Gruppen-Bildung V: Threema, Whatsapp & Co?

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eine #pb21-Artikelreihe zum Einsatz von digitalen Gruppen für Klassen, Seminare und Projekte – Teil V

Quizfrage: Welcher Internet-Dienst ist der bisher am schnellsten gewachsene Internetdienst überhaupt und hat in Deutschland mehr Nutzer als Facebook? Richtig, es ist WhatsApp – auch wenn seit der Übernahme durch Facebook immer mehr Menschen zur Alternative Threema wechseln. Selbstverständlich geht ein Phänomen dieser Größenordnung auch am Bildungsbereich nicht vorbei. In Teil V unserer Artikelreihe schauen wir daher, welche Messenger-Apps man für welchen Zweck am besten einsetzen kann.

Messenger-Apps wie WhatsApp oder Threema haben sich vor allem deswegen so schnell verbreitet, weil sie als (fast) kostenfreie Alternative zur SMS funktionieren. Darüber hinaus eröffnen sie neue Möglichkeiten der Kommunikation, unter anderem den Austausch in kleinen und mittelgroßen Gruppen.

Wie funktioniert es?

Das Verschicken von Nachrichten erfolgt kostenfrei über die Internetverbindung des Smartphones. Der Vorteil an Messenger-Apps im Gegensatz zu Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+: Außer der Telefonnummer, dem Telefonbuch-Zugriff sowie einem Benutzernamen sind keine weiteren privaten Daten nötig für die Erstellung eines Profils. Weiterhin können per Messenger-App Fotos, Videos und andere Daten ausgetauscht werden im Gegensatz zur typischen Kurznachricht via SMS. Warum also nicht kurzer Hand einen Gruppen-Chat mit WhatsApp, Threema oder Telegram realisieren?

Bevor es los geht sollte man sich allerdings auch in diesem Fall bezüglich des Datenschutzes und der Sicherheit informieren. WhatsApp stand beispielsweise wegen Sicherheitslücken und der unverschlüsselten Übertragung von Nachrichten in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Inzwischen gibt es mehrere Messenger-Alternativen, welche mit einer besseren Sicherheit werben. Diese werden in diesem Artikel kurz vorgestellt.

WhatsApp Gruppe gründen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

WhatsApp Gruppe gründen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

WhatsApp

WhatsApp ist ganz eindeutig der Platzhirsch. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 30 Mio. Menschen in Deutschland die App. Sie kostet nach dem ersten Nutzungsjahr jährlich 0,89 Euro und ist für alle gängigen mobilen Betriebssysteme erhältlich.

In einer WhatsApp-Gruppe können sich maximal 50 Teilnehmer/innen befinden. Nur der/die Gruppenersteller/in kann Personen zu einer Gruppe hinzufügen. Über die Teilen-Funktion können Foto-, Video- und Audio-Aufnahmen sowie der aktuelle Standort und ein Adressbuch-Kontakt in die Gruppe gestellt werden.

Threema

Threema: Inhalte mit Gruppe teilen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Threema: Inhalte mit Gruppe teilen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Threema wird von einer Schweizer Firma betrieben. Nach eigener Aussage stehen alle Server des Dienstes in der Schweiz. Die App kostet (Stand: Juli 2014) für iOS 1,79 Euro und für Android 1,60 Euro. Versionen für andere Betriebssysteme existieren nicht.

Die Gruppenfunktion von Threema erlaubt nur maximal 20 Nutzer pro Gruppe. Auch hier kann nur der/die Gruppengründer/in nachträglich Nutzer/innen hinzufügen – er/sie kann aber kein Mitglied wieder löschen. Man kann aber als Mitglied einer Gruppe diese verlassen.

Die Funktionen in der Gruppe sind ähnlich wie bei WhatsApp: Fotos, Video- oder Audioaufnahmen, der aktuelle Standort und natürlich Textnachrichten können verschickt werden. Für die Dokumentation von Bildungsprojekten kann eine weitere Funktion interessant sein: Der gesamte bisherige Chat lässt sich per E-Mail versenden, Medien inklusive (allerdings nur bis max. 20 MB insgesamt).

Telegram: Informationen und Medien mit der Gruppe teilen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Telegram: Informationen und Medien mit der Gruppe teilen. Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Telegram

Die App Telegram ist kostenfrei verfügbar und lässt bis zu 200 Mitglieder in einer Gruppe zu. Telegram wurde 2013 von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow entwickelt, die bereits den russischen Facebook-Klon Vk.com gründeten.

Telegram bietet im Gegensatz zu WhatsApp und Threema die Möglichkeit Dateien an die Gruppe zu versenden. So können z. B. PDF-Dateien verschickt werden.

Für Telegram gibt es inzwischen Software-Applikationen, die den Versand von Nachrichten auch vom Desktop erlauben. Diese befinden sich jedoch noch im Beta-Stadium.

Nach Angabe der Entwickler ist Telegram sicherer als WhatsApp. Der Software-Quelltext ist außerdem teilweise veröffentlicht worden. Eine wirkliche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten bei Telegram aber nur die „secret chats“. Normale Chats und Gruppen-Nachrichten werden in der Cloud gespeichert, um den Empfang auf mehreren Geräten zu ermöglichen.

Weitere Messenger-Alternativen

Neben den hier vorgestellten Apps gibt es noch zahlreiche weitere wie beispielsweise Line, Surespot, myEnigma oder Kik.

Beispiele im Bildungsbereich

Philippe Wampfler, Lehrer und Kulturwissenschaftler, beschreibt in diesem Artikel wie er mit seiner Klasse per WhatsApp-Gruppe kommuniziert.

Student/innen der Bildungswissenschaften an der Uni Duisburg-Essen nutzen WhatsApp um ihre Gruppen-Arbeit zu organisieren. Sie haben ihre Erfahrungen in einem Artikel zusammengefasst.

Fazit

Welcher Messenger die größte Sicherheit bietet wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die Stiftung Warentest führte hierzu im Februar 2014 einen kurzen Vergleichstest durch, der einige Unterschiede offenbarte. Weiterhin sind zwar weniger private Informationen für ein Benutzerprofil bei Messenger-Apps notwendig als bei Sozialen Netzwerk – nichtsdestotrotz bekommt die App – und somit der Anbieter – Zugriff auf das gesamte Adressbuch eines Smartphones sowie – je nach App und Verschlüsselung – den Inhalt der Konversationen. Wie immer gilt: Teilnehmer/innen sollten dementsprechend sensibilisiert werden und sich nicht in vermeintlicher Sicherheit wiegen.

Bei der Entscheidung, welche App eingesetzt werden soll, kommt es letztendlich auf die benötigten Funktionen an. Eine detaillierte Auflistung der Funktionen findet sich in der Vergleichstabelle. Allerdings gilt auch bei Messenger-Programmen: Für Gruppen kommen nur Anwendungen in Frage, die alle Gruppenmitglieder nutzen. In der Praxis gibt es da schnell Diskussionen, wenn z.B. ein Teil der Gruppe (nur) WhatsApp, ein anderer Teil nur Threema nutzt.

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Gruppen-Bildung – Facebook-Gruppen, WhatsApp und Co. zum Lernen nutzen!

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Ein anderer kritischer Aspekt: In der Regel müssen alle Gruppenmitglieder zumindest dem/der Gruppengründer/in ihre Handynummer offenbaren – für viele Menschen ist das eine eher private Angabe.

Ein großer Vorteil der Messenger-Apps ist, dass Medieninhalte wie Fotos oder Videos direkt mit dem Smartphone aufgenommen und ohne Umwege mit der Gruppe geteilt werden können. Die Messenger-Apps eignen sich daher vor allem bei mobilen Nutzungsszenarien und einer Smartphone-affinen Zielgruppe.
Die Messenger ermöglichen jedoch keine vielschichtigen Diskussionen in Form von Beiträgen und separaten Kommentaren. Je nach Umfang der Kommunikation besteht hierbei die Gefahr der Unübersichtlichkeit. Dementsprechend können Messenger-Gruppen auch ergänzend zu anderen Lösungen eingesetzt werden, die in dieser Artikel-Reihe vorgestellt wurden.

Hinweis: Threema wurde als iPhone-App getestet, Telegram und WhatsApp jeweils als Android-Version. Die Funktionen können sich je nach Smartphone-Betriebssystem eventuell unterscheiden. Anmerkungen hierzu nimmt die Redaktion gerne als Kommentar entgegen.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch und Jöran Muuß-Merholz für pb21.de.
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Matthias Andrasch studiert derzeit "Medienbildung - Audiovisuelle Kultur und Kommunikation" in Magdeburg. Er greift hierbei auf seine Erfahrung als ausgelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung zurück.

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