Tweetnest und Think Up – Social Media Postings sichern und analysieren

Der erste pb21-Tweet. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Der erste pb21-Tweet. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Wie Sie die Macht über die eigenen Daten behalten

Das Web 2.0 hat Dienste hervorgebracht, die ihren Nutzenden das Schreiben ins Internet erheblich vereinfachen. Was aber, wenn sie nach Jahren intensiver Nutzung bei Facebook aussteigen wollen? Bilder, Befindlichkeiten, Erinnerungen, alles weg? In diesem Artikel sollen zwei Tools vorgestellt werden, die den Nutzenden ermächtigt, seine eigenen Daten zu speichern, zu analysieren, und auch noch nach Jahren wiederfinden zu können.

Dataportability

Datenexport ist in Zeiten geschlossener Plattformen ein zentrales Anliegen der emanzipierten Nutzenden. pb21 hat schon 2012 darüber berichtet:

Teil I, Teil II

Es ist kein Geheimnis, dass sich Facebook, Twitter und andere Anbieter Sozialer Netzwerke das natürliche Verlangen nach Kommunikation und Vernetzung zunutze machen, um ein profitables Geschäftsmodell zu realisieren. Im zwischenmenschlichen Kontakt geben wir meist mehr von uns Preis, als uns bewusst ist. Das scheinbar belanglose Gespräch kann schon in wenigen Jahren in einem ganz anderen Zusammenhang als relevant oder gar kritisch erscheinen.

Der reflektierte Blick zurück wird den Nutzenden durch die Unternehmen meist sehr erschwert. Aber ähnlich dem Blick in das Fotoalbum, um sich an bestimmte Zeiten und ihre Umstände zu erinnern, lohnt der Blick in das „Fotoalbum“ der Postings, Favs und Retweets.

Big Data, also die Ansammlung gigantischer Datenmengen und die damit einhergehende Auswertung hat dazu geführt, dass Unternehmen wie Facebook oder Google heute mehr über uns wissen als wir selber. Die hier vorgestellten Dienste helfen dabei, den Wissensvorsprung auszugleichen und die Hoheit über die eigenen Daten zurückzuerlangen.

Tweetnest – Anlegen eines Twitter-Archiv

Video „thinkup“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0.
Tweetnest

Legt ein Archiv mit allen Tweets eines Twitter-Accounts an. Download, Installationsanleitung

Tweetnest hat sich auf Twitter spezialisiert. Der Dienst setzt die Installation auf einem eigenen Webspace voraus. Pro Installation lässt sich ein Twitteraccount verwalten. Sollten mehr als 3600 Tweets vorliegen, wird der Download des Twitterarchives erforderlich. Twitter macht es seinen Nutzenden nicht einfach in die frühe Vergangenheit des eigenen Social Media Daseins zu schauen. Eine ausführliche englischsprachige Anleitung findet sich hier. Nachdem alle Tweets eingelesen wurden, muss in regelmäßigen Abständen ein Script im Browser aufgerufen werden, dass automatisch die Datenbank bis zum letzten Tweet aktualisiert. In einem kurzen Video wird erklärt, welche Funktionalitäten Tweetnest bereitstellt.

Think Up – Auswertung und Rückblick des eigenen Social Media Verhaltens

Video „tweetnest“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0.
Think Up

Archiviert und Analysiert Postings auf Twitter, Facebook, Google+, Youtube, Foursquare. Download, Installationsanleitung

Think Up ist wie TweetNest eine Open Source Software, die auf einem eigenem Webspace installiert werden muss. Die Schritt-für-Schritt Installations-Anleitung ist dabei eine große Hilfe. Mit der Software lassen sich die Postings von fünf verschiedenen Netzwerken archivieren: Google+, Facebook, Twitter, Foursquare und Youtube. Auf der Startseite des Webtools werden die interessantesten Informationen zusammengetragen, am Wochenende gibt es darüber hinaus einen Wochenrückblick. Think Up ist deutlich mächtiger als Tweetnest und es steht weniger die Archivierung als vielmehr die Auswertung der der Daten im Vordergrund.
Die Software wird regelmäßig weiterentwickelt. Beim letzten Update wurde die Auswertung der selbst hochgeladenen Videos bei Youtube hinzugefügt. Im Screencast werden die einzelnen Funktionen von Think Up genauer vorgestellt.

Vergleich von Tweetnest und Think Up

Man sollte sich von den Backup-Qualitäten der beiden Tools nicht täuschen lassen. Nicht-öffentliche Daten, wie zum Beispiel private Nachrichten bei Twitter oder auch Chats auf Facebook, können von beiden Werkzeugen nicht gesichert werden. Think Up ist darüber hinaus bisher auch nicht in der Lage, eigene Postings aus Facebookgruppen zu exportieren.

Tweetnest importiert ausschließlich die Twitterdaten. Der Schwerpunkt liegt in der Achivierung der Daten. Think Up dagegen hat sich auf die Analyse der Daten konzentriert, die Archivierung ist dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt.

Fazit

Welche Bedeutung die eigenen Daten in einigen Jahren, vielleicht auch in ganz anderen Zusammenhängen haben werden, ist zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar. Um so wichtiger ist es, die Hoheit über die eigenen Daten zu sichern, sonst liegt die Deutungsmacht über die eigene Person bei anderen Konzernen. Die beiden vorgestellten Werkzeuge helfen, das eigene Datenbackup zu automatisieren und sich gleichzeitig den Datenschatz zu nutze zu machen. Fragen oder auch weitere Tool-Vorschläge können Sie in die Kommentare schreiben.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Guido Brombach für pb21.de.
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Guido Brombach arbeitet als Bildungsreferent für das DGB Bildungswerk. Dort ist er verantwortlich für den Bereich Digitale Kommunikation, Lernen und Medien. Er bemüht sich um die Harmonisierung zwischen der analogen und der digitalen Welt.

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