OER in Polen – (noch mehr) freie Schulbücher

Foto „Michał Woźniak und Jöran Muuß-Merholz“ von Blanche Fabri unter <a title="Zum Lizenztext" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">CC BY 4.0</a>.

Foto „Michał Woźniak und Jöran Muuß-Merholz“ von Blanche Fabri unter CC BY 4.0.

#pb21-Interview mit Michał Woźniak

Polen wird häufig als Beispiel angeführt, wenn es um Open Educational Resources (OER) geht, genauer: um staatlich finanzierte Schulbücher unter freier Lizenz. Nachdem das polnische Bildungsministerium ab 2012 ein Pilotprojekt initiiert hatte, wird nun 2014 eine zweite Welle gestartet. Im #pb21-Interview berichtet Michał Woźniak, was dabei geplant ist, welche Vorteile und Vorbehalte diskutiert werden, wie die Finanzierung aussieht und welche Rolle die Verlage und die Wikipedia-Community dabei spielen.

Video „OER in Polen – (noch mehr) freie Schulbücher“ von Blanche Fabri, Melanie Kolkmann und Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 3.0.


Das Interview wurde in Englisch geführt und mit einer deutschen Übersetzung untertitelt.

Michał Woźniak ist Präsident der Free and Open Source Software Foundation (FOSS) Polen. FOSS ist eine von 14 Mitgliedern der polnischen Open Education Coaltion, die die OER-Programme maßgeblich vorangetrieben und begleitet haben.

Zweite Welle

Ab 2012 war in Polen im Rahmen eines staatlichen Pilotprojektes „Digitale  Schule“ die Entwicklung von OER finanziert worden. Dabei waren Materialien für die Klassenstufen 4 bis 6 entwickelt worden. 2014 wird nun eine zweite Welle von OER finanziert, die alle Schulstufen und -fächer umfassen soll.

Offen ist wichtiger als digital

Die polnische Initiative heißt epodreczniki, zu deutsch „e(lektronische) Schulbücher“. Woźniak hält die Namenswahl für irreführend – seiner Auffassung sei nicht die elektronische Form entscheidend, sondern die Offenheit der Materialien. „Offen“ bezieht sich auf drei Aspekte:

  • Offen im Hinblick auf die Lizenz zur freien Verwendung: Die Materialien werden unter einer CC BY SA veröffentlicht.
  • Offen im Hinblick auf die technologischen Voraussetzungen bei der Nutzung: Auf die Materialien soll unabhängig von Gerät und Betriebssystem zugegriffen werden können. Grundlage bildet der XML-Standard.
  • Offen für Menschen mit Behinderungen: Die Materialien sollen die Standards der Barrierefreiheit erfüllen.

Hilfe der Wikipedia-Community

„OER textbooks in Polish schools“

Video „re:publica 2014 – Michał Woźniak: OER textbooks in Poli…“ von re:publica, nicht unter freier Lizenz.

Vortrag von Michał Woźniak bei der re:publica am 7.5.2014

Eine besondere Rolle bei der Erstellung der Materialien spielt die polnische Wikipedia-Community. Für die wurde der Wettbewerb „Wiki liebt e-Textbooks” ins Leben gerufen (Projektwebsite wikiepodreczniki.pl und Beschreibung in der polnischen Wikipedia). Die Redakteure der neuen Schulbücher beschreiben Multimedia-Materialien, die sie für die Bücher benötigen und Wikipedianer können diese entweder in bestehenden Materialien recherchieren oder neu erstellen und über Wikimedia Commons veröffentlichen.

Gegenargumente? Fehlanzeige

Woźniak sieht neben der Offenheit auch finanzielle Vorteile. So seien die freien Materialien deutlich günstiger als bisherige Schulbücher. In Polen diskutierte Sorgen um die Qualität der Materialien oder einen fehlenden Wettbewerb teilt er nicht. Die neuen Materialien würden von Experten aus Hochschulen erstellt und vom polnischen Ministerium freigegeben werden. Da auch jetzt schon alle Materialien einer staatlichen Kontrolle unterliegen, sei auch kein staatlich kontrolliertes Monopol zu befürchten. Im Gegenteil: Der polnische Weg ist für Woźniak eine Möglichkeit, an der sich andere Länder weltweit orientierten sollten.


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Jöran ist Diplom-Pädagoge und freiberuflich in verschiedenen Bildungsbereichen aktiv. Am liebsten mag er Schnittmengen aus 1. Bildung / Lernen, 2. Medien / Kommunikation und 3. Management / Organisation.

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