Basteln mit makey makey und littlebits

Foto „maker aus der Medienbildung beim Basteln“ von Daniel Seitz/Selbstauslöser unter CC BY SA 4.0.

Teil I der #pb21-Reihe zu Maker-Tools in der Medienbildung

In der ersten Ausgabe der maker-Reihe liegt der Fokus auf Do it yourself (DIY) im bereich Elektronik. Durch makey makey und littlebits soll ein niedrigschwelliger Einstieg in die komplexen Vorgänge elektronischer Geräte gefördert werden, der es ermöglicht, hinter die „Blackboxen“ gängiger Unterhaltungsgeräte zu blicken.

makey makey ist eine kleine Platine, die es ermöglicht, mit den verschiedensten Gegenständen Tastaturen zu bauen. Was genau das meint, schaut man sich am besten im Video an:

Video „MaKey MaKey – An Invention Kit for Everyone“ von Jay Silver, nicht unter freier Lizenz.
Themenschwerpunkt „We are makers!“
Eine #pb21-Reihe zu Do It Yourself (DIY) und maker-Kultur in der Medienbildung.

Weitere Artikel aus dieser Reihe…

Welchen Spaß dies machen kann und wie kreativ makey-makey tatsächlich eingesetzt werden kann, dieser Frage werden wir im Folgenden nachgehen.

Littlebits ist ein kleiner Elektronik-Baukasten, mit dem schnell komplexe Schaltungen einfach verständlich gebaut werden können. Die Einfachheit des Systems durch magnetische Module, die aneinander gereiht werden und so stets direkte Effekte erzielen, zeichnet diesen (sehr teuren) Bausatz aus. Auch dies schaut man sich am besten im nächsten Video an.

Beide Bausätze schienen uns geeignet, hinter die „Blackbox Computer“ zu blicken und einfache und komplexere elektronische Vorgänge zu beleuchten. Wie sich die Expert/innen dem Thema näherten und ob diese ihre Ziele erfüllen konnten, darüber geben die folgenden Abschnitte „Praxiseinblicke“ und „Konsequenzen für die (politische) Bildungsarbeit“ Auskunft.

Video „Welcome to littleBits“ von littleBits TV, nicht unter freier Lizenz.

So funktioniert makey makey

makey makey ist am MIT Medialab entstanden, um Kindern beim Erfinden zu helfen. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne mit über 11.000 Unterstützern, vertreibt Joylabz als Spin-Off vom MIT das Produkt kommerziell. Die Basis von makey makey ist das Arduino-Board, eine beliebte Elektronik-Plattform auf Basis von freier Hard- und Software. Mehr Infos zum Hintergrund gibt dieser
Webtalk des #mlab

makey makey hat bereits eine große Bekanntheit in Medienpädagogik und (politischer) Bildung mit digitalen Medien. Das sehr einfach zu verstehende Tool ermöglicht es dabei, eines der einfachstens Prinzipien elektronischer Schaltungen – einen elektrischen Kreislauf – spielerisch zu erkunden. Dabei eignen sich viele Materialien, die elektrischen Strom auch nur minimal leiten: von Bananen über selbst gezeichnete Bahnen mit dem Bleistift (das Graphit leitet), von Wasser bis hin zur Knetmasse. Diese und viele mehr Stoffe können mit dem makey makey verbunden werden, je nach gewünschter Anwendung mit verschiedenen Tasten, z.B. den Pfeiltasten. Mit einer Hand muss dann noch die Masse-Leiste des Boards verbunden werden, um einen Kreislauf herzustellen. An der Grün leuchtenden LED sieht man, ob der Kreislauf funktioniert. Das makey makey muss vorher natürlich mit einem Computer verbunden werden, dort gibt es sich als einfaches Keyboard zu erkennen und sendet dann die Signale der geschlossenen Kreisläufe (z.B. Pfeiltaste Links) an den Computer, der dieses wie ein Signal jeder anderen Tastatur verarbeitet. So kann z.B. ein Spiel angesteuert werden und mit den Materialien ein kompletter Controller dafür gebaut werden. Neben Controllern wurden diverse weitere Anwendungen gebaut, z.B. auch ein Malgerät, mit dem Jugendliche Figuren für den 3D-Druck bauen konnten. Ebenso wurde software-seitig erforscht, wie man mehrere makey-makey´s miteinander koppeln kann, um die Anschlußzahl von 18 auf 36 Anschlüsse zu verdoppen – z.B. für ein großes Klavier.

So funktioniert littlebits

littlebits möchte die Welt der Elektronik einfach erklären und das experimentieren erleichtern. Die Gründerin Ayah Bdeir betont den Bildungsaspekt stark und die Notwendigkeit von open source und open hardware. Das kommerzielle, gleichnamige Unternehmen littlebits bietet Edu-Tarife, wenngleich die Hardware dann immer noch sehr teuer wirkt. Einblick in die Vision gibt der TED-Talk, der littlebits am meisten bekannt machte:

Die littlebits wussten von Anfang an zu inspirieren, denn das modulare System mit den einfachen Magneten, die schnelles Auskunden und keine Fehler zulassen, in dem sie schlichtweg nicht falsch zusammen gesteckt werden können, bietet unzählige Möglichkeiten.
Manch ein (Medien-)Pädagoge wurde an die frühen Elektronik-Baukästen erinnert. Sofort entwickelten sich zahlreiche Projekte, z.B. eine Quiz-Maschine: Durch einen Schieberegler wurde ein Motor in die eine oder andere Richtung angesprochen, je nach richtiger oder falscher Antwort (Richtung des Schiebereglers) wurde ein Motor in die eine oder andere Richtung bewegt, welcher einen Pfeil Richtung „Genie“ oder „Idiot“ bewegte. Dazu wurden für das Genie Lampen erleuchtet und ein Ventilator blies Konfetti in die Luft. So wurde sofort deutlich, das Kontext und Umsetzung aus dem Elektronik-Bausatz schnell ein Werkzeug zur Umsetzung von Ideen und Aufgaben wird. Je nach bestelltem Set können nur wenige Menschen gleichzeitig an Ideen arbeiten, das schränkt ein und sollte gut geplant werden bei der Anschaffung.

Konsequenzen für die (politische) Bildungsarbeit

In immer komplexeren Medienwelten werden die Basics elektronischer Kommunikation und Infrastruktur häufig nicht mehr gelehrt. Doch hilft ein Grundverständnis von Elektronik sehr, die „Blackbox Computer“ zu entzaubern und Technologie als etwas Veränderbares wahrzunehmen.

Sowohl makey makey als auch littlebits bieten niedrigschwellige spielerische Zugänge zum Thema an. Dabei schnitt makey makey bei den Expert/innen deutlich besser ab, man merkt dem Bausatz die Herkunft aus dem MIT Lab an, die Preise schienen den Expert/innen fair und für den Bildungsbereich erschwinglich. Auch in Sachen Kreativität bietet makey makey auf den ersten Blick mehr Möglichkeiten an, da littlebits erstmal formatierter sind. Auch wurde ein interessanter Gedanke durch die Expert/innen formuliert: Bei makey makey lernt man durch Fehlerkultur, denn erstmal funktioniert nichts und falsche Wege müssen ausgeschlossen werden, um zur richtigen Lösung zu gelangen. Littlebits sind insbesondere durch ihren hohen Preis sehr kritisch von den Expert/innen diskutiert worden, Modulsätze in Klassenstärke einzukaufen, dazu ein vermutetet hoher Verschleiß und ein sehr hoher Grundpreis waren Gründe genug für viele Expert/innen, littlebits als eher ungeeignet für den Bildungsbereich bzw. bestimmte Bereiche im Bildungsbereich – wie offene Jugendarbeit – auszuschließen. Inhaltlich hingegen gab es sehr viele Ideen, wo littlebits das Lernen mit und über digitale Medien unterstützen können, insbesondere die Möglichkeit, littlebits auch noch software-seitig mit verschiedensten Diensten kombinieren zu können (also z.B. bei Regen im Wetterbericht einen Motor und damit den Verschluss eines Deckels ansteuern zu können), bietet noch zahlreiche Möglichkeiten und schlägt die Brücke zur Software-Seite von Technologie.

Als Fazit blieb die Erkenntnis, das es durchaus spannende Ansätze und ebenso großen Bedarf gibt, kreativ und kritisch mit Elektronik umzugehen. Neben den beiden vorgestellten gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, mit der Thematik umzugehen, z.B. durch Roboter-Bausätze. Unterstützt und sichtbar gemacht werden sollten insbesondere offene (im Sinne von open hardware/source) Systeme, die einen einfachen, bezahlbaren Einstieg ermöglichen.

Wie sind ihre Erfahrungen?

Mit welchen Tools und Methoden arbeiten Sie in diesem Bereich?


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Daniel Seitz lebt in Berlin, hat Mediale Pfade gegründet und brennt für eine freie, politisierte Gesellschaft, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Als Medienpädagoge ist er überzeugt, dass Medienbildung einen wichtigen gesellschaftlichen Anteil zu politischer Teilhabe, Selbstentfaltung und Kreativität leisten kann.

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