PB055: Schule im Zeichen des digitalen Klimawandels

Karl-Otto Kirst, Martin Lindner und Nadine Anskeit im #pb21-Podcast - Foto von Jöran Muuß-Merholz für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

Karl-Otto Kirst, Martin Lindner und Nadine Anskeit im #pb21-Podcast – Foto von Jöran Muuß-Merholz für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

#pb21-Podcast mit Nadine Anskeit, Karl-Otto Kirst und Martin Lindner zu Fragen des Digitalen im Unterricht.

Welchen Nutzen haben Wikis, Smartphones, Whiteboards etc. für die Schule? Wie weit ist der Digitale Wandel im Unterricht fortgeschritten? Darüber spricht Jöran Muuß-Merholz mit Nadine Anskeit, Karl-Otto Kirst und Martin Lindner im #pb21-Podcast.

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Der Digitale Klimawandel

Den Begriff „Digitaler Klimawandel“ setzt Martin Lindner der auch pb21-Autor ist in seinen Thesen über „die Bildung und das Netz – Lernen im digitalen Klimawandel“ dem der „Digitalen Revolution“ entgegen. Anders als bei einer Revolution vollziehe sich der Klimawandel schleichend, langsam, im Einzelnen kaum spürbar. Erst durch den Vergleich größerer Zeitabstände merke man, dass es Veränderungen gegeben hat. Nadine Anskeit ist Wikispezialistin, Doktorandin und Sprachdidaktikerin an der Universität Siegen. Und Karl-Otto Kirst arbeitet als Lehrer und ehrenamtlich bei der ZUM. Im Gespräch tragen sie eine Vielzahl von Erfahrungen zusammen, die für einen spürbaren Wandel sprechen, aber auch jene, die den gebremsten Wandel dokumentieren.

Das modernisierte Medienangebot der Schulen

Das digitale Whiteboard steht in immer mehr Klassenräumen. Was Lehrer/innen aber damit anfangen können, ist noch nicht jedem klar. Manche Lehrer/innen nutzen das Whiteboard als Beamer oder um sich selbst bei Präsentationen zu orientieren, wenn es nicht einfach funktionsuntüchtig im Raum steht.

Wo ist der Mehrwert von digitalen Medien im Unterricht? Sind digitale Kreuzworträtsel besser als jene auf Papier? Ist die Tafel unwichtig geworden? Nadine Anskeit, Karl-Otto Kirst und Martin Lindner sind sich einig, dass es keinen Mehrwert für digitale Unterrichtsmedien gibt, wenn man sie nur zum Selbstzweck verwendet. „Das Gerät als solches ist weder gut noch schlecht, sondern man kann es sinnvoll einsetzen oder nicht“, sagt Karl-Otto Kirst. Jedoch seien es gerade die neuen Möglichkeiten des interaktiven und kooperativen Arbeitens, der Schnelligkeit und der bequemen Nutzung, die im Unterricht gute Ergebnisse erzielen. Dies betrifft sowohl die Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit der Lehre, als auch die Motivation der Schüler.

Die modernisierte Pädagogik

Spannend werden digitale Medien, wenn Schüler und Lehrer sie gemeinsam nutzen, so dass interaktives und kooperatives Arbeiten in den Schulen Einzug hält. In den Wiki-Workshops von Nadine Anskeit sitzen Lehrer und Schüler gemeinsam vor Problemen, um sie zusammen zu lösen. Im Umfeld des Internets verschiebt sich das Wissensgefälle zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen. Dadurch verändern sich auch die Rollen von Lehrenden und Lernenden.

Wikis hätten viel Potenzial für die Lehre. Sie ermöglichten kooperatives Schreiben, Historien liessen sich gut auswerten und Referenzen sowie Vernetzungen gut einfügen. Es bestehe die Möglichkeit, interaktive Programme und Funktionen einzubinden und Aufgaben und Informationen schnell zu bearbeiten, zu verändern und zu vervielfältigen. In den von Nadine Anskeit hervorgehobenen Beispielen sind es die Schüler, die aktiv an der Gestaltung ihres Unterrichts und dessen Dokumentation teilhaben. Je mehr sie sich selbst einbringen können, desto bemerkenswerter seien oft die Ergebnisse.

Nutzungsräume

Empfehlungen für einen Einstieg:

Bring-Your-Own-Device“ (BYOD) nennt man die Methode, bei der Schüler ihre eigenen digitalen Medien für den Unterricht mitbringen. Gerade wenn keine kostspielige Schulausrüstung zur Verfügung steht, wird vermehrt auf die Ausrüstung der Schüler zurückgegriffen. So können Schüler/innen schnell Fakten im Internet nachschlagen, Aufnahmen anfertigen oder Mitschriften verteilen. Früher brauchten Klassen für solche Arbeiten ein Rechnerkabinett, das für eine Klasse exklusiv reserviert werden musste. Hier wurde dann häufig ausschließlich an den Rechner gearbeitet. Durch die stärkere Präsenz digitaler Geräte im normalen Klassenumfeld, können diese spontan, zusätzlich und beiläufig genutzt werden. So verschwimmen die digitalen mit den analogen Arbeitsräumen.

Das hat natürlich auch Nachteile: Die private Nutzung und die Nutzung für Lehr- und Lerninhalte werden von denselben Geräten ermöglicht. Jugendlichen wie Erwachsenen fällt es schwer, den vielen möglichen Ablenkungen ihrer Rechner und Smartphones zu wiederstehen. Nadine Anskeit lässt Rechner viel und oft in ihren Kursen einsetzen. Doch auch sie muss die Nutzung neben dem Unterricht untersagen, um die Aufmerksamkeit ihrer Studenten nicht zu verlieren. Auch Erwachsene benötigen Hilfsmittel, um sich bei der Trennung von privater und beruflicher Nutzung zu disziplinieren. Dies erklärt vielleicht die Beliebtheit der Pomodoro-Technik und ähnlicher Hilfsmittel.


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Jöran ist Diplom-Pädagoge und freiberuflich in verschiedenen Bildungsbereichen aktiv. Am liebsten mag er Schnittmengen aus 1. Bildung / Lernen, 2. Medien / Kommunikation und 3. Management / Organisation.

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