Padlet und Stormboard – Digitale Tafeldienste im Internet

Foto „Kreide vs. Bites and Bytes“ von <a title="Karsten Lucke" href="/author/klucke/">Karsten Lucke</a> unter <a title="CC BY 3.0 DE" href="/creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/" target="_blank">CC BY 3.0 DE</a>

Foto „Kreide vs. Bites and Bytes“ von Karsten Lucke unter CC BY 3.0 DE

Bits und Bites statt Kreide – mit digitalen Tafeln die Bildung bereichern

Digitale Tafeln können im Bildungsbetrieb ideal eingesetzt werden und übertreffen ihre analogen Verwandten – die Kreidetafeln – in ihrer Funktionalität um ein Vielfaches. Was die digitalen Tafeln bieten und wie sie sich in Bildungsprojekten einsetzen lassen, wird näher beleuchtet und es wird zum Einsatz in der eignen Bildungsarbeit animiert. Zwei unterschiedliche Tools werden exemplarisch vorgestellt, um auch die Unterschiedlichkeit dieser Toolvarianten hervorzuheben.

Padlet Screenshot

Padlet Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Ganz gleich ob in der Schule, an der Volkshochschule, an der Uni oder in außerschulischen Bildungsstätten, die Kreidetafel ist der Klassiker unter den Werkzeugen für den Bildungsbetrieb. Im digitalen Zeitalter würde manch einer vielleicht sagen, dass die Tafel nur sehr wenige „Funktionen“ oder „Features“ bietet. Aber vielleicht ist sie nicht dennoch, sondern deswegen so beliebt. Die Tafel ist ein einfaches und deswegen enorm vielfältig einsetzbares Medium. Vielerorts hängen inzwischen digitale Whiteboards an den Wänden – um die es im Folgenden NICHT gehen soll, zumal diese meist nicht besonders „zwei-punkt-nullig“, sondern eher für optimierten Frontalunterricht genutzt werden. Stattdessen werden digitale Tafeln vorgestellt, die gemeinsam übers  Internet beschrieben werden können. Anhand von zwei Web-Tafeln werden Funktionen und zahlreiche Beispiele die Einsatzmöglichkeiten dieser Dienste erläutert. Mit Padlet und Stormboard stehen jetzt allerdings zwei digitalen Tafeln zur Verfügung, die in der Handhabung ähnlich sind, aber in Bezug auf Sichtbarkeit und Sharing-Funktion im Netz deutliche Unterschiede aufweisen.

Überarbeiteter Beitrag
Im Artikel werden „Padlet“ und „Stormboard“ beschrieben – der ursprüngliche pb21-Artikel befasste sich mit „Wallwishr”, das jetzt „Padlet” ist, wohingegen „Stormboard” ein neues Tool ist und nicht die digitale Tafel von „Stixy” (wurde im ursprünglichen Artikel behandelt) ersetzt, die als Anwendung ganz aus dem Internet verschwunden ist.

Das Grundprinzip der digitalen Tafel

Die Funktionsweise einer digitalen Tafel ist einfach vergleichbar mitzu den analogen Vorbildern. Padlet und Stormboard stellen im Internet digitale Tafelflächen zur Verfügung. Jeder Tafel wird automatisch eine eigene Webadresse zugewiesen. Der Zugang zu Padlet ist dabei eindeutig einfacher, weil die Grundfunktionen ohne Login funktionieren – will man mehr gestalten, dann ist allerdings auch hier ein Login notwendig. Bei Stormboard hingegen ist ein Login zwingend notwendig, um überhaupt mit dem Tool arbeiten zu können. Ein entscheidender Unterschied zwischen den beiden Tools ist, dass man einen Padlet-Link weitergeben kann und andere Personen dieses Padlet dann auch nutzen können – und sei es nur das Betrachten des Inhaltes. Je nach Einstellung ist aber auch das kollaborative Arbeiten ohne Login möglich. Bei Stormboard wird hingegen die digitale Tafel nur im geschützen Raum, sprich nach Login, verfügbar. Beide Tools erlauben auch einen Social Login – Padlet mit Facebook und Google, Stormboard nur mit Google-Konto. Hinter beiden Tafeln verbirgt sich erst einmal nichts anderes als eine freie (Bild-)Fläche, die beschrieben und mit unterschiedlichen Medien (Filme, Bilder und verschiedene Dokumente, Stormboard hat die Zusatzfunktion der „Sketches“, also von Zeichnungen, inkludiert) beklebt werden kann. Padlet nennt seine Tafeln „Wand“, bei Stormboard ist es ein „Storm“. Beide Anbieter erlauben eine individuelle Gestaltung der Tafel durch Überschriften, Hintergründe und Farben. Stormboard verlässt an dieser Stelle das rudimentäre Dasein einer digitalen Tafel und bietet auch verschiedene Templates an, die für unterschiedliche Ansprüche genutzt werden können und die digitale Tafel vorformen. Padlet bietet im Layout nur drei Grundformen und bleibt damit dem Bild der „Tafel“ eindeutig näher.

Stormboard Screenshot

Stormboard Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Die digitale Tafel erlaubt Nutzern das Anbringen von Text-Notizen auf der Tafel. Auch  Fotos, Videos, Dokumente und Links können dort platziert werden. Dafür können sowohl Materialien eingebunden werden, die bereits online zu finden sind als auch oder die auf der eigenen Festplatte liegen. Letztere werden dann per Upload bereitgestellt (die Uploadfunktion von der Festplatte ist bei Stormboard nur in der Bezahlvariante möglich). Damit ist die technische Funktionalität der digitalen Tafeln im Grunde schon beschrieben. Die spannendere Frage ist, inwiefern sich diese digitale Tafeln in die Bildungsarbeit einbinden lassen. Im Folgenden werden verschiedene Beispiele gegeben, wie sich eine digitale Tafel kreativ im Bildungskontext einsetzen lassen kann.

Brainstorming / Erwartungen und Visualisierung einer Recherche

Die digitalen Tafeln können als Visualisierungstool für Brainstormingeinheiten und zur Abfrage von Erwartungshaltungen z. B. am Seminarbeginn genutzt werden. Für beide Optionen gilt gleichermaßen: Die digitalen Tafeln lassen sich als zentrale Sammelstellen von Ideen und Rückmeldungen einsetzen. Die Teilnehmenden können ihre Gedanken und Ergebnisse auf der Tafel platzieren. So kann schnell ein Gruppenergebnis kreiert und festgehalten werden. Eine plenare Zusammenkunft ist in der Erstellungsphase nicht von Nöten, kann aber zur Präsentation der Ergebnisse durchgeführt werden. Die Teilnehmenden können immer live mitverfolgen, was die anderen Beteiligten auf die Tafel schreiben bzw. kleben. Die Tafel kann je nach Bedarf im Seminarverlauf immer wieder zu Rate gezogen oder weiter bearbeitet werden.

Eine digitale Tafel kann darüberhinaus auch als Pool einer (Internet-)Recherche verwendet werden. Alle Dinge, die für die Bearbeitung eines Themas wichtig sind, können hier hinterlegt werden, so dass Gruppen Rechercheergebnisse zentral sammeln und auswerten können.

Digitale Tafeln als Präsentationsform

Wer zu Präsentationszwecken nicht Powerpoint oder Prezi nutzen möchte, kann auf die digitalen Tafeln als Präsentationstool zurückgreifen. Ein Thema kann hier über Text mit zusätzlicher Unterstützung von Bildern und Videos vorgestellt werden. Da Links eingefügt werden können, gibt es letztlich keine Grenzen für die Einbindung von Online-Inhalten. Bei den digitalen Tafeln entfallen natürlich Präsentationsmodi und die damit verbundenen Darstellungsmöglichkeiten und Effekte. Wer aber ein Thema auf  der Grundlage einer digitalen Materialsammlung  schnell und unkompliziert zeigen möchte, kann dies mit Hilfe einer digitalen Tafel tun. Das Publikum bekommt ein Gesamtbild präsentiert. Der Vortragende kann die einzelnen Notizen und digitalen Medien anklicken und so sein Thema moderieren.

Evaluieren mit digitalen Tafeln

Die digitalen Tafeln eignen sich hervorragend für Tagesevaluationen. Es ist nicht mehr notwendig nach einem anstrengenden Seminartag noch einmal zusammenzukommen, weil ein Tagesrückblick in der Großgruppe organisiert und umgesetzt werden muss. Die Weitergabe des entsprechenden Links zur „Auswertungstafel“ reicht und jeder Teilnehmende kann individuell und zeitlich unabhängig die Tagesauswertung durchführen. Auf der Tafel können vorab auch Leitfragen hinterlegt werden, so dass eine zielgerichtete und angemessene Auswertung durchgeführt werden kann.

Partizipation über digitale Tafeln erreichen

In verschiedenen pb21-Artikeln ist bereits über die Einsatzmöglichkeiten von Twitterwalls in Diskussionen berichtet worden. Auch die digitalen Tafeln können zu diesem Zweck genutzt werden. Der Vorteil: Teilnehmende brauchen – im Gegensatz zur Twitternutzung – keinen Account zu eröffnen, um an einer Diskussion teilnehmen zu können (hier nur bei Padlet möglich). Damit eröffnen digitale Tafeln einen leichten Einstieg in digitale und anonyme Diskussionen. Für Teilnehmende, die Schwierigkeiten haben vor Gruppen zu sprechen, aber ihre Gedanken trotzdem einbringen möchten, sind digitale Tafeln eine Möglichkeit zur Beteiligung. Die Ergebnisse der Tafel können in den Diskussions- oder Vortragsverlauf eingebunden werden. In der Praxis hat sich zu diesem Zweck ein Moderator als sinnvoll erwiesen.

Öffnung des Seminarraums – externe Teilhabe ermöglichen und einfordern

Digitale Tafeln können in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Über das „Teilen“ des Links können die spezifischen Ergebnisse der Welt außerhalb des Seminarraumes zugänglich gemacht werden. So kann es dazu kommen, dass Stimmen und Meinungen von Personen außerhalb des Seminars gehört werden. Die Diskussion wird bereichert und aus dem digitalen Feedback – der digitalen Kritik – können neue Ideen entwickelt werden. Auch die Interaktion mit Politiker/innen, Experten/innen und Journalisten/innen ist möglich. So kann eine Auseinandersetzung auch mit politischen Akteuren und Entscheidungsträgern relativ unkompliziert und ohne großen Planungsaufwand erreicht werden. Dies ist bei Stormboard zu vernachlässigen, weil der Login immer vor die Teilnahme an den inhaltlichen Prozess geschaltet ist. Ein Padlet kann viel einfacher zur Verfügung gestellt werden und erlaubt auch ohne Login Kommentare und das Lesen und Betrachten der gesammelten Inhalte.

Der digitale Seminarreader

Oft stellt sich in einem Bildungsprojekt auch die Frage der Ergebnissicherung. Die eigene Aufzeichnungen sind dabei ebenso einder Klassiker wie der Seminarreader, gleich ob in analoger oder erweiterter digitaler Variante. Eine digitale Tafel kann die Funktion des Semianrreaders sehr einfach und praktisch übernehmen. Schließlich lassen sich alle relevanten Inhalte hier an einem zentralen Ort sammeln. Sei es, dass es Material der Seminarleitung ist (Filme, Bilder, Grafiken, PDFs, Notizen, Präsentationen, weiterfürhende Links etc.) oder die erstellten Materialien der Teilnehmenden aus dem Projekt heraus (offene Fragen als Notiz, Präsentationen, Evaluationen, Seminarimpressionen etc.). Alles kann auf einer digitalen Tafel gebündelt werden. Die Teilnehmenden nehmen lediglich den Link mit nach Hause und haben so dauerhaft Zugang zu den komprimierten Ressourcen des Bildungsprojektes.

Kollaboration & Sharing

Abschließend sei noch einmal unterstrichen, dass sich die digitalen Tafeln hervorragend zum kollaborativen Arbeiten eigenen. Die Tafel können unabhängig von Zeit und Ort, sofern ein Internetzugang vorhanden ist, bespielt werden, sofern ein Internetzugang vorhanden ist. Die umfangreiche Einbettung von Medien macht die Tafel multidimensionaler als z. B. ein GoogleDoc, ist dafür aber für größere Textmengen eher ungeeignet. Die digitalen Tafeln können auch über mobile Endgeräte benutzt werden.

Und wenn’s fertig ist … geschlossener Tafelraumraum vs. öffentlicher Wand

Hier geht die Schere deutlich auseinander. Während Stormboard im Grunde einen geschützen Raum zur Verfügung stellt auf dem mehrere Personen an einer digitalen Tafel arbeiten können, eröffnet Padlet eine ganz andere Dimension des „sharens“. Eine Wand von Padlet kann in den verschiedensten sozialen Netzwerken geteilt werden, es gibt mehrere Exportversionen (z.B. Image, PDF, Excel), Embed-Codes werden angeboten ebenso wie ein fertiger QR-Code – ein Padelt lässt sich aus dem Tool heraus so auf die vielfältigste Art und Weise multiplizieren und lädt zur weiteren Bearbeitung ein (so denn vom Padletinitiator gewünscht – auch hier ist eine geheime Variante über die Einstellungen möglich). Ein Storm bleibt hingegen ein geschlossener „Tafelraum“, mit dem Ziel, mit einer klar definierten Gruppen von Personen kollaborativ an einer Wand zu arbeiten, ohne weitere Zuschauer.

Weitere Ideen, Erfahrungen oder Fragen?

Haben Sie selber schon mit digitalen Tafeldiensten gearbeitet? Wir freuen uns über Ihre Meinungen, Erfahrungen oder Fragen über die Kommentare unten.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Karsten Lucke und Anselm Sellen für pb21.de. Der Artikel ist eine Überarbeitung des Artikels „Wallwisher und Stixy – Digitale Tafeldienste im Internet“ von Karsten Lucke und Anselm Sellen unter der CC BY 3.0 DE Lizenz.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

Studienleiter und Mitglied des Leitungsteams der Europäischen Bildungsstätte Europa-Haus Marienberg – Bildungsschwerpunkte: Europäische Jugendbildung thinkeurope, politische Bildung und digitales Lernen / Implementierung von Social Media in die politische Bildung.

Kategorien: Dienste & Werkzeuge, Kollaboratives Schreiben & Wikis, Sonstiges Schlagworte: , , , , , , Keine Kommentare ↓

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