Opendata im Seminareinsatz

Foto „open data (scrabble)“ von justgrimes unter CC BY SA 2.0.

Foto „open data (scrabble)“ von justgrimes unter CC BY SA 2.0.

Offene Daten im Seminar visualisieren und weitergeben

Dieser Artikel möchte nicht erklären, was Opendata ist, sondern Ideen aufzeigen, mit welchen Werkzeugen die vorhandenen Daten in Seminaren analysiert und interpretiert werden können. Wer zuerst einmal wissen will, was Opendata überhaupt ist, der sei zum einen auf die Wikipedia verwiesen, zum anderen auf einen in diesem Zusammenhang sehr lesenswerten Artikel im Opendatablog der Zeit „Es braucht Daten um Politik verstehen zu können“. Parallel zu diesem Posting ist ein weiterer Artikel im Dotcomblog erschienen, der sich schon aufbereiteten Visualisierungen widmet.

Selbst Daten mit einem Seminar zusammenstellen und zu visualisieren, das wäre nicht nur zum Wohle der Gesellschaft, sondern vor allem politisch bildend. Man würde nicht nur verstehen, woher die Daten kommen und wie diese aufzubereiten sind, sondern man würde sich bei der intensiven Auseinandersetzung auch mit deren Interpretation befassen. Opendata stellt den Versuch dar, die vom Staat erhobenen Daten als Quelle zu nutzen um sich selbst ein Bild von der Welt zu machen.

Daten zu veröffentlichen hat in Deutschland etwas anrüchiges. Es erinnert an einen Datenschutzverstoß. Dabei muß man zwischen öffentlichen und privaten Daten unterscheiden. Noch nie war es einfacher selbst Quellen aufzubereiten und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Open Education heißt eben nicht nur Bildung für jeden, sondern auch Bildung von jedem. Warum nicht die Produkte des Seminars so zur Verfügung stellen, dass andere wiederum davon profitieren können, warum nur die Arbeitsblätter, nicht aber die Arbeitsergebnisse veröffentlichen? Die unten benannten Dienste wären zudem in der Lage, den gesellschaftlichen Diskurs zum Wert öffentlich zur Verfügung gestellter Daten zu befördern.

Wie hilfreich Visualisierungen für den Perspektivenwechsel bei der Betrachtung und Bewertung von Informationen sein können zeigt immer wieder aufs neue http://www.informationisbeautiful.net/

Werkzeuge, um Daten zu ansehnlichen Visualisierungen aufzubereiten

  • Batchgeo: In einer Tabelle werden Adresse und Zuschreibungen gesammelt. Anschließend lassen sich die Daten auf einer Google Map anzeigen. Es ist möglich daraus wiederum eine Datei zu erzeugen, die in Google Earth geöffnet werden kann, um die Daten dort zu visualisieren. Auf der Webseite finden sich eine ganze Reihe an möglichen Einsatzvariationen. Es wäre denkbar, dass z.B. die Adressen von Schulen in einer Stadt gesammelt werden, füttert man die Karte damit bekommt man einen Eindruck, mit welchen Schulformen die einzelnen Stadtteile versorgt sind und kann Rückschlüsse auf die Bildungsniveaus der Stadtteile ziehen.
  • amMap: Ein Programm zum Download auf den eigenen Rechner, so können auch sensible Datenbestände ausgewertet werden. Zusammen mit AmChart lassen sich auch Werte zu einzelnen Orten ausgeben. Diese wiederum können mit einer Zeitleiste versehen werden und so z.B. Bevölkerungsentwicklungen über mehrere Jahrzehnte darstellen.
  • many eyes: Die Stärke von Many Eyes ist weniger die Georeferenzierung, sondern viel mehr die besondere Form der Darstellung. Eingebettet in ein Java Applet werden auch hier die Daten nicht einfach nur dargestellt, sondern sind weiterhin vom Betrachter zu verändern
  • Google fusion Table: Ist zur Zeit noch Teil der Google Labs, ist aber letztendlich nichts anderes als eine Erweiterung der Darstellungsformen von Google Text und Tabellen. Statt Diagrammen wird hier durch eine Verknüpfung zu Google Maps eine kartenbasierte Aufbereitung der Daten möglich.
  • Quadrigram: Hier wird vor allem Wert auf die Visualisierung jenseits der Georeferenzierung gelegt. Die Bereitstellung der Daten sieht nicht trivial aus, dennoch sind die Ergebnisse beachtlich. Die Verknüpfung der Daten mit dem Darstellungsmodus, also die Programmierung selbst, ist visualisiert und läßt sich mit ein wenig Übung Wysiwig erstellen. Eine wirklich beachtliche Anwendung auch für Nicht-Programmierer.
  • infogr.am: Hilft auf sehr einfache Weise dabei, eine Infografik zu erstellen. Wobei vor allem Tabellen jeder Art aufbereitet und in einen Erzählstrang eingefügt werden können

Quellen für offen zur Verfügung gestellte Daten

Das Open Data Portal GovData ist eine Initiative des Bundesministeriums des Inneren. Hier werden öffentliche Daten in einer Meta-Datenbank zusammengeführt. Hier lassen sich weit über 3000 Datensätzen finden. Verschiedenste Behörden liefern hier Datensätze, die keine Persönlichkeitsrechte verletzen und in einem allgemein lesbaren Format bereitgestellt werden. Die bereitgestellten Daten liegen in einer Freien Lizenz vor.

Viele Datensätze können auch beim statistischen Bundesamt heruntergeladen werden. Die anschließende Wiederveröffentlichung in Form von Grafiken ist allerdings problematisch, da hier die Daten nicht unter eine Freien Lizenz stehen. In den Nutzungsbedingungen heißt es: © Statistisches Bundesamt 2014. Vervielfältigung und Verbreitung, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.

Was kann gelernt werden?

Während der Produktion einer eigenen Daten-Visualisierung findet eine intensive Beschäftigung der Teilnehmenden mit jedem einzelnen Datensatz statt. Sie bekommen ein Gespür für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten. So entstehen zum Beispiel schnell Fragen danach, auf welcher Grundgesamtheit ein Datensatz fußt, und wie genau die Daten zustande kommen. Die Auseinandersetzung befördert also auch das Verständnis zur Ausgangsfragestellung des vorliegenden Datensatzes.

So entsteht ein exploratives Lernfeld, in dem die digitale Umsetzung nur ein Teil des Erkenntnisgewinns ist, ein weit größerer sind die weitergehenden Fragen, die die Teilnehmenden zu Nachfragen motiviert.

Mehrwert für die Gesellschaft

Würden die im Seminar erstellten Karten öffentlich zur Verfügung gestellt, könnten die Teilnehmenden somit ihre Erkenntnisse den Bürgern zur Verfügung stellen. So kann die neu erzeugte Primärquelle für Andere zur Grundlage für weitere Interpretationen und Erkenntnisse genutzt werden. Zum Beispiel führt der Link http://batchgeo.com/map/landkarte_politische_bildung bei der Eingabe in ein Smartphone in Kombination mit dem aktuellen Standort seiner Besitzerin zur Angabe politischer Veranstalter in der Umgebung.

Durch die Livesuche können auch die Einrichtungen gefunden werden, dessen Name vage bekannt ist. Es können z.B. alle Niederlassungen der Konrad-Adenauer-Stiftung gefunden werden, die auch als Veranstalter von der bpb gelistet werden, ebenso alle Einrichtungen des Anbieters Arbeit und Leben.

Weiteres Beispiel: Der Guardian

Das Opendata-Blog des Guardian veröffentlicht in regelmäßigen Abständen nicht nur interessante Analysen sondern auch die zugrundeliegenden Datensätze. So wurde nach der AKW-Katastrophe in Japan eine Liste mit allen AKWs weltweit veröffentlicht. Diese Daten lassen sich auf Deutschland reduzieren und dort mit weiteren Informationen anreichern, sicherlich auch ein interessantes Seminarprojekt, von dem wiederum die Bürger profitieren könnten.

Über ihre Meinungen, Erfahrungen und Ideen aber auch Ergänzungen und weiteren Fragen zum Beitrag freuen wir uns sehr.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Guido Brombach für pb21.de. Der Artikel ist eine Überarbeitung der Artikel „Opendata im Seminareinsatz“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0 DE Lizenz und „Praxisbeispiel Opendata: Eine Landkarte der politischen Bildung“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0 DE Lizenz.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Guido Brombach arbeitet als Bildungsreferent für das DGB Bildungswerk. Dort ist er verantwortlich für den Bereich Digitale Kommunikation, Lernen und Medien. Er bemüht sich um die Harmonisierung zwischen der analogen und der digitalen Welt.

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