Gruppen-Bildung – Facebook-Gruppen, WhatsApp und Co. zum Lernen nutzen

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eine #pb21-Artikelreihe zum Einsatz von digitalen Gruppen für Klassen, Seminare und Projekte – Teil I: Überblick und Vergleich

Gruppen schaffen sich in Bildungssituationen inzwischen oft ihre eigene Infrastruktur zur Kommunikation. Eine Schülerin gründet eine Facebook-Gruppe, ein Teilnehmer erstellt eine Google+ Community oder eine Projektgruppe verbindet sich über WhatsApp oder Threema. Nicht immer weiß der Lehrer, Dozent oder Projektleiter davon, geschweige denn, dass er die Kontrolle über diese Kommunikation hätte.

Dabei kann es durchaus sinnvoll sein, wenn auch Bildungsanbieter und Lehrende die Gruppenfunktionen nutzen. In einer #pb21-Artikelreihe stellen wir die grundsätzlichen Möglichkeiten vor, vergleichen die gängigen Dienste und zeigen einige interessante Beispiele, in denen Gruppen-Funktionen im Bildungsbereich eingesetzt werden.

Gruppe oder Community?

Schon ganze Doktorarbeiten haben sich mit der Unterscheidung zwischen Gruppen und Communities gewidmet. Wir verwenden in unserer Artikelreihe die Begriffe wie folgt:

Gruppen haben klare Grenzen, wer Mitglied ist bzw. sein kann und wer nicht. Auch ihre Lebensdauer ist häufiger klarer umrissen.

Communities haben diffuse Grenzen. Mitglieder kommen und gehen. Und ein Zeitpunkt, an dem die Community nicht mehr da sein wird, ist zumindest nicht von vornherein zu erkennen.

Unabhängig davon nutzen wir die Namen, die die Anbieter der Dienste selbst verwenden, also z.B. Facebook-Gruppen und Google+ Communities.

Die Artikel in dieser Reihe:

  1. Übersicht und Vergleich
  2. eine Gruppe bei Facebook
  3. eine Community bei Google+
  4. WordPress mit BuddyPress zur Community ausbauen
  5. alternative Community-Dienste im Überblick
  6. Messenger-Gruppen: WhatsApp, Threema & Co.
  7. Praxis-Beispiele

Gruppen-Dynamik

Die Gruppe ist die Grundform von Bildungsarbeit, ob online, im Klassenzimmer oder bei einer Exkursion. Inzwischen ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass sich solche Gruppen auch digital miteinander verbinden. Wenn der Bildungsanbieter das nicht organisiert, nehmen die Teilnehmenden die Sache selbst in die Hand und schaffen sich ihre eigenen Kommunikationswege. (Digitale Plattformen bieten also durchaus Möglichkeiten zur Emanzipation der Lernenden. Im Folgenden gehen wir aber von einem mehr oder weniger institutionalisierten Lernsetting aus, bei dem es (zumindest auch) Präsenztreffen gibt.)

Gruppen-Arbeiten

Ganz gleich ob in Seminaren, im Unterricht oder in Projekten – stets fallen organisatorische Tätigkeiten an. So können Teilnehmer/innen beispielsweise über Änderungen des Ablaufs informiert, an bestimmte Dinge erinnert oder mit Materialien versorgt werden. Hierfür könnte klassisch ein E-Mail-Verteiler eingerichtet werden. Doch inzwischen gibt es Online-Dienste und Werkzeuge, die vielfältige Funktionen bieten, nicht nur als Sendekanal zu dienen, sondern als Gruppe zusammenzuarbeiten. Die Möglichkeiten im Überblick:

  • Teilnehmer/innen können selbst Beiträge erstellen und untereinander diskutieren.
  • Links, Fotos, Videos oder anderen mediale Inhalten können von allen für alle bereitgestellt werden.
  • Selbstdarstellungen der Teilnehmer/innen in Form eines persönlichen Profils bieten das Potenzial, mehr über Mit-Lernende zu erfahren.
  • Es gibt direkte, persönliche Kontaktmöglichkeiten zwischen zwei Teilnehmer/innen, beispielsweise über eine Chat- oder Nachrichten-Funktion.
  • Tätigkeiten / Aufgaben / Inhalte können kollaborativ bearbeitet und organisiert werden.
  • Es gibt zusätzliche mobile Möglichkeiten in Verbindung mit internetfähigen Smartphones, z. B. für Foto-Rallyes oder um aktuelle Informationen während eines Ausflugs an Teilnehmer/innen weiterzugeben.
  • Weitere spezielle Funktionen werden je nach Gruppen-Dienst angeboten, z.B. kollaborative Zusammenarbeit an Dokumenten oder gemeinsame Terminkalendar.
  • Online-Dienste mit Gruppen-Funktionen können weiterhin genutzt werden, um nach einem Seminar oder Projekt noch in Verbindung zu bleiben oder um die langfristige Zusammenarbeit an dezentralen Projekten zu ermöglichen.
Profi-Dienste

Selbstverständlich gibt es auch Angebote, die explizit für das Lernen in Gruppen gemacht sind. Fast jedes Lern-Management-System wie z.B. Moodle bietet entsprechende Funktionen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt aber, dass in der Praxis solche Plattformen häufig schlechter angenommen werden als Dienste, bei denen „man sowieso schon ist“. Nicht selten errichten Teilnehmende eine eigene „unpädagogische“ Infrastruktur parallel zu Lern-Plattformen.

Gruppen-Auswahl, Gruppen-Zwang?

Es existieren inzwischen eine Vielzahl von Online-Diensten, welche Gruppen-Funktionen ermöglichen. In dieser Artikelreihe werden die verschiedenen Dienste bezüglich der Installation/Konfiguration, dem Datenschutz sowie dem Funktionsumfang verglichen.

Darüber hinaus muss jeweils vor Ort eine Grundsatzentscheidung getroffen werden: Kann und will ich Teilnehmenden eines Bildungsangebot zumuten, sie drängen oder möglicherweise sogar zwingen, einen bestimmten Dienst zu nutzen?

Gruppen-Vergleich

In einer Tabelle haben wir die grundsätzlichen Eigenschaften der verschiedenen Dienste zusammengestellt:

Vergleichstabelle der Gruppenfunktionen von Online-Diensten. Zum Öffnen auf das Bild klicken.

Vergleichstabelle der Gruppenfunktionen von Online-Diensten. Zum Öffnen auf das Bild klicken.

Die Tabelle kann als Online-Version (Google Doc) oder pdf-Datei angeschaut werden. Weiterhin kann eine odt-Version zur Weiterbearbeitung genutzt werden.

Folgende Kriterien haben wir für die Begutachtung auf die einzelnen Dienste angewandt. Die Liste kann auch bei der individuellen Entscheidung helfen, wenn man vor der Frage steht: Welcher Dienst ist der richtige für mich?

Kriterium/Kategorie

Fragen

Allgemeines, Anforderungen,

Anbieter,

Akzeptanz

  • Einleitung zum Dienst

  • Anforderungen (bspw. Webserver-Hosting nötig o.ä.)

  • Anbieter-Informationen

  • Akzeptanz (bei möglichen Mitgliedern)

Anmeldung, Zugang, Abmeldung

  • Registrierung / Benutzerkonto nötig?

  • Einstellungen zur Sichtbarkeit der Gruppe und Inhalte (öffentlich/privat usw.)

  • Datenschutz

  • Abmeldung und Export-Möglichkeit

Mobilität

  • Gibt es Apps für Smartphones/Tablets?

  • Ist die Webseite/Plattform des Dienstes für Mobilgeräte optimiert?

  • Benachrichtigungseinstellungen

Funktionen

  • Allgemeine Funktionen

    • Präsentationsmöglichkeiten der Teilnehmer/innen (Profil)

    • Beiträge schreiben, usw.

  • Funktionen für kollaborative Zusammenarbeit

  • Spezielle Funktionen

    • Welche besonderen Funktionen bietet der Dienst? (Kalendar-Anbindung usw.) – im Vergleich zu den anderen Diensten?

Erweiterungsmöglichkeiten

  • Gibt es Plugins oder Einbindungsmöglichkeiten/Schnittstellen für andere Dienste?

  • Wie gut kann der Dienst angepasst und den eigenen Bedürfnissen nach gestaltet werden?

Erste Schritte How-Tos / Praxis-Beispiele

  • Links zu bestehenden How-Tos/Anleitungen für die ersten Schritte

  • Links auf Praxis-Beispiele


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch und Jöran Muuß-Merholz für pb21.de.
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Jöran ist Diplom-Pädagoge und freiberuflich in verschiedenen Bildungsbereichen aktiv. Am liebsten mag er Schnittmengen aus 1. Bildung / Lernen, 2. Medien / Kommunikation und 3. Management / Organisation.

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