ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks
Webschau März 2011
In der jetzt monatlich erscheinenden Webschau haben wir diesmal folgende Themen für Sie aus dem Netz gefischt: Protest in Nordafrika, Bürgerbeteiligung in Deutschland, die Wechselwirkung zwischen Internet und Politik und schließlich: Wie Algorithmen das Baden im eigenen Meinungssaft fördern.
Lesetipp
Vorgefiltertes Web: Die ganze Welt ist meiner Meinung
Bei Facebook, Google oder Amazon entscheidet Software, was der Nutzer zu sehen bekommt und was nicht. Nur wenigen ist bewusst, wie stark Algorithmen inzwischen unser Bild von der Wirklichkeit bestimmen – was nicht passt, schluckt der Filter. (Artikel auf spiegel.de)
#meinungsbildung #filter
Kurzmeldungen
Das Internet und die Proteste in Ägypten
Protestierende in Ägypten sprayen “twitter” und “facebook” an Hausmauern: Wie bedeutend war das Internet beim Volksaufstand in Ägypten? Das Ergebnis: Gerade vor den Protesten entfaltete das Netz eine Wirkung, die viele Menschen zum Handeln ermutigte. (Eine Zusammenstellung von politik-digital.de)
#aegypten #proteste #internet
Internet-Abschaltung: Libyen hat von Ägypten gelernt
Libyen ist, wie vor einigen Wochen Ägypten, seit Tagen vom Internet abgeschottet. Doch hat dies während der laufenden Aufstände in dem arabischen Land international viel weniger Aufsehen erregt. (Meldung auf heise.de)
#aegypten #libyen #internetabschaltung
Datenschutz: Facebook spricht Klartext
“Wir erhalten Daten immer dann, wenn du ein Spiel, eine Anwendung oder Webseite nutzt, welche/s die Facebook-Plattform verwendet, oder wenn du eine Webseite besuchst, auf der eine Facebook-Funktion vorhanden ist.” (Meldung auf heise.de)
#facebook #datenschutz
Aufbruch in die Diaspora
Das quelloffene und datenschutzfreundliche Facebook-Alternativprojekt Diaspora im Praxistest: “Anders als bei Facebook und der Konkurrenz kann man verschiedene soziale Kreise leicht voneinander trennen.” (Meldung auf heise.de)
#diaspora #datenschutz
Hier tagt der 18. Sachverständige der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft”!
Neue Formen der Beteiligung: Alle Bürger/innen sind eingeladen als “18. Sachverständiger” ihr Wissen und ihre Vorstellungen über gute Internetnutzung einzubringen. (enquetebeteiligung.de)
#eidg #bürgerbeteiligung
Vorratsdatenspeicherung: Selbstversuch eines Politikers
Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen, hat die ihm vom Mobilfunkbetreiber T-Mobile ausgehändigten Vorratsdaten in einer interaktiven Karte visualisieren und auf Zeit online veröffentlichen lassen. (Artikel auf zeit.de)
#vorratsdatenspeicherung #visualisierung
Der Studien-Rückblick 2010
Überblick über die wichtigsten Social Media Studien des Jahres 2010 u.a. zu den Themen: Jugend, Senioren, Politik/Governance und Nutzungsverhalten. (Artikel beim ikosom-Institut für Kommunikation in sozialen Medien)
#studien #sozialemedien
Welchen Einfluss hat das Netz auf die Politik?
Karl-Theodor zu Guttenbergs Rücktritt wird auch intensiv unter dem Aspekt der Macht des Internet diskutiert: In einem Wiki hatten Netznutzer/innen in gemeinsamer Arbeit die Dissertation des Ex-Ministers untersucht. Er ist der erste Minister, den das Internet gestürzt hat, sagt Robin Meyer-Lucht auf carta.de. Markus Beckedahl setzt ein Fragezeichen hinter die These: Das Netz hat nur das fortgeführt, was die traditionellen Medien ans Licht gebracht haben und viel spannender ist es, das Wechselspiel zwischen vierter und fünfter Gewalt anzuschauen: “Denn wir sehen eine gewachsene vernetzte neue Öffentlichkeit, wo das Internet nicht mehr wegzudenken ist. Und wir sehen hier auch das große Ende einer unsäglichen Debatte ‘Blogs vs. Journalisten’, wo selbst den letzten Journalisten aufgefallen sein sollte, dass sich beide Gruppen sehr gut ergänzen.”
Welchen Einfluss hat die Politik auf das Netz?
Das wird in in deutschen Medien regelmäßig in Zusammenhang mit neuen Gesetzesvorhaben (z.B. der Vorratsdatenspeicherung) oder auch immer wieder im Rahmen der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” (s.o.) diskutiert, ohne auch nur annähernd ein so großes Medienecho hervorzurufen wie die umgekehrte Frage.
Der “Welttag gegen Internetzensur” soll Anlass sein, über die Grenzen zu schauen. Die Ereignisse in Nordafrika zeigen, wie sich der Umgang mit dem Netz wandelt: Evgeny Morozov stellt in der Süddeutschen Zeitung (12./13.03.11, Seite 13) die These auf, dass nicht Zensur oder das Abschalten des Internet (wie in Ägypten und Libyen geschehen) die wahre Gefahr für die Demokratie sei, sondern seine Beherrschung durch repressive Regime. Kritiker/innen werden nicht abgewürgt, sondern vorgeblich eingebunden, soziale Netzwerke werden intensiv beobachtet, nicht abgeschaltet. Soziale Medien sind trotzdem “das größte Online-Problem”. In Vietnam hat die Regierung nach dem Facebook-Verbot ein eigenes soziales Netzwerk aufgesetzt, das inzwischen das populärste im Land ist. Abschließend appelliert Morozov an die Verantwortung der westlichen Demokratien. Unterdrückungsmechanismen würden von westlichen Firmen und Beratern auf den neuesten Stand gebracht: “Ob diese neue Ära der internetgetriebenen Demokratisierung wirklich andauert, hängt deswegen nicht zuletzt davon ab, ob wir lernen, die raffinierten Methoden auszuhebeln, mit denen diese Bewegungen erstickt werden.”
#guttenberg #beckedahl #meyer-lucht #internetundpolitik #internetzensur #evgenymorozov
| Dieser Artikel steht unter der CC-by-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Ute Demuth für pb21.de. |
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Ute Demuth am 14. März 2011 um 13:53 veröffentlicht und unter Webschau abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |




vor 2 Jahren
“In Vietnam hat die Regierung nach dem Facebook-Verbot ein eigenes soziales Netzwerk aufgesetzt, das inzwischen das populärste im Land ist.”
und unter der Kontrolle der Regierung steht?
vor 2 Jahren
Guten Tag Marina,
ja, go.vn ist ein staatliches Netzwerk, anmelden muss man sich mit Namen und einer Personalausweisnummer bzw. Identifikationsnummer. Zu den Nutzerzahlen habe ich nur wenige konkrete Hinweise gefunden (im Zeitungsartikel stehen gar keine), eine Meldung von Ende Februar sagt, dass es etwa 3 Millionen Mitglieder mit steigender Tendenz gibt.
In den unten stehenden Artikeln gibts weiterführende Informationen:
http://blog.zdf.de/hyperland/2010/11/der-digitale-widerspruch-der-v.html
http://www.freitag.de/alltag/1041-netzgeschichten