Gruppen-Bildung III: Google+ Communities

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eine #pb21-Artikelreihe zum Einsatz von digitalen Gruppen für Klassen, Seminare und Projekte – Teil III

Was für Facebook die Gruppen sind, ist für Google+ die Funktion „Community“. Sie ist im Bildungsbereich in Deutschland weniger prominent – allerdings gibt es auch komplette Online-Kurse, die auf eine G+ Community als Plattform setzen. Weiterhin bieten Google+ Communities einige innovative Funktionen im Gegensatz zu anderen Diensten.

Es lohnt sich also ein Blick auf Möglichkeiten, Einschränkungen und Praxisbeispiele.

Google+ wurde 2011 von Google als Reaktion auf Facebook gestartet. Mit Spannung wurde damals verfolgt, ob Google+ die Vorherrschaft von Facebook im Bereich der Sozialen Netzwerke brechen könnte. Drei Jahre nach dem Start hat Google+ nicht einmal halb so viele aktive Mitglieder wie Facebook. Google+ wurde aber als „social layer” (soziale Ebene) in viele Google Produkte (Mail, Hangout, usw.) integriert und hat somit potenziell eine hohe Anzahl inaktiver Nutzer/innen.

Im Jahr 2012 führte Google+ eine Gruppen-Funktion namens „Communities“ ein. Sie sind zwar weniger verbreitet, bieten aber teilweise ausgefeiltere Funktionen als Facebook-Gruppen.

Funktionen von Google+ Communities

Zu den Hauptfunktionen gehören die üblichen Möglichkeiten:

  • das Posten und Kommentieren von Beiträgen,

  • das Hochladen von Fotos und Videos

  • sowie eine gruppeninterne Veranstaltungsverwaltung mit der Möglichkeit Google Hangouts zu veranstalten.

Die Funktionsliste von Google+ Communities sieht auf den ersten Blick etwas dünner aus als bei Facebook Gruppen, welche wir im parallelen Teil dieser Artikelreihe vorgestellt haben. Die Unterschiede liegen aber nicht nur im Detail, sondern vor allem in der Verknüpfung mit anderen Google-Diensten.

Der Übersichts-Stream einer Google+ Community ist im typischen Layout von Google+ gehalten. Beiträge können kommentiert, geteilt sowie mit einer „+1” versehen werden – das Äquivalent zum „Gefällt mir”-Button von Facebook.

Google Plus Community Übersicht. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Google Plus Community Übersicht. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Anders als bei Facebook können Beiträge in Google+ rudimentär formatiert werden (Schrift in fett, kursiv oder durchgestrichen), was gerade bei fortgeschrittener Nutzung angenehm auffällt.

Kategorie-Anzeige. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Kategorie-Anzeige. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Sobald die Diskussionen in einer Gruppe etwas vielfältiger werden, lohnt sich ein Blick auf die Funktion „Kategorien“, die Google+ gegenüber Facebook voraus hat. Die Moderator/innen einer Gruppe können solche Kategorien für die Diskussion einführen. Jeder Beitrag kann dann von seinem Absender einer Kategorie untergeordnet werden, so dass die Gruppenmitglieder auch gezielt nur die Beiträge einer Kategorie verfolgen können.

Der nebenstehende Screenshot zeigt die Kategorien der Community Connected Learning. Die roten Zahlen neben jeder Kategorie zeigt die Anzahl der ungelesen Beiträge in jeder Kategorie dieser (sehr großen) Community.

Beitragserstellung mit Kategorie-Auswahl. Kategorien können von Moderator/innen verwaltet werden. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Beitragserstellung mit Kategorie-Auswahl. Kategorien können von Moderator/innen verwaltet werden. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Erweiterungen durch Google-Dienste

Auffällig ist bei vielen Funktionen die enge Verknüpfungen mit weiteren Google-Diensten. So werden Veranstaltungen, die in der Gruppe erstellt werden, auch im Google Kalendar der eingeladenen Personen angezeigt. Fotos und Videos können direkt aus Googles Diensten Drive, Fotos oder YouTube übernommen werden. Die nahtlose Integration funktioniert auch in Details. Ein Beispiel: Wenn jemand in einem Beitrag zu einem YouTube-Video kommentiert „Erst ab 2:20 Min. wird es spannend …“, dann setzt Google automatisch auf der Zeitangabe „2:20“ einen Link, mit dem man zu dieser Stelle im Video bringt.

Veranstaltung als Videokonferenz planen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Veranstaltung als Videokonferenz planen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Ein besonderes Feature der Google+ Communities findet sich etwas versteckt bei der Erstellung von Veranstaltungen in den Veranstaltungseinstellungen. Im Menüabschnitt „Erweitert” kann der Punkt „Hangouts” aktiviert werden. Hiermit kann eine Videokonferenz mit dem Google-Dienst Hangout als Veranstaltung geplant und durchgeführt werden.

Eine Google+ Community einrichten

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Bei der Gründung stehen zwei grundlegende Privatsphäre-Optionen zur Verfügung: „Öffentlich” und „Privat”. Diese lassen sich in den Einstellungen nach der Gründung noch etwas detaillierter einstellen – eine Umwandlung einer privaten Google+ Community in eine öffentliche Community ist aber nachträglich nicht möglich.

Bei öffentlichen Communities kann entschieden werden, ob neue Mitglieder von den Community-Leiter/innen freigeschaltet werden müssen oder direkt in die Community eintreten können. Bei privaten Communities kann ausgewählt werden, ob die Community in der Community-Suche erscheinen soll und Benutzer/innen Beitrittsanfragen stellen können oder ob die Gruppe nicht öffentlich auffindbar ist. Eine ausführliche Gegenüberstellung der Varianten findet sich hier.

Auch bei Google+ müssen Gruppenmitglieder nicht untereinander befreundet sein. Einladungen sind sowohl an konkrete Profile oder ganze Kontaktgruppen (Google+ nennt sie „Kreise“) möglich. Im Gegensatz zu Facebook kann man nach einer Einladung in einer Gruppe selbst auswählen, ob man die Einladung annimmt oder nicht.

Um die Gruppe visuell ansprechender zu gestalten, kann ein Titelbild hochgeladen werden. Neben einem Informationstext können ein Ort und weiterführende Links in die Beschreibung eingefügt werden.

Google+ Community administrieren

Mitgliederverwaltung. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Mitgliederverwaltung. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Communities bei Google+ sind relativ demokratisch organisiert: Jedes Mitglied kann die beschriebenen Funktionen nutzen. In der Mitgliederverwaltung gibt es jedoch eine Unterscheidung zwischen Mitgliedern, Moderator/innen und Inhaber/innen. Moderator/innen können auch fremde Beiträge löschen, Mitglieder aus der Gruppe entfernen sowie die Kommentarfunktion für einzelne Beiträge deaktivieren.
Ein weiteres Privileg von Moderator/innen ist das Fixieren bzw. Anheften von Beiträgen. Hierbei können Beiträge, die in der Community geschrieben wurden, ganz oben im Gruppen-Stream fixiert werden. Diese Funktion eignet sich für wichtige Nachrichten und Bekanntmachungen.
Ein Sonderprivileg haben Inhaber/innen: Sie können Moderator/innen hinzufügen oder entfernen.

Vor- und Nachteile von Google+ Communities

Im direkten Vergleich mit Facebook steht allen voran die banale Tatsache, dass dort deutlich mehr Menschen aktiv sind als bei Google+. In Sachen Datenschutz und Sicherheit sind beide Dienste sicherlich alles andere als erste Wahl. Die Vorteile von Google+ Communities liegen zum einen in den Details bei den Funktionen und im Design sowie in der praktischen Verknüpfung mit Google-Diensten wie Google Kalendar, Google Drive oder Youtube. Falls Teilnehmer/innen also vorwiegend auf Google-Produkte setzen, sind Google+ Communities eine ansprechende Alternative zu der Facebook-Gruppenfunktion. Für Google+ spricht inzwischen auch, dass die Klarnamenpflicht für Google+ Profile abgeschafft wurde – Facebook hält nach wie vor daran fest. Nichtsdestotrotz ist auch für die Nutzung der Community-Funktion ein Google-Konto zwingend notwendig.

Die bereits angesprochene Integration von Online-Videokonferenzen via Google Hangouts stellt einen Vorteil für Gruppen dar, die öfter Besprechungen online organisieren und sich über eine Gruppe nicht nur koordinieren, sondern auch direkt kooperieren wollen.

Eine wichtige Funktion fehlt allerdings: Dateien wie PDFs oder Textdokumente können nicht direkt in die Community hochgeladen werden. Hier muss auf externe Lösungen ausgewichen werden – ein Nachteil für Gruppen, die oft Dateien im Arbeitsprozess austauschen. Falls die Gruppenmitglieder andererseits ohnehin auf die Dokumentlösungen von Google Docs setzen, bieten sich hier einfache Schnittstellen an.

Weiterhin besteht bei Google+ Communities keine Möglichkeit, dass Moderator/innen vorab alle Beiträge von Nutzer/innen prüfen und freischalten. Je nach Einsatzzweck und Zielgruppe sollte also überlegt werden, ob diese Einstellung vernachlässigbar ist.

Für die mobile Nutzung der Community steht eine kostenfreie Android- und iOs-App zur Verfügung.

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Beispiele im Bildungsbereich

Google+ Communities sind im Bildungsbereich in Deutschland deutlich seltener. Der Grund ist vermutlich banal: Die meisten Lernenden sind bei Facebook aktiv, nur ein Teil von ihnen (auch) bei Google+. In der Erwachsenenbildung und im internationalen Bereich dagegen findet man Beispiele, bei denen eine Community als Zentrale von ausgewachsenen Online-Kursen fungieren. Beispiele in Deutschland sind die Kurse des Media Literacy Labs (mlab13 und mlab14). Im Englischsprachigen Bereich, wo Google+ ohnehin stärker vertreten ist, finden sich auch dauerhafte Communities im Bildungsbereich, z.B. die von Connected Learning, die über 6.000 Mitglieder (Stand: Juli 2014) aufweist.

Fazit

Google+ Communities bieten einige interessante Funktionen, die in anderen Online-Diensten nicht vorhanden sind. Bei der Planung einer Online-Gruppe kann es also lohnenswert sein, G+ Communities mit in Betracht zu ziehen.

Eine detaillierte Gegenüberstellung aller Funktionen der einzelnen Gruppen-Dienste findet sich in der pb21-Vergleichstabelle.

Auf dem englischsprachigen Portal Mashable findet sich ein Einstiegsartikel zur Bedienung von G+ Communities.

Statistik-Quelle: http://www.futurebiz.de/artikel/3-jahre-google-von-der-facebook-alternative-zum-social-layer-infografik/


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch und Jöran Muuß-Merholz für pb21.de.
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Matthias Andrasch studiert derzeit "Medienbildung - Audiovisuelle Kultur und Kommunikation" in Magdeburg. Er greift hierbei auf seine Erfahrung als ausgelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung zurück.

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