Webschau März 2011

Grafik von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE

Grafik „Webschau“ von Ralf Appelt für pb21.de unter CC BY 3.0 DE.

In der jetzt monatlich erscheinenden Webschau haben wir diesmal folgende Themen für Sie aus dem Netz gefischt: Protest in Nordafrika, Bürgerbeteiligung in Deutschland, die Wechselwirkung zwischen Internet und Politik und schließlich: Wie Algorithmen das Baden im eigenen Meinungssaft fördern.

Lesetipp

Vorgefiltertes Web: Die ganze Welt ist meiner Meinung

Bei Facebook, Google oder Amazon entscheidet Software, was der Nutzer zu sehen bekommt und was nicht. Nur wenigen ist bewusst, wie stark Algorithmen inzwischen unser Bild von der Wirklichkeit bestimmen – was nicht passt, schluckt der Filter. (Artikel auf spiegel.de)
#meinungsbildung #filter


Kurzmeldungen

Das Internet und die Proteste in Ägypten

Protestierende in Ägypten sprayen „twitter“ und „facebook“ an Hausmauern: Wie bedeutend war das Internet beim Volksaufstand in Ägypten? Das Ergebnis: Gerade vor den Protesten entfaltete das Netz eine Wirkung, die viele Menschen zum Handeln ermutigte. (Eine Zusammenstellung von politik-digital.de)
#aegypten #proteste #internet

Internet-Abschaltung: Libyen hat von Ägypten gelernt

Libyen ist, wie vor einigen Wochen Ägypten, seit Tagen vom Internet abgeschottet. Doch hat dies während der laufenden Aufstände in dem arabischen Land international viel weniger Aufsehen erregt. (Meldung auf heise.de)
#aegypten #libyen #internetabschaltung

Datenschutz: Facebook spricht Klartext

„Wir erhalten Daten immer dann, wenn du ein Spiel, eine Anwendung oder Webseite nutzt, welche/s die Facebook-Plattform verwendet, oder wenn du eine Webseite besuchst, auf der eine Facebook-Funktion vorhanden ist.“ (Meldung auf heise.de)
#facebook #datenschutz

Aufbruch in die Diaspora

Das quelloffene und datenschutzfreundliche Facebook-Alternativprojekt Diaspora im Praxistest: „Anders als bei Facebook und der Konkurrenz kann man verschiedene soziale Kreise leicht voneinander trennen.“ (Meldung auf heise.de)
#diaspora #datenschutz

Hier tagt der 18. Sachverständige der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“!

Neue Formen der Beteiligung: Alle Bürger/innen sind eingeladen als „18. Sachverständiger“ ihr Wissen und ihre Vorstellungen über gute Internetnutzung einzubringen. (enquetebeteiligung.de)
#eidg #bürgerbeteiligung

Vorratsdatenspeicherung: Selbstversuch eines Politikers

Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen, hat die ihm vom Mobilfunkbetreiber T-Mobile ausgehändigten Vorratsdaten in einer interaktiven Karte visualisieren und auf Zeit online veröffentlichen lassen. (Artikel auf zeit.de)
#vorratsdatenspeicherung #visualisierung

Der Studien-Rückblick 2010

Überblick über die wichtigsten Social Media Studien des Jahres 2010 u.a. zu den Themen: Jugend, Senioren, Politik/Governance und Nutzungsverhalten. (Artikel beim ikosom-Institut für Kommunikation in sozialen Medien)
#studien #sozialemedien


Welchen Einfluss hat das Netz auf die Politik?

Karl-Theodor zu Guttenbergs Rücktritt wird auch intensiv unter dem Aspekt der Macht des Internet diskutiert: In einem Wiki hatten Netznutzer/innen in gemeinsamer Arbeit die Dissertation des Ex-Ministers untersucht. Er ist der erste Minister, den das Internet gestürzt hat, sagt Robin Meyer-Lucht auf carta.de. Markus Beckedahl setzt ein Fragezeichen hinter die These: Das Netz hat nur das fortgeführt, was die traditionellen Medien ans Licht gebracht haben und viel spannender ist es, das Wechselspiel zwischen vierter und fünfter Gewalt anzuschauen: „Denn wir sehen eine gewachsene vernetzte neue Öffentlichkeit, wo das Internet nicht mehr wegzudenken ist. Und wir sehen hier auch das große Ende einer unsäglichen Debatte ‘Blogs vs. Journalisten’, wo selbst den letzten Journalisten aufgefallen sein sollte, dass sich beide Gruppen sehr gut ergänzen.“

Welchen Einfluss hat die Politik auf das Netz?

Das wird in in deutschen Medien regelmäßig in Zusammenhang mit neuen Gesetzesvorhaben (z.B. der Vorratsdatenspeicherung) oder auch immer wieder im Rahmen der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ (s.o.) diskutiert, ohne auch nur annähernd ein so großes Medienecho hervorzurufen wie die umgekehrte Frage.

Der „Welttag gegen Internetzensur“ soll Anlass sein, über die Grenzen zu schauen. Die Ereignisse in Nordafrika zeigen, wie sich der Umgang mit dem Netz wandelt: Evgeny Morozov stellt in der Süddeutschen Zeitung (12./13.03.11, Seite 13) die These auf, dass nicht Zensur oder das Abschalten des Internet (wie in Ägypten und Libyen geschehen) die wahre Gefahr für die Demokratie sei, sondern seine Beherrschung durch repressive Regime. Kritiker/innen werden nicht abgewürgt, sondern vorgeblich eingebunden, soziale Netzwerke werden intensiv beobachtet, nicht abgeschaltet. Soziale Medien sind trotzdem „das größte Online-Problem“. In Vietnam hat die Regierung nach dem Facebook-Verbot ein eigenes soziales Netzwerk aufgesetzt, das inzwischen das populärste im Land ist. Abschließend appelliert Morozov an die Verantwortung der westlichen Demokratien. Unterdrückungsmechanismen würden von westlichen Firmen und Beratern auf den neuesten Stand gebracht: „Ob diese neue Ära der internetgetriebenen Demokratisierung wirklich andauert, hängt deswegen nicht zuletzt davon ab, ob wir lernen, die raffinierten Methoden auszuhebeln, mit denen diese Bewegungen erstickt werden.“
#guttenberg #beckedahl #meyer-lucht #internetundpolitik #internetzensur #evgenymorozov


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... interessiert sich dafür, wie sich die wandelnde Mediennutzung und Kultur, Gesellschaft und Politik gegenseitig beeinflussen. Seit Ende der 90er ist sie als Freiberuflerin in der politischen Erwachsenenbildung unterwegs und arbeitet zum Beispiel für das Forum Politische Bildung des DGB Bildungswerks. Außerdem schult und berät sie Betriebs- und Personalräte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und zum Einsatz elektronischer Medien. Sie veröffentlicht regelmäßig zu ihren Themen.

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2 Kommentare zu “Webschau März 2011
  1. Marina sagt:

    “In Vietnam hat die Regierung nach dem Facebook-Verbot ein eigenes soziales Netzwerk aufgesetzt, das inzwischen das populärste im Land ist.”

    und unter der Kontrolle der Regierung steht?

  2. Ute Demuth sagt:

    Guten Tag Marina,
    ja, go.vn ist ein staatliches Netzwerk, anmelden muss man sich mit Namen und einer Personalausweisnummer bzw. Identifikationsnummer. Zu den Nutzerzahlen habe ich nur wenige konkrete Hinweise gefunden (im Zeitungsartikel stehen gar keine), eine Meldung von Ende Februar sagt, dass es etwa 3 Millionen Mitglieder mit steigender Tendenz gibt.
    In den unten stehenden Artikeln gibts weiterführende Informationen:

    http://blog.zdf.de/hyperland/2010/11/der-digitale-widerspruch-der-v.html
    http://www.freitag.de/alltag/1041-netzgeschichten

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