Educaching – Lernen wie im echten Leben II

Foto „GeoCaching - MacchiaCache /2“ von Gianluca Neri unter CC BY NC ND 2.0.

Foto „GeoCaching – MacchiaCache /2“ von Gianluca Neri unter CC BY NC ND 2.0.

Anhand einiger konkreter Beispiele soll gezeigt werden, wie man ganz praktisch den Bildungsprozess mit GPS-Geräten organisieren kann. Es wird immer wieder Exkurse geben, die erklären, wie bestimmte Ansätze umgesetzt wurden. Doch zu Beginn soll versucht werden, die einzelnen Schritt zur Erstellung eines Educaches in eine Reihenfolge zu bringen. Wer die Printversion zu diesem Artikel bevorzugt, kann diesen nach herunterladen.

Wie erstellt man einen Educache?

  1. Geschichte schreiben oder eine schon geschriebene Gschichte finden
  2. Material (Bilder, Videos, historische Quellen) recherchieren
  3. Ortsbegehung und Sichtung von Stationen, an denen Rätsel gelöst oder Aktionen gemacht werden sollen, dabei notieren Sie die genauen GPS Koordinaten und machen von jedem Ort viele Bilder, um auch vom Schreibtisch aus den Ort weiter bearbeiten zu können
  4. Tabelle mit allen Stationen anlegen, und die Geschichte entsprechend der Stationen aufteilen
  5. Anweisungen, Hinweise oder Fragen auf die Stationen verteilen
  6. Cachetypen, also die Größe der Behälter auswählen
  7. Texte für das entsprechende Medium optimieren (wird es einen Reader geben, werden die Hinweise in einem Cachebehälter integriert oder verweisen QR-Codes auf Webseiten, diese sollten für mobile Endgeräte optimiert sein)
  8. Mehrere Testläufer_innen finden, die den Cache prüfen um sicherzustellen, dass die Koordinaten stimmen, die Hinweise zu den Verstecken führen und die Rätsel sinnvoll formuliert sind.
  9. (Ab hier nur weiterlesen, wenn eine Veröffentlichung bei einer der großen Datenbanken für Geocaches geplant ist)
  10. Bei einem der Dienste für geocaching anmelden: http://geocaching.com, http://www.opencaching.de, http://navicache.com, http://terracaching.com)
  11. Die entsprechenden Formulare ausfüllen
  12. Auf die Freigabe warten

Bedingungen für die Veröffentlichung eines Geocaches bei Geocaching.com

  • Es wurde Behälter mit Logbuch versteckt.
  • Der Cache wurde nicht vergraben.
  • Meine Homekoordinaten (die Koordinaten, des Owners) sind eingetragen und richtig. Am besten anhand der Karte prüfen. Diese werden wichtig, damit der Reviewer entscheiden kann, ob der Owner die Pflege des Caches übernehmen kann.
  • Ich hab den passenden Cachetyp gewählt.
  • Die Behältergröße ist angegeben.
  • Mein Cache ist so versteckt, dass er mindestens 3 Monate lang findbar ist.
  • Der Cache soll da bleiben, wo er ist und nicht wandern.
  • Der Sucher muss nichts Illegales tun und wird auch nicht dazu angestiftet, um den Cache zu finden (z. B. mit einer Abkürzung).
  • Man muss keinen Eintritt oder ähnliches zahlen, um an den Cache zu gelangen.
  • Der Cache ist nicht 20.000 Kilometer von meinem Zuhause entfernt und wenn doch, dann hab‘ ich im Listing jemanden genannt, der sich vor Ort darum kümmert.
  • Der Cache ist nicht zu nah (161 m) an anderen Caches oder deren Stages (Zwischenstationen).
  • Der Cache ist nicht zu nah (46 m) an einer aktiven Bahnlinie versteckt.
  • Der Cache ist nicht in Sichtweite einer Schule versteckt (wird dort zu schnell gefunden und entfernt).
  • Ich habe den Cache nicht in einem Geschäft, einer Kneipe oder einem Restaurant versteckt. Ausnahme: Eventcaches.
  • Mit dem Cache will ich niemandem eine politische, religiöse oder karitative Agenda aufs Auge drücken.
  • Mit dem Cache will ich keine Werbung für das nächstgelegene Restaurant oder sonst irgendwas machen.

Warum und wo macht es Sinn, den konzipierten Cache auch zu veröffentlichen?

Die Arbeit, die man sich als Bildungsreferent_in mit der Erstellung eines solchen Caches macht, rechtfertig den Einsatz in nur einem Seminar nicht. Der Cache muss auch in anderen Zusammenhängen zum Einsatz kommen können. Ein Großteil der politischen Bildungsarbeit wird in Bildungszentren durchgeführt. Ein dort angesiedelter Cache wird auch Mehrwert sein, für die vielen anderen Gäste, die im Laufe des Jahres eine Veranstaltung besuchen. Für sie ist es unter Umständen eine willkommene Abwechslung.

Aber auch Menschen, die nicht mit der Einrichtung oder ihrem Angebot in der politischen Bildung zu tun haben, können durch die Veröffentlichung an ihren Inhalten teilhaben. Politische Bildung ist schließlich für jeden da.

Die Auswahl der richtigen Plattform ist da schon die deutlich schwierigere Frage. Wo erreicht der Cache die meisten Bürger, wo ist die Einreichung niederschwellig? Wer möglichst viele Menschen ansprechen will, sollte seinen Cache bei geocaching.com einreichen, wer ohne weitere Prüfung seinen Cache in eine Datenbank eintragen lassen will, sollte ihn bei opencaching.de listen lassen. Es spricht auch nicht dagegen, ihn in mehreren Plattformen zu veröffentlichen. Während der letzten Monate konnte man jedoch wiederholt feststellen, dass eine Veröffentlichung bei geocaching.com sehr genauen Kontrollen unterlegen ist. Vor allem die sog. Abstandsregel ist für einen Cache in der Großstadt schnell ein Ausschlusskriterium. Die Abstandsregel besagt, dass benachbarte Caches und deren Stationen (Stages) immer einen Radius von 161 m um sich schlagen, bis der nächste Geocache versteckt werden darf. Hier sind das Ziel und Zwischenverstecke gemeint, also Orte, an denen etwas versteckt ist. In der Regel sind diese Eckpunkte aber nur dem Reviewer bekannt (solange man nicht alle Caches der Umgebung selber gelöst hast). Und so beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel um den Ort, an dem der eigene Cache versteckt werden darf.

Beispiele für Caches

Die hier vorgestellten Educaches sind alle für den Einsatz in der politischen Bildung entwickelt worden. Von der Vorbereitung bis zum 1. Einsatz haben zwischen 2 und 4 Wochen gedauert. Dabei wurde nicht durchgehend am Cache gearbeitet.

Die Homberg Story

Dieser Cache erzählt die Geschichte des Orts, an dem heute das DGB Tagungszentrum Hattingen zu finden ist. Der Cache ist bei Geocaching gelistet. Der Cache besteht aus 7 Stationen und dem Final. An jeder Station ist eine Dose zu finden. Jede der Stationen ist auf dem Gelände so positioniert, dass sie sich chronologisch an der Historie der Tagungsstätte orientiert. Zu dem Cache habe ich alle Dateien zum Download zusammengestellt. In der zip Datei sind zum einen die Beschreibungen aller Stationen, das Rätsel und eine tabellarische Aufstellung aller Stationen mit ihren Koordinaten. Es handelt sich hierbei um die Auflösung des Caches die Homberg Story. Passend zur Homberg Story wurde für die Gäste des Tagungszentrums ein Reader (pdf, 3MB) erstellt, der den Cache auch ohne ein GPS Gerät zugänglich macht.

Landtagsgeschichte(n)

Diesen Cache hat Jöran Muuß-Merholz für die Landeszentrale für politische Bildung NRW konzipiert. Er hatte damals genau die oben schon angesprochenen Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung: Dadurch, dass sich beide Caches relativ nah zum Stadtzentrum von Düsseldorf befinden, ist die Cachedichte dort besonders hoch und es ist durch die Abstandsregel recht schwer noch ein freies Plätzchen zu ergattern.

Große Politik am Rheinufer

Auch ein Cache aus der Serie der von der Landeszentrale für politische Bildung NRW beauftragten Caches, die Jöran Muuß-Merholz konzipiert hat. Beide Caches sind auch auf der Webseite der Landeszentrale einzusehen. Dort finden sich auch die Flyer, die für Schulklassen produziert worden sind.

Martin Luther King

Im Rahmen der re:publica 2010 ist dieser Cache entstanden. Er wurde von Henrike Boy und Guido Brombach konzipiert. Und geht zurück auf einen Artikel auf einestages zurück. Die Geschichte brachte alles mit, was ein guter Cache benötigt:

  1. eine gut geschriebene Geschichte
  2. historisches Material
  3. Orte, sich sich noch heute referenzieren lassen
  4. ein eng umschriebener Radius

Die re:publica ist eine Konferenz für Blogger und andere Netzbewohner. In diesem Zusammenhang machte ein Cache zu einem Freiheitskämpfer in der prädigitalen Zeit viel Sinn. Dieser Cache wurde in 3 Versionen zur Verfügung gestellt (vgl. dazu auch Educaching – Lernen wie im echten Leben I):

  1. Smartphone-kompatible Version (erforderlich ist ein GPS Modul, eine QR-Code lesende App und ein Internetzugang)
  2. GPS-kompatible Version (erforderlich ist ein GPS-Gerät)
  3. Drucker-kompatible Version (erforderlich ist ein Drucker)

Auch das Fernsehen hatte über diesen Cache berichtet und erklärt bei dieser Gelegenheit auch noch einmal, was genau Educaching eigentlich ist.

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Screenshot (fällt nicht unter eine freie Lizenz).

Die Gruppe 47

Die Gruppe 47 war ein Debattierclub bestehend aus einer Reihe von Nachkriegsschriftstellern, darunter auch Günther Grass. Neben den Lesungen wurden die Werke der Anderen teilweise aufs übelste zerrissen. In Anlehnung an mehrere Treffen, die im DGB Tagungszentrum Starnberg stattgefunden haben wurde für Rhetorikseminare dort ein Cache konzipiert. Neben einer Begehung wurde eine Google Map genutzt, um den Cache aus der Ferne zu konzipieren. Google Maps ist ein Dienst, den der ein oder andere von der Planung von Autorouten kennt. Nach der Anmeldung bietet der Dienst aber auch die Möglichkeit eigene Karten zu editieren. So wurden hier die Koordinaten, die an den einzelnen Stationen während der ersten Begehung aufgenommen wurden, auf die Karte übertragen. Dieser Cache hat auch noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, nicht nur die Stationen zu markieren, sondern auch markante Kreuzungen mit Wegmarken zu belegen, um den Teilnehmer_innen das Finden des richtigen Weges zu erleichtern. Die blauen Punkte stehen für Wegpunkte, die den Weg weisen, oder den Teilnehmer_innen des sichere Gefühl geben auf dem richtigen Weg zu sein. Die violetten Markierungen zeigen an, dass hier auch ein Cache versteckt ist. So bekommt man einen recht guten Eindruck von der Strecke, die die Teilnehmenden zu gehen haben und kann auch auf die Zeit schließen, die der Educache im Seminar einnehmen wird. In diesem Fall endet der Cache nach einem Rundgang wieder im Tagungszentrum dort ist in einem Raum der finale Cache zu finden, der noch ein akustischen O-Ton enthält. Auf ihrem Weg können die Teilnehmenden unterschiedliche Formen des Diskurses erleben und selbst ausprobieren. In diesem Fall wurde der Multicache für normale GPS Geräte konzipiert, in den schon alle Wegpunkte der Reihe nach eingespeichert wurden. So mußten die Teilnehmer_innen einfach nur von Wegpunkt zu Wegpunkt laufen. Begleitend bekam jede Gruppe einen Reader, der die Strecke zwischen den Wegpunkten mit Aufgaben oder weitergehenden Informationen zum Cache bereicherte.

Kennen Sie weitere Beispiele, bei denen Geocaching in der (politischen) Bildung zum Einsatz kommt? Ergänzen sind uns als Kommentar sehr willkommen!


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Der Artikel (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 3.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Guido Brombach für pb21.de.
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Guido Brombach arbeitet als Bildungsreferent für das DGB Bildungswerk. Dort ist er verantwortlich für den Bereich Digitale Kommunikation, Lernen und Medien. Er bemüht sich um die Harmonisierung zwischen der analogen und der digitalen Welt.

Kategorien: Artikel, Dienste & Werkzeuge, Geocaching & mobiles Lernen Schlagworte: , , , , , ,