Storytelling in der politischen Bildung – Teil I

Foto „Storytelling“ von Local Studies NSW unter CC BY NC 2.0.

Foto „Storytelling“ von Local Studies NSW unter CC BY NC 2.0.

Animoto für Einsteiger

Geschichten erzählen, die das Leben schrieb, ermöglicht die konkrete Auseinandersetzung mit historischen und politischen Ereignissen im Kleinen. Diese zweiteilige Beitragsreihe (Teil 2) möchte mehrere Werkzeuge präsentieren, die im Seminar helfen können, Geschichten zu erzählen. Sowohl die der Teilnehmenden als auch die des Seminars oder eines politischen Ereignisses. Die Werkzeuge helfen allerdings nur, die Geschichten zu erzählen, ihre anschließende Bewertung und Diskussion ist nach wie vor unverzichtbar.

Was ist Storytelling?

In der Wikipedia ist dazu zu lesen „Storytelling (deutsch: „Geschichten erzählen“) ist eine Erzählmethode, mit der explizites, aber vor allem implizites Wissen in Form einer Metapher weitergegeben und durch Zuhören aufgenommen wird.“ (Quelle) Die Geschichte muss dabei nicht fiktional sein, sie kann durchaus auch ein reales Ereignis wiedergeben. Dennoch hat die Geschichte auch metaphorische Bedeutung und ist Teil einer gesellschaftlichen Bestandsaufnahme. Storytelling kann genutzt werden, um chronologisch einen Sachverhalt zu schildern, bei Bedarf aus mehreren Perspektiven und mit mehreren parallelen Handlungen, die im Verlauf der Geschichte wieder zusammengefügt werden. Geschichten zu erzählen hilft sich mit den historischen und gesellschaftlichen Umständen auseinander zu setzen, die sich im Detail zeigen und konkretisieren. Die Methode ist dabei auch ein erprobtes Mittel, um die Fakten von der Analyse zu trennen, ein nicht unwichtiger Grundsatz der politischen Bildung.

Screenshot von Animoto (fällt nicht unter eine freie Lizenz)

Screenshot von Animoto (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Wie funktioniert Storytelling mit Animoto

Zu Beginn muss ein Thema bzw. eine Fragestellung formuliert werden. Anschließend können in der Gruppe von den Teilnehmenden dazu ihre eigenen Erlebnisse erzählt werden. Dann sollten sich alle auf eine Geschichte einigen, die dann dramaturgisch ausgearbeitet werden muss. Der Spannungsbogen muss gestaltet werden. Dazu hilft es ein Storyboard anzufertigen. Dabei handelt es sich um ein Raster, mit dem die einzelnen Szenen der Geschichte aufgemalt werden. Es geht weniger darum besonders schöne Kunstwerke zu zeichnen, sondern vielmehr darum, sich die konkrete Darstellung der Szene klar zu machen, um ein ausdrucksstarkes Bild für das Animoto-Video zu fotografieren. Alternativ kann man auch versuchen, entsprechendes Bildmaterial zu rechercherieren. Die Bilder werden dann in der Umsetzungsphase in das „Storyboard“ von Animoto hochgeladen. Anschließend muss Musik ausgewählt werden. Dazu kann zum einen ein auf der eigenen Festplatte vorhandenes Lied hochgladen werden, zum anderen kann auf das Repertoire von Animoto zurückgreifen, dort ist eigentlich Musik für jede Gelegenheit zu finden.

Folgender Screencast erklärt schrittweise wie Animoto-Videos erstellt werden können.

Video „Animoto Screencast“ von Guido gibro unter CC BY 3.0 DE.

Einsatzvarianten des Tools Animoto

Ein erstes Beispiel stammt aus dem Geschichtsunterricht und ist ein stummer Impuls zur Kinderarbeit während der Industrialisierung:


Video „Kinderarbeit in der Industrialisierung“ von Scheppler, nicht unter freier Lizenz.

Wie in diesem Beispiel zu sehen, lassen sich mit Animoto erstellte Videos mit dem eigenen Youtube-Kanal verbinden, die Videos lassen sich in beliebige Kontexte, wie z.B. auch in diesen Blogtext einbinden. Das erstellte Video läßt sich aber auch in den Formaten MP4 und ISO (Format, das ein CD/DVD Brennprogramm erkennt um daraus direkt einen Datenträger zu erstellen) herunterladen und den Teilnehmenden auf einer CD/DVD zur Verfügung stellen. Da man die Überblendungen und Effekte nur begrenzt selbst auswählen kann, kann man das erstellte Video jederzeit neu remixen und dadurch eine neue Variante per Knopfdruck entstehen lassen.

Animoto ermöglicht dem Nutzer mit einigen Klicks die Teilnehmenden selbst eine Geschichte erzählen zu lassen. Für ein Projekt zum Thema Sicherheit im Internet haben Schüler/innen der 5. und 6. Klasse bspw. Videos über ihre Perspektive zu den Gefahren im Internet erzählt:

Die bei Animoto erstellten Videos sind öffentlich, es ist jedoch recht schwer, ohne Kenntnis des direkten Links die Videos auch tatsächlich zu finden. Es gibt kein Archiv, dass durchsucht wird oder auf das von außen zugegriffen werden kann. Wer seine Videos veröffentlichen will, kann dies per Youtube oder Vimeo realisieren. Alternativ kann das Video heruntergeladen und an eine Videoplattform ihrer Wahl übergeben werden.

Was beim Storytelling mit Animoto beachtet werden sollte

Die Erfahrung hat gezeigt, dass schon nach drei Stunden Gruppenarbeit im Seminar vorzeigbare Ergebnisse präsentiert werden können. Viel Zeit kann bei der Recherche der Bilder vertan werden, deshalb ist das Selbstfotografieren der gewünschten Szenen eine gute Möglichkeit die Kreativität der Gruppe herauszufordern. Darüber hinaus stellt sich dann auch die Frage des Urheberrechts nicht. Der Umgang mit dem Urheberrecht wird immer dann besonders problematisch, wenn das Animoto-Video im Seminarblog oder bei Youtube veröffentlicht werden soll, damit die Seminarteilnehmenden auch von zu Hause auf ihre Produktion zugreifen können. Bei der Bildersuche kann auf Flickr, eine sehr große Bilderdatenbank zurückgegriffen werden, dort sind auch Bilder zu finden, die mit Nennung des Urhebers veröffentlicht werden dürfen. Bei der Auswahl der passenden Musik hilft ihnen Animoto selbst, denn hier werden nur Songs angeboten, die veröffentlicht werden dürfen. Sie sollten sich auch darüber im Klaren sein, dass die Einbettung von Abschlussimpressionen im Seminarblog einer Veröffentlichung gleichkommt und deshalb im Vorfeld die Teilnehmenden um ihre Erlaubnis fragen.

Im zweiten Teil wollen wir zwei weitere Werkzeuge vorstellen, mit denen Geschichten erzählt oder für ein Seminar zur Rezeption aufbereitet werden können.


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Guido Brombach für pb21.de. Der Artikel ist eine Überarbeitung des Artikels „Storytelling in der politischen Bildung – Teil I“ von Guido Brombach unter CC BY 3.0 DE Lizenz.
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Guido Brombach arbeitet als Bildungsreferent für das DGB Bildungswerk. Dort ist er verantwortlich für den Bereich Digitale Kommunikation, Lernen und Medien. Er bemüht sich um die Harmonisierung zwischen der analogen und der digitalen Welt.

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