Gruppen-Bildung II: Facebook-Gruppen

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eine #pb21-Artikelreihe zum Einsatz von digitalen Gruppen für Klassen, Seminare und Projekte – Teil II

Facebook-Gruppen in der Bildung – das erhitzt die Gemüter. Denn dahinter verbirgt sich ein unauflösbarer Konflikt. Einerseits will man die eigenen Teilnehmenden nicht einem kommerziellen, proprietären, überwachten Dienst ausliefern – andererseits funktionieren in der Praxis Facebook-Gruppen sehr gut – einfach, weil die meisten Menschen „ohnehin da sind“. Teil II unserer Reihe „Gruppen-Bildung“ zeigt, worauf man beim Einrichten von Facebook-Gruppen achten sollte und wie sie sich gut im Bildungskontext nutzen lassen.

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Gruppen-Bildung – Facebook-Gruppen, WhatsApp und Co. zum Lernen nutzen!

Eine #pb21-Artikelreihe zum Einsatz von digitalen Gruppen für Klassen, Seminare und Projekte: Überblick

Auch wenn sich Jugendliche vermeintlich vom Sozialen Netzwerk Facebook abwenden: Seit 2010 stieg die Zahl der Nutzer in Deutschland von 5,75 auf 27,38 Millionen. Inzwischen wird Facebook also anscheinend von vielen verschiedenen Altersgruppen genutzt – ein guter Grund, um sich die Gruppenfunktionen von Facebook näher anzuschauen.

Funktionen von Facebook-Gruppen

Zu den Hauptfunktionen von Facebook-Gruppen gehört

  • das Posten und Kommentieren von Beiträgen,
  • das Hochladen von Fotos, Videos oder anderen Dateitypen,
  • das Erstellen von Umfragen,
  • das gemeinsame Bearbeiten von Text-Dokumenten sowie
  • eine gruppeninterne Veranstaltungsverwaltung.

Für halbwegs erfahrene Facebook-Nutzer/innen sollte die Gruppen-Nutzung keine große Einstiegshürde darstellen: Die Beiträge und Aktivitäten der Gruppen-Mitglieder werden wie gewohnt in einem Aktivitätsstream auf der Gruppen-Hauptseite dargestellt.

 

Facebook-Gruppe: Übersichtsseite. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Facebook-Gruppe: Übersichtsseite. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Beiträge, Fotos / Videos oder Dateien können über das gewohnte Beitragsfenster geteilt werden. Nur in Gruppen nutzbar ist die Funktion „Umfrage“, mit der Abstimmungen innerhalb einer Gruppe durchgeführt werden können.

Weiterhin besteht die Möglichkeit Dateien, beispielsweise PDF-Dokumente oder ZIP-Archive, hochzuladen. Die maximale Dateigröße beträgt hierbei 25 MB, was für die meisten Zwecke ausreichen sollte. Der Cloudspeicher-Dienst Dropbox kann ebenfalls in der Gruppe genutzt werden, um Dateien in der Gruppe zu teilen. Das Limit der Dateigröße entfällt hierbei, da direkt auf den Dropbox-Dienst zugegriffen wird.

Eine nützliche Funktion ist die Dokumentenverwaltung in Facebook-Gruppen. Teilnehmer/innen können gemeinsam innerhalb der Gruppe an Textdokumenten arbeiten. Zwar stehen im Bearbeitungseditor nur wenige Formationsmöglichkeiten zur Verfügung, jedoch sollten diese in den meisten Fällen vorerst ausreichen, um beispielsweise Mitbringlisten, Linksammlungen, Tagesordnungen, Protokolle oder andere Texte zu organisieren. Wird ein Dokument von einem Gruppen-Mitglied bearbeitet, so werden die anderen Mitglieder im Aktivitätsstream der Gruppe informiert.

Editor für das Anlegen von Dokumenten. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Editor für das Anlegen von Dokumenten. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Facebook-Gruppen einrichten

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Für die Gründung einer Gruppe wird lediglich das normale Facebook-Benutzerkonto benötigt. In der rechten Seitenleiste von Facebook findet sich der Menüpunkt „Gruppe gründen“. Für die Neugründung einer Gruppe muss mindestens ein/e Facebook-Freund/in als erstes Gruppen-Mitglied hinzugefügt werden. In der Gruppenverwaltung kann dieses Mitglied aber später wieder entfernt werden.

Der Gruppengründer ist automatisch der Adminstrator. Er / Sie kann nach später andere Mitglieder zu (zusätzlichen) Adminstratoren ernennen.

Um die Gruppe visuell ansprechender zu gestalten, kann ein Titelbild hochgeladen werden. Sehr sinnvoll ist es auch, in den Gruppeneinstellung das Feld „Beschreibung“ auszufüllen. Hier können allgemeine Hinweise zum Thema der Gruppe und ggf. Regeln und Vorgaben aufgeführt werden. Bei offenen oder geschlossenen Gruppen dient dieser Text auch Nicht-Mitgliedern zur Information über die Gruppe.

! Hinweis zur Privatsphäre:

Da bei einer späteren Änderung der Privatsphäre-Einstellung einer Gruppe auch die bisherigen Beiträge öffentlich werden können, sollte man als Nutzer/in auch in „geschlossenen“ oder „geheimen“ Gruppen zurückhaltend mit sensiblen oder persönlichen Inhalten umgehen. Gruppen-Leiter/innen sollten einen solchen Änderungsschritt unbedingt *vorher* mit den Mitgliedern besprechen.

Offen, geschlossen oder geheim – wo ist der Unterschied?

Die Privatsphäre einer Gruppe kann bei der Gründung auf „Offen“, „Geschlossen“ oder „Geheim“ gesetzt werden:

  • „Offen – Jeder kann die Gruppe, ihre Mitglieder und ihre Inhalte sehen“
  • „Geschlossen – Jeder kann die Gruppe und ihre Mitglieder sehen. Nur Mitglieder können die Beitrage sehen.“
  • „Geheim – Nur Mitgiieder sehen die Gruppe, ihre Mitglieder und die Beiträge der Mitglieder“

Diese Einstellung kann später vom einem Administrator beliebig geändert werden.

Bei geschlossenen Gruppen wie z.B. Seminargruppen empfiehlt sich die Option „geheim“, weil die Gruppe dann für Dritte, die man ohnehin nicht dabei haben möchte, gar nicht erst  zu finden ist. Beim Status „geschlossen“ dagegen können Dritte die Mitgliedschaft von Freunden sehen oder auch um Aufnahme bitten.

Neue Mitglieder hinzufügen

In der rechten Menü-Leiste findet sich nach der Gründung die Möglichkeit, Mitglieder über ihren Namen bei Facebook oder auch ihre E-Mail-Adresse einzuladen. Somit müssen Gruppen-Mitglieder nicht mit anderen Mitgliedern auf Facebook befreundet sein. Sofern die Gruppe als „geheim“ eingestuft wurde, ist dieses Hinzufügen die einzige Möglichkeit, die Gruppe zu erweitern.

In einer offenen oder geschlossenen Gruppe kann jedes Mitglied weitere Mitglieder hinzufügen. Außerdem können Dritte „von außen“ um Aufnahme in die Gruppe bitten. Der Administrator kann in den Gruppeneinstellungen wählen, ob nur Adminstratoren oder alle Gruppenmitglieder die Neuaufnahme genehmigen können.

Facebook-Gruppen administrieren

Gruppen in Facebook kennen nur zwei Hierarchie-Ebenen: Jedes Mitglied kann die eingangs beschriebenen Funktionen nutzen. In der Mitgliederverwaltung gibt es jedoch eine Unterscheidung zwischen Mitgliedern und Administrator/innen. Letztere können Beiträge löschen und Mitglieder aus der Gruppe entfernen.

Diese relativ liberale Ausrichtung kann jedoch angepasst werden:

Einstellungen der Facebook-Gruppe bezüglich Moderation. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Einstellungen der Facebook-Gruppe bezüglich Moderation. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

In den Einstellungen kann eine Option aktiviert werden, sodass sämtliche Beiträge von Mitgliedern durch Administrator/innen freigeschaltet werden müssen. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, dass nur Administrator/innen Beiträge verfassen dürfen.

 Ein weiteres Privileg von Gruppen-Administrator/innen ist das Fixieren von Beiträgen. Hierbei können Beiträge, die in der Gruppe geschrieben wurden, ganz oben im Gruppen-Stream fixiert werden. Diese Funktion eignet sich für wichtige Nachrichten und Bekanntmachungen.

 Vor- und Nachteile von Facebook-Gruppen

Das Unternehmen Facebook blickt nun schon auf mehrere Jahre Erfahrung im Bereich Sozialer Netzwerke zurück. Dementsprechend ausgereift und einfach bedienbar sind die Gruppen-Funktionen von Facebook. Ein Vorteil von Facebook-Gruppen: Jedes Mitglied kann individuell einstellen, ob bzw. wie es über Aktivitäten in der Gruppe benachrichtigt wird. Zur Auswahl stehen die Optionen „Aus“ (gar keine Benachrichtigungen), „Beiträge von Freunden“ oder „Alle Beiträge“.

Ambivalent ist der Aspekt der Kontrolle: Unter jedem Beitrag unter der Gruppe findet sich eine Übersicht, welchen Nutzern der Beitrag bereits angezeigt wurde. Hier kann also genau nachvollzogen werden, welche/r Nutzer/in zumindest die Gruppen-Seite aufgerufen hat und / oder am Beitrag vorbeigescrollt hat. Das ist hilfreich, um die Verbreitung einer Nachricht einschätzen zu können. Andererseits lassen sich hier Rückschlüsse über individuelle Nutzungsweisen ziehen. Wenn Person X um Mitternacht eine Beitrag veröffentlicht, kann Person Y am frühen Morgen danach sehen, welche weiteren Personen zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen auf Facebook unterwegs waren.

Ein klarer Vorteil von Facebook-Gruppen liegt in der mobilen Nutzbarkeit: Über die Facebook-App, die es für Android-, iOS- und andere Smartphone-Betriebssysteme gibt, können unterwegs ebenfalls Gruppen-Funktionen genutzt werden. So könnten zum Beispiel auf einer Exkursion einfach und schnell Fotos oder Nachrichten ausgetauscht werden.

Facebook-Gruppen eignen sich vor allem bei Zielgruppen, die bereits aktive Facebook-Nutzer/innen sind. Eine Einarbeitungszeit in die Plattform sowie eine Extra-Anmeldung sind nicht nötig. Die Gefahr einer verwaisten Gruppe ist eher  geringer einzuschätzen als bei Gruppen auf externen Plattformen, welche die Teilnehmer/innen zusätzlich zu ihren alltäglichen Surfgewohnheiten besuchen müssen. Außerdem besteht für die Teilnehmer/innen die Möglichkeit sich auch mit ihren privaten Profilen zu vernetzen.

Die unkomplizierte, gemeinsame Dokumentenverwaltung sowie die Hochlademöglichkeit von Dateien sind ein Hauptvorteil der Facebook-Gruppen. Das Hochladen von PDFs oder anderen Dateitypen ist beispielsweise in Google+-Communities nicht möglich.

 Je nach Einsatzbereich und Privatsphäre-Einstellung der Gruppen sollten jedoch Datenschutz und urheberrechtliche Fragen beachtet werden. Insofern sollte mit den Teilnehmer/innen im Vorfeld besprochen werden, welche Inhalte den Weg in die Gruppe finden sollen und welche nicht. Hinzu kommt, dass sich gerade bei kommerziellen, überwachten und proprietären Diensten wie Facebook die im Einleitungsartikel gestellte Frage nach dem „Gruppenzwang“ stellt.

Beispiele im Bildungsbereich

Beispiel für eine Foto-Aufgabe: Teilnehmende bilden das Wort EU mit ihren Körpern in Köln. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Beispiel für eine Foto-Aufgabe: Teilnehmende bilden das Wort EU mit ihren Körpern in Köln. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Die offene Gruppe „Digitale Medien im Politikunterricht“ wurde von Prof. Dr. Anja Besand für Studierende an der Technischen Universität Dresden gestartet.

Im Kontext der Politischen Jugendbildung setzen Karsten Lucke und Anselm Sellen in ihrer Arbeit im Europahaus Bad Marienberg ebenfalls Facebook-Gruppen ein. Teilnehmer/innen werden dort über aktuelle Abläufe informiert, können sich untereinander austauschen und ihren aktuellen Arbeitsstand präsentieren. Auf Exkursionen werden beispielsweise weiterhin Foto-Aufgaben gestellt, welche dann in von den Teilnehmer/innen in die Facebook-Gruppe hochgeladen werden.

Der Verein ufuq.de experimentiert derzeit mit Facebook als Forum der politischen Bildungsarbeit mit jungen Muslimen. Das Projekt „Was postest du?”  wird als Facebook-Seite betrieben. Zusätzlich gibt es eine geschlossene Diskussionsgruppe, welche sich gerade in der Entstehungsphase befindet.

Das Projekt Du hast die Macht, welches eine Politik-Plattform für junge Leute anbietet, setzt schon länger auf eine Facebook-Gruppe: In der öffentlich zugänglichen „du hast die macht Community”-Gruppe können Nutzer/innen Ideen für Bilder, Artikel und Links teilen und diskutieren.

Links für den Einstieg:

Statistik-Quellen:


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch und Jöran Muuß-Merholz für pb21.de.
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Matthias Andrasch studiert derzeit "Medienbildung - Audiovisuelle Kultur und Kommunikation" in Magdeburg. Er greift hierbei auf seine Erfahrung als ausgelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung zurück.

Kategorien: Artikel, Soziale Netzwerke & Communities Schlagworte: , , ,