PB042: Data Dealer – Aus dem Leben eines Datenhändlers

Ein Screenshot aus dem Spiel „Data Dealer“, nicht unter freier Lizenz.

Ein Screenshot aus dem Spiel „Data Dealer“, nicht unter freier Lizenz.

#pb21-Podcast mit Wolfie Christl

Rollenumkehr: Einmal der Böse sein und als Datenhändler Geschäftsmodelle entwickeln, um persönliche Daten Dritter zu Geld zu machen. So sollen Menschen im Internet mit dem Browserspiel Data Dealer für den Wert ihrer eigenen Privatsphäre sensibilisiert werden. Guido Brombach hat sich mit Wolfie Christl, einem der Entwickler des Spiels, über die Idee hinter Data Dealer, den Bildungsauftrag und die öffentlichkeitswirksame Fundraising-Kampagne unterhalten.

 

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Data Dealer – ein digitales Rollenspiel

Das Browserspiel Data Dealer handelt vom Sammeln, Verknüpfen und Verkaufen von Daten. Einer der Spielentwickler, Wolfie Christl, bezeichnet es als ironisch, kritisches Spiel. Zum Beispiel ist es möglich, sich mit seinem Facebook- oder Google-Account bei dem Spiel anzumelden. Die Entwickler selbst bevorzugen jedoch die Anmeldung mit einem eigenen Zugang. Wer seine Entscheidungen in dem Datenhändler-Spiel an Google und Facebook übermitteln will, kann das tun. Im Interview gibt Wolfie Christl zu bedenken, das „wir“, also die Internetnutzenden, noch nicht den richtigen Weg gefunden haben, um mit dem digitalen Zeitalter umzugehen. Data Dealer wirkt weniger belehrend, als vielmehr phänomenologisch. Der Spieler hat durch die Rollenumkehr die Möglichkeit Geschäftsmodelle von Datanhändlern kennenzulernen. Das Spiel wirkt dadurch eher diskursanregend. Die konkreten Maßnahmen zum Schutz der eigenen Privatsphäre müssen die Spielenden zudem selbst erarbeiten.

Das hartnäckige Narrativ „Ich habe nichts zu verbergen“ wird im Spiel widerlegt, in dem nicht nur gezeigt wird, woher die Daten kommen und wie sie miteinander in Beziehung gesetzt werden, sondern auch, wer die Daten letztendlich mittelbar oder unmittelbar zu Geld macht. Versicherungen beispielsweise haben für die Berechnung von Risiko bisher menschliches Verhalten zugrunde gelegt, zukünftig werden sie auch individuelles Verhalten einbeziehen können, um jedem den Tarif anzubieten, den er/sie verdient.

Von allen, für alle – Crowdfunding und Creative Commons

Im zweiten Teil des Podcasts spricht Wolfie über eine Crowdfunding Kampagne, bei der das Team für das Data Dealer-Spiel 50.000 $ zusammengesammelt haben. Crowdfunding ist eine Erfindung des Internets und beruht auf den Prinzipien der Aufmerksamkeitsökonomie. In diesem Fall diente die Plattform Kickstarter als Grundlage für das Einsammeln des Geldes. Aber ohne Bekanntheitsgrad und einer guten Präsentation einer ungewöhnlichen Idee wird man keine Spender finden können. Wolfie Christl berichtet, dass erst durch das Aufmerksam machen der traditionellen Medien das Spiel kurz vor Ende des begrenzten Sammelzeitraums das gesetzte Ziel von 50.000 $ zusammenbekam.

Das Spiel steht unter einer Creative Commons Lizenz, wodurch auch andere Programmierer in der Lage sind, das Spiel weiterzuentwicklen. Zurzeit gibt es keine Finanzierung für den Einbau weiterer Ideen, von denen Wolfie noch viele hat. Eine Idee beruht auf dem Ansatz, das Spiel zu einem Medium zu machen, in dem aktuelle Tagesereignisse aufgegriffen und spielerisch verarbeitet werden. Wenn sich die Datenschutzrichtlinien von Facebook ändern, könnte das Spiel zeigen, welche Mehreinnahmen die Veränderungen im erspielten Datenhändler-Netzwerk verursachen.

Das Spiel richtet sich an die Internet-Öffentlichkeit und ist nicht explizit für die schulische oder außerschulische Bildung konzipiert. Im Spiel dauert zum Beispiel die Analyse eines gekaufen Datenbestandes rund eine Stunde. Andere Aktivitäten können durchaus länger dauern. Das Spiel sieht also Wartenzeit für den Spieler vor. Das Ende des Spiel ist erreicht, wenn die gesamte Weltbevölkerung erfasst und analysiert ist. Dadurch spielt man das Spiel über mehrere Wochen.

Zum Schluss des Gesprächs weist Wolfie Christl darauf hin, ihn zu kontaktieren, wenn weitere Fragen zum Spiel im Raum stehen. Am besten erreicht man ihn unter cw [at] datadealer [dot] com. Für die Öffentlichkeit bestimmte Kommentare können gerne bei pb21 unter diesen Beitrag geschrieben werden.


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Guido Brombach arbeitet als Bildungsreferent für das DGB Bildungswerk. Dort ist er verantwortlich für den Bereich Digitale Kommunikation, Lernen und Medien. Er bemüht sich um die Harmonisierung zwischen der analogen und der digitalen Welt.

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