phänomen kennt jeder, der sich im Internet bewegt. Es gehört zum Web wie das Feuerwerk zu Silvester: Trolle, die sich meist anonym in Kommentarbereichen austoben. Da kann ein Artikel noch so sauber recherchiert, noch so gut geschrieben sein. Internet-Trolle sind nicht an einer Diskussion interessiert. Sie wollen nicht ihre Meinung sagen, sondern stören. Was sie genau antreibt, haben kanadische Forscher untersucht: Trolle können nicht anders als trollen, so kann man das Ergebnis der Untersuchung zusammenfassen. Es entspricht einfach ihrer Persönlichkeitsstruktur. Die Forscher haben Sadismus, Psychopathie und Narzissmus ausgemacht, von denen Trolle geleitet werden.“ Nachzulesen auf zapp.blog.ndr.de.
#trolle


Debatte: Das Armband der Nellie Kroes

Der Journalist und Mitherausgeber der F.A.Z., Frank Schirrmacher, schreibt in seinem Artikel auf faz.net zur Ansprache „Healthcare in your front pocket“ der EU-Kommissarin Nellie Kroes: Das von ihr vorgestellte Fitness-Armband wirke „normativ ohne langfristige Reflexion über Gesundheit, Effizienz oder Krankheit. Fast ausschließlich spricht sie über die gewiss unbestreitbaren Vorteile eines solchen Armbands in Zeiten des demographischen Alterns und defekter Gesundheitssysteme. Der Zuschauer merkt gar nicht mehr, dass die gesamte Ansprache technokratisch, nicht mehr politisch ist. Man kommt gar nicht auf den Gedanken, dass sich Politik nicht in der Beschreibung und Benutzung eines Steuerungssystems erschöpft – dafür gibt es Ingenieure –, sondern Fragen nach gesellschaftlichen Folgen stellen und auch beantworten muss. Die Frage, die sich stellt, lautet: Wollen wir eine Politik, die Betriebsanleitungen vorliest, oder eine, die sie in demokratischen Kommunikationsverfahren verfasst? Wollen wir, dass Normen durch selbstregulierte technische Systeme gleichsam instinkthaft eingeübt werden – und genau das passiert gerade – oder dass sie reflektiert und diskutiert werden?“

Auf heise.de antwortet einer der Begründer der Quantified Self-Bewegung in Deutschland, Florian Schumacher: „Fitness-Wearables sind das Gegenteil von Freiheitsberaubung. Schirrmacher beschreibt das Fitness-Gadget der Politikerin als Kennzeichen des ‘homo oeconomicus’, dem Menschen der Gegenwart, der sich ohne Gnade marktwirtschaftlichen Zwängen unterwerfen muss. Diesem diktiere der Markt ein gesünderes Leben, bei dem der ehemals freie Bürger sein Recht auf Krankheit verliere, um dem System Kosten zu ersparen. Dabei verkennt er, dass der Erfolg der digitalen Bewegungs-Motivatoren auf überzeugten Nutzern basiert, die durch das Bewusstsein für Ihr eigenes Verhalten Spaß an einem gesünderen Lebensstil entwickelt haben. Keine Zwangsverordnung oder Manipulation dieser Menschen ist notwendig, um sie zum Aufzeichnen ihrer Körperdaten zu bewegen – allein der Vorteil der kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst ist genug.“
#gesundheit #politik #quantfiedself


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ute Demuth für pb21.de.
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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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